mini|Luftbild von 2019: sichtbar sind links der Bleichweiher sowie in der Bildmitte Altes Schloss und Neues Schloss (eingerüstet) hinter der Stadtpfarrkirche|350x350px Das Alte und Neue Schloss Neustadt an der Aisch sind ein Schlosskomplex in Neustadt an der Aisch, der Kreisstadt und neben Bad Windsheim eines der beiden Zentren des mittelfränkischen Landkreises Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim. Das Alte Schloss wurde unter Markgraf Albrecht Achilles erbaut und 1448 fertiggestellt. Das Neue Schloss wurde ab 1575 unter Markgraf Georg Friedrich errichtet und ist 1906 bis auf den Treppenturm abgebrannt, es wurde 1915 durch das in historisierender Formensprache erbaute „Zentralschulhaus“ ersetzt.

Geschichte Historisch ging Neustadt (so erstmals um 1285 genannt) im 13. Jahrhundert als von Nürnberger Burggrafen geschaffene „neue Stadt“ aus dem südlichen Teil des ehemaligen, seit etwa 741 nachweisbaren Königshofs Riedfeld, heute ein Gemeindeteil Neustadts, hervor. Um 1287 befahl der Landesherr Friedrich, in dem nun Neustadt („Nuwenstat“) genannten südlich der Aisch gelegenen Teil des Marktes RiedfeldGernot Schmidt: Die evangelische Stadtkirche St.Johannes der Täufer. Neustadt an der Aisch, S. 85 (). eine (bis auf eine am Haus von Wilhelm Edelmann 1946 durch den Reißzeugfabrikanten Kraft freigelegte Mauer nicht mehr erhalteneMax Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. 1950.) Burg am Südostende Riedfelds auf der Anhöhe der späteren „Kellerei“Zur Lage etwas südlich des Diespecker Tors siehe Max Döllner (1950), Faltblatt zwischen S. II und III („Die Fürstliche Kellereÿ“) sowie S. 33 f. zu errichten, welche als Festung, Verwaltungssitz (Vicedominat) und immer wieder auch als Fürstenwohnung des Burggrafen und später des Markgrafen diente. Dieses 1493 von Appel von Seckendorff als Steinbau neuerrichtete „veste Haus“, wovon sich noch Reste in der heutigen Hinteren Kellereigasse 15Gernot Schmidt: Eine Exkursion in das Keller- und Gängelabyrinth von Neustadt. Neustadt an der Aisch (Online-Version).Gernot Schmidt: Neustadt, S. 115 f. befinden, wurde von Friedrichs Stellvertreter (Vicedom im 1287 eingerichteten Vicedominat) Gutend von Seckendorff (später, beginnend 1523 mit Veit von Lentersheim, vom Adelsgeschlecht Lentersheim) befehligt. Damit erhielt die „Neue Stadt“ der Nürnberger BurggrafenLaut Döllner „Wohnsitz einer Herren-, Offiziers- und Beamtenschicht“. Siehe Max Döllner (1950), S. 99 und 425. 1287 eine aus Mauern mit Türmen und gemauerten Toren bestehende Befestigung. Für die Mehrzahl der Orte in der Umgebung war Neustadt in den 1280er Jahren Vicedomssitz. Um 1291 ist, unter dem Vicedominat (Landeshauptmannschaft) des Gutend von Seckendorff, als (Advocatus-)Vogt bzw. Klostervogt Hartung von Riedfeld belegt.

Die Hohenzollern bauten die „Neue Stadt“ aufgrund ihrer günstigen Lage an der Handelsstraße zwischen Würzburg und Nürnberg am Mittellauf der Aisch zum wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zentrum aus und aus der burggräflichen Weiterentwicklung eines Teils der alten Siedlung Riedfeld entwickelte sich somit die heutige Stadt Neustadt an der Aisch. Um 1370 kam es vermutlich zu einer Stadterweiterung bei deren Mauerbau das „Obere Tor“ (heute Nürnberger Tor) erbaut worden sein dürfte.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. 1950.

Altes Schloss mini|links|Torhaus des Alten Schlosses vom Schlosshof aus gesehen. Rechts der kleine für Friederike angelegte Hofgarten, zu dem eine Brücke über den Stadtgraben führteMax Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. 1950. mini|hochkant|Altes Schloss mit Schlosshof und Künstler-Ateliers

Das an der Bamberger Straße gelegene Alte oder Innere Schloss (mit dem später als „Maschikeles-Turm“ bezeichneten Rundturm) wurde in den 1430er Jahren als Wasserschloss (nach der Burgfeste Neustadts zweites „Schloss“) an der Nordecke der Stadt unter dem Markgrafen zu Ansbach Albrecht Achilles erbaut, 1448 fertiggestelltGernot Schmidt: Die evangelische Stadtkirche St.Johannes der Täufer. Neustadt an der Aisch, S. 85 – . und von ihm seit 1451 bewohnt. Nach seinem Tod (1486) war es Witwensitz seiner zweiten Gemahlin, Markgräfin und Kurfürstin Anna, Herzogin zu Sachsen (1437–1512), die dort ab 1486 ein Vierteljahrhundert Hof hielt, zweien ihrer Töchter die Hochzeit ausrichtete und Neustadt zum geistigen Mittelpunkt des fränkischen Zollernlandes machte. Der Rundturm am Schloss wurde 1526 durch Kasimir zum Batteriestand ausgebaut. Nach Vollendung des Neuen Schlosses 1626 wurde das Alte Schloss zum Nebengebäude degradiert, unter anderem als Amts- und Wohnsitz des Landeshauptmanns (Vicedom, genannt auch Oberamtmann und „Obervogt“, der als Vogt nicht nur für die Stadt, sondern vielmehr für „das Amt“, d. h. den Landbezirk zuständig war und dem Adel angehörte) und mit der 1612 unter Wolf Philipp Groß von Trockau im nördlichen Nebenbau eingerichteten „Kanzlei“ Sitz der Landeshauptmannschaft.Die Landeshauptmannschaft, meist besetzt mit Grafen, im 17./18. Jahrhundert: Amtmannschaften (Hoheneck, Dachsbach, Baiersdorf und Osternohe), Kastenämter (Neustadt, Hoheneck mit Sitz in Ipsheim, Dachsbach, Baiersdorf, Windsheim und Emskirchen), Verwaltungen (bzw. Klosterämter) im Bereich von Klöstern (Birkenfeld, Frauenaurach, Münchsteinach, Münchaurach, Frauental, Langenzenn und Heilsbronn), Vogteien/Vogteiämter (Neustadt, Ipsheim, Lenkersheim (siehe auch Vogtamt Lenkersheim), Altheim, Liebenau, Hagenbüchach), Verwaltungs und Gerichtsbarkeit führende Schultheißenämter (Burgbernheim, Markt Bergel und Equarhofen), sieben Klöster, drei Städte, fünf große Marktflecken und fürstliche Schlösser. Siehe Max Döllner (1950), S. 108–110 und 316 f. Zum mehrmals umgebauten Komplex gehören der Runde Turm, ein kleiner Schlossgarten, das Torgebäude (der Westbau am Rundturm) und der polygon schließende Kernbau, der durch unregelmäßige jüngere Anbauten (etwa mit dem „Schlösschen“ genannten nördlichen Querbau im Schlosshof, ehemals „Kavalierbau“ für Hofpersonal, dann Wohnung des Schlossverwalters zwischen Neuem Schloss und Diespecker Tor) hufeisenförmig erweitert wurde. Als 1811 für die Verwaltung der landesherrlichen Einnahmen Rentämter eingerichtet wurden, dienten Räume des von der Stadt für 10.450 Mark gekauften und mit anfangs 12.000 Mark Kosten umgestalteten Alten (inneren) Schlosses als bayerisches, die früheren Kastenämter Neustadt und Emskirchen verwaltendes Rentamt.

Vom 1. Oktober 1894Die Neustädter Hospitalstiftung verkaufte, nachdem die Stadt das Alte Schloss als Krankenhaus eingerichtet hatte, 1894 das alte Krankenhaus an der Bamberger Straße für 7500 Mark. Vgl. Max Döllner (1950), S. 553 und 557 f. bis 1958Gernot Schmidt: Das Alte Schloß (Online-Version). bestand im Alten Schloss das „Städtische Krankenhaus“ unter anderem mit Operationsräumen und mit einer geburtshilflichen Abteilung. Erst 1924 kam eine mit einem Desinfektionsapparat ausgestattete Infektionsabteilung hinzu (Ein vom Magistrat beantragter Neubau eines Krankenhauses war 1829 von den Gemeindebevollmächtigten abgelehnt worden und wurde erst 1834 beschlossen. Ein von der Stadt 1886 angeregter Bau eines Distriktskrankenhauses in den Riedwiesen blieb unrealisiert). Anfangs war das Krankenhaus allein vom Bezirksarzt (1862 eingeführt – zuvor gab es den Landgerichts-Physikus bzw. Landgerichtsarzt), dann mit einem zweiten freipraktizierenden Arzt ärztlich versorgt. Die gesetzlich 1831 in Bayern eingeführte Leichenschau wurde erst um 1900 allein den approbierten Ärzten übertragen.

Ab dem 26. Oktober 1911 wurde das Krankenhaus von Augsburger Diakonissen betreut. Der Eingangsbereich (das 1740 errichtete Torhaus, heute eine kleine Bühnehttp://www.neustadt-aisch.de: . beherbergend) wurde 1926 angekauft. Um 1932/33 standen bei Ausgaben des über Mobilien im Wert von 30.758 Mark und ein Vermögen von 31.906 Mark verfügenden Krankenhauses von 41.243 Mark diese übertreffende Einnahmen von 46.954 Mark gegenüber.

Zur Bereitstellung von Krankenbetten wurde im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts das Spitzdach des Maschikeles-Turm (Massiculi-Turm: Turm mit Geschützstellung) genannten Rundturms abgetragen. Dieser sich als ungeeignet erweisende Liegeplatz bestand jedoch nur einige Zeit. Später wurden dort Schulzimmer und 1960Gernot Schmidt: Das Alte Schloß. In: Neustadt, S. 65–69. (Online-Version im Webarchiv.) das Heimatmuseum eingerichtet. Seit 2008 beherbergt es das Aischgründer Karpfenmuseum.

Der massive Maschikelesturm (auch Massikuliturm oder Runder Turm genannt) des „Albrechtsschlosses“ ist im Kern spätmittelalterlich. Im Original erhalten sind nur die beiden unteren Geschosse. Der obere Abschluss mit (verschaltem) Fachwerkaufbau, Kegeldach und Laterne ist rekonstruiert. Die Rundbogenfenster im ersten Obergeschoss stammen aus dem 19. Jahrhundert, als nach 1852 erfolgtem Beschluss von König Max II. der Rundturm (mit dem nordwärts anschließenden Gebäudeflügel) des damals als Rentamt genutzten Alten Schlosses als römisch-katholische Kapelle diente. Die katholische Gemeinde kaufte 1860 den Runden Turm mit dem Nordflügel des Alten Schlosses an und gestaltete ihn zur Kirche und das Haus zur Wohnung für den Geistlichen (am 24. August 1860 zog der Kaplan der Pfarrei Ullstadt, F. X. Böhm als erster ein), der am 6. November 1862 als Pfarrcuratus alle Rechte eines Pfarrers erhielt.

Neues Schloss mini|hochkant|Achteckiger Treppenturm mit Welscher Haube mini|links|Neues Schloss (Grund- und Hauptschule)

Der Bau des Neuen Schlosses am „Diespecker Tor“ auf dem Platz der Vorburg des alten Wasserschlosses wurde 1575 unter Markgraf Georg Friedrich (einem Urenkel des Albrecht Achilles) begonnen. Baumeister bzw. der wohl letzte der (die bereits vor 1575 fertiggestellten Pläne) ausführenden Maurermeister war der mit einer Neustädterin verheiratete und aus Meßkirch in Württemberg stammende Peter Fahrenschon, vermutlich mit Einflussnahme von Thomas Martinotus. Ein Honorar erhielt Fahrenschon nicht, da der Markgraf unzufrieden mit seinem Baumeister war und ihn sogar mit dem Tode bedrohte, so dass Fahrenschon aus Neustadt in seine schwäbische Heimat floh. Unter Markgraf Georg Friedrich (gestorben im April 1603) war der Bau so weit vorangeschritten, dass bereits im Jahr 1600 die Hochzeitsfeier eines Freiherrn von Seckendorff (eines Patenkindes des Markgrafen) darin abgehalten wurde.

Vollendet wurde der Neubau dann erst 1626 unter Markgraf Christian, dem Markgrafen des Fürstentums Bayreuth. Mit seiner Grundrisslösung stellte es eine wichtige Stufe für die Entwicklungsgeschichte des deutschen Schlossbaues dar. Als Wohnschloss ohne eigentliche Befestigungsanlage, das sogar einen Teil der Stadtmauer als Hausmauer nutzt, ist es eine der ersten Residenz-Anlagen dieser Art in Europa. Es handelte sich bei dem „Fürstlichen Schloß“ um ein dreigeschossiges stattliches Gebäude von elf bzw. mit dem Turm vierzehn zu vier Achsen. Das Erdgeschoss öffnete sich mit zehn Korbbögen auf Pfeilern. In der Mitte der Schaufassade stand der achteckige Treppenturm (mit ReittreppeWendeltreppe mit niedrigen Stufen, damit die Markgräfin darauf bis zu ihren Zimmern reiten konnte, was aber wohl nur einige Ulanenoffiziere zustandgebracht haben) auf einem Schrägsockel mit rundbogigem Eingang. Er trug eine verschieferte Kuppelhaube mit Laterne und Knopf. Ein 1610 noch vorhandener Stufengiebel (von ursprünglich zweien) ist nicht mehr vorhanden. Einer 1634 versuchten Brandstiftung einer eingedrungenen Forchheimer Garnison widerstand das Gebäude. Gegenüber dem Neuen Schloss befanden sich im 17. Jahrhundert das Haus des Superintendenten und die Häuser des Diakons. Das Diakonat bzw. Archidiakonat wurde 1570 mit der Wohnung des Diakons gegenüber dem Chor der Stadtkirche eingerichtet.