Der 70. Eurovision Song Contest (ESC) fand vom 12. bis zum 16. Mai 2026 in der Stadthalle in Wien statt, nachdem JJ mit dem Lied Wasted Love für Österreich den Eurovision Song Contest 2025 in Basel gewonnen hatte. Es war nach 1967 und 2015 die dritte Austragung des ESC in Wien.
mini|Dara mit dem Siegerpokal (2026) Den Sieg holte die Sängerin Dara mit dem Lied Bangaranga für Bulgarien. Der Beitrag gewann sowohl die Jury- als auch die Publikumswertung und bescherte Bulgarien damit den ersten Sieg in diesem Wettbewerb. Den zweiten Platz erreichte der für Israel antretende Noam Bettan mit seinem Song Michelle. Die Rumänin Alexandra Căpitănescu belegte mit dem Titel Choke Me den dritten Platz.
Deutschland landete mit Vertreterin Sarah Engels und ihrem Song Fire auf dem 23. und damit drittletzten Platz, Gastgeber Österreich mit Cosmó und Tanzschein auf dem vorletzten Platz. Der Beitrag aus der Schweiz, Veronica Fusaro mit Alice, schied bereits im Halbfinale aus. Zum ersten Mal seit 2018 nahm die Schweiz somit nicht am Finale teil.
Organisation
Der ESC 2026 wurde vom Österreichischen Rundfunk (ORF) im Auftrag der Europäischen Rundfunkunion (EBU) organisiert.
Austragungsort Der ORF bestätigte am Tag nach dem Finale des ESC 2025, dass er den Wettbewerb 2026 in Österreich ausrichten werde.
Bewerbungsverfahren Der ORF führte ein zweistufiges Bewerbungsverfahren für die Auswahl der Gastgeberstadt durch. Im ersten Schritt konnten alle Städte, denen eine Halle mit einem Fassungsvermögen von etwa 10.000 Zuschauern für acht Wochen zur Verfügung stand, beim Sender ihr Interesse an einer Bewerbung bekunden. Diese Städte erhielten im zweiten Schritt die vollständigen Bewerbungsunterlagen mit allen Anforderungen der EBU an die Ausrichtung des ESC. Der Bewerbungsschluss war der 4. Juli 2025.
Zwei Städte reichten offiziell eine Bewerbung ein: Stadt Austragungsort max. Kapazität(Konzerte) Bemerkungen Innsbruck Olympiahalle Innsbruck 12.000 Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1964 und 1976 Wien Wiener Stadthalle 16.000 Austragungsort des Eurovision Song Contest 2015
Graz, Linz/Wels und Oberwart reichten trotz anfänglichem Interesse keine Bewerbung ein. Als Gründe wurden zu hohe Kosten bzw. nicht ausreichende Hallenkapazitäten genannt. Auch St. Pölten und Premstätten bekundeten Interesse, verfolgten eine Bewerbung aber nicht weiter. In Ebreichsdorf versuchte ein privater Hallenbetreiber Interesse bei der Stadt zu wecken, sich zu bewerben. Klagenfurt und Salzburg schlossen eine Bewerbung von Anfang an aus.
Am 20. August 2025 gab der ORF bekannt, dass der ESC in Wien stattfinden werde. Damit war erstmals seit 2018 wieder eine Hauptstadt Austragungsort.
Tickets Pro Show fasste die Stadthalle rund 11.000 Besucher. Für die drei Shows und sechs Proben gingen insgesamt 95.000 Tickets an Menschen aus 75 Ländern, 58 % davon an inländische. Zu den zehn häufigsten Herkunftsländern zählten neben Österreich Deutschland, Großbritannien, die Schweiz, die USA, Frankreich, Australien, Tschechien, Slowenien und die Niederlande.
Kosten Die Stadt Wien plante mit einem Budget von maximal 22,6 Mio. Euro für den ESC 2026. Das wären 5,6 Mio. Euro mehr als bei der Ausrichtung im Jahr 2015.
Veranstaltungen in Wien Es gab unter anderem diese Song-Contest-bezogenen Veranstaltungen in Wien: Eurovision Village am Rathausplatz (freier Eintritt; Eröffnungszeremonie mit allen ESC-Teilnehmern, Konzerte, DJs, Public Viewing der drei TV-Shows, interaktive Formate, Kulinarik; rund 150.000 Besucher) Eurofan House im Wien Museum (freier Eintritt; ESC-Künstlerinterviews und andere Gespräche; über 23.000 Besucher) EuroClub in der Diskothek Praterdome (ESC-Künstlerauftritte, DJs, Übertragung der TV-Shows, Kinderdisco; rund 14.000 Gäste) 21 Kaffeehäuser waren Eurofan Cafés. Jedes repräsentierte ein oder zwei Teilnehmerländer. Party-Straßenbahn mit Musik ESC-Sing-Alongs (Mitsingen alter ESC-Lieder) mit dem Chor der Volksoper vor der Volksoper (freier Eintritt) Eurofan Cruises (ESC-Partyfahrten mit DDSG-Schiffen auf der Donau) Konzert 70 Jahre Eurovision Song Contest – Das Konzert im RadioKulturhaus mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien; wurde auch im ORF-Fernsehen gezeigt. Das Bronski & Grünberg Theater spielte im Volkstheater das Stück Eurobronski Songcontest, eine Hommage an den Songcontest der 60er, 70er und 80er Jahre. besondere Programme in einigen Museen, z. B. im Haus der Geschichte Österreich, im Technischen Museum und im Naturhistorischen Museum Eurovision Markt Contest am Naschmarkt (Speisen aus den Teilnehmerländern; rund 31.500 Besucher) Eurovision Drohnenshow am 27. April 2026 mit 3000 Drohnen über dem Schloss Schönbrunn (freier Eintritt)
Für rund 2.600 Delegierte und akkreditierte Medienvertreter bot Wien 78 kuratierte Erlebnisse und freien Eintritt in 33 Einrichtungen.
Europäische Rundfunkunion Leitende Personen Im Sommer 2025 gab die EBU bekannt, dass der seit 2021 amtierende Executive Supervisor des ESC, Martin Österdahl, vor Ablauf seines Vertrags von seinem Amt zurücktritt und dass die Position nicht neu besetzt wird. Der Executive Supervisor war bis einschließlich 2024 der oberste hauptamtliche ESC-Funktionär der EBU und für die Überwachung aller Prozesse verantwortlich. Bereits zum ESC 2025 war zusätzlich die neue Position des ESC-Direktors geschaffen und mit Martin Green besetzt worden. Dieser trägt nun die Gesamtverantwortung für den ESC und repräsentiert diesen nach außen. Anstatt der Position des Executive Supervisors wird nun Gert Kark als Executive Producer geführt.
Reference Group Die Eurovision Song Contest Reference Group ist das Exekutivkomitee der Europäischen Rundfunkunion (EBU) und ihrer Mitgliedssender für den ESC. Sie entscheidet über die Regeln des Wettbewerbs, die Finanzierung der Veranstaltung und überwacht die Vorbereitung der ausrichtenden Rundfunkanstalt. Für den ESC 2026 wurde sie neu gewählt und hat folgende Mitglieder:
Ana María Bordas, RTVE, Vorsitzende Gert Kark, EBU, Executive Producer Michael Krön, ORF, Executive Producer Ebba Adielsson, SVT Carla Bugalho, RTP Claudia van der Pas, AVROTROS Molly Plank, DR Moritz Stadler, SRG SSR Tomislav Štengl, HRT Dawit Zerunjan, ARMTV
Produktion Am 26. Juni 2025 stellte der ORF das Kernteam der Produktion für den ESC 2026 vor.
Die zentralen Rollen waren: Michael Krön, Executive Producer (Gesamtleitung) Mischa Zickler, Show Producer (Produktion der Inhalte der Shows) Marvin Dietmann, Head of Contest (Produktion der Wettbewerbsbeiträge) Daniel Hack, Head of Production (technische Produktion) Michael Kögler, Regisseur Robin Hofwander, Regisseur
Am 16. Dezember 2025 wurde bekanntgegeben, dass Mischa Zickler Stefan Zechner als Show Producer ersetzen würde. Die Gründe der Entscheidung wurden nicht kommuniziert.
Zum ersten Mal in der Geschichte des Wettbewerbes sollten ARRI-Kameras zum Einsatz kommen. Die Titelmusik wurde von Dorothee Freiberger und Martin Gellner nach Motiven von Mozarts Zauberflöte interpretiert. Freiberger komponierte auch schon die Titelmusik 2015. Als Lichtdesigner kam Tim Routledge zum Einsatz, der diese Rolle bereits 2023 und 2025 ausführte.
Executive Producer Michael Krön kündigte im Vorfeld an, man wolle dem Hallenpublikum erlauben, alle offiziellen Flaggen zu zeigen. Bereits 2025 waren diese Regelungen gelockert worden, während etwa 2024 Flaggen von Nichtteilnehmern verboten waren. Zudem sollten laut Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz kein künstlicher Beifall eingespielt oder Buhrufe übertönt werden. Eine solche Praxis war 2015 durch den ORF in freier Entscheidung erstmals angewendet worden.
Bühne und Green Room mini|Bühne mit den Moderatoren Das Bühnenbild wurde von Florian Wieder entworfen und erstmals am 16. Dezember 2025 der Öffentlichkeit präsentiert. Es bediente sich der Bildsprache der Wiener Secession. Das Zentrum der Bühne bildete ein um etwa 90 Grad gewölbter LED-Schirm („Leaf“). Dieser wurde von einem spiralförmigen Bogen umschlossen („Curved Line“), der auch Teil der Bühne war. Im Hintergrund kam ein Konstrukt aus goldenen Stangen („Construct“) als weiteres Leitmotiv zum Tragen. Ein weiteres Merkmal war ein über der Bühne in drei Kreisen angeordnetes System von Scheinwerfern.
Der Green Room war durch einen Steg mit der Bühne verbunden. Das Design war einem Wiener Kaffeehaus nachempfunden.
Postcards Für die Postcards, d. h. die einminütigen Einspielfilme, die vor den Beiträgen ausgestrahlt wurden, wurden die Künstler digital mittels Projektion und Chroma Keying in Landschaftsaufnahmen aus allen neun österreichischen Bundesländer eingefügt. Die Aufnahmen der Künstler erfolgten dabei in einem Studio in Mödling.
Land Ort, Bundesland Observatorium Sonnblick, Salzburg Waldviertel, Niederösterreich Semmeringbahn, Niederösterreich / Steiermark Bad Gastein, Salzburg Sölden, Tirol Stift Admont, Steiermark Steyr, Oberösterreich Salzburg, Salzburg Haus des Meeres, Wien Warmbad-Judendorf, Kärnten Schloss Schönbrunn, Wien Graz, Steiermark Reutte, Tirol Bregenzerwald, Vorarlberg Wachau, Niederösterreich Pyramidenkogel & Bodental, Kärnten Hallstatt, Oberösterreich Grüner See, Steiermark Loipersdorf-Kitzladen, Burgenland Hofburg, Wien Wiener Prater, Wien Lorüns & Bregenzerwald, Vorarlberg Kunsthistorisches Museum, Wien Winden am See, Burgenland Burg Taggenbrunn, Kärnten Festspiele Erl, Tirol Museum Liaunig, Kärnten Nationalpark Donau-Auen, Niederösterreich/Wien Linz, Oberösterreich Innsbruck, Tirol Traunsee, Oberösterreich Dachstein, Niederösterreich / Steiermark Schloss Belvedere, Wien Lech-Zürs, Vorarlberg Neusiedler See, Burgenland
Moderation Am 29. Januar 2026 wurden Michael Ostrowski und Victoria Swarovski als Moderatoren des Wettbewerbs präsentiert. Ostrowski moderierte bereits einmal eine Veranstaltung der EBU, den Eurovision Young Musicians 2006, damals als Kunstfigur Schallbert Gilet.
Am 14. April 2026 stellte der ORF zusätzlich die FM4-Moderatorin Emily Busvine als Moderatorin für den Green Room vor.
Maskottchen Das offizielle Maskottchen dieses Song Contests heißt Auri. Yvonne Lacina-Blaha schrieb das Kinderbuch Auri: Die Show seines Lebens.
Regeln Beiträge Die Regeln für die Beiträge waren unverändert. Die Lieder durften maximal drei Minuten lang sein und frühestens am 1. September 2025 veröffentlicht worden sein. Auf der Bühne waren maximal sechs Personen erlaubt. Die Liveperformance wurde im Halbplayback gesungen, zudem waren Backing Vocals vom Band erlaubt.
Wenige Tage vor den Liveshows gab die EBU bekannt, dass sie einer Anfrage des finnischen Senders YLE stattgegeben hatte und Linda Lampenius erlauben werde, ihre Violine teilweise live zu spielen. Damit war erstmals seit 1998, als es letztmals ein Orchester gab, wieder ein live gespieltes Instrument beim ESC erlaubt. Lucio Corsi aus Italien hatte im Jahr 2025 Mundharmonika in sein Gesangsmikrofon gespielt.
Abstimmung Das Ergebnis im Finale wurde wie in jedem Jahr seit 2009 zur Hälfte durch Jurys und zur Hälfte durch eine Publikumsabstimmung bestimmt. Auch in den Halbfinalen stimmten zum ersten Mal seit 2022 die Jurys mit ab. In den letzten drei Jahren hatte es aufgrund eines Manipulationsverdachts 2022 in den Halbfinalen eine reine Publikumsabstimmung gegeben.
In jedem teilnehmenden Land vergaben beide Gruppen (Jurys und Publikum) unabhängig voneinander jeweils einen Punktesatz von 1–8, 10 und 12 Punkten.
Jury Jeder teilnehmende Sender stellte für sein Land eine Jury aus sieben Personen zusammen, die sich professionell mit Musik beschäftigten. Diese stimmten auf Basis der Generalprobe am Abend vor der Liveshow ab. Jeder Juror erstellte eine vollständige Rangliste aller Beiträge. Die einzelnen Ranglisten wurden dann zu einer gemeinsamen zusammengerechnet, wobei hohe Platzierungen höher ins Gewicht fielen als niedrige.