Grotta di Nùrighe ist eine Höhle am Fuße des 676 m hohen Vulkankegels Monte Cuccuruddu, in Cheremule in der Provinz Sassari im Nordwesten Sardiniens. Der Zugang ist nur mit Höhlenforscherausrüstung möglich.
Aufbau der Höhle Die Fülle der entlang eines Karstkanals gefundenen fossilen Überreste führte zur Analyse der Ursachen für die Versteinerung und Anhäufung entlang eines Siphons. Hinweise datieren das Ablagerungsereignis in das jüngere Mittelpleistozän und bestätigen Hypothesen, die sich aus der geomorphologischen Untersuchung ergeben und von einem Alter von etwa 250.000 Jahren ausgehen.
Die Höhle erstreckt sich auf einem Kalksteinplateau, entlang paralleler Brüche. Sie beginnt mit einer etwa fünf Meter langen und zwei Meter hohen Kammer, die durch eine Wand abgetrennt ist, in der sich ein Fenster und eine Tür befinden. Im Inneren befinden sich Wasserbecken, deren Durchflussrate zwischen 5 und 20 l/min variiert. Je nach Jahreszeit werden diese in die nahe Pumpstation geleitet.
mini| Monte Cuccuruddu
Die eigentliche Höhle beginnt mit einer Öffnung von 1 × 0,5 m in der Nähe der Becken. Die ersten 5 Meter legt man im Wasser kriechend zurück, dann gelangt man in die Nähe des Durchgangs „die Presse“ (), der durch Ablösen eines Felsbrockens entstand. Zwischen diesem und dem Gewölbe ist ein 30 cm breiter Durchstieg. Ist das Hindernis überwunden, beginnt ein neuer Kriechgang mit Wasser, das von da an beständig präsent ist. Eine Konstante stellen Stalaktitenkonkretionen dar, die fast immer die Form weißer Röhren haben. Es folgt die zweite Engstelle und etwa 60 Meter vom Eingang entfernt eine dritte. Auf kurzen Strecken liegt der Wasserstand höher als 10–15 cm. Es folgt der „Tunnel der Liebe“ (), ein fünf Meter langer, sehr schmaler Gang, dessen Boden aus scharfkantigen Konkretionen besteht. Hinter dem Tunnel hat man in einer schmalen, aber etwa 3 Meter hohen Kammer, für etwa 20 Meter erstmals die Möglichkeit zu stehen. Wenige Meter dahinter führt ein weiterer Kriechgang in eine kleine, schlammige Kammer, die zu einem Halbsiphon führt. Unmittelbar danach folgen abseits des Flusses zwei Biegungen, die vom Gang geschnitten werden. Den Fluss erneut erreichend, folgt auf der linken Seite ein weniger als 4 Meter langer Gang, der erwähnenswert ist, weil er der einzige trockene Teil der Höhle ist.
Im Flussbett befindet sich das einzige, durch natürliche Ursachen beschädigte Stalagmitenbecken der Höhle. In geringer Entfernung befindet sich der „Kamin der Hoffnung“, () eine schmale, etwa vier Meter hohe (40 cm breite), durch Felsen blockierte Spalte. Ab diesem Punkt ändert sich die Geomorphologie der Höhle ein wenig. Sie wird um Zentimeter geräumiger und ihr Wasserstand ist auf den nächsten 150 Metern höher. Die an den Ufern anspülte Tonmenge nimmt zu.
Funde vor der Höhle
100 m vor dem Ende der Höhle tauchen die ersten Fossilien auf. Zunächst die von der Strömung leichter zu transportierenden leichteren und weiter hinten, in zunehmender Fülle, Röhrenknochen und Schädel zahlloser Megaloceros-Hirsche, die ausgezeichnet erhalten und in einigen Fällen in Stalagmiten- oder Stalagnat-Konkretionen eingebettet sind.
Unter den Hirschknochen ist eine Tibia von Megaloceros cazioti aufgrund der eventuell nicht zufälligen Kerben von Interesse. Die regelmäßigen Scharten entsprechen nach Ansicht von Spezialisten nicht den Spuren analoger Funde. Das Fossil untermauert die Hypothese, dass vor 200.000 bis 300.000 Jahren eine Hominidenart, synchron mit den Tieren lebte, deren Überreste in der Höhle gefunden wurden.
Die Entdeckung ist beispiellos, da das Fingerglied eines Erwachsenen zu einem der ersten Menschen gehören dürfte, die nach Sardinien kamen. Einige vermuten, dass es sich um einen Neandertaler oder Präneandertaler oder eine morphologische Distanz handelt. Die ältesten zuvor gefundenen menschlichen Überreste, stammen aus der Jungsteinzeit (6000–2800 v. Chr.)
Funde in der Höhle
Der erforschte Höhlenteil endet an einem Erdrutsch, der den Gang blockiert. Man geht nicht davon aus, dass die Höhle sich dahinter großartig erweitert, aber die letzten Meter könnten Überraschungen bereithalten. Der Karstzyklus, der zur Entstehung der Höhle führte, lässt sich auf die Klimaphasen des Mittelpleistozäns zurückführen. Die Fülle fossiler Überreste weist darauf, dass der Ort aufgrund der Quelle für die lokale Fauna wichtig war. Die vorläufige Untersuchung basiert auf Knochen, die im Inneren der Höhle gesammelt wurden, sowie auf zwei kleinen Materialproben, die aus den oberflächlichen Schichten entnommen wurden.
Neben der pleistozänen Fauna enthält das Sediment Reste von Muscheln und Stachelhäutern aus der Auflösung der Kalksteine des Grundgebirges.
Unter den Großsäugern wurde das überwiegende Vorkommen von Knochen eines Hirsches von der Größe eines Damhirsches entdeckt, der der Inselart Megaloceros cazioti zuzuordnen ist. Die Funde deuten im Kontext der biometrischen Variation dieser Art auf eine mittlere Größe. Neben diesen zeugen Knochen von der Anwesenheit des Inselhundes Cynotherium sardous.
Auf der Ebene der Mikrofauna sind Knochen und Zähne des Hasenartigen Prolagus sardus in großer Zahl vorhanden. Unter den Nagetieren gibt es Überreste der mit Lemmingen und Hamstern verwandten Wühlmaus Tyrrhenicola henseli und der Tyrrhenischen Feldratte (Rhagamis orthodon), wobei erstere vorherrschend ist. Die Zahngröße weist darauf, dass es sich um weiterentwickelte Formen zweier Insellinien handelt.
Neben der Säugetierfauna gibt es Überreste von Vögeln und unbestimmbaren Schnecken. Unbestreitbar gehört diese Fauna zur sardischen Biozone. Diese beginnt wahrscheinlich im Mittel-Jüngsten Pleistozän und endet mit dem Übergang zum Holozän.
In der Nähe liegt die Nekropole von Moseddu.
Literatur Giulio Badini: Sardegna, primi uomini arrivati 250 000 anni fa – Erano cacciatori paleolitici, di taglia normale ma gracili. Il passaggio (forse) tra Toscana e Corsica Il ritrovamento è frutto delle ricerche di un gruppo di speleologi di Thiesi, «Corriere della Sera», 2002. J.M. Cordy et al.: Grotta di Nùrighe (Sassari). Esplorando il passato, «Speleologia», 38, Anno IXX, 1998. Marco Noce: La preistoria sconvolta dall’ominide di Cheremule, «L’Unione Sarda», 2001. Serra Antonio: Ultime notizie dal Pleistocene, «Sardegna Speleologica», 1997.
Einzelnachweise
Kategorie:Archäologischer Fundplatz auf Sardinien Kategorie:Höhle Kategorie:Cheremule