Christopher Degelmann (* 1985) ist ein deutscher Althistoriker.
Leben und akademischer Werdegang Christopher Degelmann studierte Geschichte, Religions- und Literaturwissenschaft in Berlin, Göttingen, Erfurt und Chemnitz. Im Anschluss war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kollegiat am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien in Erfurt, wo er 2016 bei Jörg Rüpke im Rahmen des ERC Advanced Grant „Lived Ancient Religion“ promoviert wurde. Danach war Degelmann als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Alte Geschichte an der Georg-August-Universität Göttingen und an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig. In dieser Zeit vertrat er 2017/18 die Juniorprofessur für Antike und Europa an der Technischen Universität Chemnitz und forschte 2019 als Stipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung an der University of Edinburgh im Rahmen des ERC Advanced Grant „Honour in Classical Greece“. Kurze Forschungsaufenthalte führten ihn unter anderem an die Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik in München sowie an die Fondation Hardt bei Genf. 2021 war Degelmann Klemperer-Fellow am Sonderforschungsbereich „Invektivität“ an der Technischen Universität Dresden. Im selben Jahr wurde er in die Jungen Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Leopoldina aufgenommen. 2022 war er Heinz-Heinen-Fellow am Exzellenzcluster der Universität Bonn, 2023 Fellow der Kolleg-Forschungsgruppe „Religion und Urbanität“ in Erfurt.
Seit 2023 wird Degelmann von der Daimler und Benz Stiftung gefördert. Ebenfalls 2023 übernahm er die Vertretung der vakanten Professur für Alte Geschichte mit Schwerpunkt Digital Humanities an der Humboldt-Universität zu Berlin. Im Jahr 2024 wurde er mit dem Heinz-Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet. Seit 2025 ist er August-Boeckh-Gastprofessor für Alte Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Im selben Jahr habilitierte er sich in Berlin und erhielt die Venia Legendi.
Forschungsschwerpunkte Degelmanns Forschung konzentriert sich auf die politische Kultur des klassischen Athens, der römischen Republik und der frühen Kaiserzeit. Seine Arbeiten verbinden klassische Altertumswissenschaften mit modernen kultur- und sozialwissenschaftlichen Theorien, um neue Perspektiven auf die Antike zu eröffnen. Ein besonderes Interesse gilt der historischen Gerüchteforschung, der Körper- und Geschlechtergeschichte sowie der Religionsgeschichte im antiken Mittelmeerraum. Er integriert postmoderne Theorien in die Altertumswissenschaften, um die Bedeutung des antiken Erbes für das heutige Selbstverständnis zu beleuchten. In seiner Arbeit untersucht er beispielsweise, wie soziale Mechanismen wie Fake News, Gerüchte, Kleidung und Rasuren, Schmähungen gegen Politiker oder soziale Typen wie der „Hipster“ bereits in der Antike eine Rolle spielten. Durch diese Analysen schafft er Verbindungen zwischen historischen und gegenwärtigen Fragestellungen.
Engagement und Lehre Neben seiner Forschung ist Degelmann als Gastprofessor für Alte Geschichte mit dem Schwerpunkt Medialität und Digitalität an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig. Er engagiert sich in verschiedenen Projekten, darunter die Diskussionsreihe „Please Irritate Me!“ und das Kinderbuchprojekt „Young Scientists“.
Auszeichnungen Heinz-Maier-Leibnitz-Preis (2024) Gewinner des 5. Antiquity Slam der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (2021)
Publikationen (Auswahl) Als Verfasser Squalor. Symbolisches Trauern in der politischen Kommunikation der römischen Republik und frühen Kaiserzeit (= Potsdamer altertumswissenschaftliche Beiträge. Band 61). Steiner, Stuttgart 2018. ISBN 978-3-515-11784-5 (zugleich: Dissertation u. d. T. In squalore esse. Trauerszenen im republikanischen und frühkaiserzeitlichen Rom. Universität Erfurt, 2016). Rezensionen: Christian Reitzenstein-Ronning in: Latomus. Band 78, Nr. 3, 2019, S. 822–825, ; Oliver Bräckel in: Arctos. Acta Philologica Fennica. Band 53, 2019, S. 300–302, doi:10.71390/arctos.96077; Simon Lentzsch in: Historische Zeitschrift. Band 310, Nr. 1, 2020, S. 148–150, doi:10.1515/hzhz-2020-1020; Alexandra Eckert in: The Journal of Roman Studies. Band 111, 2021, S. 314 f., . Mitautor von Religion in the making: the Lived Ancient Religion approach (2018) Politik der Gerüchte und Gerüchte der Politik: Hörensagen, Ruf und öffentliche Meinung in der attischen Demokratie, INDES – Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, 1/2023 Übergehen und übergangen werden – Die Politik der »toga virilis« in der frühen Kaiserzeit. In: Jan B. Meister, Seraina Ruprecht (Hrsg.): Weiblichkeit – Macht – Männlichkeit. Perspektiven für eine Geschlechtergeschichte der Antike. Campus, Frankfurt am Main 2023, ISBN 978-3-593-51661-5, S. 279 ff. Die geistesgelehrten sind ein herzlich unbedeutendes element - eine handschriftliche widmung manfred fuhrmanns fur alfred HeuB, in: Museum Helveticum, 2020-12, Vol.77 (2), p.229-250
Als Herausgeber mit Jörg Rüpke: Narratives as a Lens into Lived Ancient Religion, Individual Agency and Collective Identity (= Religion in the Roman Empire. Band 1, Nr. 3). Mohr Siebeck, Tübingen 2015, . mit Lucia Cecchet, Maik Patzelt: The Ancient War’s Impact on the Home Front. Cambridge Scholars Publishing, Newcastle upon Tyne 2019, ISBN 978-1-5275-3776-7. mit Jan-Markus Kötter: Zwischen Tradition und Innovation. Zum ambivalenten Umgang mit Kontingenzen in der mittleren römischen Republik. J. B. Metzler, Berlin 2024, ISBN 978-3-662-67238-9.
Weblinks Profil an der Humboldt-Universität zu Berlin Mitgliedsprofil bei der Jungen Akademie Publikationen auf Academia.edu Publikationen auf ResearchGate Lebenslauf und Werdegang von Christopher Degelmann
Einzelnachweise
Kategorie:Althistoriker Kategorie:Hochschullehrer (Humboldt-Universität zu Berlin) Kategorie:Absolvent der Universität Erfurt Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1985 Kategorie:Mann