Das Stadtarchiv Bamberg ist das kommunale Archiv der kreisfreien Stadt Bamberg im bayerischen Oberfranken. Als solches verwaltet es das archivisch relevante Schriftgut der Stadt Bamberg, ihrer angehörigen Stiftungen und weiterer angeschlossener Gemeinden sowie Nachlässe, Archivbestände und Sammlungen bestimmter Institutionen und Privatpersonen mit lokaler Bedeutung. In seiner heutigen Eigenständigkeit existiert das Archiv seit 1932. Seit 1991 ist es im denkmalgeschützten Gebäude des ehemaligen ‚Chirurgischen Pavillons‘ in der Sandstraße untergebracht. Seine dort verwahrten Bestände reichen vom 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Geschichte Mittelalter und Frühe Neuzeit Obgleich der Entwicklungsgrad sowie verwaltungstechnische Kompetenzen und Zuständigkeiten der Stadt die Existenz einer quasi-archivarischen Verwahrung von Materialen wie beispielsweise Urkunden und Siegelstempeln schon für die vorhergehende Zeit nahelegen, findet sich der erste konkrete Hinweis auf eine archivähnliche städtische Materialsammlung erst für das Jahr 1440. Nachdem angeblich ein Blitz in den über der Oberen Brücke gelegenen Turm des Alten Rathauses eingeschlagen hatte, wurden neben der dort vorhandenen Pulverkammer auch „magnificae urbis arcana ac priuilegia [die Geheimnisse und Privilegien der herrlichen Stadt]“Scriptores Rerum Episcopatūs Bambergensis, Leipzig und Frankfurt 1718. und somit eine große Anzahl wichtiger zeitgenössischer Dokumente zerstört.Robert Zink: Das Stadtarchiv Bamberg zwischen Verwaltung, Kultur und Forschung. In: Lothar Hennig, Robert Zink (Hrsg.): Das Stadtarchiv Bamberg im ehemaligen "Chirurgischen Krankenhaus". Zur Indienststellung des neuen Dienstgebäudes am 8. November 1991. Stadtarchiv Bamberg/Stadt Bamberg, Bamberg 1991, , S. 4–16, hier S. 7. Während die Existenz eines städtischen ‚Geheim- und Schatzarchivs‘ etwa ab der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert plausibel scheint, muss jedoch vermerkt werden, dass diese auf den Historiographen Martin Hofmann zurückgehende und meist übernommene Darstellung vom Ende des 16. Jahrhunderts aufgrund des zeitlichen Abstandes und anderweitiger Indizien als fragwürdig einzustufen ist.Robert Zink: Vom Kanzleiarchiv zum Stadtarchiv. Das Stadtarchiv Bamberg und seine Entwicklung (bis ca. 1980). Verlagsdruckerei Schmidt, Bamberg 2021 (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bamberg 39), ISBN 978-3-929341-67-6, S. 17–26. Plausibel erscheint für die Zeit des Alten Reiches dagegen das Bestehen eines frühneuzeitlichen Kanzleiarchives, das als unter der Verantwortung eines Stadtschreibers stehende Mischung von Kanzlei, Registratur und Archiv verstanden werden kann.Zink 2021, S. 26–32.

19. Jahrhundert Der Übergang des Hochstifts Bamberg an das Kurfürstentum Bayern 1802/03 brachte im Zuge von Säkularisation und staatlicher Vereinheitlichungs- und Zentralisierungspolitik für Bamberg enorme Änderungen mit sich, deren Auswirkungen auch die Zuständigkeit für archivarisches Schriftgut betraf. Eine organisatorische Trennung zwischen Registratur und Archiv war zunächst weiterhin nicht vorhanden; die Überlieferung lagerte vielfach in ungeordnetem, teilweise beschädigtem Zustand und unter schlechten konservatorischen Bedingungen in verschiedenen Räumen des Rathauses.Zink 2021, S. 33–39. Archivische Aufgaben wurden in dieser Zeit häufig von juristisch oder verwaltungstechnisch geschultem, aber nicht archivarisch ausgebildetem Personal nebenamtlich mitverwaltet, was eine systematische Erschließung oder Bewertung faktisch ausschloss.

In den 1830er Jahren begannen erste, eher punktuelle Reorganisationsansätze, etwa durch die Rückgabe ausgewählter historischer Urkunden und Dokumente aus staatlichem Besitz an die Stadt. Eine planvoll koordinierte Bewertung, Ordnung oder fachliche Betreuung des Archivguts erfolgte jedoch weiterhin nicht.Zink 2021, S. 58–61. Ab den 1870er Jahren wurde ein Teil des älteren Aktenmaterials, teils aus Platzgründen, teils zur besseren Sicherung, ausgelagert, unter anderem in Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters Michelsberg. 1877 entstand dort ein erstes systematisch angelegtes Repertorium, das eine geordnete Übersicht über die historischen Bestände ermöglichte und damit einen wichtigen Schritt in Richtung archivischer Erschließung darstellte. Gleichwohl blieb das Archiv weiterhin formell und organisatorisch Teil der laufenden Zentralregistratur und wurde durchgehend ohne archivfachlich qualifizierte Leitung geführt, was den Aufbau einer eigenständigen Institution verzögerte.Zink 2021, S. 80–88.

Eine Nutzung durch die Öffentlichkeit war nur in Ausnahmefällen möglich und setzte in der Regel eine gesonderte Genehmigung durch die städtischen Behörden voraus. Das Archiv blieb ein verwaltungstechnisches Anhängsel ohne feste personelle oder räumliche Struktur. Erst im frühen 20. Jahrhundert begann eine langsame institutionelle Verselbstständigung, die – ausgehend von wachsendem historischen Interesse und professionellen Anforderungen – schließlich in die dauerhafte Einrichtung eines unabhängigen kommunalen Archivs mündete.Zink 2021, S. 94–104.

20. Jahrhundert Das Jahr 1932 kann als eigentliches Geburtsdatum des Stadtarchivs als Organisationseinheit modernen Verständnisses gelten, da in diesem Jahr die seit 1907 vorerst im Staatsarchiv verwahrten, älteren städtischen Dokumente in die Verfügungsgewalt der Stadt zurückkehrten, mit Beständen der städtischen Stiftungen und jüngeren Aktensammlungen vereinigt und eigenständig zusammengefasst wurden. Damit ging eine fundamentale Verbesserung der personellen Bedingungen einher: Die erstmalige Einstellung eines hauptamtlichen Facharchivars ermöglichte die Intensivierung von Erschließungsmaßnahmen und Auskunftsdiensten. An die bereits im 19. Jahrhundert von Historikern erstellten Urkundenregesten anknüpfend konnten ab 1946 unter Mitwirkung professionellen Archivpersonals auch die älteren Akten- und Rechnungsserien durch Findbücher systematisch erschlossen werden. Seit den 1980er Jahren wurden zudem zahlreiche jüngere, inzwischen übernommene Aktenbestände sowie verschiedene Sammlungen geordnet und – zunehmend unter Einsatz moderner Datenverarbeitungstechnik – verzeichnet.Zink 1991, S. 7–8.

Historische Standorte 240px|mini|alt=Gebäude des Stadtarchivs Bamberg mit roten Ziegeldächern und mittigem Dachreiter, umgeben von Bäumen und Stadtpanorama im Hintergrund|Heutiger Archivstandort: Der ‚Chirurgische Pavillon‘, 2025 Nachdem es vormals in der Hainstraße 39 (Kreisarchiv bzw. Staatsarchiv) untergebracht worden war, erhielt das Stadtarchiv nach einer Zwischenlagerung im Alten Rathaus, einem Gebäude in der Hainstraße 18 und weiterer verstreuter Lagerorte 1938 seine erste vollkommen eigene Adresse in der Hainstraße 19 – einem ehemals jüdischen Anwesen, das kurz zuvor (höchstwahrscheinlich im Rahmen der Arisierungspolitik) von der Stadt „erworben“ worden war. Nach Beschlagnahmung der ohnehin nur mangelhaft geeigneten Räumlichkeiten durch die siegreichen Alliierten fiel 1951 die Entscheidung, einige vom Erzbischöflichen Ordinariat Bamberg angebotene Räume am Domplatz 2 auf dem Domberg anzumieten. Da sich auch die dortige Lagerung als unzweckmäßig erwies und 1970 das Mietabkommen von Seiten der Erzdiözese aufgekündigt wurde, beschloss der Stadtrat 1973 den Umzug des Stadtarchivs in die Franz-Ludwig-Straße 7 c. Überlegungen, das Gebäude den archivarischen Arbeitsbedürfnissen weiter anzupassen, wurden durch den Beschluss, den 1991 fertig umgebauten „Chirurgischen Pavillon“ in der Unteren Sandstraße 30 a zum neuen Archivstandort zu bestimmen, gegenstandslos.Zink 2021, S. 115–131.

Gebäude Historischer Hintergrund Das derzeit als Archivräumlichkeiten genutzte, direkt an der Regnitz liegende Gebäude des ehemaligen Chirurgischen Krankenhauses wurde in den Jahren 1899 bis 1901 vom Bamberger Stadtbaumeister Hans Jakob Erlwein entworfen und erbaut, der vor seinem Weggang nach Dresden mehrere größere Projekte wie die Luitpoldschule, das Eltwerk (bzw. die heutige Volkshochschule) und den ehemaligen Schlachthof auf dem Gelände des späteren Erlwein-Quartiers für die Stadt plante und durchführte.Willy Heckel: Bamberg im 20. Jahrhundert. Beschreibungen eines Stadtlebens in 80 Kapiteln und 10 Exkursen. Fotografien von Emil Bauer. 2. Auflage. Verlag Fränkischer Tag, Bamberg 2000, ISBN 3-928648-47-0, S. 27. Hierher rührt der inoffizielle Zweitname des Gebäudes, „Erlweinbau“.Wolfgang Wußmann: Bamberg-Lexikon. Von … Apfelweib bis … Zwiebeltreter. Ein Nachschlagewerk mit weit über 1000 Begriffen, die für Bamberg von Bedeutung sind. Erich-Weiß-Verlag, Bamberg 1996, ISBN 3-928591-38-X, S. 121. Ursprünglich wurde mit der Errichtung einer chirurgischen Abteilung das 1789 von Hofwerkmeister Johann Lorenz Fink und dem ihn unterstützenden Würzburger Hofarchitekten Johann Philipp Geigel auf Geheiß Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal erbaute Allgemeine Krankenhaus zu Bamberg (auch: „Erthalbau“Wußmann 1996, S. 35.; seit 1990: Hotel Residenzschloss) erweitert. Unter der fachkundigen Beratung des Mediziners Dr. Adalbert Friedrich Marcus galt das Krankenhaus aufgrund seiner Konzeption und Ausstattung damals als das modernste seiner Art in Europa.Karin Dengler-Schreiber: Kleine Bamberger Stadtgeschichte. 4. Auflage. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2020, ISBN 978-3-7917-3211-4, S. 97–98. Als solches genoss es international einen ausgezeichneten Ruf und diente als Vorbild vieler weiterer Krankenhausbauten.Basil S. Singler, Lisa-Marie Brüning: Die Gründung des Allgemeinen Krankenhauses 1789. In: Mark Häberlein (Hrsg.): Pest und Cholera. Seuchenbewältigung und Medizinalwesen in Bamberg in der Frühen Neuzeit. Begleitband zur Ausstellung in der Staatsbibliothek Bamberg, 24. April – 15. Juli 2023 (= Bamberger Historische Studien. Band 20, Bamberger Buch-Geschichten. Band 2). University of Bamberg Press, Bamberg 2023, ISBN 978-3-86309-907-7, S. 71–78, hier S. 72–73. Hieran anknüpfend sollte, wie Erlwein stolz betonte, auch die Ausstattung der neuen chirurgischen Einrichtung – mit sowohl Dampfzentralheizung und innerhäuslichen Klingelanlagen als auch Kalt- und Warmwasserzufluss in allen Patienten- und Personalräumen, doppelt verglasten Fenstern sowie elektrischer Gesamtbeleuchtung –Hans Erlwein: Das Chirurgische Krankenhaus zu Bamberg. Eröffnet am 21. April 1901. Druck und Verlag der Handels-Druckerei zu Bamberg (M. R. Schulz), Bamberg 1901, , S. 13–18. den höchsten zeitgenössischen Ansprüchen Rechnung tragen: „Die innere Einrichtung soll vollkommen und vollständig den neuesten Erfahrungen der Chirurgie und Technik entsprechend beschaffen werden.“Erlwein 1901, S. 18.