mini|Schloss Utzmannsbach

Der Herrensitz Utzmannsbach, auch als Schloss Utzmannsbach bezeichnet, ist ein aus einem spätmittelalterlichen Wohnturm hervorgegangener Herrensitz im Gemeindeteil Utzmannsbach der Gemeinde Simmelsdorf im Landkreis Nürnberger Land in Mittelfranken. Der Sitz war über Jahrhunderte mit einem benachbarten Hammerwerk verbunden und bildete mit diesem ein Hammergut.

Nach dendrochronologischen Untersuchungen reicht der Kernbau in die Jahre 1374/75 zurück. Weitere umfangreiche Baumaßnahmen sind für 1535/36 nachgewiesen.

Geschichte Entstehung des Herrensitzes Der 1374/75 dendrochronologisch datierte Kernbau entstand unter den Herren von Wildenstein. Mit dem Sitz war ein Hammerwerk verbunden, das im 14. Jahrhundert Eberhard von Winterstein von den Wildensteinern zu Lehen trug. 1414 erwarb dessen Sohn Lorenz Wintersteiner von Hans I. von Wildenstein auch dessen Hälfte der Lehnsherrschaft über das Hammerwerk. 1437 verkaufte Lorenz Wintersteiner die erstmals ausdrücklich als „Behausung“ bezeichnete Anlage zusammen mit dem Hammer an Hans III. von Wildenstein, der bereits die von seinem Vater Heinrich IX. ererbte andere Hälfte der Lehnsherrschaft besaß. Die beiden Wildensteiner gehörten verschiedenen Zweigen derselben Familie an. Hans I. war ein Sohn Dietrichs VII. von Wildenstein, während Hans III. ein Sohn Heinrichs IX. war. Dietrich VII. und Heinrich IX. gehörten wiederum derselben Brüdergeneration der Wildenfelser Linie an.

Bereits 1442 veräußerte Hans III. von Wildenstein den Sitz mit Hammerwerk und Zubehör an Philipp Hiltpoltsteiner zu Hüttenbach. Dieser belehnte den Hammermeister Contz Schwarzkopf mit dem Hammer. 1446 kam das Lehngut an das Nürnberger Augustinerkloster. Das Kloster verkaufte den Besitz 1450 weiter, behielt sich jedoch einen jährlichen Grundzins von 20 Gulden vor. Käufer war der Nürnberger Bürger und Montanunternehmer Linhard Groland der Ältere aus der Familie Groland, die bereits über einen Herrensitz im benachbarten Diepoltsdorf verfügte.

Linhard Groland hinterließ Sitz und Hammerwerk 1468 seinem Sohn Bartholomäus. In diesem Zusammenhang wird das feste Wohngebäude als „steinhaus“ bezeichnet. Durch Heirat gelangte der Besitz an den Nürnberger Bürger Jörg Peßler. Nach dessen kinderlosem Tod 1506 entstand ein Erbstreit zwischen den Peßler und den Groland. 1511 konnte Linhard Groland der Jüngere Utzmannsbach wieder in Besitz nehmen.

Umbau im 16. Jahrhundert Nach Linhard Grolands Tod 1521 fiel das Gut an seine Witwe Katharina und die gemeinsamen Kinder. Katharina heiratete 1523 Sebald Rech. Sitz und Hammer wurden anschließend als Lehen an den Nürnberger Bürger Michael Hübner vergeben, der den Besitz vor 1530 an seinen Stiefsohn, den Nürnberger Montanunternehmer Stephan Kanler, und dessen Ehefrau Helena veräußerte.

Unter Kanler erfolgte um 1535/36 ein weitreichender Umbau des Herrenhauses. Die Arbeiten werden dem reichsstädtischen Werkmeister Jörg Weber zugeschrieben. Dendrochronologisch lässt sich insbesondere die Erneuerung des Dachwerks in diese Zeit datieren. Vor 1548 übergab Stephan Kanler das Lehngut seinem Sohn Hans Kanler, der beim Herrenhaus ein ummauertes „lustgärtlein“ anlegen ließ.

Im Zweiten Markgrafenkrieg von 1552/53 blieb Utzmannsbach im Gegensatz zu zahlreichen anderen Herrensitzen der Nürnberger Landschaft offenbar unbeschädigt. 1574 verlor die Familie Kanler das Gut infolge eines Konkurses. Es gelangte zunächst an den Gläubiger Christoph Lang und 1584 an die Nürnberger Montangesellschaft Flentz & Tramel. Deren Teilhaber Hans Flentz und Hans Tramel vererbten den Besitz an ihre Nachkommen.

17. und 18. Jahrhundert Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges kam es unter den Erben zu Auseinandersetzungen über Utzmannsbach. Um 1653 wurde das Gut Johann Philipp Kob zugesprochen. Nach dessen Tod erhielt 1690 sein Stiefsohn, der Nürnberger Astronom Johann Philipp von Wurzelbau (1651–1725), den Besitz und wurde mit dem Gut belehnt. Die Lehnshoheit lag inzwischen bei einer Familienstiftung der Tucher von Simmelsdorf. Deren Rechte gingen auf die 1609 geschlossene Ehe Sebald Tuchers mit Katharina Holzschuher, einer Enkelin Katharina Grolands, zurück.

Wurzelbau überließ seine Güter 1693 seinem Neffen Johann Daniel van Lierd. Dieser verkaufte Utzmannsbach 1709 an den Nürnberger Salzhändler Paul Hackenschmied, der die Nutzung seiner Schwägerin Felicitas von Ach überließ. Nach Auseinandersetzungen und einer zunehmenden Verschuldung des Besitzers erwarb die Tuchersche Familienstiftung das Gut zurück und behielt es mehrere Jahrzehnte. Nach 1792 wurde es an den Nürnberger Kaufmann Johann Wilhelm Kirchdörfer verkauft.

Industrialisierung und jüngere Nutzung 1836 erwarb der Fürther Spiegelglasfabrikant Berlin das Anwesen. Er richtete im Hammerwerk eine Glasfabrik ein. In dieser Zeit wurden die noch vorhandenen Befestigungselemente beseitigt und der Wassergraben verfüllt. Die Familie Berlin behielt den Besitz bis 1913 und veräußerte ihn anschließend an die Familie Lautenschlager.

1958 erwarb das Deutsche Jugendherbergswerk das Herrenhaus und richtete darin eine Jugendherberge ein. Die dafür vorgenommenen Umbauten führten zu Verlusten an historischer Bausubstanz und Ausstattung. Gegen Ende der 1970er Jahre wurde die Jugendherberge geschlossen und das Anwesen an die Familie Alberti veräußert.Utzmannsbach in: Giersch/Schlunk/von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft. 1979/80 erfolgte eine Renovierung des Herrenhauses.

Baugeschichte und Beschreibung Das Gebäude ist ein dreigeschossiger Steinbau von der Art einer Turmburg mit Mauerstärken bis zu 1,70 Meter. Der Kern des Herrenhauses besteht aus einem nahezu quadratischen massiven Wohnturm des späten 14. Jahrhunderts. Eine im Erdgeschoss erhaltene Spunddecke konnte dendrochronologisch auf 1374/75 datiert werden. 1468 wurde der Bau als „steinhaus“ bezeichnet. Nach der baugeschichtlichen Untersuchung wurde der mittelalterliche Kern im 18. Jahrhundert nach Norden erweitert.

Ein wesentlicher Umbau fand 1535/36 statt. Aus dieser Bauphase stammen insbesondere das Dachwerk sowie die heute verputzten Fachwerkgiebel. Der ursprüngliche Hocheingang auf der Westseite blieb noch bis zum Umbau zur Jugendherberge im Jahr 1958 erhalten. Im Inneren befinden sich weitere spätmittelalterliche Spunddecken. Im oberen Geschoss lag ein großer Saal, der ursprünglich mehr als die Hälfte der Geschossfläche einnahm und erst im 19. Jahrhundert durch eine Zwischenwand verkleinert wurde.

Das Bauwerk ist in der Liste der Baudenkmäler in Simmelsdorf aufgeführt (Aktennummer D-5-74-158-78): Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege beschreibt den heutigen Bau als zweigeschossigen Halbwalmdachbau mit verputztem Fachwerkobergeschoss aus dem 17./18. Jahrhundert und einem nördlichen eingeschossigen Fachwerkanbau mit Satteldach. Zur denkmalgeschützten Anlage gehört außerdem die Sandsteineinfriedung des 17./18. Jahrhunderts. Der Bereich des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Herrensitzes und Hammerwerks ist zudem als Bodendenkmal D-5-6334-0049 eingetragen.Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Denkmalliste der Gemeinde Simmelsdorf, Baudenkmal D-5-74-158-78 und Bodendenkmal D-5-6334-0049, Stand 10. September 2026.

Darstellung von 1612 Eine wichtige Quelle zur Topographie des Hammergutes ist eine von dem Nürnberger Mathematiker, Ingenieur und Zeichner Andreas Albrecht signierte Vermessungszeichnung vom 28. Mai 1612. Das 79 × 41 cm große Blatt zeigt das Hammerwerk und den Herrensitz sowohl in einem perspektivischen Aufriss als auch in einem geometrischen Grundriss. Es wird in der Stadtbibliothek Nürnberg unter der Signatur B.III.67 (alte Signatur Nor. K. 15061) aufbewahrt.Stadtbibliothek Nürnberg, Signatur B.III.67 (alte Signatur Nor. K. 15061): Andreas Albrecht, Plan der Umgebung des Hammerwerkes Utzmannsbach, 28. Mai 1612.

Davon zu unterscheiden sind verschiedene im 20. Jahrhundert verbreitete angebliche Ansichten des Herrensitzes mit der Jahresangabe 1612. Giersch, Schlunk und von Haller weisen darauf hin, dass diese unter anderem ein zeitlich unpassendes Wappen der Familie van Lierd zeigen und daher nicht als Quelle für den Bauzustand des frühen 17. Jahrhunderts verwendet werden können.

Literatur Volker Alberti: Herrensitz Utzmannsbach. (= Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft. 36. Jahrgang, Sonderheft Nr. 33). Altnürnberger Landschaft, Nürnberg 1987. Volker Alberti: Die Herrschaft Simmelsdorf. Grundherren und Untertanen vom 14. bis 19. Jahrhundert. (= Schriftenreihe der Altnürnberger Landschaft. Band 41). Simmelsdorf 1995. Volker Alberti: Baudatierung des Herrensitzes in Utzmannsbach – 1374/75 und 1535. In: Gustav Voit, Heinz Stark, Volker Alberti: Burgen, Ruinen und Herrensitze der Fränkischen Schweiz. (= Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft. Band 46, Sonderheft Nr. 45). 1997, S. 70–95. Volker Alberti, Lorenz Baumann, Horst Holz: Burgen und Schlösser im Schnaittachtal. (= Fränkische Adelssitze. Band 1). Simmelsdorf-Hüttenbach 1999. Ruth Bach-Damaskinos, Jürgen Schnabel, Sabine Kothes: Schlösser und Burgen in Mittelfranken. Verlag A. Hofmann, Nürnberg 1993, ISBN 3-87191-186-0. Robert Giersch, Andreas Schlunk, Bertold von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft. Ein historisches Handbuch. (= Schriftenreihe der Altnürnberger Landschaft. Band 50). Altnürnberger Landschaft, Lauf an der Pegnitz 2006, ISBN 978-3-00-020677-1. Werner Meyer, Wilhelm Schwemmer: Landkreis Lauf an der Pegnitz. (= Die Kunstdenkmäler von Bayern. Regierungsbezirk Mittelfranken XI). R. Oldenbourg, München 1966, S. 502–503, ISBN 3-486-42091-7. Jörg Rainer Ruthrof: Nürnberger Herrensitze der Renaissance. Zur Typologie reichsstädtischer Herrschaftsbauten. (= Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft. Band 47, Sonderheft Nr. 47). 1999, insbesondere S. 29, 35–36.

Weblinks

Einzelnachweise

Utzmannsbach Utzmannsbach Kategorie:Erbaut in den 1370er Jahren Kategorie:Rekonstruiertes Bauwerk in Bayern