mini|Dillingen/Saar, Odilienplatz mit Blick zum Saardom mini|Dillingen/Saar, Saardom mini|Dillingen/Saar, Fußgängerzone Stummstraße Dillingen/Saar ist eine Stadt im Landkreis Saarlouis, Saarland. Sie hat etwa 20.000 Einwohner und gliedert sich in die drei Stadtteile Dillingen-Innenstadt, Pachten und Diefflen. Das Stadtgebiet liegt am Rand des Naturparks Saar-Hunsrück an der Mündung der Prims in die Saar und ist etwa 10 km von der französischen Grenze entfernt. Historisch gehörte Dillingen zum Herzogtum Lothringen, worauf auch sein heutiges Wappen hinweist. Seitdem im Jahr 1685 der französische König Ludwig XIV. in Dillingen die Errichtung einer Eisenhütte genehmigt hatte, ist es wirtschaftlich stark von der Eisenverhüttung (Dillinger Hütte) sowie der Metallverarbeitung geprägt. Hinsichtlich seiner Einwohnerzahl ist es die zweitgrößte Gemeinde des Landkreises Saarlouis, an dessen Kreisstadt es unmittelbar angrenzt.

Geographie

Geographische Lage mini|Mündung der Prims (links) in die Saar (rechts) Dillingen liegt rechts der Saar im nördlichen Teil des Saarlouiser Beckens und damit im Saar-Nahe-Becken. Das Saarlouiser Becken ist im Nordwesten, Norden und Nordosten von den Höhen des Buntsandsteins begrenzt. Die Buntsandsteinhöhen gehören zu den östlichsten Randstufen des Pariser Beckens und leiten in die Primsmulde über. Die im Schwarzwälder Hochwald entspringende Prims mündet oberhalb des Stadtteils Pachten in die Saar. Wenige Kilometer nördlich des Pachtener Bannes vereinigt sich die Saar mit der aus Lothringen kommenden Nied. Die angeschwemmten Aufschüttungen im Talbecken ermöglichen eine gute landwirtschaftliche Nutzung.

Geologie – Großräumige Übersicht Die Gesteinsschichten des Saarbrücker Steinkohlesattels (Karbon) tauchen nach Nordwesten ab und es kommt zu einer Überlagerung von jüngeren Gesteinen des Rotliegenden und der Trias. Dillingen liegt auf einer Scholle des Mittleren Buntsandsteins. Die rechteckige Scholle ist in Richtung Südost-Nordwest gestreckt und wird im Süden vom Karbon in einer Linie Ensdorf-Hülzweiler-Schwarzenholz begrenzt. Im Südwesten und Nordwesten dieser Buntsandsteinscholle liegen die Höhenzüge des Oberen Buntsandsteins (Röt-Formation) und des Muschelkalks zwischen Berus, Siersburg und dem Haustadter Tal. Die Gesteine des Unter-Rotliegenden und des Karbons bilden den nordöstlichen Randbereich.Aloys Lehnert: Geschichte der Stadt Dillingen Saar. Druckerei Krüger, Dillingen 1968, S. 23–25.

Geologie – Engerer Raum mini|Blick auf das Limberg-Massiv von Saarfels aus Die ausgeweitete Tallage des Raumes Dillingen und Saarlouis liegt im Bereich des Mittleren Buntsandsteins, in den sich die Täler der Saar und der Prims eingegraben haben. Die linke Talflanke der Saar bei Dillingen, der Limberg, wird von einer steilen Voltziensandsteinstufe gebildet, während eine rechte Talflanke ganz fehlt. Auf diesem Flachrelief mit auflagernden jüngeren Schotterdecken breitet sich das Bebauungsgebiet von Dillingen und Pachten aus.Heinz Quasten: Naturräumlicher Abriß (sic). In: Fred Oberhauser: Das Saarland. Kunst, Kultur und Geschichte im Dreiländereck zwischen Blies, Saar und Mosel. (Dumont-Kunstreiseführer), Köln 1992, S. 340–353, hier S. 346.

Im Mittleren Buntsandstein sind vorwiegend mürbe, leicht erodierbare Sandsteinformationen entwickelt. Darüber liegt der Obere Buntsandstein (Röt-Formation), der sich aus festeren, zu Teilen tonig oder karbonatisch gebundenen Sandsteinen aufbaut. Diese wurden in früheren Zeiten in zahlreichen Steinbrüchen als Baustoff gewonnen. Darüber befinden sich Muschelkalk-Schichten: Die unterste Muschelkalkschicht bilden sandig-tonig-kalkige Gesteine. Die mittlere Muschelkalkschicht enthält Mergel mit Gips und Anhydrit. Die obere Muschelkalkschicht baut sich aus massigen Kalken und plattigen Kalken mit Mergellagen auf.

Über diesen festen Untergrundgesteinen sind flächenhaft Sedimentterrassen der Flüsse Saar und Prims abgelagert. Die unterschiedlichen Höhenlagen dieser Terrassen geben Zeugnis von verschiedenen Stadien der Eintiefung der beiden Flüsse und der Ablagerung von mitgeführtem Kiesschotter. Die jüngsten Ablagerungen bilden die Auenlehme der beiden Flusstäler.

Morphologie Im Stadtgebiet Dillingens liegt der Schnittpunkt der beiden Flusstäler von Saar und Prims. Die Prims beendet hier ihren 91 Kilometer langen Lauf. Die Geländehöhe bei der Mündung beträgt . Östlich der Saar kommt auf beiden Ufern der Prims Mittlerer Buntsandstein vor. Er ist breitflächig abgetragen und bildet eine flachwellig gestufte Landschaft. Die Flächen sind von breiten Kies- und Lehm-Terrassenfeldern bedeckt.

Mineralogie Nahezu alle im Raum Dillingen auftretenden Gesteine sind wirtschaftlich nutzbar. Die mürben Gesteine des Mittleren Buntsandsteins wurden als Sand in Gruben oder Hangkanten abgebaut. Die festeren Sandsteine des Oberen Buntsandsteins (Röt-Formation) lieferten Hau- und Bruchsteine. Aus den Terrassen wurde Kies gewonnen. Lehme wurden als Ziegeleimaterial nutzbar gemacht.Aloys Lehnert: Geschichte der Stadt Dillingen Saar. Druckerei Krüger, Dillingen 1968, S. 25–26.

Klima Das Klima in Dillingen ist gemäßigt ozeanisch, aber warm. Es gibt das ganze Jahr über deutliche Niederschläge. Selbst der trockenste Monat weist noch hohe Niederschlagsmengen auf. Im Jahresdurchschnitt herrscht eine Temperatur von 9,7 °C. An Niederschlag fallen im Durchschnitt innerhalb eines Jahres 724 mm. Der geringste Niederschlag mit 48 mm fällt im Monat April. Im Gegensatz dazu ist der August der niederschlagsreichste Monat des Jahres mit 71 mm Niederschlag. Hinsichtlich der Temperatur ist der Juli der wärmste Monat mit einer durchschnittlichen Temperatur von 18,2 °C. Mit durchschnittlich 0,9 °C ist der Januar der kälteste Monat des ganzen Jahres. Die Differenz der Niederschläge zwischen dem niederschlagsärmsten Monat und dem niederschlagsreichsten Monat beträgt 23 mm. Hinsichtlich der Temperatur schwanken die durchschnittlichen Werte im Jahresverlauf um 17,3 °C.de.climate-data.org abgerufen am 10. Januar 2016.Werte auf saarland.de.

Raumnutzung Das Stadtgebiet von 22,07 km² ist folgendermaßen aufgeteiltStatistisches Porträt der Stadt Dillingen/Saar für 2011. veröffentlicht im April 2012, dillingen-saar.de: Wohnen: 2,28 km² Industrie und Gewerbe: 2,3 km² Verkehr: 1,88 km² Wald: 6,41 km² Erholung: 0,26 km² Wasser: 0,12 km² Landwirtschaft: 4,98 km²

Nachbarkommunen Die Stadt hat sechs Nachbarkommunen. Im Uhrzeigersinn sind das Beckingen, Nalbach mit den Ortsteilen Bierbach und Nalbach, Saarwellingen, Saarlouis (mit dem Ortsteil Roden (Saar)), Wallerfangen sowie Rehlingen-Siersburg. Dillingen liegt etwa 60 km von Luxemburg (Stadt) und Trier, 50 km von Metz sowie 30 km von Saarbrücken entfernt und grenzt unmittelbar an das Stadtgebiet von Saarlouis an.

Stadtgliederung Dillingen besteht aus drei Stadtteilen: Dillingen, dem 1936 eingemeindeten Pachten und dem 1969 hinzugekommenen Diefflen.

Einwohner Die Gesamteinwohnerzahl von etwa 21.000 Menschen verteilt sich folgendermaßen auf die einzelnen Stadtbezirke:

Name des Stadtbezirkes Einwohner Dillingen (Innenstadt) 7.095 Dillingen (Nord) 2.167 Überm Berg 2.661 Pachten 4.377 Diefflen 4.672

Geschichte

mini|Postkarte Dillingen a.d. Saar aus dem Jahr 1898 mini|hochkant|Odilienstatue vor dem Saardom, errichtet zur Erinnerung an das mittelalterliche Kirchenpatronat des Frauenklosters auf dem Odilienberg im Elsass Ein steinzeitlicher Faustkeilfund,Constanze Höpken, Nicholas Conard: Der Faustkeil aus Wallerfangen. In: Von der Steinzeit bis zur Gegenwart - Nachforschungen zur Wallerfanger Geschichte. Theodor Liebertz zu Ehren herausgegeben zu dessen 150. Geburtstag. Hrsg.: Verein für Heimatforschung Wallerfangen e. V. Eigenverlag, Wallerfangen 2019, S. 83–90. reiche Bronzedepots der späten Urnenfelderzeit (9. Jh. v. Chr.), eine mehrfach gestaffelte Abschnittsbefestigung der Hallstattzeit (8.–6. Jh. v. Chr.) auf dem sich an der Saar annähernd 359 m hoch erhebenden, halbinselartigen Bergmassiv des LimbergesHerbert Liedtke, Karl-Heinz-Hepp, Christoph Jentsch: Das Saarland in Karte und Luftbild. Ein Beitrag zur Landeskunde. Hrsg. vom Landesvermessungsamt des Saarlandes. Neumünster 1974, S. 73. sowie ein Gräberfeld mit einem durch goldene Hals- und Armringe ausgezeichneten „Fürstinnengrab“ der spätesten Hallstattzeit (um 500 v. Chr.) belegen eine Zentrumsfunktion des Dillingen-Wallerfanger Raumes auf beiden Ufern der mittleren Saar in vor- und frühgeschichtlicher Zeit.

Die gallo-römische Siedlung Contiomagus bestand an der Kreuzung der Fernstraßen Metz–Mainz und Trier–Straßburg, im heutigen Stadtteil Pachten. Um 275/276 wurde Contiomagus im Zuge der Völkerwanderung zerstört und wieder aufgebaut.

Die älteste schriftlich erhaltene Nachricht von „Dillingen“ und „Pachten“ findet sich in einer Urkunde des Trierer Bischofs Albero von Montreuil (1131–1152), worin erklärt wurde, dass die Bevölkerung der beiden Orte jährlichen zum Grab des heiligen Lutwinus ins Kloster Mettlach an der Saar wallfahren musste. Seit dem frühen Mittelalter gehörte Dillingen zum Herzogtum Lothringen, das im Jahr 925 unter die Oberhoheit des ostfränkischen Reiches gelangte. Dillingen und Pachten unterstanden dem herzoglich-lothringischen Amt Siersberg auf der anderen Saarseite. Zu diesem Amt gehörte auch die mittelalterliche Dillinger Wasserburg an der Prims, die im Jahr 1357 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Im Jahr 1324 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung von Diefflen. Seit seiner Gründung im Hochmittelalter war Diefflen historisch mit den Nalbacher Talgemeinden verbunden und gehörte als Teil des Hochgerichtes Nalbacher Tal zu den Nicht eingekreisten zum Heiligen Römischen Reich zugehörigen Territorien und Ständen.

Zwischen 1618 und 1648 gab es Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg sowie in den Jahren 1672–1678/79 im Holländischen Krieg. Mit dem Tode des lothringischen Herzogs Stanislaus I. Leszczyński im Jahr 1766 übernahm Frankreich die Herrschaft Lothringens und damit auch über Dillingen und Pachten. Somit verlief die Staatsgrenze zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation zwischen Dillingen/Pachten und Diefflen. Im Jahr 1685 erhielt die Dillinger Feudalherrschaft durch König Ludwig XIV. die Erlaubnis zur Errichtung einer Eisenhütte (Dillinger Hütte). Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken erreichte beim französischen König Ludwig XVI. durch „lettres patentes“ vom April 1789 aus Versailles die Erhebung der bisherigen Baronie Dillingen zum Herzogtum innerhalb des französischen Staatsverbandes.

Die Französische Revolution beendete die lokale Dillinger Adelsherrschaft. Am 17. Oktober 1797 wurde auch Diefflen, als Teil des Nalbacher Tales, wie alle linksrheinischen Territorien in einem geheimen Zusatzartikel des Friedensvertrages von Campo Formio, der zwischen Frankreich, vertreten durch Napoléon Bonaparte, und dem römisch-deutschen Kaiser Franz II. geschlossen wurde, Frankreich zugeschlagen. Dillingen, Pachten und Diefflen wurden nach der Eroberung der linksrheinischen deutschen Territorien durch die französischen Revolutionsarmeen im Jahr 1794 ab dem Jahr 1798 Teil des neu geschaffenen französischen Département de la Sarre (dt. Saardepartement).

Durch die Bestimmungen des Ersten Pariser Friedens vom 31. Mai 1814 wurden Dillingen und Pachten wiederum Frankreich zugeordnet. Diefflen war durch den Ersten Pariser Frieden nicht mehr Teil Frankreichs. Es unterstand einer österreichisch-bayerischen Landesadministrationskommission. Das bedeutete vor Ort, dass die östliche Banngrenze von Dillingen und Pachten und die westliche Banngrenze von Diefflen für mehr als ein Jahr zugleich Staatsgrenze war. Im Jahr 1815 wurden Dillingen und Pachten im Zweiten Pariser Frieden dem Staat Preußen angegliedert. Im Jahr 1816 trat der Kaiser von Österreich, Franz I., im Wormser Territorialausgleichspatent Diefflen an Preußen ab.