alt=Portrait Marco Maas 2019|mini|hochkant|Marco Maas, 2019

Marco Maas (* 10. September 1977) ist ein deutscher Journalist und Medienunternehmer. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Datenfreunde GmbH in Hamburg.

Leben und Wirken

Ausbildung und berufliches Wirken Maas wuchs in Schleswig-Holstein auf und besuchte die Carl-Maria-von-Weber-Schule in Eutin. Seit 1995 war er neben Schule und Zivildienst als freier Mitarbeiter beim Ostholsteiner Anzeiger tätig. Er studierte Medientechnik an der HAW Hamburg.

Von Oktober 1999 bis Dezember 2008 war Maas Redakteur bei NDR Online. 2007 realisierte er zusammen mit den Journalisten Philipp Dudek, Sebastian Gerhard und Fiete Stegers Gipfelblog (gipfelblog.de), eine frühe multimediale Live-Blog-Berichterstattung, die unabhängig von Redaktionen direkt vom G8-Gipfel in Heiligendamm.

2005 gründete Maas gemeinsam mit Sebastian Gerhard die Medienberatungsagentur VentureMedia. Von Oktober 2006 bis Dezember 2015 war er parallel als Berater und Entwicklungsredakteur bei der 4=1 GmbH tätig, einem Anbieter für TV- und Online-Wahlberichterstattung. Für das ZDF verantwortete er dort die Entwicklung einer Wahlberichterstattungssoftware sowie ein Produkt zur Social-Media-Integration in Fernsehstudios. Dieses wurde zunächst unter dem Namen SoViET (Social Video Event Toolkit) für die BR-Sendung Rundshow (2012, Moderation Richard Gutjahr) eingesetzt und später als Flyp.TV weiterentwickelt. Das von der 4=1 GmbH für das ZDF realisierte Projekt ZDF Parlameter – eine interaktive Visualisierung des Abstimmungsverhaltens von Bundestagsabgeordneten – wurde 2009 mit dem Grimme Online Award in der Kategorie Information ausgezeichnet.

Von 2006 bis 2011 war Maas für den Mediendienst der Standortkampagne Deutschland – Land der Ideen der Bundesregierung tätig.

2009 gründete Maas gemeinsam mit Lorenz Matzat die datenjournalistische Agentur OpenDataCity zunächst als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die später in die Datenfreunde UG überführt und schließlich in die Datenfreunde GmbH umgewandelt wurde. OpenDataCity gehörte zu den frühen deutschen Agenturen für Datenjournalismus und Datenvisualisierung. Erste Auftragsarbeit war eine interaktive Fluglärmkarte zu den geplanten Flugrouten des Flughafens Berlin-Brandenburg, realisiert für die tageszeitung (taz, Januar 2011).

Lehre und Gremien Als zertifizierter Trainer des Google News Lab schulte Maas Redaktionen zu digitalen Arbeitsweisen; er lehrte u. a. an der Deutschen Journalistenschule, der Axel-Springer-Akademie und beim Journalisten-Stipendienprogramm der Konrad-Adenauer-Stiftung. Seit 2016 ist er Beiratsmitglied der Hamburg Media School und Dozent am Haus. Er hält Vorträge auf Konferenzen wie der re:publica und der Netzwerk-Recherche-Jahreskonferenz.

Ehrenamtliches Engagement Maas ist Gründer und Vorstandsmitglied des Vereins Code for Hamburg e.V., der sich für Open Data und Bürgertechnologie in Hamburg einsetzt. Er initiierte das Datenjournalismus-Meetup Hamburg sowie das OpenData-Meetup Hamburg und war Juror beim Programm Jugend hackt. Seit 2021 ist er Aufsichtsratsmitglied beim Neuen Amt Altona. Er ist Mitglied des Vereins für Medien- und Journalismuskritik e.V. (VOCER).

Projekte (Auswahl) LobbyPlag (2013) LobbyPlag war eine Crowdsourcing-Plattform, die durch automatisierte Textvergleiche darstellte, in welchem Ausmaß EU-Parlamentarier Formulierungen aus Lobby-Dokumenten in ihre Änderungsanträge zur EU-Datenschutzrichtlinie übernahmen. OpenDataCity realisierte die Plattform gemeinsam mit dem Journalisten Richard Gutjahr; den Anstoß lieferten Recherchen des österreichischen Datenschutz-Aktivisten Max Schrems. Das Projekt stieß auf breite nationale und internationale Medienresonanz, und wurde mit dem World Summit Award 2013 in der Kategorie OpenData/eGovernment ausgezeichnet.

Geheimer Krieg (2013) In Kooperation mit NDR und Süddeutscher Zeitung wertete OpenDataCity eine US-Datenbank mit über 300.000 Regierungsaufträgen aus, um geheime US-Militäraktionen in Deutschland nachzuweisen. Die Ergebnisse flossen in das Multimedia-Dossier „Geheimer Krieg“ ein. Das Projekt erhielt den Alternativen Medienpreis 2014 und den RIAS Fernsehpreis 2014; OpenDataCity verantwortete die Datenanalyse und die interaktive Website zum Dossier.

Call a Journalist (2014) Im Januar 2014 entwickelte Maas gemeinsam mit Markus Gottschau (Medienagentur Cross & Lecker) das Bürger-Reportage-Tool Call a Journalist für das Hamburger Online-Lokalmagazin Mittendrin. Das Tool ermöglichte es Bürgern, per Knopfdruck Journalisten zu einem Vorfall zu rufen. Hintergrund war die Einrichtung eines polizeilichen Gefahrengebiets in Hamburg im Dezember 2013 / Januar 2014. Das US-amerikanische Fachportal TechPresident berichtete über das Projekt.

LobbyRadar (2015) LobbyRadar war eine interaktive Datenbank, die Abgeordnete, Lobbyisten, Interessengruppen, Unternehmen und deren Verbindungen durchsuchbar machte. Ein Browser-Plugin ermöglichte es, erkannte Lobbyisten beim Lesen von Online-Artikeln – etwa bei Spiegel Online – per Kontextoverlay einzublenden und direkt in die Visualisierung zu springen. Es wurde mit dem Prix Europa 2015 (1. Platz, Kategorie Best Online Project) dem LEAD Award Silber 2015 (Kategorie Webfeature des Jahres) und dem dpa-infografik award 2015 (3. Platz, Kategorie Interaktive Grafiken) ausgezeichnet.

MH17 – Die Suche nach der Wahrheit (2014/2015) In Kooperation mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv realisierte OpenDataCity die interaktive Datenvisualisierung zur investigativen Recherche über den Abschuss von Flug MH17 über der Ostukraine im Juli 2014. Das Projekt visualisierte Flugradardaten und zeigte anhand animiert den Flugverkehr vor und nach Absturz. Die Recherche erhielt den Grimme Online Award 2015 in der Kategorie Information.

xMinutes (2014–2016) Dem Konzept des Ambient Journalism, das xMinutes zugrunde lag, ging ein persönliches Experiment voraus: Maas vernetzte seine eigene Wohnung vollständig mit Sensoren und dokumentierte, welche Rückschlüsse die anfallenden Daten über Bewohner zulassen. Spiegel Online berichtete über das Experiment unter dem Titel „Sensorenresidenz“; auch die Süddeutsche Zeitung griff das Thema 2015 auf.

xMinutes war eine von der Datenfreunde GmbH entwickelte Nachrichten-App, die Meldungen kontextbasiert und sensorgestützt ausspielt – je nach Tageszeit, Aufenthaltsort und Nutzungssituation. Das Konzept kombinierte journalistische Inhalte mit Daten aus dem Smartphone-Umfeld. Die Entwicklung wurde durch die Google Digital News Initiative (DNI) gefördert. Zum Start kooperierten 21 Medienhäuser mit der Plattform, darunter ARD-Tagesschau, Spiegel Online und Deutsche Welle. Das medium magazin würdigte xMinutes in seiner Jurybegründung für Maas’ Auszeichnung als Unternehmer des Jahres 2016 im Journalismus.

sMirror (2017–2018) sMirror war ein von der Datenfreunde GmbH und Tactile News im Rahmen der Google Digital News Initiative (DNI) gefördertes Produkt, das einen vernetzten Spiegel als Nachrichtenoberfläche nutzbar machte.

So bewegt sich Deutschland (2018) Im Auftrag von Telefónica Germany visualisierte die Datenfreunde GmbH anonymisierte Mobilfunkdaten zur Darstellung von Mobilitätsmustern in Deutschland. Das Projekt wurde mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation (DPOK) 2018 ausgezeichnet.

Ambient News (2019–2020) Zusammen mit dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) entwickelte die Datenfreunde GmbH das Konzept Ambient News: Nachrichteninhalte, die über vernetzte Geräte im häuslichen Umfeld ausgespielt werden, ohne dass Nutzer aktiv eine Nachrichtenoberfläche aufrufen müssen.

Publikationen Maas veröffentlichte unter anderem auf netzpolitik.org und datenjournalist.de sowie in verschiedenen Fachportalen. Auf datenjournalist.de erschienen unter anderem Beiträge zum Datenjournalismus, darunter ein Kommentar zu LobbyPlag (März 2013). 2015 erschien im Medium Magazin (#05/2015) sein Essay Lernt endlich Technik! über die Notwendigkeit technischer Kompetenz im Journalismus. 2017 erschien gemeinsam mit Daniel Moßbrucker ein Artikel über Datenschutz und datengetriebenen Journalismus im Fachmagazin der journalist.

Auszeichnungen (Auswahl) Das Medium Magazin zeichnete Maas in seiner jährlichen Wahl „Journalisten des Jahres“ in der Kategorie Unternehmer aus: 2015 auf Platz 2, 2016 auf Platz 5. Die Jurybegründung 2015 hob unter anderem den Prix Europa und das ZDF LobbyRadar-Projekt hervor; 2016 wurde xMinutes als Innovation explizit gewürdigt.

Weblinks Datenfreunde GmbH Code for Hamburg e.V.

Einzelnachweise

Kategorie:Journalist (Deutschland) Kategorie:Unternehmer (Hamburg) Kategorie:Träger des Grimme Online Award Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1977 Kategorie:Mann