Mehrangis Montazami-Dabui (; * 4. Mai 1941 in Arak) ist eine in Deutschland lebende iranische Dokumentarfilmerin. Ihre Arbeiten behandeln die Lebensbedingungen migrantischer Kinder, Jugendlicher und Frauen in Deutschland.

Leben und Wirken Montazami-Dabui wuchs im Iran auf und kam 1969 mit ihrer Familie nach West-Berlin. Ab 1972 studierte sie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). In ihrer Bewerbung für die Filmhochschule setzte sie sich mit den politischen Verhältnissen im Iran auseinander und beschrieb bei einer Aufnahmeaufgabe das Programmkino Arsenal.

Sie drehte mehrere Dokumentarfilme, in denen sie vor allem die Schwierigkeiten türkischer Jugendlicher und Frauen in West-Berlin darstellte. Ihr Dokumentarfilmen bauen auf sozialer Recherche auf und binden Aussagen der unmittelbar Betroffenen ein. Für Analphabeten in zwei Sprachen kombinierte sie Aufnahmen aus Kreuzberg mit Statistiken, bildungspolitischen Debatten und Gesprächen mit Lehrkräften, Eltern und Schulkindern.

Filme Analphabeten in zwei Sprachen (1975) zeigt die Benachteiligung von Kindern türkischer Arbeitsmigranten an Kreuzberger Schulen. In Wir wollen auch leben (1978), einem auf 16-mm-Film gedrehten Dokumentarfilm, wandte sie sich Jugendlichen zu, die nach dem Verlassen der Schule mit Arbeitslosigkeit, fehlenden Bildungsabschlüssen und dem Strafrechtssystem konfrontiert waren. Für den 72-minütigen Film befragte sie auch inhaftierte Jugendliche zu ihren Lebensumständen, Gerichtsverfahren und Erfahrungen im Gefängnis; die Dreharbeiten wurden durch verweigerte oder verzögerte Genehmigungen erschwert.

Gemeinsam mit Resa Dabui führte sie im Jahr 1979 Regie bei Ich will keine Lieder mehr hören, singen will ich, einer Dokumentation über die türkische Kunstszene in Berlin, darunter den Maler Hanefi Yeter sowie einen Chor, eine Folkloregruppe und ein Saz-Orchester. Der Film beschäftigt sich damit mit der Situation türkischer Musiker und Künstler in West-Berlin.Fernand Jung, Tyna Klöpfer (Red.): Zentrale Filmografie. Politische Bildung. Band 12. A Katalog, Leske, Opladen 1982, S. 115.

Der für das ZDF entstandene Film Männerrecht – Frauenleid: Türkinnen in Deutschland (1981) beschäftigt sich mit patriarchalischen Familienverhältnissen, Gewalt gegen Frauen und den Konflikten junger Türkinnen zwischen familiären Erwartungen und ihrem Alltag in Deutschland. Kindertränen (1985), eine Produktion des Norddeutschen Rundfunks, dokumentiert schwierige Lebensbedingungen ausländischer Kinder in Deutschland sowie die Folgen unsicherer Lebensverhältnisse, beengter Wohnungen und familiärer Belastungen für Kinder aus eingewanderten Familien.Yvonne Nadler: Dokumentarfilme der türkisch-deutschen Arbeitsmigration. Ein Arbeitsbericht und eine Filmographie. Institut für Germanistik, Universität Hamburg, 2010, S. 18 (PDF); auch zu drei weiteren Filmen S. 11, 13 und 15. In Betrübte Freiheit (1992) porträtierte sie Mahin Esmati, die seit 1985 im politischen Exil in West-Berlin lebte, und behandelte deren Flucht aus dem Iran, Erfahrungen mit dem deutschen Asylrecht und Einsatz für Frauenrechte.

Auszeichnungen und Rezeption Analphabeten in zwei Sprachen lief 1975 bei der Internationalen Filmwoche Mannheim und erhielt bei der Internationalen Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche den Preis des Rates der Stadt Leipzig. Im April 1977 wurde der Film beim Berliner Themenmonat Berlin now in New York als einziger Dokumentarfilm gezeigt. Männerrecht – Frauenleid wurde am 4. Oktober 1981 im ZDF erstmals ausgestrahlt und 1982 mit dem Publikumspreis Prix du Public des Internationalen Frauenfilmfestivals in Sceaux ausgezeichnet. Kindertränen erhielt 1986 den Hauptpreis der Internationalen Religiösen Filmtage in Friedberg.

Die Deutsche Kinemathek digitalisierte Analphabeten in zwei Sprachen und Wir wollen auch leben im Rahmen des Förderprogramms Filmerbe mit Förderung aus dem Jahr 2021. Das Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums widmete ihren zwischen 1975 und 1992 entstandenen Reportagen im April und Mai 2022 die dreiteilige Reihe Empathie und Engagement. Ihr Film Analphabeten in zwei Sprachen wurde 2026 auch in die Gruppenausstellung Kreuzberg: Kunst und Migration seit 1960 im Gropius Bau aufgenommen.

Filmografie Regie 1975: Analphabeten in zwei Sprachen 1978: Wir wollen auch leben 1979: Ich will keine Lieder mehr hören, singen will ich 1981: Männerrecht – Frauenleid: Türkinnen in Deutschland 1985: Kindertränen 1992: Betrübte Freiheit

Darstellerin 1972: Wer braucht wen?

Weblinks Mehrangis Montazami-Dabui im DFFB-Archiv Mehrangis Montazami-Dabui bei Dokumentarfilmgeschichte

Einzelnachweise

Kategorie:Dokumentarfilmer Kategorie:Türkische Diaspora in Berlin Kategorie:Person (West-Berlin) Kategorie:Iranischer Emigrant in Deutschland Kategorie:Iraner Kategorie:Geboren 1941 Kategorie:Frau