Die Schwammkrabben (Dromiidae) sind eine Familie ursprünglicher Krabben (Brachyura) innerhalb der Überfamilie Dromioidea. Sie werden oft den sogenannten „primitiven Krabben“ (Podotremata) zugeordnet, was auf einige ursprüngliche Merkmale in ihrer Anatomie und Fortpflanzung hinweist.
Merkmale Die Vertreter der Schwammkrabben haben einen in der Regel konvex gewölbten Rückenschild (Carapax), der unterschiedlich geformt sein kann. Häufig ist er ei- bis halbkreisförmig oder fünfeckig. Die Rückenfläche ist oft von dichter, dicker und samtartiger Behaarung bedeckt. Der vordere und hintere Seitenrand sind in der Regel deutlich voneinander abgegrenzt. Eine Linea brachyura ist vorhanden, sie ist typisch für echte Krabben. Die Augenhöhlen und die Ansatzbereiche für die Antennen sind gut ausgebildet. Die Geißeln der Antennen sind kürzer als die Länge des Rückenpanzers, die ersten beiden Segmente der Antennen sind beweglich und der Exopodit ist fest mit der Basis verbunden, kann in seltenen Fällen aber auch fehlen.
mini|Stimdromia foresti, Oberseite mini|Stimdromia foresti, Unterseite Beinkiemen (Podobranchien) können auf allen drei vorderen Beinpaaren vorhanden sein, der Epipodit befindet sich oft an der Oberseite des Carapax. Die Scherenbeine (Chelipeden) sind oft geschlechtsdimorph und bei den Männchen deutlich größer, der rechte und der linke Cheliped sind jedoch bei beiden Geschlechtern gleich groß ausgebildet. Der bewegliche Finger der Schere ist unpigmentiert weiß oder leuchtend rosa. Die hinteren beiden Schreitbeinpaare (P4 und P5) sind im Allgemeinen ähnlich in Größe und Form und in der Regel deutlich kleiner als die beiden vorderen (P2 und P3). Die sind subdorsal positioniert und sehr beweglich und besitzen eine teilweise oder vollständig ausgebildete Schere (Chela), die durch den distalen Stachel des Propodus und dem zurückgebogenen Finger (Dactylus) gebildet und zum Tragen von Gegenständen auf dem Carapax genutzt wird.
Das Sternum ist schmal und seine Breite füllt die Sternopleonalvertiefung vollständig aus, so dass die Seitenflächen der Sternite fast immer vollständig vom Pleon bedeckt sind. Zwei Hälften der inneren, quer verlaufende des Endoskeletts, die endosternalen Phragmata, sind vollständig verschmolzen. Die sattelartige Sella turcica ist mit ihrem oberen Teil mit dem Interosternit 7/8 und ihrem unteren Teil mit dem Interosternit 6/7 verwachsen. Alle Sternalnähte sind sowohl bei den Männchen als auch den Weibchen mittig unterbrochen, nur die seitlichsten Teile sind sichtbar. Die weiblichen Tiere besitzen kleine paarige und abgerundete Öffnungen für die Spermienaufnahme (Spermatheken), die meist nach vorne verschoben sind. Die Vertiefung an den Ansatzstellen der Beine (sternocoxale Vertiefungen) sind gut ausgebildet.
Der Hinterleib beider Geschlechter besteht normalerweise aus sechs freien Somiten sowie einem Telson, im Allgemeinen ohne Pleura. Der Hinterleib der Männchen bedeckt immer den gesamten Raum zwischen den Hüften der Pereiopoden, aber der vordere Teil des Somiten S4 liegt oft frei und die Männchen haben selten rudimentäre Beine (Pleopoden) an den Somiten S3 bis S5. Bei den Weibchen besitzt der Somit S1 ein Paar Pleopoden mit nur einem Ast (uniramisch). Das Pleon besitzt außer bei Vertretern von Ascidiophilus einen Haltemechanismus, der es dem Weibchen ermöglicht, Eier oder Jungtiere am Körper zu halten. Dieser besteht in der Regel aus den dorsal angesetzten Uropoden und Vorsprüngen auf den Hüften der vorderen beiden Beinpaare P1 und P2. Die Uropoden sind gewöhnlich als dorsale Platten vorhanden, manchmal seitlich und selten ventral positioniert, niemals jedoch zweigeteilt. Die Form und Größe der Uropoden ist geschlechtsdimorph. Die Männchen der Schwammkrabben besitzen einen langen und beweglichen Penis, während dieser bei der nahe verwandten Familie Sphaerodromiidae, die früher als Unterfamilie zu den Schwammkrabben gezählt wurde, von der verlängerten Hüfte (Coxa) des fünften Laufbeinpaares umschlossen wird.
Lebensweise Die Arten der Schwammkrabben sind freilebend und kommen sowohl in flachen wie auch in tieferen Meeresregionen der gemäßigt warmen bis tropischen Zonen vor. In der Regel tragen sie mit ihren hinteren Beinen Schwämme, Korallen, Tunicaten oder seltener Muschelschalen über ihrem Körper zur Tarnung und zum Schutz, von einzelnen Gattungen wie Epigodromia und Takedromia mit nur kurz ausgebildeten hinteren Laufbeinen ist dagegen keine Trageverhalten dokumentiert.
Systematik Die Schwammkrabben wurden 1833 von dem niederländischen Zoologen und Kurator Wilhem de Haan am Rijksmuseum van Natuurlijke Historie in Leiden erstmalig wissenschaftlich beschrieben. Als Typusgattung nutzte er die Gattung Dromia mit Dromia personata als Typusart.
In der Familie werden 173 Arten in 46 Gattungen und zwei Unterfamilien unterschieden:
mini|Lamarckdromia beagle mini|Dromia personata, die mit ihren Hinterbeinen einen Schwamm auf dem Rücken trägt. Unterfamilie Dromiinae Die Unterfamilie Dromiinae umfasst 36 Gattungen mit 131 rezenten und 24 ausgestorbenen Arten: Alainodromia Alcockdromia Ascidiophilus Austrodromidia Baccadromia Barnardromia Conchoecetes Cryptodromia Cryptodromiopsis Desmodromia Dromia Dromidia Dromidiopsis Epigodromia Epipedodromia Eudromidia Exodromidia Foredromia Fultodromia Haledromia Hemisphaerodromia Homalodromia Lamarckdromia Lauridromia Lewindromia Mclaydromia Metadromia Moreiradromia Paradromia Petalomera Platydromia Pseudodromia Speodromia Stebbingdromia Sternodromia Stimdromia Takedromia Tumidodromia Tunedromia Fünf Gattungen der Unterfamilie Dromiinae mit 24 Arten sind nur als Fossilien bekannt: Basadromia Costadromia Dromiopsis Kerepesia Torodromia
Unterfamilie Hypoconchinae Die Unterfamilie Hypoconchinae hat nur eine Gattung mit sechs Arten: Hypoconcha
Keiner Unterfamilie zugeordnet Drei ausgestorbene Gattungen wurden keiner Unterfamilie zugeordnet, bei einer weiteren Gattung ist die systematische Zuordnung zur Familie der Schwammkrabben unsicher: Pseudodromilites Quinquerugatus Vincentdromia Dromilites gilt als Gattung incertae sedis.
Verwandte Familien Die ausgestorbene Familie Basinotopidae war früher als Unterfamilie Basinotopinae den Schwammkrabben zugeordnet. Die Unterfamilie Sphaerodromiinae wurde unter dem Namen Sphaerodromiidae als eigenständige Familie anerkannt.
Einzelnachweise
Weblinks
Kategorie:Dromioidea (Überfamilie)