Der Typ R1.1 der Stadtwerke Bonn (SWB) ist der erste niederflurige Triebwagentyp, der bei der Straßenbahn Bonn im Linienverkehr eingesetzt wurde. Der Hersteller Duewag lieferte die 24 Fahrzeuge im Jahr 1994. Es handelt sich um dreiteilige Gelenkwagen mit aufgesattelten Endwagen und langem Mittelteil. Seit Januar 2025 werden die Fahrzeuge an die Straßenbahn Posen abgegeben. MPK Poznań nennt sie NGT6D.
Technik und Aufbau Der grundsätzliche Aufbau entspricht dem Fahrzeugtyp MGT6D. An den Enden befinden sich die standardmäßigen zweiachsigen Triebdrehgestelle, über welchen der Fußboden 560 mm über der Schienenoberkante und mit einer Stufe vom Niederflurbereich abgetrennt liegt. Sie sind in der Normalspur-Ausführung innengelagert, und jeder Radsatz wird durch eine quer angeordnete, abgefederte und 103 kW leistende Drehstrom-Asynchronmaschine angetrieben.
Unter dem Mittelteil gibt es zwei einzelne, antriebslose Losradsätze, und der Fußboden ist vollständig niederflurig bei 352 mm über der Schienenoberkante. Die SWB lehnten jedoch die beim MGT6D angewendeten Einzelrad-Einzelfahrwerke ab. Stattdessen erhielten die Fahrzeuge Drehgestelle, die jeweils vom benachbarten Gelenk aus mechanisch gelenkt werden. Erprobt wurde diese Lösung zuvor am NGT6C Nr. 451 der Straßenbahn Kassel. Später wurde sie auch beim Rheinbahn-Typ NF6 angewendet. Die Primärfederstufe ist als Gummifeder ausgeführt, die Sekundärfederstufe als Gummi- und Stahl-Schraubenfeder.
Die elektrische Ausrüstung von Siemens entspricht weitgehend den MGT6D der Bogestra und der FGV-Baureihe 3800. Auch die Türanordnung entspricht den Bogestra-MGT6D. Die R1.1 sind mit 2,4 statt 2,3 Metern jedoch etwas breiter und der mittlere Wagenteil ist fünf Zentimeter länger. Die Wagenkästen sind aus nichtrostendem Stahl gefertigt.
Einsatz In Bonn bedienten die Fahrzeuge die verbliebenen, nicht dem Stadtbahnnetz zugeordneten Straßenbahnlinien. 2013 entschlossen sich die SWB, die R1.1 aufgrund ihres schlechten Allgemeinzustandes durch Neufahrzeuge zu ersetzen. Dies führte schließlich zur Beschaffung des Typs 41T des Herstellers Škoda, dessen erste Exemplare seit Ende 2024 zum Einsatz kommen. Ende 2024 wurde mit dem Betreiber der Straßenbahn Posen, MPK Poznań, ein Vertrag zum Verkauf der R1.1 abgeschlossen. Dort erhöhen die Fahrzeuge kurzfristig den Anteil von Zweirichtungs- und Niederflurwagen am Fahrzeugbestand. Der letzte Einsatztag in Bonn war der 30. Juni 2026.
Als erstes Exemplar wurde Wagen 9460 Ende Januar 2025 nach Posen transportiert. Die weiteren Fahrzeuge folgen im Laufe der Jahre 2025 und 2026. Abhängig vom Zustand, beispielsweise bei schweren Unfallschäden, werden möglicherweise nicht alle Wagen übernommen. Vor dem Einsatz in Posen baut MPK Poznań die Fahrzeuge geringfügig um, unter anderem mit zusätzlichen Mehrzweckbereichen im Mittelteil und gesonderten Front-Linienanzeigen auf dem Dach. Es bleiben 64 Sitzplätze übrig. Im November 2025 wurde ein erster angepasster Triebwagen präsentiert und in Betrieb genommen (Nr. 971, ex Bonn 9460). 2026 zog MPK Poznań für die Umbauten ein externes Unternehmen hinzu, nachdem diese sich als langwieriger als erwartet herausgestellt hatten. Der Bonner Triebwagen 9451, in Posen Nr. 994, ist als Ersatzteilspender vorgesehen. Mit Stand Juli 2026 werden mindestens 22 Triebwagen übernommen.
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Einzelnachweise
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