mini|hochkant|Henria Williams in Votes for Women, 20. Januar 1911 Henria Helen Leech Williams (* 6. Januar 1867 in Oswestry, Shropshire; † 2. Januar 1911 in Upminster, London) war eine englisch-britische Suffragette. Sie starb zwei Monate nach dem sogenannten Schwarzen Freitag, wahrscheinlich an den Folgen einer Erkrankung, die sich durch die gewaltsame Behandlung verschlimmert hatte, der sie bei der Demonstration am Parlament in London ausgesetzt war.
Leben Williams wurde als eines von acht Kindern von Henria Helen Williams, geborene Leech, einer Gouvernante und Schullehrerin, und Henry Williams, einem Signalingenieur bei der Eisenbahn, geboren. Ihr Großvater mütterlicherseits war der Pfarrer Henry Leech, Pfarrer der Primitive Methodists Church.
Die Familie lebte eine Zeit lang in Nantwich, Cheshire. Zwischen 1881 und 1886 zogen sie jedoch nach Cathcart, Glasgow, wo ihr Vater die Henry Williams Railway Appliance Works gründete. Volkszählungsaufzeichnungen von 1891 zeigen, dass die damals 24-jährige Henria mit ihren Eltern in der Albert Road in Cathcart lebte. Bis 1901 war sie jedoch nach Buxton, Derbyshire, umgezogen, wo sie als „Internatsschülerin, die von ihren eigenen Mitteln lebt“, geführt wurde.
Henrias Mutter starb 1904 und hinterließ ein Vermächtnis, das Aktien und Anteile an mehreren Eisenbahngesellschaften und südafrikanischen Diamantenminen umfasste. In ihrem Testament wurde festgelegt, dass „das ihren Töchtern vermachte Geld außerhalb der Kontrolle etwaiger künftiger Ehemänner bleiben sollte“.
Im Jahr 1905 zog Williams in das Dorf Corbets Ley in Upminster. Sie erwarb The Cottage, das bis vier Jahre zuvor ein Pub namens The George gewesen war. Es war ein stattliches Haus mit drei öffentlichen Räumen, vier Schlafzimmern, einem Dachboden, einem Keller und Nebengebäuden wie einem Gewächshaus, einem Stall und einem neuen Zweibettzimmer für ihren Kutscher David Scott.
Williams setzte sich nachdrücklich für das Frauenwahlrecht ein und trug die Farben der Suffragetten: Violett, Weiß und Grün. In ihrer Umgebung galt sie als „ziemlich exzentrische Dame“. Sie war auf Versammlungen sehr präsent, denn „ihr von Natur aus erregbares Temperament entlud sich in einem rasenden Enthusiasmus, für den sie bemerkenswert war“. Sie hängte auch große Plakate vor ihrem Haus auf, die die qualvolle Zwangsernährung inhaftierter Suffragetten zeigten.
Am 29. Juni 1909 gehörte Williams zu den über 100 Frauen, die zusammen mit der Vorsitzenden der Women’s Social and Political Union (WSPU), Emmeline Pankhurst, und Emily Davison verhaftet wurden, weil sie versucht hatten, das Unterhaus zu betreten. Bei der Anhörung vor dem Polizeigericht in der Bow Street am 9. Juli wurden die Verfahren gegen Williams und die anderen Angeklagten wegen Behinderung auf unbestimmte Zeit vertagt, aber 14 der Demonstrantinnen wurden inhaftiert, weil sie Fensterscheiben von Regierungsgebäuden eingeschlagen hatten.
Williams nahm auch an der Demonstration für das Frauenwahlrecht am 18. November 1910 teil, bei der mehrere hundert Frauen zum Parlamentsgebäude marschierten. Diese Demonstration wurde als „Schwarzer Freitag“ bekannt, da die Polizei und ein Mob von Schaulustigen gewalttätig reagierten und auch sexuelle Gewalt ausübten. Williams beschrieb die Gewalt, die sie selbst erfuhr, so:
Ihr Retter, Frank Whitty, beschrieb später in einem Brief über seine Beschämung über die gewaltsame Behandlung von Frauen im WSPU-Newsletter Votes for Women, wie folgt:
Unerschrocken schloss sich Williams am darauffolgenden Dienstag, dem 22. November 1910, einer Delegation an, die vor dem Premierminister Asquith in der Downing Street 10 protestierte. Zu Weihnachten 1910 war Williams allein zu Hause in The Cottage, nur der Kutscher war anwesend. In der Nacht zum 2. Januar 1911 hörte ein vorbeifahrender Polizist „Stöhnen und Hilfeschreie“ und stieg mit dem Kutscher durch ein Fenster in das Haus ein, wo er Williams im Sterben liegend („in extremis“) vorfand Williams starb am selben Tag und am nächsten Tag fand in ihrem Haus eine gerichtsmedizinische Untersuchung die den „Tod durch Angina pectoris“ feststellte. Die allgemeine Presse kam zu dem Schluss, dass die Teilnahme von Williams an der Suffragetten-Militanz als ein conduct „not at all congenial to one who suffered from a weak heart“ anzusehen sei. Von der Suffragetten-Bewegung wurde ihr Tod nur zwei Monate nach dem „Schwarzen Freitag“ als Folge der dort erlittenen brutalen Behandlung bewertet. Nur wenige Tage zuvor hatte sie ihrem Bruder Llewellyn, der sie bei ihrer Kampagne unterstützte, geschrieben, dass sie die Auswirkungen dieses Tages noch immer spüre. Dass Williams um ihre gesundheitlichen Einschränkungen wusste, bestätigte ihr Bruder in Votes for Women: „Sie hat wissentlich und willentlich ihre Tage verkürzt, um der Frauenbewegung der Nation zu dienen.“ Der Journalist Henry Noel Brailsford und die Ärztin Jessie Margaret Murray bezogen sich auf einen Brief von Williams an Murray vom 27. Dezember 1910 und kamen in ihrem Pamphlet „Treatment of the Women’s Deputations by the Police“ (Behandlung der Frauendeputationen durch die Polizei) vom Februar 1911 zu folgendem Schluss:
Williams hatte die Farben der Suffragetten auf ihrem Sarg und einen Kranz mit der Aufschrift „Sie hat getan, was sie konnte“, und als der Sarg mit dem Mitternachtszug vom Bahnhof St Pancras nach Glasgow fuhr, kamen Suffragetten, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Am 15. Januar 1911 wurde von Annie Kenney zum Gedenken an Williams eine Weiß-Fichte in Annie’s Arboretum im Garten des Hauses der Familie Blathwayt, Eagle House, gepflanzt.
Williams wurde in der Familiengruft auf dem Cathcart Cemetery in Glasgow beigesetzt.
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