Das fast normale Leben ist ein deutscher Dokumentarfilm von Stefan Sick aus dem Jahr 2025. Der deutsche Kinostart war am 22. Januar 2026.

Inhalt In einer Wohngruppe für Mädchen der stationären Jugendhilfe leben Kinder und Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen und auf Veranlassung des Jugendamts für eine gewisse Zeit nicht in ihren Herkunftsfamilien sein können. Ohne ihre Eltern suchen sie nach Akzeptanz und Geborgenheit im Leben. In der sozialpädagogischen Betreuung erfahren sie Hilfen, um sich zu selbstbestimmten Persönlichkeiten zu entwickeln. In diesem Prozess begleitet sie der Dokumentarfilm über zwei Jahre lang und nimmt dabei konsequent ihre Perspektive ein. Die dabei häufig zum Einsatz kommende Handkamera unterstützt den beobachtenden Blick, auf zwischengeschaltete Interviewsequenzen wurde zudem bewusst verzichtet.

Produktion Der Film feierte beim DOK.fest München im Mai 2025 Premiere. Die Produzentinnen Ulla Lehmann und Andrea Roggon erhielten beim DOK.fest den Produktionspreis der Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten.

Für Das fast normale Leben hat der Regisseur Stefan Sick die Jugendhilfe-Wohngruppe an rund 80 Drehtagen in einem Zeitraum von zwei Jahren mit der Kamera begleitet. Im Vorfeld und während der Dreharbeiten sowie in der Phase der Postproduktion waren alle Protagonisten und Protagonistinnen (Eltern, Sorgeberechtigte, Kinder, Mitarbeitende) in einem stetigen Zustimmungsprozess involviert. Mit den Mädchen wurde in regelmäßig stattfindenden Kinderkonferenzen gemeinsam ein Konzept für die Dreharbeiten erarbeitet. Neben der internen Kommunikation und Beteiligung gab es auch einen kontinuierlichen Austausch mit den regionalen Jugendämtern sowie dem Landesjugendamt als Aufsichtsbehörde. Vor der Veröffentlichung wurde der Film allen Beteiligten sowie externen Fachleuten in mehreren Etappen gezeigt, gemeinsam diskutiert und an einzelnen Stellen überarbeitet.

Rezeption Bianka Piringer von Kinozeit: „Vielleicht hätte der Film prägnanter, vor allem auch strukturierter sein können, und auch die beachtliche Länge von 135 Minuten erscheint nicht zwingend. Die Einblicke in das alltägliche Auf und Ab in der Wohngruppe, den mühsamen Weg der Stabilisierung in Not geratener junger Menschen sind dennoch informativ und berührend.“

Markus Solty von Online-Filmdatenbank (OFDb): „Stefan Sick verzichtet in seinem preisgekrönten Dokumentarfilm Das fast normale Leben auf jede Form von pädagogischem Zeigefinger oder biografischer Analyse. Stattdessen setzt er auf die pure Präsenz. Das Ergebnis ist ein 135-minütiges Protokoll, das dem Zuschauer viel abverlangt – und den porträtierten Mädchen gerade dadurch ihre Würde wiedergibt.“

Frank Rother auf swr.de: „Der Film erzählt nicht nur von den Problemen der Mädchen, sondern auch von ihrer Kraft und ihrem Mut, eigene Wege zu finden.“

Gaby Sikorski auf programmkino.de: "Wenn der Film dabei sperrig wirkt, ist das kein Mangel, sondern Konsequenz: Er verweigert einfache Lösungen und nimmt seine Protagonistinnen ernst, ohne sie zu glätten oder zu exponieren. So wird der Film zu einem respektvollen Plädoyer für Geduld in der Beziehung zu anderen und zu sich selbst und zur optimistischen Möglichkeit von Veränderungen."

Aus den Reihen von Selbstvertretungen von Menschen, die selbst in der Jugendhilfe waren wird der Film kritisiert: Die jungen Menschen könnten schwer abschätzen, was die Einwilligung zu dem Film biografisch bedeutet.

In einer Stellungnahme hat das Filmteam seine Haltung, den Prozess (siehe auch Abschnitt „Produktion“) sowie die Verantwortung gegenüber den beteiligten jungen Menschen beschrieben. „Dokumentarfilm im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe bedeutet, sich auf ein komplexes Beziehungsgeflecht einzulassen. […] Würde, Schutz und Selbstbestimmung der beteiligten Kinder stehen für uns über dem gesamten Prozess.“ Mit Das fast normale Leben wolle man junge Menschen, die in einer Wohngruppe leben, aus der Stigmatisierung der Opferrolle herausheben und sie als vollwertige Persönlichkeiten der Gesellschaft darstellen. „Wir sollten nicht den Fehler machen sie in ihren Potentialen zu unterschätzen.“

Auszeichnungen 2025: DOK.fest-München-Nominierung für den DOK.deutsch-Preis 2025: DOKfest München Ulla Lehmann und Andrea Roggon den VFF Dokumentarfilm-Produktionspreis

Weblinks

Das fast normale Leben bei stefansick.de Video-Interview mit Regisseur Stefan Sick

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2025 Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Deutscher Film