Die Zeche Minister Achenbach war ein Steinkohlebergwerk in Lünen im Ortsteil Brambauer. Benannt wurde die Zeche nach dem preußischen Handelsminister Heinrich von Achenbach. Das Bergwerk war auch unter dem Namen Zeche Vereinigte Minister Achenbach bekannt. Das Bergwerk hat eine über hundertjährige Bergwerksgeschichte und war davon über 90 Jahre in Betrieb, in dieser Betriebszeit wurden rund 126,5 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert. Es wurden drei verschiedene Steinkohlensorten gefördert, Gaskohlen, Esskohlen und Fettkohlen.

Geschichte Planung Im Jahr 1870 wurden im Raum Brambauer ersten Probebohrungen durchgeführt. Im Jahr 1873 wurde die Mutung für ein Steinkohlevorkommen in Brambauer eingelegt. In der Zeit vom 8. Januar bis zum 3. Februar des Jahres 1875 konsolidierten die Geviertfelder Gretchen, Olga, Paula, Max und Martha unter dem Namen Friede. Das so konsolidierte Grubenfeld Friede umfasste eine Fläche von 10,9 km2. In der Zeit vom 1. bis zum 7. Juni des Jahres 1877 konsolidierten die Geviertfelder Helena, Emma, Martha Auguste und Marie und die Eisenerzgeviertfelder Alfred, Carl und Hermann zu Minister Achenbach. Dieses Grubenfeld umfasste eine Fläche von 8,7 km2 Steinkohlen und 6,6 km2 Eisenerz. Im Jahr 1896 konsolidierten die Felder Minister Achenbach und Friede zu Vereinigte Minister Achenbach. Die gesamte Berechtsame umfasste nun eine Fläche von 19,7 km2. Treibende Kraft bei diesen Konsolidationen war der Bergwerksbesitzer Carl Lange aus Berlin. Er war es auch, der nach der Konsolidation die Felder in seinen Besitz brachte. Noch im Jahr 1896 wurde die Gewerkschaft Minister Achenbach gegründet. Von den 1000 Kuxen übernahm die Nationalbank für Deutschland 990 Kuxe und Carl Lange zehn Kuxe. Repräsentanten der Gewerkschaft wurden der Kommerzienrat Hermann und der Kaufmann Karl Ferdinand Lange.

Die Errichtung des Bergwerks Im Jahr 1897 wurde in Brambauer mit den Teufarbeiten für den Schacht Minister Achenbach 1 begonnen. Der erste Spatenstich für diesen Schacht erfolgte am 3. August desselben Jahres. Im Jahr 1899 erreichte Schacht 1 bei einer Teufe von 370 Metern das Karbon. Noch im selben Jahr wurde mit den Teufarbeiten für Schacht 2 begonnen. Der Schacht wurde neben Schacht 1 angesetzt. Im selben Jahr erreichte der Schacht 1 bei einer Teufe von 412 Metern (- 329 m NN) die 1. Sohle und bei einer Teufe von 520 Metern (- 206 m NN) wurde die 2. Sohle angesetzt. Im Jahr 1899 wurde über dem Schacht 1 ein deutsches Strebengerüst errichtet. Im Jahr 1900 wurde im Schacht 1 bei einer Teufe von 505 Metern (- 206 m NN) direkt im Flöz eine Zwischensohle angesetzt. Außerdem wurden in diesem Jahr die Felder Altlünen erworben. Nach dem Erwerb dieser Felder umfasste die gesamte Berechtsame eine Fläche von 26 km2 und bestand nun aus zwölf Einzelfeldern.

Die ersten Betriebsjahre Im Jahr 1900 wurde das Bergwerk in Betrieb genommen. Am 31. August des Jahres 1901 erwarb die Gebrüder Stumm GmbH aus Neunkirchen 800 Kuxe der Zeche Minister Achenbach. Weitere 200 Kuxe wurden von R. Böcking & Cie. erworben. Somit kam es im Jahr 1901 bei der Zeche Minister Achenbach zu einem Besitzerwechsel. Die Gewerkschaft wurde in ihrer bisherigen Form weiter betrieben. Neuer Hauptgewerke der Gewerkschaft Minister Achenbach war nun Gebrüder Stumm. Der Grubenvorstand setzte sich aus Vertretern der Gebrüder Stumm GmbH und der R. Böcking & Cie. zusammen. Im Jahr 1902 wurde eine Kokerei in Betrieb genommen. Die Kokerei wurde mit 60 Koksöfen ausgerüstet, um für die Stummschen Eisenwerke den Eigenbedarf an Koks zu erzeugen. Im Jahr 1903 wurde der Wetterschacht 2 bis zur 1. Sohle in Betrieb genommen. Der Schacht war mit einem Stahlkastenstreben-Fördergerüst ausgerüstet. Außerdem wurde in diesem Jahr die Kokerei um 74 Öfen erweitert und es wurde eine Ammoniakfabrik in Betrieb genommen. Noch im selben Jahr wurde ein Feldestausch mit der Zeche Vereinigte Stein & Hardenberg vorgenommen, das getauschte Feld hatte eine Größe von 0,4 km2. Im Jahr 1904 trat die Gewerkschaft dem Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikat und der Deutschen Ammoniak-Verkaufs-Vereinigung bei.

Im Jahr 1905 wurde begonnen, den Wetterschacht 2 tiefer zu teufen. Außerdem wurde in diesem Jahr im Schacht 1 bei einer Teufe von 660 Metern (- 577 m NN) die 3. Sohle angesetzt. Im Jahr 1907 erreichte der Wetterschacht 2 die 2. Sohle. Im Jahr 1908 wurde ein Feldestausch mit der Zeche Adolph von Hansemann vorgenommen. Dieses getauschte Feld hatte eine Größe von 0,5 km2. Im Jahr 1909 wurde im Ostfeld mit den Teufarbeiten für den Schacht 3 begonnen. Der Schacht war als Wetterschacht vorgesehen und wurde 1,5 Kilometer östlich der Schächte 1/2 angesetzt. Im Jahr 1910 erreicht der Wetterschacht 3 bei einer Teufe von 356 Metern das Karbon. Im Jahr darauf wurde im Schacht 3 bei einer Teufe von 395 Metern (- 317 m NN) die 1. Sohle und noch im selben Jahr bei einer Teufe von 503 Metern (- 425 m NN) die 2. Sohle angesetzt. Außerdem wurde in diesem Jahr auf der 2. Sohle ein Durchschlag mit dem Baufeld 1/2 erstellt. Im Jahr 1912 kam es im Baufeld 1/2 zu einer Schlagwetterexplosion. Bei diesem Grubenunglück, das sich am 18. Dezember ereignete, kamen 49 Bergleute ums Leben. Im Jahr 1912 wurde auf der Kokerei eine Benzolfabrik errichtet und in Betrieb genommen. Im Jahr 1914 war der Schacht 3 als Wetterschacht in Betrieb. Über dem Schacht wurde ein deutsches Strebengerüst der Bauart Zschetzsche errichtet. Am 30. Januar dieses Jahres kam es im Baufeld 1/2 erneut zu einer Schlagwetterexplosion, bei der 25 Bergleute ums Leben kamen. Im selben Jahr trat die Gewerkschaft Minister Achenbach dem Benzolverband bei. Am 15. Oktober 1917 ereignete sich am Wetterschacht 3 eine weitere Schlagwetterexplosion, bei der 17 Bergleute getötet wurden.

Ausbau der Schachtanlage Im Jahr 1918 wurde in der Ortslage Brambauer im Nordostfeld mit den Teufarbeiten für den Schacht 4 begonnen. Der Schacht wurde 1,8 Kilometer nordöstlich der Schächte 1/2 angesetzt. Im Jahr 1919 wurde im Schacht 3 bei einer Teufe von 648 Metern (- 570 m NN) die 3. Sohle angesetzt. Im Jahr 1920 erreichte der Schacht 4 bei einer Teufe von 333 Metern das Karbon. Noch im selben Jahr wurde bei einer Teufe von 503 Metern (- 424 m NN) die 2. Sohle und bei einer Teufe von 647 Metern (- 569 m NN) die 3. Sohle, auch 650 Metersohle genannt, angesetzt. Am 12. November desselben Jahres wurde zwischen der Gewerkschaft Minister Achenbach und dem Essener Bergwerks-Verein „König Wilhelm AG“ ein Vertrag zur Bildung einer Betriebs- und Interessengemeinschaft geschlossen. Der Vertrag trat mit Wirkung vom 1. Januar des darauffolgenden Jahres in Kraft. Mit Inkrafttreten dieses Vertrages wurde der Essener Bergwerks-Verein „König Wilhelm AG“ für Rechnung und auf Gefahr der Gewerkschaft Minister Achenbach geführt. Die bisherige Gesellschaftsform der Gewerkschaft Minister Achenbach wurde beibehalten. Auf Verlangen des Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikats wurde dieser Vertrag am 16. Mai des Jahres 1922 dahingehend geändert, dass nicht mehr die Gewerkschaft Minister Achenbach als Vertragspartner eingetragen wurden, sondern die Gebrüder Stumm GmbH. Am 28. März des Jahres 1923 kam es auf der Zeche Minister Achenbach zu einem Grubenbrand, hierbei kamen fünf Bergleute ums Leben. Im Jahr 1924 wurde auf Schacht 4 mit der Förderung begonnen. Noch im selben Jahr wurde eine Verbindungsseilbahn zwischen den Schächten 1/2 und Schacht 4 in Betrieb genommen. Am 4. April des Jahres 1925 kam es am Schacht 1 zu einem Übertreiben aufgrund eines Defektes am Teufenzeiger. Dabei wurden beide Förderkörbe bis in die Verdickung gezogen. Es wurde niemand verletzt.

Am 3. November des Jahres 1930 wurde eine Feldeserweiterung von 0,02 km2 für das Feld Minister Achenbach verliehen. Im Jahr 1932 wurde im Bereich des Schachtes 4 ausgehend aus einem Blindschacht bei einer Teufe von 805 Metern (- 730 m NN) die 4. Sohle, auch 810 Metersohle genannt, angesetzt. In diesem Jahr wurden auf der Zeche Minister Achenbach an 64 Tagen Feierschichten verfahren. Im Jahr 1935 wurden die Schächte 3 und 4 zu Ehren Carl Haarmanns umbenannt in Carl-Haarmann-Schächte. Diese Umbenennung erfolgte zu Ehren des Bergassessors und langjährigen Werksdirektors des Bergwerks. In der Mitte der 1930er Jahre konzentrierte man sich auf dem Bergwerk auf den Ausbau des Baufeldes Minister Achenbach 1/2. Hierzu wurden die Tagesanlagen ausgebaut und unter Tage die Gewinnungsbetriebe modernisiert. Im Zeitraum zwischen 1936 und 1937 wurde der bis dahin selbstständig geführte Bergwerksbesitz in die Gebrüder Stumm GmbH integriert. Für diesen Zweck wurde in Essen eine Zweigniederlassung der Gebrüder Stumm GmbH errichtet. Am 10. September des Jahres 1938 kamen bei einer verbotswidrigen Seilfahrt fünf Bergleute ums Leben. In den Jahren 1940 bis 1941 wurde auf dem Betriebsbereich 1/2 ein neues Kesselhaus errichtet. Im Jahr 1941 wurde begonnen, den Schacht 4 tiefer zu teufen. Im Jahr 1942 wurde in Altlünen mit den Teufarbeiten für Schacht 5 begonnen. Im Jahr 1944 erreichte man im Schacht 4 das Niveau der 4. Sohle.

Ausbau nach dem Zweiten Weltkrieg Gegen Ende des Jahres 1946 wurden die Teufarbeiten im Schacht 5 eingestellt. Der Grund für die Arbeitseinstellung waren hohe Wasserzuflüsse. Im Jahr 1947 waren auf dem Baufeld 1/2 als Hauptfördersohlen die 3. Sohle und die 4. Sohle in Betrieb. Die 4. Sohle wurde über ein Gesenk betrieben. Zwischen den Schächten 3 und 4 war die 4. Sohle die Hauptfördersohle. Die Berechtsame umfasste zu diesem Zeitpunkt eine Fläche von 17,9 km2. Am 28. Juni desselben Jahres kam es im Baufeld 1/2 zu einem Grubenbrand, hierbei wurden elf Bergleute getötet. Im Jahr 1948 wurden die Teufarbeiten im Schacht 5 wieder aufgenommen. Das Gebirge im Schacht und die Schachtmauerung wurden zementiert, anschließend wurde der Schacht weiter abgeteuft. Im selben Jahr wurde der Schacht 1 bis zur 4. Sohle geteuft. Diese Sohle befand sich in einer Teufe von 819 Metern (- 739 m NN) und wurde auch als minus 740 Metersohle bezeichnet. Im selben Jahr wurde der Schacht 2 bis zur 3. Sohle tiefer geteuft. Auch der Schacht 4 wurde in diesem Jahr weiter geteuft. Am 22. September 1948 wurden die Felder Minister Achenbach, Minister Achenbach Erweiterung und Victoria Fortsetzung West zu Vereinigte Minister Achenbach und Eisenstein. Diese Berechtsame umfasste eine Fläche von 19,7 km2. Hinzu kam das Feld Altlünen mit einer Fläche von 19,1 km2. Somit umfasste die gesamte Berechtsame zu diesem Zeitpunkt eine Fläche von 38,9 km2.

Im Jahr 1950 erreichte der Schacht 5 bei einer Teufe von 548 Metern das Karbon. Im selben Jahr wurde bei einer Teufe von 615 Metern (- 557 m NN) die 3. Sohle angesetzt. Im Jahr 1952 wurde im Schacht 4 bei einer Teufe von 984 Metern (- 909 m NN) die 5. Sohle angesetzt. Im Jahr 1953 erreichte der Schacht 5 seine Endteufe von 800 Metern. Im selben Jahr wurde im Schacht 4 der Durchschlag mit der 3. Sohle erstellt. Auf dem Baufeld 1/2 wurde die 4. Sohle zur Hauptfördersohle. Im Jahr darauf wurde der Schacht 5 in Betrieb genommen. Im Jahr 1957 wurden die Felder Bochum Süd und Victoria Fortsetzung Nord erworben. Im selben Jahr wurde in Lünen-Lippholtshausen mit den Teufarbeiten für Schacht 6 begonnen. Der Schacht wurde vier Kilometer nordöstlich vom Betriebsbereich 1/2 neben dem Kraftwerk Kellermann angesetzt. Im Jahr 1958 erreichte der Schacht 6 bei einer Teufe von 445 Metern das Karbon. Bei einer Teufe von 474 Metern wurde noch im selben Jahr ein Durchschlag mit der 2. Sohle erstellt. Bei einer Teufe von 613 Metern wurde der Schacht mit der 3. Sohle und bei einer Teufe von 775 Metern mit der 4. Sohle durchschlägig. Somit wurde auf diesen Sohlen eine Verbindung mit den Schächten 4 und 5 getätigt. Die Berechtsame umfasste zu diesem Zeitpunkt eine Fläche von 41,5 km2.