Entity – Es gibt kein Entrinnen vor dem Unsichtbaren, das uns verfolgt (Originaltitel: The Entity) ist ein 1981 fertiggestellter und 1982 veröffentlichter US-amerikanischer Mystery-Horrorfilm von Regisseur Sidney J. Furie mit Barbara Hershey in der Hauptrolle. Das Drehbuch schrieb Frank De Felitta basierend auf seinem Roman The Entity (1978), der vom realen Fall der Doris Bither inspiriert wurde, die von einem unsichtbaren, übernatürlichen Wesen sexuell misshandelt worden sein soll. Neben paranormalen Elementen behandelt der Film Themen wie sexuelle Opfererfahrung und die Familiendynamik alleinerziehender Frauen.
Handlung Carla Moran ist eine verwitwete, alleinerziehende Mutter von drei Kindern, die von ihrem späteren Mann verlassen wurde, und nun versucht, zu lernen und Arbeit zu finden. Eines Nachts wird sie von einem poltergeistähnlichen Wesen in ihrem Schlafzimmer brutal misshandelt, durch die Luft geschleudert und vergewaltigt. Diese Attacke wiederholt sich mehrfach. Möbel werden zerstört, Blitze zucken, Autos geraten außer Kontrolle. Die Natur des Wesens bleibt unklar, es wird als nichtmenschlich beschrieben.
Anfangs glaubt niemand Carlas Schilderungen. Es gelingt ihr nicht, den Psychiater Phil Sneiderman davon zu überzeugen, dass ihr Peiniger real ist. Daraufhin sucht sie sich Hilfe bei einem Team von Parapsychologen. Die Wissenschaftler zeigen Interesse und beginnen mit der Untersuchung des Phänomens. Sie stellen der Entität eine Falle, indem sie in einer Universitäts-Sporthalle eine Nachbildung von Carlas Haus errichten. Die Entität entkommt, und als Carla in ihr Haus zurückkehrt, hört sie eine männliche Stimme, die sie verspottet.
Über das persönliche Drama hinaus wird ein Konflikt zwischen dem Psychiater und dem Team von Parapsychologen ausgelöst. Nachdem Psychiater Sneidermans professioneller Ansatz versagt hat, wird er emotional in den Fall hineingezogen.
Der Abspann enthält den Hinweis: „Der Film, den Sie gerade gesehen haben, ist eine fiktionalisierte Darstellung eines wahren Vorfalls, der sich im Oktober 1976 in Los Angeles, Kalifornien, ereignete. Er gilt unter Parapsychologen als einer der außergewöhnlichsten Fälle in der Geschichte der Parapsychologie. Die echte Carla Moran lebt heute mit ihren Kindern in Texas. Die Angriffe dauern – wenn auch seltener und weniger intensiv – bis heute an.“
Entstehung Der Film basiert auf der realen Geschichte von Doris Bither aus Los Angeles, die behauptete, zahlreiche sexuelle Angriffe durch ein unsichtbares, übernatürliches Wesen erlebt zu haben. Ihr Fall wurde 1975 zehn Wochen lang von den Parapsychologen Kerry Gaynor und Barry E. Taft vom Neuropsychiatric Institute der University of California in Los Angeles, untersucht. Während ihrer Besuche beobachteten sie und ihre Assistenten sich bewegende Gegenstände sowie Bereiche unerklärlicher „Kälte und schlechten Geruchs“. Gaynor und Taft, die den Autor Frank DeFelitta seit 1968 kannten, kontaktierten ihn, damit er einige der Phänomene selbst beobachten könne. Er führte zahlreiche Interviews, welche die Grundlage seines Romans und später seines Drehbuchs wurden. Trotz fotografischer Belege kamen Psychiater zu dem Schluss, die Ereignisse seien durch gewöhnliche Ursachen wie Gruppenpsychose oder einen aufwendig inszenierten Betrug erklärbar.
Autor Frank DeFelitta verkaufte die Filmrechte an seinem neuesten Roman The Entity (1978) im selben Jahr für 300.000 Dollar. Produzent Harold Schneider hoffte, der Film würde „Menschen für die Möglichkeit öffnen, dass Dinge existieren könnten, die über unser begrenztes Verständnis hinausgehen“. Schneiders erste Wahl für die Regie war Roman Polanski, der jedoch aufgrund des sensiblen Thema und des Rufes von American Cinema Productions als Ausbeutungsstudio ablehnte, sodass Sidney J. Furie als Regisseur engagiert wurde.
Es gestaltete sich als schwierig, eine Schauspielerin für die Rolle der Moran zu finden. Kandidatinnen wie Bette Midler, Jill Clayburgh und Sally Field lehnten ab. Barbara Hershey wurde erst zehn Tage vor Drehbeginn besetzt und zögerte wegen mehrerer Nacktszenen. Regisseur Furie löste das Problem, indem er teilweise ein Double und für andere Szenen eine mechanische Puppe im Wert von 65.000 Dollar einsetzte. Schneider beschrieb Hershey später als „Geschenk des Himmels“.
Entity sollte ursprünglich zusammen mit zwei weiteren Produktionen von American Cinema Productions in Europa und dem Nahen Osten gedreht werden. Die Dreharbeiten fanden jedoch schließlich im Frühjahr 1980 in El Segundo und den Laird International Studios in Culver City statt. Die Spezialeffekte wurden am 20. Juni 1981 gedreht.
Das Budget betrug 8,5 bis 10 Millionen US-Dollar.
Besetzung und Synchronisation alt=Barbara Hershey|rahmenlos|160x160pxalt=Ron Silver|rahmenlos|160x160pxalt=Margaret Blye|rahmenlos|160x160pxalt=Allan Rich|rahmenlos|160x160pxBarbara HersheyRon SilverMargaret BlyeAllan Rich RolleDarstellerSynchronsprecherCarla MoranBarbara HersheyGisela FritschPhil SneidermanRon SilverJürgen KluckertBillyDavid LabiosaTorsten SenseDr. WeberGeorge CoeLothar BlumhagenCindy NashMargaret BlyeUrsula HeyerDr. CooleyJacqueline BrookesBettina SchönGeorge NashMichael AlldredgeGene KraftRichard BrestoffHans-Jürgen DittbernerJoe MehanRaymond SingerNorbert GescherJulieNatasha RyanDr. WalcottAllan RichAlexander HerzogJerry AndersonAlex RoccoJoachim KemmerVerkäuferin Okkulter BücherSabine Jaeger
Veröffentlichung Der Film gehörte zu den letzten Produktionen von American Cinema Productions, bevor das Unternehmen im Dezember 1981 Insolvenz anmeldete. Im selben Monat begann 20th Century Fox, die weltweiten Vertriebsrechte für Entity zu erwerben.
Obwohl der Film bereits 1981 fertiggestellt war, erschien er aufgrund der Insolvenz von American Cinema Productions erst am 30. September 1982 im Vereinigten Königreich, am 1. Januar 1983 in Panama und Honduras und am 4. Februar 1983 in den USA.
Entity spielte 13 Millionen US-Dollar ein.
Rezeption Aufgrund der expliziten Darstellung sexueller Gewalt sorgte Entity für Kontroversen und Kritik, insbesondere bei Frauenrechtsgruppen wie Women Against Violence Against Women. Schneider und DeFelitta argumentierten dagegen, die Gewalt- und Sexualdarstellungen seien im Vergleich zu anderen Produktionen eher zurückhaltend und Morans Geschichte müsse erzählt werden – unabhängig davon, wen sie möglicherweise verletze. Im Oktober 1983 wurde der Film in Indien verboten, obwohl er zuvor die Zensurbehörde für Erwachsene passiert hatte und bereits 16 Wochen lief. Als Grund wurden weibliche Nacktheit sowie „Szenen von Horror und Grausamkeit“ angegeben.
Die spätere Bekanntheit des Films beruht in erster Linie auf Martin Scorsese, der ihn in seine Liste der gruseligsten Filme aller Zeiten aufnahm, sowie durch Peter Tscherkassky, dessen Found-Footage-Kurzfilme Outer Space (2000) und Dream Work (2002) daraus hervorgingen.
Entity erhielt insgesamt moderate Bewertungen.
Die New York Times kritisierte 1983, auch wenn Hauptdarstellerin Barbara Hershey ihre Rolle überzeugend spiele und auch Ron Silver als Psychiater überzeuge, sei Entity kein Film, der Zuschauer fessle. Der Film biete zwar kurze, schockartige Spannungsmomente, aber auch langweilige Phasen der Wissenschaft. Wer Horror sucht oder sich für Psychiatrie interessiert, werde enttäuscht.
Das Empire-Magazin urteilte: Der Film suche nicht nach allzu vielen Antworten und lasse den Zuschauer unentschlossen zurück, wie schlecht er eigentlich wirklich ist. Die Antwort: gar nicht so schlecht. Es kommt zu dem Fazit: "Ein langer, stellenweise schmerzhafter Film, dem es gelingt, noch ein paar Schocks zu finden, die von Der Exorzist nicht bereits ausgeschöpft wurden, und der die Spezialeffekte des sonst eher zahmen Unsichtbarkeits-Subgenres für seine eigenen finsteren Zwecke nutzt."
Der Filmdienst beschreibt Entity als dilettantischen, mit plumpen Schockeffekten langweilenden Film, der weder Spannung biete noch Einsichten in parapsychologische Phänomene vermittle.
Cinema spricht von einem "mageren Poltergeist-Abklatsch".
Filmkritiker Brad Stevens vom British Film Institute befand 2018, Entity verbinde Darstellungen von missbräuchlichem Patriarchat mit der Erkundung des Bösen in der Gothic-Tradition, kritisierte jedoch, dass Ron Silvers sympathisches Auftreten durch bedrohliche Nahaufnahmen geschwächt werde und seine Funktion als späterer Retter lächerlich wirke. Dennoch unterlaufe der Film auf bemerkenswerte Weise die Grundannahmen des Horror-Genres. Stevens vergleicht ihn mit E.T.: Das Haus einer alleinerziehende Mutter werde von einem nichtmenschlichen Wesen besetzt, das den abwesenden Vater ersetze. Wissenschaftler untersuchen den Eindringling, der schließlich verschwinde, aber in irgendeiner Form weiter präsent bleibe („Ich bin immer bei dir“). Das sage viel über Männlichkeit der Reagan-Ära aus, in der es großes Interesse an einem konservatives Märchen über einen wohlwollenden männlichen Eindringling gebe, dessen Abschiedsbotschaft an eine weibliche Figur „Sei brav“ laute, aber nur geringes Interesse an einem Werk, das den Eindringling als brutalen Frauenhasser darstelle, dessen letzte Worte „Willkommen zu Hause, Schlampe“ seien. Der Film besteche durch seine Beziehung zur Gothic-Literatur: Ist das Böse etwas, das objektiv in der Natur existiert, oder nur ein Etikett, das die Gesellschaft subjektiv auf Energien anwendet, die sie missbilligt? Die differenzierte Perspektive definiere die Gothic-Tradition auf faszinierende Weise neu: Die Entität besitze eine konkrete Existenz, habe aber zugleich eine symbolische Funktion als Verkörperung männlicher Gewalt. Die Parapsychologen halten Carlas Erfahrungen für real, missverstehen aber die Natur dieser Realität; Dr. Sneiderman wiederum halte die Erfahrungen seiner Patientin für symbolisch, missverstehe jedoch die Natur dieser Symbolik. Auch mache der Film die Gemeinsamkeit zwischen dem Geist, Dr. Sneiderman und den Parapsychologen deutlich: Alle drei betrachten Carla nur als Mittel zur Verfolgung ihrer Ziele. Nachdem Carla von keiner der Gruppen, die um die Rolle ihres Retters konkurrierten, Unterstützung erwarte, wende sie sich ab und verlasse das Haus als Schauplatz ihres Missbrauchs. Genau hier geraten erneut die Ebenen in Konflikt: Carla könne das Gebäude verlassen, doch das Patriarchat existiere in der Welt weiterhin.
Die Horrorfilmwebsite Thrill & Kill lobte 2023, Entity mute realistischer an als viele andere Werke von Poltergeist bis Insidious (in dem Barbara Hershey ebenfalls mitspielt). Der Film bemühe sich mehr um eine plausible Abhandlung als um Jumpscares und Gruselgestalten, weshalb es ihm am üblichen Spannungsbogen fehle. Dafür sehe er mehr nach wahrer Begebenheit als nach Hollywood aus. Neben dem Übernatürlichen habe der Film auch eine gelungene Intention: der Unglaube und die Reaktion, die wir Vergewaltigungsopfern und psychisch Kranken oft entgegenbringen. So fange der Film einen Moment auf, in dem sich ihr Freund von ihr abzuwenden scheine, nachdem er mit eigenen Augen Zeuge wurde. Hershey spiele ihre Rolle mit vollem Körpereinsatz. Die Rolle der verzweifelten Frau, die letztlich den Kampf aufnimmt, fülle sie ohne Pathos und trage damit zur Glaubwürdigkeit bei. Gelobt wird auch die Musik von Charles Bernstein, der später u. a. Nightmare on Elmstreet untermalte. Diese erinnere an die Psycho-Geigen und Industrial-Sound. Entity sei ungewöhnlich und passe nur bedingt ins Horror-Raster. Der Film sei eher ein übernatürliches Drama als Horrorfilm. Man sehe weder spaßigen Grusel, noch bewährte Strukturen, was sicher einigen missfalle. Für einen über 40 Jahre alten Film sei er gut gealtert.