Jahrsdorf (niederdeutsch: Jårsdörp) ist eine Gemeinde im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein.
Geografie Geografische Lage Das Gemeindegebiet von Jahrsdorf erstreckt sich südlich von Hohenwestedt am Ursprung der Buckener Au am Rande des Naturparks Aukrug. Dieses Gebiet befindet sich im Osten des Naturraums Heide-Itzehoer Geest (Haupteinheit Nr. 693).
Ortsteile Nienjahn liegt im Gemeindegebiet.
Nachbargemeinden Jahrsdorf wird umschlossen von den Gemeinden-/Stadtgebieten von:
Landschaft Einige Meter der alten Weißdornhecke, die einst das Dorf durchzog, sind bis heute noch erhalten geblieben.
Am Ehrenmal stehen Eichen seit 1870/71
Einzelne über 100 Jahre alte Eichen und Buchen finden sich auf einer Wiese am Quellengrund.
Von den 1934 im Dorf nachgewiesenen 212 Apfelbäumen, 94 Birnbäumen, 60 Süßkirschen, 27 Sauerkirschen, 71 Pflaumenbäumen, sieben Walnuss- und einem Pfirsichbaum sind nur noch ein kleiner Apfelgarten an der Dorfstraße hinter dem Ehrenmal sowie einzelne Streuobstbäume vorhanden.
In Jahrsdorf gibt es einige Wasserquellen: Auf dem „Jettmoor“ bei Nienjahn liegt die Quelle der Buckener Au.http://bekau-verband.de/cms/front_content.php?idcat=78 Eine Ursprungsquelle der Wapelfelder Au entspringt auf dem Hälln an der Bundesstraße Richtung Itzehoe; zwei weitere auf dem Burdiek und der Teichwiese zwischen Jahrsdorf und Hohenwestedt.
1964 schrieb hierzu ein Hohenwestedter Lehrer: „Jahrsdorf besitzt einen Bodenschatz, der bisher nur wenig beachtet wurde. - Es ist das Grundwasser.“Lucinde Boye, Chronik der Gemeinde und Schule zu Jahrsdorf, Handschriftliche Zusammenfassung, Jahrsdorf 1999, S. 84.
Geschichte Frühzeit bis Erster Weltkrieg Im Jahre 1149 wurde Jahrsdorf als Geresthorp erwähnt, das auf einen Adligen Gottschalk von Geresthorp zurückzuführen sein soll.Hanswilhelm Haefs: Ortsnamen und Ortsgeschichten in Schleswig-Holstein Die in der Umgebung befindlichen Hügelgräber deuten auf eine vorgeschichtliche Besiedlung hin. 1975 wurde bei Baggerarbeiten zum Kiesabbau ein Großsteingrab in der Gemarkung Jahrsdorf gefunden.
Die Jahrsdorfer Feldmark und hier besonders seine höchste Erhebung der Jarschenberg (52 Meter), als Höhenzug auch Jahrsche BalkenListe von Erhebungen in Schleswig-Holstein genannt, besitzt für die Heimatgeschichte der Holsten eine besondere Bedeutung. Hier wurde ein hohes Thinggericht, das Goding abgehalten.http://www.alt-bramstedt.de/der-raum-segeberg-im-zeitalter-der-altsaechsischen-gauverfassung Der Raum Segeberg im Zeitalter der altsächsischen Gauverfassung Bis 1560 soll es dort für den ganzen Holstengau stattgefunden haben.Hans Harald Hennings: Zur Geschichte des Godings auf dem Jahrschen Balken in Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Bd. 87 (1962) S. 91–124.
Noch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gehörte der Jahrsdorfer Balken der Kirche in Hohenwestedt und wurde „Kirchenholz“ genannt.Niels Falck, Neues Staatsbürgerliches Magazin, Band 3, S. 649 ff. Erst danach gelangte das Waldgebiet in den Besitz der alteingesessenen Jahrsdorfer Bauernfamilien, die als Geestbauern wie die wohlhabenderen Marschbauern frei und nicht der Leibeigenschaft unterworfen waren. Eine landwirtschaftliche Selbstverwaltung wie die Eiderstedter oder Dithmarscher hatten sie allerdings nicht. Sie waren dem Landesherren unmittelbar untertan und mussten bis zur Bauernbefreiung Dienste und Abgaben zu leisten.
Im 19. Jahrhundert war die Gemarkung Jahrsdorf überwiegend bewaldet. Noch 1870 wurden nachweislich Schweine aus Dänemark jeweils bis zum Frühjahr im Wald gemästet (Eichelmast). Die Haupterwerbsquelle der Einwohner Jahrsdorfs war die Landwirtschaft. Die alteingesessenen Bauern betrieben jeweils zur Hälfte Acker- und Weidewirtschaft. Roggen, Hafer, Buchweizen, Kartoffeln, Rüben und Kohl wurden auf den Höfen des Dorfes angebaut.
Im 18. Jahrhundert hatte das Dorf noch eine „Hirtenkate“, die der Dorfschaft gehörte und in der im Winter von einem gemieteten Lehrer Schule abgehalten wurde. Diese Hirtenkate, die im „Eekhof“ stand, wurde in den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts abgerissen, da der Dorfhirtendienst eingestellt wurde. 1856 wurde die Dorfschule gebaut (Siehe dazu Abschnitt Dorfschule). Mit dem seit 1848 im Dorf tätigen Lehrer Matthießen begannen 1881 die Aufzeichnungen der in Sütterlinschrift verfassten Jahrsdorfer Schulchronik, die in den Folgejahren von den in Jahrsdorf tätigen Lehrern fortgeführt wurde. 1873 gab es im Dorf zwei Vollhufner, vier Halbhufner, sechs Viertelhufner und vier Kätner.
1895 kostete der Roggen je 200 Pfund nur 11 bis 12 Mark, Gerste war noch billiger, Buchweizen dagegen war etwas teurer. Das Rindvieh stand aber „in hohen Preisen“: Kühe wurden für 400 Mark und mehr verkauft.
1906 gründeten die Jahrsdorfer einen Wassergenossenschaftsverein und legten die Leitung vom „Burdiek“ Richtung Schule.
1911 herrschte die Maul- und Klauenseuche. Zwar genas das Vieh wieder, aber durch den verminderten Milchertrag und die Gehöftsperre entstand den Landleuten erheblicher Schaden. Schweine durften nicht verkauft werden.L. Boye, Chronik, S. 24.
Am 10. März 1913 fand in der Dorfschule eine Feier zur Erinnerung an die Erhebung des deutschen Volkes gegen die französische „Fremdherrschaft“ statt (1813) statt.http://www.fes.de/fulltext/historiker/00671003.htm#E9E4 Lehrer Lindschau hielt eine Ansprache. Darin schilderte er die Erhebung des deutschen Volkes im Frühjahr 1813 und hob die Bedeutung des Tages als „Jahrhunderttag“ der Stiftung der Eisernen Kreuzes und des Geburtstags der preußischen Königin Luise von Mecklenburg-Strelitz hervor.
1913 fand ebenfalls eine Feier zum „Regierungsjubiläum“ des Kaisers statt.
1914 kam Lehrer Behrens nach Jahrsdorf.L. Boye, Chronik, S. 26. Nach der Mobilmachung seien die jungen Soldaten mit großer Zuversicht und Gottvertrauen „fröhlich ins Feld gezogen“. Im Dorf gab es Einquartierungen: eine Kompanie Infanterie-Ersatzreservisten und Kriegsfreiwillige. Nach mehreren Wochen mussten sie an die Front nach Belgien. 1916 gab es „Nährmittel und Seifenkarten“. 250 g gab es auf Fleischkarten. Das Schweinefutter war knapp und teuer. 1 Zentner Gerstenschrot kostete 98 Mark, Kleie 50 Mark, Sauenschrot (Strohmehl, Heidemehl, Kastanien, Unkrautsamen) 36 Mark. Während des Krieges durften Kartoffeln und Rüben nicht an das Vieh verfüttert werden. Es herrschte der so genannte „Rübenwinter“. Pro Person erhielten die Jahrsdorfer 250 g Kartoffeln und 500 g Rüben. Der Milchertrag war angesichts der Futtermittelknappheit im Winter 1917/18 so gering, dass Bauern mit zwölf Kühen nicht einmal eine Suppe für ihren Haushalt kochen konnten. In diesem Jahr wurden die Schulferien so gelegt, dass Kornernte oder Kartoffelernte war, damit die Schüler mitarbeiten konnten. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Situation nicht wesentlich besser. 1920 wurde das Getreide knapp.L. Boye, Chronik, S. 27 Für ein Doppelzentner Buchweizen wurden 400 Mark gefordert. Ein Pfund Hafer kostete 1,50 Mark. Bekleidung war beinahe unbezahlbar, eine Rolle Nähgarn kostete 18 Mark.
Die Inflation war auch in Jahrsdorf angekommen. 1927 wurde das Getreide des Dorfes sehr schlecht bezahlt; die Futtermittel waren teuer. Schlachtvieh und Gefrierfleisch kamen aus dem Ausland auf die Märkte. Die hiesige Schweinemast war nicht mehr rentabel. Bei jedem Schwein wurde beim Verkauf Bargeld zugesetzt. Der Unmut der Landbevölkerung wuchs. (Zur Landvolkbewegung in Schleswig-Holstein siehe Landvolkbewegung (Schleswig-Holstein).)
Im Januar 1928 kam es zu einer Demonstration vor den Finanzämtern. Kein Bauer konnte zahlen, weil die Steuern zu hoch waren. Für Kartoffeln gab es zu wenig Geld, sodass sie „eingemietet“ wurden. Im harten Winter 1928/29, der bis Mai dauerte, erfroren die Kartoffeln in ihren „Mieten“. Am 4. September 1929 vollendete das von Graf Zeppelin konstruierte Luftschiff den ersten Rundflug um die Erde, die Jahrsdorfer Volksschüler hatten daher schulfrei.
Am 1. Juli 1930 hatten alle Schulkinder anlässlich der Räumung des Rheinlandes schulfrei.
Am 9. Juli wurden die Fahnen auf halbmast gesetzt, weil in Koblenz die Befreiungsfeier in Anwesenheit des Reichspräsidenten von Hindenburg 34 Menschen aus „lautem Festjubel“ in den Tod gerissen worden waren, als eine Brücke einstürzte.
1930 war für die Landwirtschaft sehr ungünstig. Das Korn musste zwischen dem Regen vom Feld „gestohlen“ werden; von der Hitze war der Hafer „verbrannt“. Der Roggen wurde vollkommen ausgewachsen eingefahren.
Am 21. März 1931 wurde die „Winterhilfe“ ins Leben gerufen; überall gab es Konkurse und Zwangsversteigerungen. Gehälter sanken und Steuern waren nicht zu bezahlen. Korn und Kartoffeln wurden noch gut bezahlt (Roggen 10–11 Mark). Pro Jahr gab es für Rinder und Schweine 30–33 Mark bzw. 35–37 Mark.
1932 wehten die Fahnen an der Schule wieder auf halbmast: Das Schulschiff Niobe der Reichsmarine war mit 69 Mann Besatzung vor Fehmarn gesunken.
Nationalsozialismus In der Nacht nach der Reichstagswahl hatten radikale SS-Trupps u. a. auf dem Glüsinger Berghttp://library.fes.de/spdpdalt/19321110.pdf im benachbarten Hohenwestedt ein Sprengstoffattentat mit drei Handgranaten auf das Haus eines SPD-MitgliedsFelicitas Glade, Ernst Bamberger, Wilhelm Hamkens: eine Freundschaft in Mittelholstein, 2000, S. 95 f. verübt, wie der Jahrsdorfer Lehrer Steen in der Schulchronik notiert.L. Boye, Chronik der Schule zu Jahrsdorf, 1999, S. 32 Bereits im November 1925 hatte sich in Hohenwestedt eine Ortsgruppe der NSDAP gegründet. Hohenwestedt und die umliegenden Landgemeinden waren schon 1924 mehrheitlich dem „Völkisch-Nationalen“ zugewandt gewesen.http://www.akens.org/akens/texte/info/33/333409.html " In kürzester Zeit entstanden im Laufe des April 1924 Ortsgruppen in Hohenwestedt, Nindorf, Osterstedt, Wapelfeld und Tappendorf mit bis zu vierzig Gründungsmitgliedern, „deutschvölkisch denkende Männer“, wie es hieß. In Hohenwestedt und der angrenzenden kleinen Gemeinde Vaasbüttel wurden im August 1924 und im April 1925 „Nordmarkthings“ mit Tausenden von Uniformierten veranstaltet, die im Parademarsch an ehemaligen hohen Militärs vorbeizogen."
Anlässlich der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933 wehten überall die Hakenkreuzfahnen. Im Dorf begann das neue Schuljahr am 1. Mai mit den Feiern zum „Tag der nationalen Arbeit“. 1936 war von Frühjahr bis Herbst der Reichsarbeitsdienst im Einsatz. Unter den großen Eichen neben der Gastwirtschaft war das Lager errichtet. Aus den alten versumpften Wasserkuhlen wurden Löschwasserteiche gebaut. Als 1939 der Krieg gegen Polen begann, herrschte im Dorf −20 °C, sodass die zahlreichen Obstbäume und Weinstöcke des Dorfes erfroren.
1940 wurde auch der Lehrer Steen zum Heeresdienst einberufen. Bis zum Januar 1941 waren weitere fünf Jahrsdorfer Männer zum Frontdienst einberufen worden. Davon nahm einer am Überfall auf Polen bis Lemberg teil. Ein Jahrsdorfer musste an den Westwall, ein weiterer in das besetzte Belgien und in die Baukompanie einer Luftwaffenabteilung.L. Boye, Chronik, S. 38.
Belgische und französische Kriegsgefangene sowie polnische „Zivilarbeiter“ halfen auf den Höfen des Dorfes, deren Männer eingezogen worden waren. Der Ortsbauernführer beschäftigte auf seinem Hof eine Ukrainerin, zwei französische Kriegsgefangene (Brüder), ein polnisches Mädchen und einen Deutschen aus den Karpaten. Auf den Nienjahner Höfen waren Deutsche aus dem Banat, auf einem anderen Hof waren ein polnisches Ehepaar, ein Franzose, ein Pole sowie eine Ukrainerin und eine Russin im Einsatz. Die Gefangenen waren in den hergerichteten Stallungen der Witwe Fock untergebracht. Sie konnten sich frei bewegen, wurden aber nachts eingeschlossen und von einem Wachmann bewacht. An der Wand ihrer Unterkunft hinterließen sie eine handgemalte Weltkarte. Die polnischen Gefangenen unterstanden einer „zivilen Landwehr“http://www.documentarchiv.de/ns/1935/wehrgesetz.html und mussten abends um 21 Uhr in ihrer Unterkunft sein.