mini|Die etwas vandalismussicherere zweite Version der Gedenktafel

Jean Diot und Bruno Lenoir waren zwei französische Arbeiter, die 1750 in Paris wegen gleichgeschlechtlicher sexueller Handlungen verhaftet, angeklagt und zum Tode verurteilt wurden. Sie waren die letzten Männer, die in Frankreich wegen gleichgeschlechtlicher sexueller Handlungen hingerichtet wurden. Seit 2014 gibt es eine Gedenktafel am Ort ihrer Verhaftung.

Tat Am Abend des 4. Januar 1750 ertappte ein Beamter der Guet royaleDie Guet royale war unter dem Ancien Régime die städtische Polizei von Paris. in der Rue Montorgueil den 40-jährigen Jean Diot und den 23-jährigen Bruno LenoirDie Quellen enthalten unterschiedliche Altersangaben. in einem Hauseingang beim Sex. Jean Diot arbeitete in einer Wurstwarenfabrik in der Nähe, Bruno Lenoir war in der Nachbarschaft als Strickwarenhändler tätig. Der Polizist nahm sie fest. Nach einigen Tagen erklärte Lenoir, Diot habe sich ihm genähert und Sex vorgeschlagen, er habe eingewilligt, aber sie seien durch den Polizisten unterbrochen worden.Crompton, S. 450.

Prozess In der Anklageschrift hieß es, sie hätten sich „unanständig und verwerflich“ verhalten. Der Prozess begann am 11. April 1750. Am 27. Mai wurden sie zum Tode verurteilt. Ein Richter beschrieb die Tat als „Verbrechen, das wir aus Anstand nicht schriftlich beschreiben dürfen“.Crompton, S. 450. Das Urteil wurde am 5. Juni 1750 durch einen öffentlichen Anschlag bekannt gegeben.Würdemann (Weblinks).

Hinrichtung Am 6. Juli 1750 wurden sie zum Place de Grève, dem üblichen Ort für Hinrichtungen, gebracht. Ihr Verbrechen wurde der versammelten Menge nicht bekanntgegeben. Sie wurden auf dem Scheiterhaufen an Pfählen gefesselt, erwürgt und dann – mit den Prozessakten – verbrannt.Crompton, S. 450.

Geschichtliche Bedeutung Jean Diot und Bruno Lenoir waren die letzten Männer, von denen bekannt ist, dass sie in Frankreich allein wegen gleichgeschlechtlicher sexueller Handlungen zum Tode verurteilt wurden.In einem weiteren Fall 1784 war die Tat mit einem versuchten Mord verbunden (Crompton, S. 450.). Das Strafmaß war außergewöhnlich hoch – eventuell spielte dabei auch der geringe soziale Rang der beiden eine Rolle. Normalerweise wurden homosexuelle Handlungen mit einigen Tagen Haft und einem Verweis geahndet. Die Intensität strafrechtlicher Verfolgung Homosexueller war im Abnehmen begriffen.Crompton, S. 450. Seit 1791 steht in Frankreich „Sodomie“ nicht mehr unter Strafe.Während der deutschen Besetzung von Frankreich im Zweiten Weltkrieg führte die Vichy-Regierung 1942 ein erhöhtes Schutzalter für schwulen Sex ein (21 Jahre statt 13 Jahre bei Heterosex). Das Schutzalter wurde nach mehreren Änderungen erst 1982 angeglichen.

Gedenken mini|Die erste Gedenktafel, in den Gehweg eingelassen

Der Pariser Stadtrat beschloss 2011, dass Lenoir und Diot gewürdigt werden sollten.Direction des affaires culturelles: Apposition d’une plaque commémorative à la mémoire de Bruno Lenoir et Jean Diot à l’angle des rues Bachaumont et Montorgueil von 2013. Das geschah mit einer Gedenktafel. Am 18. Oktober 2014 wurde sie an der Kreuzung der Rue Montorgueil mit der Rue Bachaumont eine in den Bürgersteig eingelassen. Der Text lautet:

Bereits am 17. Mai 2018 (IDAHOT) hat ein unbekannter Täter Blumen verbrannt, die dort zum Gedenken niedergelegt waren.Fabien-Jannic Cherbonel: Paris: la plaque en hommage aux derniers condamnés pour homosexualité à nouveau vandalisée. In: komitid.fr vom 6. August 2018; abgerufen am 19. Mai 2025. Im August 2018, als in Paris die Gay Games stattfanden, wurde die Gedenktafel beschmiert und beschädigt. Der Täter behauptete, schwul zu sein und alles, was mit LGBTQ zu tun habe, zu hassen. Er war der Polizei durch Drohanrufe bekannt und stand in Verbindung mit der politischen Opposition gegen die gleichgeschlechtliche Ehe.Céline Carez: Plaque commémorative vandalisée à Paris: un suspect en garde à vue. In: Le Parisien. 11. August 2018; abgerufen am 19. Mai 2025. Der Täter wurde zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat verurteilt. Die Strafe wurde auf Bewährung ausgesetzt.Würdemann (Weblinks).

Inzwischen wurde eine zweite Plakette an der Wand über dem Eingang von 1 rue Léopold-Bellan angebracht.Bruno Lenoir and Jean Diot auf The historical marker database (Weblinks).

Wissenswert Die Historikerin Pauline Valade hat die Geschichte von Jean Diot und Bruno Lenoir zu einem Roman verarbeitet.Pauline Valade: Bruno et Jean. Actes Sud, Arles 2024, ISBN 978-2-330-19709-4 (französisch).

Literatur Nadia Pantel: Dunkle Stellen. In: Süddeutsche Zeitung. 25. Februar 2022; abgerufen am 18. Mai 2025. Louis Crompton: Homosexuality and Civilization. Harvard University Press, Cambridge, Ma. 2009, ISBN 978-0-674-01197-7, S. 449 f.

Weblinks

Bruno Lenoir and Jean Diot auf The historical marker database; abgerufen am 18. Mai 2025. Ulrich Würdemann: Gedenktafel an die letzte Hinrichtung wegen Homosexualität in Paris 1750; abgerufen am 18. Mai 2025.

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Homosexualität in Frankreich Kategorie:Pariser Geschichte (18. Jahrhundert) Kategorie:Mahnmal Kategorie:Gedenkstätte in Frankreich Kategorie:2. Arrondissement (Paris)