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Der Heichal Jehudah ist eine Synagoge sephardischen Ritus () in Israels zweitgrößter Stadt Tel Aviv-Jaffa. Das Bethaus, ein Bauwerk der Postmoderne, im zentralen Stadtteil HaZafon heChadasch bildet ein Wahrzeichen mit seiner sehr eigenen Gestalt unter den etwa 500 Synagogen der Stadt. Das Gebäude des Heichal Jehudah sticht durch seinen ikonischen Dekor jüdisch-israelischer Symbolik und die organische Bauform einer Muschelschale heraus, die daher oft in Büchern und Prospekten zum modernen Israel abgebildet wird.
Namen Der vollständige Name des Gebetshauses lautet Synagoge Heichal Jehudah auf Namen Jehudah-Leon und Mathilda Recanatis zum Gedächtnis der Gemeinde Salonikis (), was die Dankbarkeit gegenüber dem ehemaligen Gemeindevorsitzenden Leon Jehudah Recanati (; 1890–1945) und seiner Gattin Mathilda (geb. Saporta, ; 1897–1986) für ihr vielfaches Mäzenatentum in der Gemeinde ausdrückt sowie der Opfer Thessalonikis in der Schoah gedenkt, aber im Sprachgebrauch des Alltags unpraktisch ist. Es gibt mehrere Kurznamen, die je auf andere Aspekte des offiziellen Namens oder Baus abheben.
Neben Heichal Jehudah nach der Widmung des Gebetshauses, stehen Recanati-Synagoge () nach Familie Recanati, auf die Ininitiative und Finanzierung des Neubaus zurückgehen, und Muschelsynagoge ( oder ), nach der Bauform.NN, (14. Mai 2008), auf: Haʾaretz; abgerufen am 20. Mai 2025. Als Synagoge der griechisch-sephardischen Qəhillah Tel Avivs nutzen manche Synagogengänger auch Namen wie oder Συναγωγή Κοχύλι Synagogí Konchyli, deutsch ‚Synagoge der Konchylie‘. Und da auch Ladino unter den spanischstämmigen Juden Thessalonikes genutzt wird, sind auch Esnoga Koncha Marina (Synagoge Meeresmuschel) und Ehal Yehuda, nach der offiziellen Widmung, als kurze Bezeichnungen in Gebrauch.
Weitere umgangssprachliche Bezeichnungen sind Synagoge der sieben Schofare (),Eliʿeser Hajun (), “” (16. Juli 2009), auf: ; abgerufen am 19. Mai 2025. nach den sieben weißen Tonnengewölben des Daches. Wochentags versammeln sich Beter und Lernende im kleinen Lehrraum des Heichal Jehudah, dem Ohel Philosoph (), womit gelegentlich – pars pro toto – der ganze Bau bezeichnet wird. Die Benennung bezieht sich auf Familie Philosoph, Elternhaus Palomba Zipporah Carossas (), deren Familie Mitstifterin des Baues ist, und doppeldeutig auch auf einen altgriechischen Denker, dem solch ein Lehrraum Inspiration bieten mag.
Lage mini|Südspitze des Heichal Jehudah mit benachbartem neuen Hochhaus im Bau vor Migdal haMeʾah, 2022 Der Heichal Jehudah steht in der Nebenstraße Rechov Menachem ben Saruq 13 () in HaZafon heChadasch (ab Februar 1948 bebaut), einem der vier Stadtteile der Stadtregion Mitte von Tel Aviv.Ori Dvir (; 1931–2011), , neue, aktualisierte Aufl., Tel Aviv-Jaffa: , 1991Greg. Kal. / 25752Jüd. Kal. (9. Sep. 1991 – 27. Sep. 1992), Seite wie hinter der Fußnotenzahl angegeben. Die Synagoge steht im Zentrum des einstigen Dorfes Summail (, es wurde auch genannt). Gegenüber, 50 Meter weiter südlich am Rechov Ben Saruq 8, steht das Gebäude der Lehrergewerkschaft (1963 von Arieh Elchanani und Nissan Canaʿan) im Gewerkschaftsbund der Histadrut, deren Hauptverwaltung (1956 von Dov Carmi) sich noch 100 Meter weiter an der Ecke zum Rechov Arlosoroff befindet. Der neue Standort des Hebräischen Gymnasiums Herzlia befindet sich im selben Block wie der Bau der Lehrergewerkschaft. Während die dem Heichal Jehudah die Adresse gebende Straße auf ihrer Ostseite Wohn- und Bürobebauung der 1940er und 1950er Jahre aufweist, blieb auf der Westseite dörfliche Bebauung erhalten. Die mittel- und obdachlosen Flüchtlinge, die Israel 1948 in die leer stehenden Dorfhäuser einwies, wie deren Nachfahren, behaupteten ihre Mietverträge lange. Wenige Grundstücke wie jenes für den benachbarten 20-stöckigen Migdal haMeʾah (1966/1986Die Architekten Abba Elchanani (; 1918–2008) und Nissan Canaʿan (; 1930–2023) schufen den Migdal haMeʾah () für die Krankenkasse Kuppat Klalit, der langgestreckte untere Bauteil entstand schon 1966 für den Einzelhandel, der Turm dann 1986. Vgl. “ - 124 ” (project-tlv.info, Mai 2025), auf: ; abgerufen am 17. Mai 2025.) wurden neu bebaut.
So war der Heichal Jehudah zwar kein wirklich frei stehender Sakralbau, was in Tel Aviv sehr selten ist, aber zumindest von Osten und Süden frei einsehbar und an den beiden anderen Seiten von niedriger Bebauung umgeben. Bewohner und Stadtplanung einigten sich 1996 auf eine Neubebauung, was 2006 in die Erstellung des Bebauungsplans Nr. 2988 mündete, der Wolkenkratzer und keinerlei Einbettung der Neubauten in ein Ensemble mit dem Heichal Jehudah vorsieht. Planungsvorbehalte, wie Hochhäuser nicht um zentrale Kultstätten herum zu bauen, aus Sorge, sie könnten deren besonderen Charakter überschatten, gelten für Synagogen in Tel Aviv offenbar nicht, sagt 2009 David A. Recanati (1923–2024) vom Gemeindevorstand zu diesen Plänen. Sämtliche Dorfbebauung wurde 2021 abgebrochen und die beauftragten Baufirmen zogen nah an den Grundstücksgrenzen des Heichal Jehudah verdichtete und riesenhaft aufragende neue Hochhäuser hoch, die den Heichal Jehudah in den Schatten stellen, wie auf Photos vom Mai 2025 zu sehen.“ - 124 ” (project-tlv.info, Mai 2025), ; abgerufen am 17. Mai 2025.
Gemeinde in Ursprung und Entwicklung mini|Namenspatron: Der Mäzen Leon Jehudah Recanati, der Großvater, 1940 Zur griechischen Sephardische Gemeinde Tel Aviv, die wesentlich auf die einst etwa 55.000 Seelen (1941) zählende Jüdische Gemeinde Thessalonikes zurückgeht, gehören Familien, die in den 1930er Jahren ins Mandatsgebiet Palästina einwanderten, darunter die Recanatis, die Carossas und andere. Leon Jehudah Recanati (1890–1945), ehemals Vorsitzender der thessalonikischen Gemeinde immigrierte 1934 mit Frau Mathilda (1897–1986), Kindern und Bruder Avraham Schmuʾel Recanati (; 1888–1980), der 1925–1933 stellvertretender Bürgermeister Thessalonikes gewesen war. Der jüngere Bruder gründete die Bank haDiskont, die zunächst vor allem griechischstämmigen, des Hebräischen und Englischen nicht mächtigen Kaufleuten durch Wechseldiskonte Kredit verschaffte, und bis Ende der 1940er Jahre zu einer der größten Banken im Lande aufstieg.Thessalonikes Gemeinde hatte Leon Recanati als Delegierten in die Vertretung der Sochnut gewählt, privat wirkte er in der Loge B’nai B’rith Thessalonikes, deren Mitglieder ihn zu ihrem lokalen Präsidenten wählten.
Das in den 1920er Jahren von einer griechischen Terraingesellschaft gegründete Wohnviertel Florentin im Süden Tel Avivs war erster Anlaufpunkt für Thessaloniker, wo sie auch eine griechisch-sephardische Gemeinde gründeten, die Leon Recanati zu ihrem Vorsitzenden wählte.Neben seiner Geschäftstätigkeit engagierte er sich in vielen öffentlichen und jüdisch-nationalen Organisationen, so als Mitglied im Vorstand des Qeren haJessod, als Mitglied im Vorstand des Vereins der Freunde der Hebräischen Universität Jerusalem, Gründer und Vorsitzender der Gesellschaft ‹Banim liGvulam› (), die sich für die Alija von Sepharden einsetzte, auch in der neuen Heimat blieb er Logenbruder der Bnei Brith. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten thessalonikische Überlebende der Schoah, wie auch Überlebende von Rhodos (seinerzeit Italienische Ägäis-Inseln). Mit ihrem wirtschaftlichen Aufstieg zogen Thessaloniker und Rhoditen, andere griechischstämmige Israelis und ihre Nachfahren in neue, nördliche Stadtteile Tel Avivs, wo es keine sephardische Synagoge gab. Zunächst nutzte die Gemeinde jahrzehntelange Provisorien, darunter die Simcha Hadar Qodesch, gegründet durch Avraham Recanati in der Straße Rechov ʿEmeq Jisraʾel, die dann mehrfach umgezogen, bevor die Gemeinde für einige Jahre wieder eine längerfristige Heimstatt in der kleinen Synagoge im Rechov Ibn Gabirol vis-à-vis vom Rathaus der Stadt fand.Michael Jacobson (), “”, auf: , abgerufen am 20. Mai 2025., (Hrsg.); abgerufen am 16. Mai 2025.
Gemeindemitglieder halten regelmäßig zu Schabbat und anderen jüdischen Feiertagen im Hauptgebetssaal gemeinsam Gebet und Torahlesung ab. Wochentags bilden observante Synagogengänger den Minjan und halten im Ohel Philosoph (Wochentagsbet- und -lehrsaal mit mehreren Dutzend Sitzen) im Souterrain gemeinsam Gebete, Torahlesungen und -studien.Levana Esched () im Interview mit Naʿomi Simchony, Tel Aviv, 20. Februar 2017. Vgl. Naʿomi Simchony (), “Exceptionally Jewish: Israeli Synagogue Architecture in the 1960s and 1970s” (12. Februar 2020), in: Arts, MDPI (Hrsg.), Jg. 9 (2021), S. 1–19, hier Fußnote 22 auf S. 12. Bis zur Jahrtausendwende leiteten das Gemeindegebet mit Aharon Naǧari (; 1909–1999) und seinen beiden früher verstorbenen Kollegen authentische Thessaloniker als Chasan (Kantor), denen Siddur und Machsor Saloniki vertraut waren. Proben der Chasanut Naǧaris sind auf der Webseite der Nationalbibliothek Israels nachzuhören.Übersicht von Online-Titeln von Aharon Naǧari in der Nationalbibliothek Israels. Ihnen folgte ein junger sephardischer Chasan, der sich in die besondere Gemeindetradition gut eingearbeitet hat.
Reichten die 600 Sitze im Hauptgebetssaal früher oft nicht aus, besuchten 2009 zu gewöhnlichen Schabbatfeiern etwa 130 Personen die Synagoge, so David A. Recanati (, nicht ; 1923–2024,David Recanati stammt gebürtig aus Thessalonike. Er war Irgunist vor der Staatsgründung und danach Militär des Zahal sowie französischsprachiger Nachrichtensprecher beim Sender Qol Jisraʾel. Vgl. , auf: ; abgerufen am 19. Mai 2025. kein Verwandter der Bankiersfamilie, sondern aus einer Familie ohne gelängt geschriebenes «ā».) Hätte man früher Gemeindemitglieder, die es an Orthopraxie mangeln ließen, indem sie zum Beispiel an Schabbat im eigenen Kraftwagen vorfuhren, kaum die Aufnahme ihrer Kinder als Bat und Bar Mizwa im Heichal Jehudah feiern lassen, entblöden im 21. Jahrhundert so handelnde Eltern sich nicht, dann gleich zu Reformgemeinden zu wechseln, wo sie dann feiern.
Dabei steht die Synagogengemeinde des Heichal Jehudah im allgemeinen Trend mit 130 Synagogengängern an Schabbat noch gut da und ist finanziell besser aufgestellt. „Mit Zuschüssen von Unternehmern oder Immobiliengesellschaften könne diese großartige Gemeinde ihre Größe und Pracht bewahren,“ beschreibt David Recanati 2009 die Situation der griechisch-sephardischen Gemeinde Tel Avivs. Die Zahl der Synagogen in Tel Aviv, vor allem solche ohne institutionelle Finanzierung, schrumpft, viele stehen leer und verfallen, und die Mitglieder oder Liquidatoren in Auflösung befindlicher Synagogenvereine verkaufen Grundstücke, auf denen ihre verwaisten Synagogen und jüdischen Lehrhäuser stehen, an wendige Immobilienentwickler. Die Stadt interessiert sich nicht besonders für die religiösen Bedürfnisse der Tel Avivis.
Die Gemeinde entfaltete eine rege Pflege griechisch-sephardischer Traditionen, auch in Sorge um das liturgische Erbe der überwiegend 1943/1944 in der Schoah ausgelöschten griechischen Judenheit (in Thessalonike allein um 50.000 Ermordete) zu erfassen und zu wahren. Dabei entwickelte sie in den 1970er Jahren den Machsor Saloniki (Dazu gibt es in der hebräischen Wikipedia den Eintrag «».) weiter, ein Gebetbuch mit in Thessalonikes Tradition ausgesuchten Gebeten und Stellen aus dem Tanach, die zu den Feiertagen im Zyklus des jüdischen Kalenderjahres vorzutragen sind. Für Rosch haSchanah und Jom Kippur erschienen schon 1876 Vorlagen. Unterstützt vom Leon-Recanati-Zentrum für das Erbe der Judenheit Thessalonikes (, ebenfalls eine Stiftung der Recanatis) in Petach Tiqwa entstand gewissermaßen ein Ausgleichs-Machsor, da spanisches, nordafrikanisches und griechisches Erbe einflossen. Zur Gemeinde gehören neben Juden aus Thessalonike, anderen griechischen Einwanderern und auch sephardische Juden anderer Landsmannschaften wie Nachfahren solcher sogar einige Aschkenasim. Gebete werden auch in Ladino gesprochen.
mini|Hauptinitiator Avraham Recanati, 1956