Julia Chuñil (geb. 1952; verschollen seit 8. November 2024 in Máfil, Región de Los Ríos) ist eine chilenische Umweltschützerin, die sich für die Landrechte der indigenen Mapuche einsetzt. Sie verschwand unter bislang ungeklärten Umständen; ihr Fall ist zu einem Symbol für die Konflikte um Landbesitz und den Schutz von Umweltschützern in ihrem Land geworden.

Leben Chuñil wurde 1952 in der Nähe von Máfil geboren und wuchs nach dem frühen Tod ihrer Mutter unter schwierigen Bedingungen bei einer Pflegefamilie auf. Als Jugendliche verließ sie diese Familie und zog nach Valdivia, wo sie durch den Verkauf von Kleidung und Lebensmitteln ihren Lebensunterhalt verdiente. Nach ihrer Rückkehr nach Máfil wurde sie 2014 zur Präsidentin der indigenen Gemeinschaft Putreguel gewählt, einer von der staatlichen Behörde Conadi anerkannten Gemeinschaft. Sie ist Mutter von fünf Kindern und Großmutter von zehn Enkelkindern.

Seit 2015 lebte Chuñil auf einem umstrittenen Landstück („Reserva Cora Número Uno-A“), das ursprünglich von der Conadi für eine andere Mapuche-Gemeinschaft gekauft wurde, die es jedoch nicht nutzte. Chuñil und ihre Gemeinschaft übernahmen daraufhin das Gelände zur Bewahrung des Naturwaldes und für kleinbäuerliche Landwirtschaft.

Wirken Chuñil setzte sich insbesondere für den Schutz der letzten verbliebenen Naturwälder in der Region um Máfil ein und protestierte gegen deren Abholzung zugunsten von Forstplantagen. Dabei erhielt sie regelmäßig Drohungen und Einschüchterungen, insbesondere seit 2018, nachdem der Unternehmer Juan Carlos Morstadt Anwandter Anspruch auf das Gebiet erhob und die Vertreibung der Gemeinschaft von dort vorantrieb.

Ihr Einsatz brachte ihr Anerkennung, aber auch Konflikte mit lokalen Unternehmern ein, die ein Interesse an wirtschaftlicher Nutzung der Wälder anmeldeten. Chuñil wurde zur Symbolfigur im Widerstand gegen Umweltzerstörung und die fortwährende Enteignung indigener Gebiete in Chile.

Am 8. November 2024 verschwand Julia Chuñil auf dem Gelände der Reserva Cora Número Uno-A, als sie mit ihrem Hund unterwegs war. Ihr Verschwinden löste umfassende Suchaktionen unter der Beteiligung der Polizei, Feuerwehr und freiwilliger Helfer aus. Präsident Gabriel Boric äußerte im Dezember 2024 öffentlich Besorgnis über ihren Fall und versprach die Intensivierung der Suche.

Chuñils Familie und Unterstützer werfen den Behörden mangelndes Engagement und einseitige Ermittlungen vor, da zunächst gegen ihre Familie ermittelt wurde, während der Unternehmer Morstadt Anwandter, der verdächtigt wird, sie bedroht zu haben, nicht nennenswert untersucht wurde.

Julia Chuñils Verschwinden führte zu massiven Protesten und einem erhöhten Druck auf die Regierung, den Schutz für Umweltschützer und Menschenrechtler gemäß dem Escazú-Abkommen ernsthaft umzusetzen.

Ermittlungen und neue Entwicklungen (ab 2025) Im Verlauf des Jahres 2025 nahm die chilenische Staatsanwaltschaft (Fiscalía Regional de Los Ríos) eine Neubewertung des Falls vor. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden werde inzwischen davon ausgegangen, dass Julia Chuñil Opfer eines 'Tötungsdelikts im familiären Umfeld' geworden sei. Diese Einschätzung stützt sich auf Zeugenaussagen, frühere Berichte über innerfamiliäre Gewalt sowie auf rekonstruierte Ereignisse aus der Nacht ihres Verschwindens.https://www.emol.com/noticias/Nacional/2026/01/14/1188488/muerte-julia-chunil-hijos-yerno.htmlhttps://www.latercera.com/nacional/noticia/fiscalia-entrega-detalles-de-caso-de-julia-chunil-este-grupo-familiar-vivia-en-contexto-de-extrema-violencia Im Januar 2026 wurden drei ihrer erwachsenen Kinder sowie ein ehemaliger Schwiegersohn formell angeklagt. Den Kindern wird unter anderem Parrizid (Tötung eines Elternteils) zur Last gelegt. Der Ex-Schwiegersohn steht im Verdacht der Beteiligung an der Tat beziehungsweise der nachträglichen Vertuschung.https://www.emol.com/noticias/Nacional/2026/01/14/1188488/muerte-julia-chunil-hijos-yerno.html Die Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe. Über Untersuchungshaft und weitere Vorsichtsmaßnahmen wurde in gesonderten Anhörungen entschieden.https://www.latercera.com/nacional/noticia/fiscalia-entrega-detalles-de-caso-de-julia-chunil-este-grupo-familiar-vivia-en-contexto-de-extrema-violencia

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll es am Tag des Verschwindens zu einem gewaltsamen Konflikt gekommen sein, der nicht in Zusammenhang mit Chuñils umweltpolitischem Engagement gestanden habe. Die Fiscalía erklärte, es gebe keine belastbaren Hinweise darauf, dass ihr Verschwinden oder mutmaßlicher Tod auf Landkonflikte, unternehmerische Interessen oder ihren Einsatz für indigene Rechte zurückzuführen sei.https://www.emol.com/noticias/Nacional/2026/01/14/1188488/muerte-julia-chunil-hijos-yerno.html

Der Leichnam von Julia Chuñil wurde bis Anfang 2026 nicht gefunden. Die Suche wurde unter anderem mit technischen Mitteln wie Georadar fortgesetzt.https://www.latercera.com/nacional/noticia/fiscalia-entrega-detalles-de-caso-de-julia-chunil-este-grupo-familiar-vivia-en-contexto-de-extrema-violencia

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