Die Rapid Apophis Mission for Space Safety (RAMSES) ist eine im Bau befindliche Mission der ESA zum Asteroiden (99942) Apophis. Diese Mission zur Verbesserung der Weltraumsicherheit soll den Asteroiden ab Februar 2029 während des Vorbeiflugs an der Erde begleiten und beobachten.

Missionsziele mini|Apophis wird bei der Passage an der Erde in eine andere Bahn abgelenkt Apophis ist ein erdnaher Asteroid des Aten-Typs mit ca. 375 m Durchmesser. Zeitweise wurde ein Einschlag des Asteroiden auf der Erde für möglich gehalten und eine Einstufung von 4 auf der Turiner Risikoskala vorgenommen. Seit der Asteroid auf älteren Aufnahmen entdeckt und damit die Bahndaten verfeinert wurden, wird mit einem nahen Vorbeiflug an der Erde und am Erdmond gerechnet. Apophis wird der Erde demnach am 13. April 2029 bis auf 32.000 km nahekommen und dabei aus der Bahn abgelenkt.

Nach der Einschätzung von Wissenschaftlern kommt nur alle 5.000 bis 10.000 Jahre ein Objekt dieser Größe der Erde so nahe. Diese einmalige Gelegenheit will die ESA nutzen, um Erkenntnisse für die planetare Verteidigung gegen mögliche Asteroideneinschläge zu gewinnen. Die RAMSES-Mission fällt damit in das ESA Space Safety Programm (Weltraumsicherheit). Missionsziel ist die Beobachtung und Analyse des Asteroiden während des Vorbeiflugs. Man ist daran interessiert, wie das Objekt zusammengesetzt ist, wie sich der Asteroid unter dem Einfluss der Erdanziehung und der Gezeitenkräfte verformt, ob sich die innere Struktur verändert, ob sich Masse, Dichte und Porosität verändern. Möglicherweise kommt Material aus dem Inneren an die Oberfläche und kann untersucht werden. Aus der Analyse der Daten erhofft man sich, bessere Modelle und Missionen zur Asteroidenabwehr entwickeln zu können. Außerdem werden neue Erkenntnisse dazu erwartet, wie sich das Sonnensystem geformt und entwickelt hat. Die zu erwartende mediale Aufmerksamkeit der Asteroidenbegegnung soll dem Ziel der planetaren Verteidigung neue Impulse geben.

Planung und Bau Am 17. Oktober 2024 schloss die ESA mit OHB Italia einen Vertrag im Umfang von 63 Millionen Euro zur Vorbereitung der Mission. Somit konnten bereits eine Reihe von Vorbereitungen getroffen worden, um das Projekt rechtzeitig auf den Weg zu bringen. Damit wurde der knappe Zeitrahmen ausgeschöpft, noch bevor der endgültige Beschluss über die Mission im November 2025 in Bremen durch den ESA-Ministerrat erfolgte.

Für eine Neuentwicklung der Sonde und der Nutzlasten reichen die Zeit und das Budget nicht; man wird also einen bewährten Satellitenbus und Nachbauten von bewährten Nutzlasten verwenden. Dabei wird insbesondere auf Bestandteile der Hera-Sonde zum Asteroiden (65803) Didymos zurückgegriffen. Das Raumfahrzeug ist im Wesentlichen eine abgespeckte Version von Hera. Da die Sonde im Bereich von ca. 1 AE zur Sonne bleibt, reichen kleinere Solarpaneele. Der wichtigste Teil der Mission findet relativ nahe zur Erde statt, damit reicht auch eine kleinere Antenne. Die Ramses-Mission steht unter besonderem Zeitdruck, denn der Start muss bis April 2028 erfolgen, damit die Sonde noch vor der Begegnung des Asteroiden mit der Erde ankommt und mit den Beobachtungen beginnen kann. Mit ca. 18 Monaten Dauer, davon ca. 10 Monate im Anflug, ist die Mission verhältnismäßig kurz und die Betriebsrisiken gering, aus diesem Grund kann auf einige redundante Systeme verzichtet werden, dieses spart Kosten und Gewicht.

Im Juni 2026 wurde die Fertigstellung des Gehäuses der Sonde in Bremen vermeldet, damit kann die Integrationsphase beginnen. Das Gehäuse ist 1,55 m hoch und wiegt weniger als 40 kg. Das Antriebssystem soll in Deutschland fertiggestellt werden und in der Einrichtung Raumfahrtantriebe in Lampoldshausen getestet werden, während gleichzeitig die Kernmodule von OHB Italia in Milan gefertigt werden, dazu gehören die Hauptelektronik, der Bordcomputer, das Lagekontrollsystem, das Navigationssystem und das Kommunikationssystem.

Es wird diverse Instrumente geben. Eines davon ist das Plasmaspektrometer RPS, das ein übrig gebliebenes Ersatzmodell des PEP-JEI Instruments auf JUICE ist.

Cubesats Die Hauptsonde soll zwei Cubesats mitführen, die bei der Ankunft am Ziel ausgeworfen werden. Auch die Cubesats sind der Hera-Mission sehr ähnlich.

Farinella, der erste Cubesat soll von Tyvak International entwickelt werden, dabei wird man auf den Erfahrungen mit dem Milani CubeSat der Hera-Mission aufbauen. Im Juli 2024 wurden dem Projekt 4,7 Millionen Euro aus dem Budget der Ramses-Mission zugewiesen. Der Cubesat wird mit einem Boden durchdringenden Radar das Innere des Asteroiden erforschen und ein Gerät zur Staubanalyse tragen. Don Quijote, der zweite Cubesat soll von dem spanischen Unternehmen Emxys bereitgestellt werden. Dafür wurden 1,5 Millionen Euro bereitgestellt. Der Cubesat und soll die Form des Magnetfelds und geologischen Eigenschaften des Asteroiden erkunden, dann ein automatisches Annäherungsmanöver durchführen und versuchen, auf dem Asteroiden zu landen. Da es nur wenig Schwerkraft gibt, wird damit gerechnet, dass der Cubesat bei der Landung mehrfach von der Oberfläche abprallt und in unvorhersehbarer Lage liegen bleibt. Aus diesem Grund kann er aus beliebiger Lage arbeiten. Für den Fall, dass die Landung an einer Stelle im Schatten ohne Sonneneinstrahlung geschieht, gibt es eine Batterie, die für eine Zeit die Stromversorgung sicherstellt. Falls die Landung erfolgreich ist, sollen seismische Aktivitäten gemessen werden. Am Projekt beteiligt sind GomSpace (Dänemark), GMV (Spanien), ISAE-SUPAERO (Frankreich). Der Hauptvertrag zum Bau wurde am 2. Juli 2026 unterzeichnet. Es gibt drei Instrumente: GRASS (Gravimeter for Small Solar System Objects). Das Royal Observatory of Belgium und Emxys waren bereits am GRASS Gravimeter auf dem Juventas-CubeSat der Hera-Mission beteiligt. MARIE (Magnetosphere-induced Apophis Response Investigation Experiment) ist ein Instrument zur Erkennung des Magnetfelds, falls es eines gibt. Es wird auch untersuchen, wie dieses mit dem Erdmagnetfeld und der Einwirkung der Schwerkraft interagiert. Es wird bereitgestellt durch ein deutsches Programm für Weltraumwissenschaft und wird gebaut von der Technischen Universität Braunschweig. SIA (Seismic Instrument for Asteroids) ist ein Seismometer vom französischen Weltraumzentrum ISAE-SUPAERO und soll die seismischen Aktivitäten messen.

Beteiligung der JAXA Die japanische Raumfahrtbehörde JAXA ist bereits an der Hera-Asteroidenmission mit dem Thermal Infrared Imager (TIRI) beteiligt. Auch an Ramses möchte sie sich mit einer solchen Infrarotkamera beteiligen, dazu die Solarmodule liefern und den Start mit einer japanischen H3-Rakete finanzieren. Zu diesem Zweck hat die JAXA Gelder aus dem Staatshaushalt beantragt. Die Verträge wurden am 7. Mai 2026 unterzeichnet.

Synergien mit der OSIRIS-APEX-Mission der NASA Auch die NASA-Sonde OSIRIS-REx wurde nach ihrer Primärmission unter dem neuen Namen OSIRIS-APEX zu Apophis geschickt. Sie wird Apophis aber aufgrund der Bahndynamik erst etwa zwei Monate nach dessen Begegnung mit der Erde erreichen und den Asteroiden für ca. 18 Monate untersuchen. Es ergibt sich somit die Möglichkeit, den Asteroiden mit zwei Sonden gleichzeitig zu untersuchen.

Einzelnachweise

Kategorie:Asteroiden- oder Kometensonde Kategorie:Raumfahrtmission 2028 (geplant) Kategorie:Interplanetare Mission der ESA