Die Parlamentswahl in den Niederlanden 2025 war eine vorgezogene Neuwahl der Zweiten Kammer der Generalstaaten, die am 29. Oktober 2025 stattfand.Niederlande: Vorgezogene Parlamentswahl am 29. Oktober. In: Deutschlandfunk. Deutschlandradio, 6. Juni 2025. Planmäßig sollte die Wahl im März 2028 stattfinden, wurde jedoch wegen des Rücktritts des Kabinetts Schoof am 3. Juni 2025 infolge einer Koalitionskrise in der Asylfrage vorgezogen. Gewählt wurden die 150 Abgeordneten der Zweiten Kammer.

Die von Geert Wilders geführte Partij voor de Vrijheid erreichte nur noch 16,7 % der Stimmen und lag damit knapp hinter der sozialliberalen Partei Democraten 66, die nach starken Verlusten 2023 nun wieder über zehn Prozentpunkte dazugewann und mit 16,9 % erstmals in ihrer Geschichte größte Partei wurde. Beide Parteien gewannen jeweils 26 Mandate. Die Volkspartij voor Vrijheid en Democratie verlor nur leicht an Stimmen und wurde erneut drittstärkste Kraft in der Zweiten Kammer. Das von Frans Timmermans geführte Wahlbündnis GroenLinks-PvdA verlor rund drei Prozentpunkte. Der CDA – 2023 noch großer Verlierer – konnte seinen Stimmenanteil mehr als verdreifachen und wurde fünftstärkste Partei. Die Partei JA21 konnte ihren Stimmenanteil grob verachtfachen. Dagegen stürzte der NSC – bei der vorherigen Wahl mit rund 13 Prozent der Stimmen noch viertstärkste Partei – auf nur noch 0,4 Prozent ab und schaffte nicht den Wiedereinzug. Keine Partei überschritt die 20-%-Marke.

Hintergrund Nach der letzten Parlamentswahl im Jahr 2023, bei der Geert Wilders’ Partij voor de Vrijheid (PVV) stärkste Partei geworden war, bildete sich nach längeren Verhandlungen aus den Parteien PVV, VVD, NSC und BBB das Kabinett Schoof. Wilders verzichtete zugunsten des parteilosen Dick Schoof auf den Posten des Premierministers, da sich hierfür keine parlamentarische Mehrheit fand, und wurde nicht Mitglied der Regierung.

Die Koalition zerbrach nach einer schweren internen Krise, die durch radikale Vorschläge der PVV zur Einwanderung ausgelöst worden war. Wilders hatte insbesondere gefordert:

die Aussetzung der Familienzusammenführung für Flüchtlinge im Land, den Einsatz des Militärs zur Überwachung der Landesgrenzen, die Einführung von Maßnahmen, die gegen europäisches und internationales Recht verstoßen.

Diese Forderungen wurden vom NSC und der BBB, die in diesen Fragen eine moderatere Haltung einnahmen, als inakzeptabel betrachtet.

Am Morgen des 3. Juni 2025 kündigte Wilders den Austritt seiner Partei aus der regierenden Vierparteienkoalition an. Als Begründung nannte er anhaltende Differenzen in der Asylpolitik. Er kritisierte, dass seine Forderungen nach einer restriktiveren Asylpolitik nicht umgesetzt worden seien.

Mit dem Austritt der PVV verlor die Koalition ihre Mehrheit. Wenige Stunden später reichte Schoof seinen Rücktritt bei König Willem-Alexander ein. Da die VVD, das Bündnis GL/PvdA, SP, DENK und die PvdD es ablehnten, eine neue Koalition zu bilden, wurde dies dem König mitgeteilt. Dadurch wurden Neuwahlen unausweichlich.

Folgetag Am 4. Juni 2025 debattierte die Zweite Kammer über den Rücktritt der Regierung und verabschiedete eine Resolution, in der die Regierung gebeten wurde, die Zweite Kammer möglichst schnell aufzulösen und eine Neuwahl anzusetzen.Protokoll der Sitzung der Zweiten Kammer vom 4. Juni 2025

Nach dem Sturz der Regierung und der Amtsübernahme durch das Interimskabinett wurde kurzfristig ein Ministerrat einberufen. In dieser Situation durften der Premierminister und die übrigen Minister nur Entscheidungen treffen, die als „dringend“ oder „nicht aufschiebbar“ galten. Eine dieser Entscheidungen betraf die Prüfung des Vorschlags des Wahlrats, die Parlamentswahlen auf den 29. Oktober 2025 festzulegen. In der Regel folgt der Ministerrat der Empfehlung des Wahlrats – eine etablierte, wenn auch nicht schriftlich fixierte Praxis. Auch in diesem Fall war es nicht anders: Das Interimskabinett übernahm den Vorschlag des Wahlrats.

Fusion von GroenLinks und PvdA Am 12. Juni 2025 wurde bekannt, dass die grüne Partei GroenLinks und die sozialdemokratische Partij van de Arbeid (PvdA) im Vorfeld der Wahl eine Fusion beschlossen haben. Die Mitglieder beider Parteien stimmten dem Vorschlag mit großer Mehrheit zu (GroenLinks: 89 %, PvdA: 88 %). Die formelle Vereinigung wird aus verfahrensrechtlichen Gründen jedoch erst nach der Wahl erfolgen. Bereits zuvor traten beide Parteien als rot-grünes Bündnis gemeinsam auf und planten auch zur Wahl 2025 erneut eine gemeinsame Liste, wieder unter Spitzenkandidat Frans Timmermans.

Weitere Ereignisse Rücktritt des Außenministers und Austritt des NSC Am 22. August 2025 trat Außenminister Caspar Veldkamp, Nieuw Sociaal Contract (NSC), zurück, nachdem eine Kabinettssitzung die von ihm vorgeschlagenen weitergehenden Sanktionen gegen Israel nicht hatte mittragen wollen. Veldkamp erklärte, er sei nicht in der Lage, „bedeutsame zusätzliche Maßnahmen“ zu ergreifen oder innerhalb der kommenden Monate etwas daran zu ändern. Unmittelbar darauf verließen sämtliche Minister und Staatssekretäre seiner Partei NSC die geschäftsführende Regierung.

Organisation mini|Wahlplakate in Zoetermeer Wahlrecht

Bei der Wahl hatte jeder Wähler eine Stimme. Die 150 Sitze in der Zweiten Kammer wurden gemäß den landesweiten Stimmenzahlen nach dem D’Hondt-Verfahren proportional auf die Parteien verteilt. An der Sitzverteilung nahmen alle Parteien teil, die mindestens 1/150 der Stimmen (ca. 0,67 %) erhielten.

Teilnehmende Parteien 27 Parteien nahmen an der Wahl teil, davon 18 in allen 20 Wahlkreisen:

Liste Partei Kürzel Listenführer Politische Ausrichtung Ergebnis 2023 Wahlkreise Stimmen Sitze 1 PVV Geert Wilders Nationalismus; Rechtspopulismus 23,5 % 37 20 2 GL/PvdA Frans Timmermans Sozialdemokratie; Grüne Politik 15,8 % 25 20 3 VVD Dilan Yeşilgöz Konservativer Liberalismus 15,2 % 24 20 4 NSC Eddy van Hijum Christdemokratie 12,9 % 20 20 5 D66 Rob Jetten Sozialliberalismus 6,3 % 9 20 6 BBB Caroline van der Plas Agrarismus; Rechtspopulismus 4,7 % 7 20 7 CDA Henri Bontenbal Christdemokratie 3,3 % 5 20 8 SP Jimmy Dijk Demokratischer Sozialismus; Linkspopulismus 3,2 % 5 20 9 DENK Stephan van Baarle Interessen von Minderheiten 2,4 % 3 20 10 PvdD Esther Ouwehand Tierrechte; Umweltschutz 2,3 % 3 20 11 FvD Lidewij de Vos Nationalkonservatismus; Rechtspopulismus 2,2 % 3 20 12 SGP Chris Stoffer Christliche Rechte 2,1 % 3 20 13 CU Mirjam Bikker Christdemokratie 2,0 % 3 20 14 Volt Laurens Dassen Sozialliberalismus; Europäischer Föderalismus 1,7 % 3 20 15 JA21 Joost Eerdmans Konservativer Liberalismus; Rechtspopulismus 0,7 % 1 20 16 VvD Pascale Plusquin Tierrechte; Pazifismus — 20 17 BVNL Wybren van Haga Klassischer Liberalismus; Rechtspopulismus 0,5 % 0 20 18 BIJ1 Tofik Dibi Sozialismus; Antirassismus 0,4 % 0 20 19 LP Tom van Lamoen Libertarismus 0,04 % 0 19 (alle außer BES) 20 50+ Jan Struijs Interessen der Senioren 0,5 % 0 19 (alle außer BES) 21 PPNL Matthijs Pontier Piratenpolitik 0,1 % 0 18 22 FNP Aant Jelle Soepboer Regionalismus; friesische Interessen — 16 23 VV Bart Burggraaf Klassischer Liberalismus — 13 24 DL Gerard van Hooft Rechtspopulismus — 10 25 NLPLAN Kok Chan Basisdemokratie/Partizipativ 0,05 % 0 9 26 ELLECT Joana Amoah — 5 27 PVdR Danielle Tulp — 2

Umfragen Umfragen in den Niederlanden werden von den Meinungsforschungsinstituten in der Anzahl der Sitze für die Partei, die ihr nach dem prozentualen Ergebnis zustünden, angegeben, oft zusätzlich mit prozentualen Werten.

Sitze Institut Datum Wahl 2025 2620220 264183337331920Ipsos I&O28. Okt. 2025 23 23171 2351943463321130Verian28. Okt. 2025 2925160243195326332820Ipsos I&O25. Okt. 2025 26231602242043453331220Peil.nl24. Okt. 2025 2924200174224436322910Verian21. Okt. 2025 34251501622343343231210Peil.nlhttps://wnl.tv/2025/10/17/nieuwste-peiling-maurice-de-hond-pvv-levert-drie-zetels-in-flinke-stijging-voor-d6617. Okt. 2025 28241601742444363321110Ipsos I&O15. Okt. 2025 29221401842543443331220Verian14. Okt. 2025 31251401442342353341320Peil.nlhttps://home.noties.nl/peil/10. Okt. 2025 31251501442244353331310Ipsos I&O6. Okt. 2025 31221301442444544241320Peil.nl3. Okt. 2025 30271301242364353https://home.noties.nl/peil/331310Verian30. Sep. 2025 34231401132373444441110Ipsos I&O29. Sep. 2025 31231401552544443241110Peil.nl26. Sep. 2025 29271501142364353331310Peil.nl19. Sep. 2025 29261601242274353331210Ipsos I&O15. Sep. 2025 32231401342464443331210Peil.nl6. Sep. 2025 28 281501062474353331100Ipsos I&O1. Sep. 2025 3123151116256463334900Verian26. Aug. 2025 3326150104227444354900Ankündigung22. Aug. 2025Außenminister Veldkamp sowie alle Minister und Staatssekretäre des NSC treten aus der Regierung aus.Peil.nl 28 28160116248444433700Ipsos I&O 2724201124246463444700Verian 3029231102237244332700Peil.nlhttps://home.noties.nl/peil/ 2927190105218454433800Peil.nl 2928200942174444331000Peil.nl 302922083217444433800Ipsos I&O 3029242114215363333300AnkündigungNicolien van Vroonhoven verkündet, dass sie nicht als Spitzenkandidatin des NSC antritt.Verian 3325261103206453354200Peil.nl 313024182197444434500 Ipsos I&O 3026232124185385433400AnkündigungPVV verlässt die Regierung, das Kabinett Schoof bleibt geschäftsführend im Amt.Peil.nl 313025182187445434400Verian2828 302102188453333300 Ipsos I&O 2928261124176464333400Verian 2927281123186454353200 Wahl 2023 37 25 24 20 9 7 5 5 3 3 3 3 3 2 1 0 0

Verlauf mini|links|600px|Verlauf der Umfragewerte seit 2023

Weitere Umfragen +RTL Nieuws TV-Duell am 13. Oktober 2025InstitutDatumAusgangsfrageBefragteAntwortmöglichkeitJettenBontenbalYeşilgözTimmermansKeiner von allen gutAlle gleich gutWeiß ich nichtIpsos I&O 15. Oktober 2025 Unabhängig von Ihrer Stimme, wer hat Ihrer Meinung nach in dieser Debatte am besten abgeschnitten?496Debatte selbst gesehen 39 % 37 % 16 % 14 % 12 % 7 % 8 %988Nur über die Debatte gehört oder gelesen 17 % 13 % 5 % 8 % 12 % 5 % 52 %

+InstitutDatumBefragteAusgangsfrageAntwortmöglichkeitGesamt ProzentPVV-WählerGL-PvdA-WählerVVD-WählerNSC-WählerBBB-WählerEenVandaag 16.117Ist es gut oder schlecht, dass Wilders aus der Koalition austritt?„gute Sache“ 60 % 65 % 72 %41 % 56 %31 %„schlechte Sache“31 %29 %22 % 54 %37 % 63 %„weiß nicht / keine Meinung“9 %6 %6 %5 %7 %6 %

Ergebnis Gesamtergebnis

Das Ergebnis mit Stimmen aus dem Ausland: mini|hochkant=1.5|Stimmenstärkste Parteien nach Gemeinden

Ergebnis nach Provinzen Provinz Listen (%) Drenthe 14,0 18,9 14,6 11,9 12,9 5,5 6,2 5,1 0,5 1,0 1,4 2,4 2,3 1,7 0,7 1,1 Flevoland 13,9 19,1 13,7 10,7 9,4 5,8 6,0 3,0 3,6 4,5 1,8 2,6 1,9 1,5 0,8 1,8 Friesland 13,2 17,3 12,0 12,3 15,4 5,6 6,9 4,9 0,4 1,3 1,5 2,5 2,1 1,3 0,7 2,7 Gelderland 16,2 15,9 13,9 12,4 12,8 5,8 4,5 3,2 1,4 4,4 1,9 2,6 1,7 1,3 1,0 1,1 Groningen 16,8 16,4 11,2 16,6 11,1 3,8 5,0 3,6 0,7 1,1 2,5 3,1 4,4 1,2 1,2 1,3 Limburg 14,0 25,6 14,0 10,5 13,3 6,1 4,8 2,6 1,3 0,1 1,5 0,4 2,0 1,9 0,8 1,2 Noord-Brabant 17,8 19,1 16,7 10,1 13,0 6,7 4,0 2,4 1,8 0,5 1,5 0,6 1,9 1,8 1,0 1,1 Noord-Holland 20,4 13,2 15,3 16,7 8,1 5,3 4,2 2,2 3,4 0,4 3,1 1,0 2,0 1,3 1,4 1,9 Overijssel 13,9 16,6 13,0 9,9 15,7 6,3 5,3 4,9 1,3 3,3 1,3 3,3 1,7 1,3 0,9 1,3 Utrecht 20,4 11,9 13,7 15,8 11,3 5,1 3,4 1,6 3,2 2,9 2,7 2,7 1,5 1,1 1,6 1,3 Zeeland 12,0 17,6 13,6 9,1 13,3 6,1 5,2 3,1 0,8 10,1 1,3 2,7 1,7 1,6 0,6 1,0 Zuid-Holland 16,7 16,4 13,7 12,7 10,8 6,6 4,3 1,5 3,9 3,1 2,3 2,2 1,7 1,4 1,2 1,4 Karibische Niederlande 23,8 11,3 10,2 13,4 7,0 3,0 4,5 1,3 0,3 0,5 1,8 13,9 2,0 0,0 2,3 4,8

Nach der Wahl