Broczyna () ist ein Dorf in der Landgemeinde Trzebielino im Powiat Bytowski der polnischen Woiwodschaft Pommern.
Geographische Lage Das Dorf liegt in Hinterpommern, links der Wieprza, etwa 17 Kilometer nördlich von Miastko, zehn Kilometer südwestlich des Kirchdorfs Trzebielino und 5,5 Kilometer nordnordwestlich des Dorfs Dretyń.
Geschichte Das alte Zitzewitzsche Lehen Brotzen befand sich vor 1782 im Besitz des Hauptmanns Friederich von Zitzewitz und kam nach dessen Tod an seine Lehnsnachfolger. Laut Vasallen-Tabelle befand sich um 1804 der 57 Jahre alte Gerhard Christoph von Zitzewitz, Major a. D., im Besitz des Guts Brotzen nebst Bauerngut Börnen und Gut Vangerin.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 526, Ziffer 38 (Google Books). 1856 besaß das Lehen Brotzen ein von Zitzewitz auf Groß Gansen, der es seit 1820 in Besitz hatte;K. Fr. Rauer (Hrsg.): Hand-Matrikel der in sämmtlichen Kreisen des Preussischen Staats auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter, Berlin 1857, S. 143, Ziffer 7 (Google Books). um 1862 gehörte es Hans Eugen von Zanthier (1801–1872), der es 1856 von den Zitzewitz für 80.000 Taler gekauft hatteRobert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 640, Ziffer 57 (Google Books). und in Brotzen seinen Wohnsitz nahm. Um 1884 besaß das Rittergut Brotzen mit Ziegelei und Mühle der Major von Zitzewitz auf Besswitz,P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reich, Band I: Provinz Pommern, Nicolai, Berlin 1884, S. 62–63 (Google Books). um 1892 der Rittmeister von Hagen in Köslin.Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 134–135 (Google Books). Letzter Gutsbesitzer um 1945 war Helmuth Hendel, der aus Hamburg stammte und das 880 Hektar große Rittergut 1926 erworben hatte. Brotzen (Heimatkreis Rummelsburg in Pommern)
Am 1. Dezember 1913 waren auf der 74,0 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Brotzen (= Bauerpöppeln) zwei viehhaltende Haushaltungen vorhanden und in dem 1175,4 Hektar umfassenden Gutsbezirk Brotzen 24 viehhaltende Haushaltungen.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 2. Regierungsbezirk Köslin, 23. Kreis Rummelsburg, S. 112–113, Ziffer 10 (Google Books), und S. 116–117, Ziffer 70 (Google Books).
Am 18. April 1923 wurde die Landgemeinde Brotzen in den Gutsbezirk Brotzen eingegliedert.Amtsbezirk Treten (Territorial.de)
Am 1. April 1927 hatte der Gutsbezirk Brotzen eine Flächengröße von 1249 Hektar und 45 Ar, und am 16. Juni 1925 hatte dieser Gutsbezirk 183 Einwohner. Zu den gleichen Zeiten hatte der Gutsbezirk Brandheide eine Flächengröße von 287 Hektar und 40 Ar sowie 39 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 399, 9. Kreis Rummelsburg, Ziffer 6 und Ziffer 7 (Google Books). Am 30. September 1928 wurden der größte Teil des Gutsbezirks Brotzen einschließlich Pöppelhof, der gesamte Gutsbezirk Brandheide und ein Teil des Gutsbezirks Rohr im Amtsbezirk Rohr zur Landgemeinde Brotzen zusammengeschlossen.
Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Brotzen eine Flächengröße von 23,8 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen insgesamt 24 bewohnte Wohnhäuser an drei verschiedenen Wohnstätten: Brandheide Brotzen Pöppelhof
Die Landgemeinde Brotzen gehörte im Jahr 1945 zum Landkreis Rummelsburg im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs und war dem Amtsbezirk Treten zugeordnet. Das Standesamt befand sich in Treten.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Brotzen Anfang März 1945 von der Roten Armee besetzt. In der Folge wurde der ort als Broczyna Teil Polens.
Demographie
+ Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – adliges Gut und Rittersitz, mit einem Vorwerk, einer Ziegelei, einer Kornmühle, einer Schneidemühle, zwei Kossätenhöfen, einer Schmiede, zehn Feuerstellen (Haushaltungen), einer zur Schlaweschen Synode gehörigen Kirche, die eine Filiale von Treten ist, beträchtliche Holzungen und Fischerei in der Wipper, Seen, Bächen und TeichenLudwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 787, Nr. 10 (Google Books). 1818 95 Kirchdorf (90 Einwohner), adlige Besitzung, und Ziegelei (fünf Einwohner), zum Kirchspiel Treten gehörigAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Ausgearbeitet und herausgegeben von Alexander August Mützell. Band 1: A–F, Halle 1821, S. 182, Ziffer 5038–5039 (Google Books). 1825 119 Dorf mit dem Vorwerk Pöppeln oder Bauer-Pöppeln, einer Kornmühle und einer SchneidemühleFriedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 293, Ziffer 13 (Google Books). 1831 124 Dorf mit einer Wassermühle, einer Ziegelei und neun Häusern, einem Patrimonialgericht, adlige Besitzung, zum Kirchspiel Treten gehörig; dazu Vorwerk Pöppeln oder Bauer-Pöppeln mit vier Häusern und 32 EinwohnernGeorg Friedrich Krause: Handbuch zu dem Atlas von Preußen in 27 Karten; oder: geographisch-statistisch-topographische Beschreibung der preußischen Mönarchie. Zweite Hälfte: Verzeichniß sämmtlicher Städte, Flecken, Dörfer, Weiler, Vorwerke etc. der Monarchie. Band I: A – E, Müller, Erfurt 1835, S. 136 (Google Books). 1852 185 DorfTopographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 74 (Google Books).1864 235 am 3. Dezember, davon im 36 im Gemeindebezirk (Bauerpöppeln) mit einem Flächeninhalt von 619,84 Morgen sowie 199 im Gutsbezirk mit einem Flächeninhalt von 5055,58 MorgenKönigliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Köslin, 7. Kreis Rummelsburg, Berlin 1966, S. 2–9, Ziffer 10 und Ziffer 16 (Google Books). 1867 207 am 3. Dezember, davon 46 in der Landgemeinde (Bauerpöppeln) und 161 im Gutsbezirk 1871 204 am 1. Dezember, davon 44 (sämtlich Evangelische) in der Landgemeinde (Bauerpöppeln) und 160 (159 Evangelische, ein Katholik) im GutsbezirkKönigl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, Regierungsbezirk Köslin, VIII. Kreis Rummelsburg, S. 142–143, Ziffer 8 (Google Books), und S. 144–145, Ziffer 67 (Google Books). 1885 214 am 1. Dezember, davon 45 (44 Evangelische, ein Katholik) im Gemeindebezirk (Bauerpöppeln) mit einem Flächeninhalt von 79 Hektar sowie 169 (sämtlich Evangelische) im Gutsbezirk mit einem Flächeninhalt von 1173 Hektar.Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen, IV. Provinz Pommern, Berlin 1888, Regierungsbezirk Köslin, 22. Kreis Rummelsburg, S. 156–157, Ziffer 9 (Google Books), und S. 160–161, Ziffer 67 (Google Books). 1895 188 am 2. Dezember, davon 46 (sämtlich Evangelische) im Gemeindebezirk (Bauerpöppeln) mit einem Flächeninhalt von 75,0 Hektar und 142 (sämtlich Evangelische) im Gutsbezirk mit einem Flächeninhalt von 1346,6 HektarKönigliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 und anderer amtlicher Quellen. Band IV: Provinz Pommern, Berlin 1898, 2. Regierungsbezirk Köslin, 22. Kreis Rummelsburg, S. 160–161, Ziffer 9 (Google Books), und S. 164–165, Ziffer 63 (Google Books). 1910 141 am 1. Dezember, davon vier im Dorf und 137 im GutsbezirkBrotzen, Dorf (Bauerpöppeln) und Rittergut, Kreis Rummelsburg, Regierungsbezirk Köslin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Brotzen (meyersgaz.org). 1925 274 darunter 256 Evangelische und 18 KatholikenDie Gemeinde Brotzen im ehemaligen Kreis Rummelsburg in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011) 1933 198 1939 200
Kirche Dorfkirche Brotzen hatte eine eigene evangelische Kirche. Im 18. Jahrhundert waren die Ortschaften Turzig, Börnen, Vangerin, Pöppelhof und Gesifzig eingepfarrt. Das Kirchengebäude, eine Fachwerkkirche, hat die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg nicht überdauert.
Kirchspiel bis 1945 Die vor 1945 in Brotzen anwesenden Dorfbewohner waren größtenteils evangelischer Konfession. Die evangelischen Einwohner gehörten zum evangelischen Kirchspiel Treten im Kirchenkreis Schlawe in der Kirchenprovinz Pommern der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Kirchliche Eintragungen erfolgten bis 1868 in den Kirchenbüchern der mater zu Treten.Martin Wehrmann: Die Kirchenbücher in Pommern, in: Baltische Studien, Band 42, Stettin 1892, S. 201–280, insbesondere S. 220 (Google Books).
Das katholische Kirchspiel war in Rummelsburg i. Pom.
Kirchspiel seit 1946 Die seit 1945 hier lebende polnische Dorfbevölkerung ist größtenteils römisch-katholisch und gehört der Römisch-katholischen Kirche in Polen an.
Hier lebenden evangelische Kirchenglieder werden von der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen betreut. Das zuständige Pfarramt ist das der Kreuzkirche in Słupsk (Stolp).
Persönlichkeiten Anna von Bonin, geborene von Zanthier (1856–1933), deutsche Schriftstellerin, wurde im Elternhaus zu Brotzen erzogenHerrmann A. L. Degener: Wer ist's?, 5. Ausgabe, Leipzig 1911, S. 146 (Google Books)
Weblinks Brotzen (Heimatkreis Rummelsburg in Pommern)
Einzelnachweise
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