mini|Muster von Jura-Marmor, Typ Jura-Gelb, poliert, Größe des Bildausschnittes ca. 8 × 12 cm. Das Stück zeigt einen Bereich ohne Makrofossilien, in dem allerdings zahlreiche Exemplare von Tubiphytes (bzw. Crescentiella) morronensis erkennbar sind (die etwas dunkleren, „wolkigen“ Bereiche mit den weißen Sprenkeln, vor allem links oben und rechts im Bild). mini|Anstehender Jura-Marmor in einem Steinbruch bei Weißenburg-Rothenstein Jura-Marmor, auch Jura oder Jurakalk bzw. Jura-Kalkstein genannt, ist der Handelsname eines hellgelben bis blaugrauen fossilreichen Kalksteins aus dem oberen Weißjura der Fränkischen Alb im Raum Eichstätt, Treuchtlingen und Petersbuch-Erkertshofen.Friedrich Müller: INSK kompakt. Die aktuelle Naturwerksteinkartei für den aktuellen Markt. Blatt 69.1 und 67.5. Ebner Verlag Ulm. 1. Auflage 1997. Frühere Abbaugebiete des Jura-Marmors lagen neben Treuchtlingen auch bei Pappenheim – er wird deswegen auch Treuchtlinger Marmor genannt. Heute (2010) wird dieser Naturstein extensiv im Raum Titting und Kaldorf abgebaut.

Das Abbaugebiet des Jura-Marmors dürfte das größte aktive Abbaugebiet für Naturstein in der Bundesrepublik sein. Das Gestein tritt in den Steinbrüchen mittel- bis dickbankig auf.

Geologie mini|Ein nahezu kompletter Längsschnitt eines Belemniten mitsamt dem Phragmokon in der Jura-Gelb-Fassade der Kopenhagener Oper. mini|Längsschnitt eines Ammoniten (einige Kammern mit spätigem Calcit verfüllt) in der Jura-Gelb-Fassade der Kopenhagener Oper; Durchmesser ca. 15 cm. Der Name Jura-Marmor ist eine Handelsbezeichnung, deren Namensbestandteil Marmor aus petrographischer (gesteinskundlicher) Sicht unzutreffend ist. Petrographisch handelt es sich um einen fossil­reichen Kalkstein (genauer: „einen Bioklasten-reichen tuberolithischen Schwamm-Biostrom-Kalk“Birgit Niebuhr, Thomas Pürner: Plattenkalk und Frankendolomit – Lithostratigraphie der Weißjura-Gruppe der Frankenalb (außeralpiner Oberjura, Bayern). Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften, Nr. 83. Schweizerbart (in Kommission), Hannover 2014, ISBN 978-3-510-49232-9 (Abstract)) mit feinkörniger Matrix. Im Natursteingewerbe werden alle mit Kleesalz polierbaren Carbonat­gesteine „Marmore“ genannt. Allerdings ist auch die Bezeichnung Jura-Kalkstein aus geologischer Sicht uneindeutig, da sie für jeden Kalkstein, der im Zeitalter des Jura entstanden ist, stehen kann. In geologischer Fachliteratur wird der Naturwerkstein oft unter der Bezeichnung „Treuchtlinger Marmor“ (mit oder ohne Anführungszeichen) erwähnt. Weitere Sortenbezeichnungen stammen von den Steinbrucharbeitern, die sie nach ihrem Erscheinungsbild prägten.Uwe Knoblauch, Roman Koch: Mikrofazies und Tonmineral-Stratigraphie im Bereich der Unteren und Oberen Mergelplatten (Bayern, Südliche Frankenalb; Kimmeridge 2.1 und 2.2; Malm Delta 1 und 2). In: Geologische Blätter, Jg. 70 (2022), Ausgabe 4, S. 165–202, hier S. 172.

Lithostratigraphisch bilden die im Mittel 1 m mächtigen Bänke des Jura-Marmors (Lokalbezeichnung „Farbschichten“) zusammen mit den Mergel­lagen, durch die sie voneinander getrennt sind, die Petersbuch-Subformation der Treuchtlingen-Formation des Weißjura der Fränkischen Alb. Ihr Alter ist daher bei ca. 155 Millionen Jahren (Kimmeridgium, Oberjura)Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.; Koordination und Gestaltung: Manfred Menning, Andreas Hendrich): Stratigraphische Tabelle von Deutschland 2016. Deutsches GeoForschungsZentrum, Potsdam 2016, ISBN 978-3-9816597-7-1 (online) anzusetzen. Die Mächtigkeit des nutzbaren Vorkommens innerhalb des Weißjura beträgt ca. 50 m.

Häufig vorkommende, mit bloßem Auge (makroskopisch) sichtbare Fossilien sind Kieselschwämme, Ammoniten und Belemniten. Ebenfalls augenfällig sind Massenvorkommen des systematisch unsicher einzustufenden Mikrofossils Tubiphytes (oder Crescentiella) morronensis, die sich auf polierten Anschnitten in Form dunklerer, „wolkiger“ Bereiche mit charakteristischer weißer Sprenkelung äußern.Baba Senowbari-Daryan, Ioan I. Bucur, Felix Schlagintweit, Emanoil Săsăran, Jacek Matyszkiewicz: Crescentiella, a new name for “Tubiphytes” morronensis CRESCENTI, 1969: an enigmatic Jurassic – Cretaceous microfossil. Geologia Croatica. Bd. 61, Nr. 2–3, 2008, S. 185–214, (online); Anmerkung: In dieser Arbeit ist mit Bezug auf süddeutsche Vorkommen bisweilen von „Plattenkalk“ die Rede (z. B. in der Bildunterschrift zu Abb. 1), jedoch geht aus den Angaben im Abschnitt „Material and Methods“ (S. 186) relativ klar hervor, dass aus Deutschland ausschließlich Proben aus „Treuchtlinger Marmor“ untersucht wurden. Die dichte Matrix des Gesteins wurde von Mikroorganismen erzeugt (daher als Mikrobialith bezeichnet), jedoch wahrscheinlich nicht vorwiegend, wie es in der Literatur mitunter angedeutet wird, durch Kolonien von einzelligen Algen und/oder Cyanobakterien („Blaualgen“).Helmut Keupp, Angela Jenisch, Regina Herrmann, Fritz Neuweiler, Joachim Reitner: Microbial Carbonate Crusts – a Key to the Environmental Analysis of Fossil Spongiolites? Facies. Bd. 29, Nr. 1, 1993, S. 21–54, doi:10.1007/BF02536916 (alternativer Volltextzugriff: GoeScholar); siehe auch darin zitierte Literatur. Zwar weist die Matrix eine teils thrombolithische, teils stromatolithische Mikrostruktur auf, die typisch für Kalkkrusten von (Blau-)Algenmatten sind, jedoch muss aufgrund palökologischer Überlegungen angenommen werden, dass der Jura-Marmor, unter anderem wegen der deutlichen Dominanz von Schwämmen gegenüber riffbauenden Korallen, in relativ tiefem Wasser, unterhalb von mindestens 50 Metern, unter lichtarmen Verhältnissen gebildet wurde. Der Nachweis sogenannter kryptischer Mikrobialithe, d. h. unter lichtarmen Bedingungen in Kavernen rezenter Korallenriffe mikrobial gebildeter Kalkkrusten, mit sehr ähnlicher Mikrostruktur und Isotopenkomposition (δ18O, δ13C) stützt diese These. Die gräulichen Varianten des Jura-Marmors enthalten Pyrit, teils in Form von makroskopisch sichtbaren, typisch goldglänzenden Einschlüssen – in den gelblichen Varianten ist der Pyrit zu „Limonit“ oxydiert.

Jura-Marmor ist nicht mit dem Solnhofener Plattenkalk zu verwechseln, der geologisch nur wenig jünger ist und in der gleichen Region verbreitet ist. Solnhofener Plattenkalk ist ein in dünne Platten spaltbarer, sehr feinkörniger Kalkstein, der besonders durch seine detailreich erhaltenen Fossilien – speziell durch Wirbeltier­fossilien und den „Urvogel“ Archaeopteryx – und seine Eignung als Druckplatte in der Lithografie (Steindruck) bekannt ist. Jura-Marmor ist unter anderen Umweltbedingungen entstanden, weist deshalb eine anders zusammengesetzte Fossilfauna und -erhaltung auf und kann auch nicht in dünne Platten gespalten werden.

Daneben werden noch zwei weitere oberjurassische Karbonatgesteine entlang der Altmühl im Gebiet der Südlichen Frankenalb gebrochen, die ebenfalls seit langer Zeit als Werkstein in der Architektur Verwendung finden: Wachenzeller Dolomit und Kelheimer Kalkstein.

Abbau- und Nutzungsgeschichte

Seit den Anfängen der menschlichen Besiedlung wird Jura-Marmor als Baustoff verwendet. Da der Jura-Marmor leicht abgebaut und für Burgen und Steinhäuser verwendet werden kann, wurden in der Nähe der Steinbrüche Siedlungen angelegt. Zu Beginn der Nutzungsgeschichte wurde der Stein selten für die Ausgestaltung von Innenräumen eingesetzt. Erst die Technik des Polierens der Oberflächen mit Kleesalz führte zur verstärkten Verwendung von Jurakalk etwa in Sakralbauten für Säulen oder Altäre.

Es wird angenommen, dass der erstmalige großflächige Abbau von Jura-Marmor beim Bau der Willibaldsburg (1351–1365) stattfand. Ende des 18. Jahrhunderts waren auf Karten von Eichstätt Steinbrüche im Stadtgebiet eingezeichnet. Historische und moderne Bildhauer schufen Bildwerke aus dem Material. Im Eichstätter Dom befinden sich Bildwerke und gestaltete Werksteine von europäischem Rang. Ein erster Beleg für einen Steinbruchbetrieb findet sich in einem Vertrag von Leo von Klenze mit dem Eichstätter Steinbruchbesitzer und Steinmetzmeister Anton Wagner für den Bau der Regensburger Walhalla aus dem Jahre 1825.

Als die Treuchtlinger Marmorwerke AG im Jahr 1911 gegründet wurde, begann der industrielle Abbau des Jura-Marmors für Brückenbauten, Denkmäler, Futtertröge, Zaunpfosten und Pflastersteine. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 wirkte sich auch in der Steinindustrie in sinkenden Absätzen und Freisetzung von Arbeitskräften aus. Bis 1939 folgte ein Aufschwung mit Lieferungen für Monumentalbauten der Nationalsozialisten, wie den Bauten auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände. Nach Unterbrechungen während des Zweiten Weltkriegs begannen Firmen, die früher vor allem Solnhofener Plattenkalk verarbeiteten, auch mit dem Abbau von Jura-Marmor. Die Steinbruchgebiete in Petersbuch-Erkersthofen wurden Mitte der 1950er Jahre erschlossen und später diejenigen im Gemeindegebiet von Titting.

Die erste Rezession der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik in den Jahren 1966/1967 führte zu einem Rückgang der Umsätze von Naturstein. Im darauf folgenden Bauboom gegen Ende der 1960er Jahre prosperierten die steinverarbeitenden Betriebe im Juragebiet wieder. Ab Mitte der 1970er Jahre standen sie jedoch zunehmend in Konkurrenz mit der italienischen Steinindustrie, die mit Marmor auf dem bundesdeutschen Markt erfolgreich war. Durch den Zusammenbruch des sozialistischen Lagers und der Verwendung für Großprojekte in arabischen Ländern, vor allem in Saudi-Arabien, ergab sich in den 1990er Jahren wieder ein Aufschwung. Im Zuge der globalisierten Wirtschaft stellte sich eine verstärkte Konkurrenz aus Indien und China ein, die speziell aufgrund der während der Finanzkrise ab 2008 nachlassenden Exportnachfrage wieder zu wirtschaftlichen Problemen der steinverarbeitenden Betriebe führte.Die Wirtschaftsgeschichte von Solnhofener Platten und Jura-Marmor auf solnhofen-fossilienatlas.de. Abgerufen am 17. Juli 2010.

Eigenschaften Farbvarietäten Die bekannteste Variante des Jura-Marmors ist Jura-Gelb (auch in der Variante gebändert). Die gelbe Farbe kommt durch den Anteil an Limonit zustande. Die zweithäufigste Variante ist Jura-Grau (graublau). Jura-Bunt (graugelb gemischt) stammt aus Grenzflächen von Gesteinsbänken der grauen und gelben Varietäten. Seltenere Farben sind Rotbraun, Jura-Nussbraun, eine eher bräunliche Variante, und Jura-Rahmweiß, die aus einer hellgelben Zone gewonnen wird. Sogenannter Jura-Travertin entsteht, indem das Gestein gegen das Lager aufgesägt wird und dann eine leicht gebänderte Struktur, vereinzelt mit Stylolithen, zeigt, die lediglich optisch dem Travertin ähnelt, jedoch keiner ist.

Physikalische Eigenschaften Mit einem Härtegrad von 3 bis 3,5 nach der Mohs’schen Härteskala gehört der Jura-Marmor zu den Weichgesteinen. Die Dichte liegt durchschnittlich bei 2,5 kg/dm³, die Druckfestigkeit bei 125 N/mm², die Biegefestigkeit bei 11,5 N/mm², die Wasseraufnahme bei 1,8 Gew.-%, der Abriebwiderstand nach DIN EN 14157/B nach Böhme bei 18 cm³/50 cm² bzw. nach Capon bei 20 mm und die Wärmeleitfähigkeit λ bei 2,3 W/mk. Aus der vergleichsweise hohen Dichte resultiert eine gute Polierbarkeit. Altmühltaler Kalksteine e. V. – Industrievereinigung. Abgerufen am 31. März 2019.

Verwendung Jura-Marmor wird in großem Umfang als Werkstein im Innenbereich sowie gelegentlich auch an der Fassade verwendet. Fußbodenplatten werden üblicherweise mit bis zu 100 cm Seitenlänge gefertigt, Fensterbänke bis 300 cm. Die Plattendicke beträgt meist zwischen 10 und 50 mm. Die Oberfläche wird als diamantgesägt, geschliffen, poliert, scharriert, gestockt, sandgestrahlt, geriffelt oder „antikisiert“ angeboten.

Innenbereiche