Kirchberg, die Stadt der sieben Hügel, ist eine Kleinstadt im Landkreis Zwickau. Im Tal des Rödelbachs am Westrand des Erzgebirges gelegen, befindet sich Kirchberg rund zehn Kilometer südlich von Zwickau.
Geographie Geographische Lage mini|links|hochkant=4|Kirchberg vom Borberg aus gesehen
Kirchberg liegt im Tal des Rödelbachs in einer Höhenlage: von 350 m bis und ist umgeben von sieben Bergen (Borberg 435 m; Geiersberg 426 m; Kreuzhübel 428 m; Krähenberg 441 m; Quirlsberg 398 m; Kratzberg 478 m; Schießhausberg 440 m).
Geologie Die Stadt liegt auf dem Kirchberger Granitmassiv.
Ausdehnung des Stadtgebiets Nord – Süd: ca. 6 km (inklusive Ortsteilen) Ost – West: ca. 6 km (inklusive Ortsteilen)
Nachbarorte
Stadtgliederung Zur Stadt zählen neben Kirchberg selbst die Ortsteile Burkersdorf, Cunersdorf, Saupersdorf, Wolfersgrün, Leutersbach und Stangengrün.
Geschichte mini|Kirchberg in Sachsen 1900
Erste Besiedlungen der Gegend zwischen dem Borberg und dem Geiersberg fanden um 1180 und 1212 statt. Der Name Kirchberg leitet sich vom Standort einer Kirche auf Bergbaugelände herErnst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band I, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, S. 486.. Die Stadtrechte wurden um 1310 an Kirchberg verliehen. Der wichtigste Erwerbszweig, das Tuchmacherhandwerk ist seit dem 16. Jahrhundert in Kirchberg angesiedelt. Ein bescheidener Bergbau setzte 1710 um den Geiersberg ein, wurde aber schon 1723 wegen Erfolglosigkeit eingestellt. Kirchberg gehörte bis 1843 zum Amt Wiesenburg. Diese wurde 1843 ein Teil des Amtes Kirchberg und in der Stadt wurde ein Amtsgericht eingerichtet. 1856 wurde aus einem Teil des Amtes Kirchberg das Gerichtsamt Kirchberg gebildet, welches 1875 in der Amtshauptmannschaft Zwickau aufging. Von 1881 bis 1973 hatte Kirchberg durch die Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau–Carlsfeld Anschluss an das sächsische Schienennetz.
Das Plattenbaugebiet Kirchberg-West entstand ab dem Jahr 1983.
Religionen mini|Rödelbach und Kirche St. Margarethen in Kirchberg
Die beiden evangelisch-lutherischen Kirchgemeinden St. Margarethen Kirchberg und St. Katharinen in Burkersdorf bilden ein Kirchspiel. Weiterhin gibt es in Kirchberg eine evangelisch-methodistische Gemeinde, die Landeskirchliche Gemeinschaft und eine evangelisch-freikirchliche Gemeinde (Brüdergemeinde). Auf dem Neumarkt befindet sich die römisch-katholische Kirche Maria Königin des Friedens.
Die Marienkirchgemeinde Stangengrün bildet ein Kirchspiel mit den Nachbargemeinden in Wildenau und Obercrinitz.
Eingemeindungen Burkersdorf: 1. August 1973Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7. Wolfersgrün: 1. Januar 1996StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1996 Leutersbach: 1. Juli 1996 Saupersdorf: 1. Januar 1997StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1997 Stangengrün: 1. Januar 1997 Cunersdorf: 1. Januar 1999StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
Entwicklung der Einwohnerzahl 1834: 3.855 1885: 6.949 1933: 7.210 1960: 8.154 1971: 7.454 1998: 10.808 1999: 10.663 2000: 10.436 2001: 10.139 2002: 9.895 2003: 9.645 2004: 9.529 2005: 9.401 2006: 9.355 2007: 9.249 2008: 9.069 2009: 9.139 2012: 8.516 2013: 8.461 2024: 7.765 ab 1960: Stand jeweils 31. Dezember, außer 2007 (Stand 31. Juli)Datenquelle ab 1998: Statistisches Landesamt Sachsen
Gedenkstätten Im Eingangsbereich der Grundschule „Ernst Schneller“ ist eine Gedenktafel angebracht zur Erinnerung an den kommunistischen Lehrer und Reichstagsabgeordneten Ernst Schneller, der 1944 im KZ Sachsenhausen ermordet wurde.
Politik
Die Stadt ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Kirchberg. Stadtrat mini|Rathaus KirchbergDie letzte Stadtratswahl fand am 9. Juni 2024 statt. Es wurden 16 Stadträte gewählt. +letzte StadtratswahlenVorschlag202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU534,1952,6949,6AfD531,5––––BSW317,5––––Freie Wähler Kirchberg316,9527,8426,3Linke––215,4316,8Grüne–––4,2–3,3SPD–––––4,0Wahlbeteiligung70,5 %58,0 %46,5 %
Bürgermeister Aktuelle Bürgermeisterin ist Dorothee Obst. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2020Dorothee ObstFW93,1201340,72008Wolfgang BecherFWV81,5200172,61994FWV K56,5
Wappen Seit wann Kirchberg ein Stadtwappen führt ist nicht genau bekannt. Das erste überlieferte Stadtwappen zeigt drei Holztürme und könnte aus dem 14. Jahrhundert stammen. Bis ins 19. Jahrhundert wechseln die Turmformen, aber immer versinnbildlichen sie die drei nach 1830 zerstörten Stadttortürme. Beim Wiederaufbau des Rathauses 1852 wurde ein Stadtwappen an der Fassade als Halbrelief angebracht. Es entspricht der Form von 1394 und ziert bis heute Kirchbergs Fahnen, Briefbögen, Stempel und Siegel. Die drei Berge scheinen den Borberg (), Geiersberg () und Schießhausberg () zu symbolisieren. Es sind die Berge, die das im Rödelbachtal gelegene Stadtzentrum in einem Dreieck einschließen.
Städtepartnerschaften Kirchberg unterhält seit 1990 Städtepartnerschaften mit Sendenhorst in Nordrhein-Westfalen und Groß-Umstadt in Hessen sowie seit 1991 mit Houdain in der französischen Region Nord-Pas-de-Calais.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Lutherdenkmal auf dem Lutherplatz
Museen Schaubergwerk „Am Graben“ nahe der Kirche. Museum „Alt-Kirchberg“ am Altmarkt (Torstraße 9). Meisterhaus mit den Ausstellungen zur Heimatgeschichte und Modellbahnausstellung.
Vereine
Dorf- und Heimatverein Cunersdorf e. V. Erzgebirgischer Heimatverein Kirchberg e. V.http://www.ehv-kirchberg.de/ Erzgebirgszweigverein Kirchberg e. V. Frauenchor Kirchberg e. V.Frauenchor Kirchberg Kirchberger Natur- und Heimatfreunde des NABU Deutschlands Ortsgruppe Kirchberg e. V. (Kirchberger Bergbrüder) Männergesangverein „ARION 1898“ Saupersdorf e. V. Männergesangverein „Rödeltal“ Kirchberg e. V.
Bauwerke mini|260x260px|Lutherdenkmal mit Brunnen im Lutherpark (1908)
Die barocke Stadtkirche St. Margarethen stammt von 1764 und ist mit spätgotischen Elementen ausgestattet. Die St.-Marien-Kirche Stangengrün wurde im 15. Jahrhundert erbaut. Die St.-Katharinen-Kirche Burkersdorf beherbergt die älteste noch läutende Glocke Sachsens. König-Albert-Turm und Anton-Günther-Berghaus auf dem Borberg Katholische Kirche „Maria Königin des Friedens“ mit Kirchenfenstern des Künstlers Norbert Marten, 1997, Neumarkt
Naturdenkmäler Auf dem Borberg befindet sich eine neunstämmige Buche.
Sport SV 1861 Kirchberg ESV Lokomotive Kirchberg e. V. SV Rödeltal 1950 e. V. 1. Tennisclub Kirchberg e. V. 1. RC-Modellsportclub Kirchberg e. V. Motorradclub „Kirchberger Linksfahrer“ e. V. Tauchclub TC „NEPTUN“ Kirchberg e. V. am Steinbruch Pinkfoss LV Olympia Kirchberg Kegelverein 1845 Kirchberg
Regelmäßige Veranstaltungen Altstadtfest (immer am 1. Samstag im Oktober) Borbergfest (immer am 1. Juni-Wochenende) Oldtimertreffen (immer am 1. Juni-Wochenende) Frühlings- und Weihnachtskonzerte im Christoph-Graupner-Gymnasium Weihnachtsmarkt (immer am 1. Adventswochenende) Linksfahrer Treffen (immer am 1. August-Wochenende) Maibaumstellen mit Wahl der Kirchberger Maikönigin (letzter Sonntag im April, ab 14:30 Uhr auf dem Brühlplatz)
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Ehem. Schmalspurbahnbrücke über den Rödelbach in Kirchberg
Autobahnanschluss an Bundesautobahn 72 (Zwickau-Ost, Zwickau-West ca. 10 km) Bundesstraße 93: ca. 3 km östlich Busverbindungen Richtung Zwickau nächster Bahnhof Wilkau-Haßlau: ca. 7 km (Bahnstrecke Zwickau–Schwarzenberg)
Durch Kirchberg verlief von 1881 bis 1973 die Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau–Carlsfeld. Im heutigen Stadtgebiet hatte sie je einen Bahnhof und einen Haltepunkt in Cunersdorf und Kirchberg sowie zwei Bahnhöfe in Saupersdorf. Zeugen sind bis heute der Bahnhof Kirchberg (Sachs), eine Eisenbrücke über den Rödelbach (Sonnenbrücke) beim ehemaligen Haltepunkt Kirchberg und einen Eisenbahnpfad am Rödelbach auf der alten Trasse im Stadtgebiet Kirchbergs.
Ansässige Unternehmen Behr Kirchberg GmbH, größter Arbeitgeber Roter Hahn 112 Gemeinnützige Heimbetriebsgesellschaft mbH Kirchberg
Bildung mini|Grundschule „Ernst Schneller“ mini|Christoph-Graupner-Gymnasium
Grundschule „Ernst Schneller“ Europaschule Christoph-Graupner-Gymnasium Oberschule „Dr. Theodor Neubauer“ Sperlingsbergschule (Schule zur Lernförderung)
Gesundheitswesen Das Krankenhaus fusionierte 2012 mit dem Heinrich-Braun-Klinikum Zwickau. Derzeit erfolgt der Umbau in ein Fachklinikum für Neurorehabilitation durch das HBK. Eine Regelversorgung findet am Standort nicht mehr statt, die Notaufnahme wurde geschlossen.
Persönlichkeiten Ehemalige Ehrenbürger (unvollständig) Johann Baumgärtel († 18. März 1897; Verleihung nach 1843), Nadler, Warenhausgründer, Mitbegründer der Kirchberger Feuerwehr, Branddirektor, Ritter des Königlich Sächsischen Albrechtsordens II. Klasse Richard Dörfel (* 1838; † 25. Oktober 1915; Verleihung am 8. Februar 1912), Heizrohrfabrikant, Kommerzienrat
Söhne und Töchter der Stadt Karl von Hochmuth (1673–1736), deutsch-russischer General und Kriegsrat. Christoph Graupner (1683–1760), Musiker und Komponist. Nach ihm ist das in Kirchberg ansässige Gymnasium benannt. Friedrich Werner (1818–1887), deutsch-österreichischer Orgelbauer. Robert Seidel (1850–1933), Politiker, nahm am Gründungskongress der SPD teil. Nach ihm ist eine Straße in Kirchberg benannt. Moritz Wolf (1838–1902), Guts- und Fabrikbesitzer in Saupersdorf, Politiker. Friedrich Maximilian Bergfeld (1864–1934), Volksschullehrer und Mundartdichter des Erzgebirges. Ernst Rüdiger (1867–unbekannt), Unternehmer. Richard Helmrich (1869–1931), Lehrer und Stenograf. Paul Rüdiger (1875–1941), Jurist und Kommunalpolitiker. Albin Tröltzsch (1893–1973), Ingenieur, erzgebirgischer Heimat- und Mundartdichter sowie Hörspielautor. Karl Steinmüller (1901–1977), im Ortsteil Saupersdorf geborener Archivar, Heimatforscher und Genealoge. Elisabeth Mehnert-Pfabe (1905–1993), Klöppel-Künstlerin Anna Metze-Kirchberg (1907–2004), Schriftstellerin. Fried Noxius (1917–2007), Offizier und Schriftsteller. Wolfgang Hofmann (1928–2019), Kantor, Organist und Komponist. Klaus Möckel (* 1934), Autor und Übersetzer. Persönlichkeiten mit Bezug zum Ort Julius Kell (1813–1849), 1836–1841 Schulrektor, Abgeordneter im Sächsischen Landtag Ferdinand Querner (1816–1880), Politiker, Abgeordneter im Sächsischen Landtag, Bürgermeister von Kirchberg Albert Sixtus (1892–1960), Kinder- und Jugendbuchautor („Die Häschenschule“) Marianne Brandt (1893–1983), Malerin, Bildhauerin und Designerin Gertrud Drechsler (1896–1984), Mundartdichterin des westlichen Erzgebirges Algimantas Dailidė (1921–2015), NS-Kriegsverbrecher, lebte seit 2003 im Ort Marion Hallbauer (* 1957), Illustratorin, Grafikerin und Malerin Sven Günther (* 1974), Fußballspieler, der seine Karriere bei der TSG Kirchberg begann Marie-Elisabeth Hecker (* 1987), Cellistin, gewann 2005 den 1. Preis beim Rostropowitsch-Wettbewerb Klaus Möckel (* 1934), Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer
Literatur Johannes Decker: Chronik der Stadt Kirchberg in Sachsen. Geiger, Horb am Neckar 2000, ISBN 3-89570-671-X. Johannes Gündel: Stangengrün: genealogische Entwicklung einer Bauerngemeinde im Kreis Zwickau/Sachsen 1460–1800. (= Schriftenreihe der Stiftung Stoye der Arbeitsgemeinschaft für Mitteldeutsche Familienforschung. 17/18). Degener, Neustadt an der Aisch 1988, ISBN 3-7686-4117-1.