Die Pfalzgraf-Johann-Kaserne war eine Garnison der deutschen Bundeswehr in der bayerischen Stadt Neunburg vorm Wald. Sie umfasste eine Fläche von 33 Hektar. Benannt wurde sie nach dem 1383 in Neunburg vorm Wald geborenen Pfalzgraf Johann. Sie wurde 1963 fertiggestellt und diente vorwiegend zur Unterbringung von Einheiten der Artillerie-, Panzerjäger- und der Panzertruppe. 2007 gab die Bundeswehr ihre Nutzung auf. Nach dem Verkauf des Kasernengrundstücks 2008 entstand durch Konversion aus der Militäranlage der Gewerbepark Plattenberg.

Bau und Stationierungsgeschichte mini|Johann von Pfalz-Neumarkt, Namensgeber der Kaserne mini|Stabs- und Unterkunftsgebäude sowie Hubschrauberlandeplatz, 1982 Die 1955 neu gegründete Bundeswehr benötigte für die Unterbringung ihrer Verbände und Einheiten Truppenunterkünfte. Dabei wurden zum einen von ehemaligen alliierten Besatzungstruppen freigemachte Kasernen übernommen. Zum anderen beendete der Bund zivile Nutzungen von Garnisonen, die noch in seinem Eigentum standen. Diese Maßnahmen allein reichten jedoch nicht aus, um den Bedarf zu decken. Daher musste der Bund weitere Kasernen neu errichten und ermöglichte es Kommunen, sich für die Stationierung der Bundeswehr zu bewerben. 1957 fanden erste Beratungen zur Schaffung einer Bundeswehrgarnison in Neunburg vorm Wald zwischen Vertretern der Stadt, des Landkreises und des Bundesverteidigungsministeriums statt. Für die Kasernenanlage wurde ein Gelände westlich von Neunburg vorm Wald ausgewählt. 1961 begannen die Bauarbeiten. Das Richtfest wurde am 27. Juni 1962 gefeiert. Am 5. März 1963 zogen die ersten 56 Soldaten des Panzerbataillons 114 ein. Am 1. April 1963 folgte das Feldartilleriebataillon 115. Die Einweihung der Kaserne und Verleihung des Namens „Pfalzgraf-Johann-Kaserne“ erfolgte am 9. Juni 1963.

Im Zuge der Einnahme der Heeresstruktur 3 erfolgten 1970/71 am Standort Umgliederungen des Feldartilleriebataillons 115 zu einem Panzerartilleriebataillon sowie des Panzerbataillons 114 zu einem Panzerjägerbataillon. In Vorbereitung auf die Heeresstruktur 4 wurde die Kaserne erweitert. Für diese Neubauten, darunter eine Instandsetzungshalle, fand am 29. Mai 1979 das Richtfest statt. Im Mai 1980 konnte das neue Stabs- und Lehrsaalgebäude bezogen werden. Es bezogen Teile eines neuen, teilgekaderten Panzergrenadierbataillons und eine Panzerjägerkompanie die Kaserne. Das Panzerjägerbataillon 114 gliederte wieder in ein Panzerbataillon zurück, nachdem sich die Stärkung der Jägerkomponente in der Bundeswehr nicht bewährt hatte.

Im November 1989 erfolgte die Unterbringung von Bürgern aus der DDR in einer Sporthalle der Kaserne. Mit dem Ende des Kalten Krieges, dem Zwei-plus-Vier-Vertrag und der Deutschen Wiedervereinigung musste die Bundeswehr verringert werden. Am Standort lösten sich deshalb 1992 das Panzerbataillon 114 und Teile des Panzergrenadierbataillons 111 auf. 1997 wurde die Panzerjägerkompanie außer Dienst gestellt.

Am 11. Januar 1999 verlegte die VII. Inspektion der Heeresunteroffizierschule Weiden nach Neunburg vorm Wald. Das Stationierungskonzept der Bundeswehr von 2001 sah für Neunburg vorm Wald noch 605 Dienstposten vor. Am 27. April 2004 fand die Einweihung des neuen Offizierskasinos statt. Doch im November 2004 entschied sich Bundesverteidigungsminister Peter Struck gegen den Erhalt des 750 Dienstposten umfassenden Standortes.

Folgende Einheiten, Verbände, Dienststellen und Stäbe waren in der Pfalzgraf-Johann-Kaserne stationiert:

Einheit Stationierung ab Herkunft Stationierung bis Verbleib Panzerbataillon 1145. März 1963verlegt nach Aufstellung am 1. September 1962 in Kümmersbruck, Schweppermann-Kaserne und Zwischenstationierung ab 7. Januar 1963 in Hohenfels, Truppenübungsplatz30. September 1970in Panzerjägerbataillon 114 umgegliedertFeldartilleriebataillon 1151. April 1963verlegt nach Aufstellung am 16. Februar 1959 in Weiden in der Oberpfalz, Metzer Kaserne und Zwischenstationierung ab 1. Juli 1959 in Roding, Arnulf-KasernePeter Stingl: Weiden und seine Garnison, in: Beiträge zur Heimatkunde der Oberpfalz: Oberpfälzer Heimat, 65 Band, 2021. Herausgegeben vom Heimatkundlichen Arbeitskreis im Oberpfälzer Waldverein, Weiden 2020, S. 77–80.30. September 1971in Panzerartilleriebataillon 115 umgegliedertAusbildungskompanie 12/426. September 19631. April 1970in Feldartilleriebataillon 115 als 4. Kompanie eingegliedertPanzerjägerbataillon 1141. Oktober 1970aus Panzerbataillon 11431. März 1981in Panzerbataillon 114 umgegliedertMaterialausstattung Sanitätsbereich 62/101. Juli 1972neu aufgestellt30. September 1998aufgelöstZahnstation (Terr) H 6371. Juli 1973neu aufgestellt31. März 1981in Zahnarztgruppe 616/3 umbenanntPanzerjägerkompanie 1101. Juli 1980neu aufgestellt31. März 1997aufgelöstPanzerbataillon 1141. April 1981aus Panzerjägerbataillon 11430. September 1992aufgelöst1./Panzergrenadierbataillon 111 TE 371. April 1981neu aufgestellt30. September 1992aufgelöst4./Panzergrenadierbataillon 1111. April 1981neu aufgestellt30. September 1992aufgelöstKasernenfeldwebel mit Standortaufgaben Neunburg vorm Wald1. April 1981neu aufgestellt30. September 1994in Kasernenfeldwebel Neunburg vorm Wald umbenanntZahnarztgruppe 616/31. April 1981aus Zahnstation (Terr) H 63731. Dezember 1998aufgelöstFahrschulgruppe Neunburg vorm Wald1. Januar 1986neu aufgestellt31. März 1994aufgelöstKasernenfeldwebel Neunburg vorm Wald1. Oktober 1994aus Kasernenfeldwebel mit Standortaufgaben Neunburg vorm Wald31. März 1999aufgelöstStandortsanitätszentrum Neunburg vorm Wald1. Oktober 1998neu aufgestelltaufgelöstVII. Inspektion der Heeresunteroffizierschule Weiden11. Januar 1999verlegt aus Weiden, Ostmark-KaserneaufgelöstTruppenarzt Neunburg vorm Wald1. November 1999neu aufgestellt31. März 2005aufgelöstPanzerartilleriebataillon 355 (Geräteeinheit)1. Oktober 2002verlegt nach Aufstellung am 16. Oktober 1967 in Mellrichstadt, Hainberg-Kaserne, Zwischenverlegung am 1. April 1971 nach Wildflecken, Rhön-Kaserne, sowie Umwandlung zum 1. Oktober 2002 in eine Geräteeinheit30. Juni 2007verlegt nach Pfreimd, Oberpfalz-Kaserne, dort zum 31. Oktober 2008 aufgelöstStandortfernmeldeanlage 627/303neu aufgestelltaufgelöst

Die letzten Soldaten verließen am 28. Juni 2007 die Kaserne. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übernahm die Anlage zum 1. Oktober 2007.

Konversion Im November 2005 vergab der Stadtrat von Neunburg vorm Wald den Auftrag zur Erarbeitung eines marktorientierten Entwicklungskonzeptes für eine zivile Nachnutzung des Kasernenareals. Es wurden sechs Nachnutzungsszenarien untersucht. Dazu gehörten die Konversion zu einem Freizeitpark, zu einem Gewerbegebiet mit Verkauf am Ort der Produktion, zu einem Wohngebiet, zu einer Justizvollzugsanstalt, zu einem Jugend-Ausbildungszentrum oder zu einem Bildungszentrum für Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen. Im Ergebnis wurde eine gewerbliche Nutzung zusammen mit Bildungs- und Freizeiteinrichtungen empfohlen. Das Konzept wurde im Juni 2008 der Stadt übergeben. Bereits im Frühjahr 2007 hatte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ein Bieterverfahren durchgeführt, in dem jedoch lediglich Interessenbekundungen für Teilflächen eingingen. Dies änderte sich jedoch 2008, als ein Kaufgesuch für das gesamte Areal vorgelegt wurde. Am 23. Dezember 2008 erwarb ein Investor mit einer eigens durch Gesellschaftsvertrag vom 16. Dezember 2008 gegründeten Gesellschaft das gesamte Grundstück vom Bund, um eine gewerbliche Nutzung mit einem Logistikzentrum auf dem ehemaligen Militärgelände umzusetzen. Im Rahmen eines Durchführungsvertrages verpflichtete sich das Unternehmen, mindestens 5,2 Millionen Euro zu investieren und 210 Arbeitsplätze zu schaffen.

Die Stadt Neunburg vorm Wald fasste am 28. Mai 2009 den Aufstellungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan mit integrierter Grünordnung für den Gewerbepark Am Plattenberg. Am 24. Februar 2011 beschloss die Stadt den Plan als Satzung, die am 14. Juli 2011 in Kraft trat. Der Bebauungsplan legte für den ehemaligen Hauptzufahrtsbereich der Kaserne sowie für das Offiziersheim zwei Mischgebiete fest. Das übrige Gelände wurde mit 9 Gewerbegebietsflächen überplant.

Es entstanden ein Hotel- und Gastronomiebetrieb. Der Hauptinvestor, ein Autovermietungsunternehmen, errichtete eine Lackiererei und baute ein Gebäude zur Auktionshalle um. Zwei Unterkunftsgebäude mussten zusätzlichen Stellplätzen weichen. Vorwiegend gebrauchte Mietfahrzeuge durchliefen eine Überprüfung, Wartung und Instandsetzung, um weiterveräußert zu werden. Bis zu 235 Beschäftigte waren in der ehemaligen Kaserne tätig.

Durch den Bürgerkrieg in Syrien sowie weiteren Konflikten stieg bereits 2014 die Zahl der Flüchtlinge nach Deutschland. Bereits im Vorfeld der Flüchtlingskrise in Europa 2015/2016 wurde die Aufnahme von Flüchtlingen in der ehemaligen Kaserne in Neunburg vorm Wald erwogen. Bereits am 31. Juli 2014 fasste der Stadtrat daher den Aufstellungsbeschluss für die 1. Änderung des Bebauungsplans, um ein Sondergebiet „Anlagen für soziale Zwecke – Asyl“ im östlichen Teil des früheren Militärgeländes auszuweisen. Der entsprechende Satzungsbeschluss erfolgte am 26. Februar 2015. Der Bebauungsplan trat am 4. Mai 2015 in Kraft. Zur Umsetzung mussten zudem Emissionskontingente verändert werden, um Konflikte durch Lärmbelastungen durch die gewerblichen Nutzungen auszuschließen. Dies erforderte eine 2. Änderung des Bebauungsplans, deren Aufstellung am 18. Dezember 2014 beschlossen wurde. Der Stadtrat billigte diese Anpassung am 26. Februar 2015, so dass die Änderungssatzung am 4. Mai 2015 in Kraft trat.

2024 gab der Autovermieter den Aufbereitungs- und Verkaufsstandort in der Kaserne auf und bot sein Grundstück von mehr als 27 Hektar zum Verkauf an. Damit stand ein Großteil des Areals wieder leer.

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Einzelnachweise

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