Beth Campbell (* 1971 in Illinois) ist eine amerikanische Konzeptkünstlerin, die insbesondere für ihre Zeichnungen, Skulpturen, Videos und Installationen bekannt ist. In ihrer künstlerischen Praxis verbindet sie Alltagsbeobachtungen mit philosophischen, psychologischen und phänomenologischen Fragestellungen, um alternative Realitäten und Möglichkeitsräume sichtbar zu machen. Ihre Werke untersuchen die Beziehung zwischen Wahrnehmung, Identität und Entscheidung und übersetzen innere Bewusstseinsprozesse in physische Formen.
Leben Beth Campbell erhielt 1993 den Bachelor of Fine Arts der Truman State University in Kirksville (Missouri). Im Jahre 1997 folgte der Master of Fine Arts der Ohio University in Athens. Anschließend studierte Campbell an der Skowhegan School of Painting and Sculpture in Skowhegan.
Campbell lebt und arbeitet in New York.
Werk Beth Campbell kann mit ihren Arbeiten der Konzeptkunst zugerechnet werden. Sie ist bekannt für ihre Zeichnungen, Videos, Skulpturen und Installationen. Ihre Werke fordern die Vorstellung von einer physischen Welt außerhalb unserer Wahrnehmung heraus. Sie benutzt dabei Erkenntnisse aus Philosophie, Phänomenologie und Psychologie, um Räume zu choreografieren, unheimliche Objekte herzustellen und Mindmaps von Ereignissen zu zeichnen, die ihr widerfahren könnten. Campbells gibt inneren Bewusstseinsströmen mit ihrer Kunst eine physische Form. Ein einzelnes Ereignis des Alltagslebens verzweigt sich in eine Vielzahl von irrealen Ereignissen. Campbell arbeitet dabei oft mit massenproduzierten Haushaltsgegenständen, die im regulären Einzelhandel gekauft werden. Ein exemplarisches Motiv für den durch Alltagsgegenstände ausgelösten inneren Monolog in Campbells Werk ist die scheinbar banale Auswahl einer Zahnbürste in einer Drogerie. Trotz identischer Preise unterscheiden sich die Produkte lediglich in ihrer Farbe, was bei der Künstlerin eine Kette von Überlegungen auslöst – etwa, ob der Kauf bestimmte wirtschaftliche oder soziale Auswirkungen hat, wie etwa die Unterstützung von Produzenten in Mittelamerika oder die potenzielle Ausbeutung der Bevölkerung in Afrika. Campbells Arbeiten untersuchen dabei Alltägliches und Banales, die durch Verfremdung und Verzerrung ungewohnt wirken. Was auf den ersten Blick wie eine Nachbildung des Lebens erscheint, wird durch die Enttäuschung von Erwartungshaltungen kompliziert und fordert die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung heraus.
My Potential Future Based on Present Circumstances (ab 1998) Hier handelt es sich um eine Serie textbasierter Zeichnungen, die nach Datum katalogisiert waren. Die handschriftlichen Flussdiagramme beginnen mit einem Lebensereignis und verzweigen sich exponentiell zu nachfolgenden Ereignissen. Campbell porträtiert Situationen, in denen eine Person am Rande einer Lebensentscheidung steht – sei sie noch so trivial oder weitreichend –, die zu einem kakophonischen Flussdiagramm möglicher Ergebnisse führt. Das Werk ist eine komplexe Mischung aus tatsächlichen und hypothetischen, plausiblen und unwahrscheinlichen Lebensereignissen und untersucht verschiedene mögliche Ausgänge des Alltags.
In der durch den Surrealismus inspirierten Serie verleiht Campbell inneren Monologen eine greifbare Form. Sie beginnt mit einem Ereignis aus ihrem eigenen Leben und entwirft dann mithilfe eines Diagrammsystems ein Gitterwerk möglicher Ergebnisse – von ersehntesten Geschehnissen bis zu den mit den verheerendsten Auswirkungen. Campbell spiegelt damit unser inneres Verlangen nach Akzeptanz durch viele Menschen und großen Erfolgserlebnissen wider und greift gleichzeitig allgemeine Versagensängste auf.
Einige Bleistiftzeichnungen sind im Besitz des Museums of Modern Art, New York.
Potential Store Fronts (2007) Diese Installation, realisiert in einem Firmengebäude in der Maiden Lane in Lower Manhattan, orientierte sich formal an einem typischen Stadtteilladen, wie er in vielen urbanen Gegenden zu finden ist – einem Geschäft, das ein breit gefächertes Angebot an Waren und Dienstleistungen bereithält, von Schneiderarbeiten bis zum Verkauf von Lottoscheinen. Das Schaufenster wird mehrmals mit hoher Detailtreue repliziert, so dass der Eindruck entsteht, vor einem Unendlichkeitsspiegel zu stehen. So werden Beziehungen zwischen Realität und Illusion sowie zwischen Wiederholung und Veränderung thematisiert. Mit ihrer akribischen Wiederholung eines ansonsten zufälligen oder banalen Szenarios lenkt Campbell hier die Aufmerksamkeit auf das alltägliche Durcheinander, das man oft übersieht.
Lamps (2010) Die Installation aus Keramik, Lampenschirmen, Eisenwaren, Glühbirnen und Elektronik ist im Besitz der Kunstsammlung der Schweizerischen Mobiliar. Das Werk besteht aus drei gleichen Tischlampen: Die eine steht senkrecht, die nächste kippt wie angeschmolzen zur Seite und die dritte ist, stark deformiert, umgefallen. Alle drei sind durch ein gemeinsames Stromkabel miteinander verbunden wie durch eine Lebenslinie oder einen Erzählfaden. Es bleibt den Betrachtenden überlassen, ob der Weg vom robusten Zustand über die Fragilität zum Zerfall führt oder in die andere Richtung. In personalisierter Form kann eine Verbindung gesehen werden zu einer Metamorphose eines aufrechten über einen einknickenden zu einem gefallenen Menschen. Das Durchdeklinieren verschiedener Seinszustände ist dabei charakteristisch für die Arbeiten von Campbell.
Weitere Werke (Auswahl)
1997–2000: Web Drawing of Me 2000: House (A Standardized Affection for Telepresence), Installation 2001: House - Room One, Fotografie 2001: House – Room Two 2001: For how I thought it was 2002: Cumulative Aspects of Lipsticks, Fotografie 2002: In Between, Fotografie 2002: Projecting Threshold, Druck 2002: Same as Me, 15-minütige 3-Kanal-Videoinstallation, in der Campbell denselben ereignislosen Tag vervielfacht. 2002: Scattered Lotion, Fotografie 2002: Simultaneous Temporal Sequence on Dresser Top, Fotografie 2003: Dualities 1 & 2 2003: Living Room, Installation 2003: Room 2, Fotografie 2003: I’ve had many toothbrushes, Wasserfarbe und Bleistift auf Papier, Museum of Modern Art, New York 2004: At Every Moment, Graphit auf Pergament 2004: Cut Away (Bedroom), Pastell- und Papiercollage auf Pergamentpapier 2004: Never ending continuity error 2004: See through, Tusche auf Pergamentpapier 2005: Make Belief, Installation 2005: Crashing Tables (Moments crashing… I underestimated the consequences), Balsaholz, Kiefernholz, Porzellan, Leim, Silberbesteck, Serviette 2005: Space (in/out) About Chicago in the Dishwasher, Wasserfarben auf Papier 2005: Space (in/out) at the floor, Wasserfarben und Bleistift auf Papier 2007: Following Room, Installation 2007: Potential Store Fronts (Inside Out), Fotografie 2007: Space (In/Out) In An Empty Bedroom 2007: A While Ago, oxidierter Stahldraht 2008: Lying Carpet, Teppich, Balsaholz, Sperrholz, Farbe, Schaumstoffkern, Acrylrohre, künstliche Orchideen, Holzkisten und Kunststoff 2009: Elsewhere, Faserplatte, Farbe, Harz und Hardware 2009: There’s no such thing as a good decision (lament), pulverbeschichteter Stahl 2010: Sink, Porzellan und Armaturen 2010: Stereotable, Holztische und –stühle, Glasvasen, Kerzen, Stifte, Schere und Stahl 2010: Untitled Mobile, Stahldraht 2012: Untitled, Skulptur aus Stahldraht 2013: Possible coincidence (bookshelf/loveseat), Zeitschrift, Keramik, Kaffeetasse, Zeitung, Zimmerpflanze, Armband und Lesebrille 2013: There is no such thing as a good decision (multivalent), oxidierter Stahldraht und Farbe 2014: Abandoned Sock, Skulptur, Porzellan 2016: My Mothers House, Mobile 2017: My Potential Future Past, Installation 2017: Future Past (mirror – superstition/technology), weiße Tinte auf schwarzem Papier 2019: Spontaneous future(s), Possible past, Bleistift auf Papier, Landmarks, University of Texas at Austin, Austin
Gruppenausstellungen (Auswahl)
1997: Redundant Redundant, Dileia Contemporary, Cincinnati 1997: Chaperon Exhibition, Dileia Contemporary, Cincinnati 1998: 98 Alternatives, Ohio University Gallery, Athens 1998: Skowhegan Alumni Exhibition/Auction, David Bietzel Gallery, New York 1999: Moving into Outside, Holland Tunnel Gallery, Brooklyn (New York) 1999: Friendly Strangers, Galapagos, Brooklyn (New York) 1999: Outer Boroughs, White Columns, New York 2000: To Be Continued, Art in General, Bellwether and Parlour Projects, New York 2000: Collector’s Choice II, Orlando Museum of Art, Orlando (Florida) 2000: Artist in the Marketplace: 20th Annual Exhibition, Bronx Museum of the Arts, Bronx (New York) 2000: The Space Around the Architect, Socrates Sculpture Park, Queens (New York) 2000: Three Piece, State University of New York, Brockport 2000: Tomorrow, Rare, New York 2000: Greater New York, PS1 Contemporary Art Center, New York 2001: New Commissions for the Commons at Metrotech Center, Brooklyn 2001: Brooklyn! Palm Beach Institute of Contemporary Art, Palm Beach 2001: Platypus, Lawrence Rubin-Greenberg Van Doren Fine Art, New York 2001: Breathless, Lombard-Fried Fine Arts, New York 2001: Another Cusp, Colgate University, Hamilton 2001: Artext, Jamaica Center for Arts & Learning, Jamaica (New York) 2001: Drawings by Three Artists, Gallery Joe, Philadelphia 2001: Fresh: The Altoids Curiously Strong Collectio, New Museum of Contemporary Art, New York 2001–02: Temporary Residents, MetroTech Center, Brooklyn (New York) 2002: Art Omi at 9W, Paul Rodgers/9W Gallery, New York 2002: Unbecoming, Philadelphia Art Alliance, Philadelphia 2002: 27 Emerging Artists, Spike Gallery, New York 2002: Common Culture, Spruill Gallery, Atlanta 2002: Hello, My Name Is, Carnegie Museum of Art, Pittsburgh 2003: Fresh Meat, CEPA Gallery, Buffalo 2003: Online, Feigen Contemporary, New York 2003: High & Inside, Marlborough Chelsea, New York 2003: B-List, Hallwalls, Buffalo 2003: All About Me, Spike Gallery, New York 2003: Same As Met, Visual Studies Workshop, Rochester (New York) 2003: Cracker Jack, Joseph Helman, New York 2003: Dieu Donné Gallery, New York 2004: Drift shift, Linda Schwartz Gallery, Cincinnati 2004: Happy Art for a Sad World, Spike Gallery, New York 2004: Home Extension, University Art Museum, State University of New York, Albany (New York) 2004: Never ending continuity error, Holz, Metall, Waschbecken, Kacheln, Licht und Farbe 2004: Open House: Working in Brooklyn, Brooklyn Museum, New York 2005: Dating Data, Josée Bienvenu Gallery, New York 2005: Life Drawings, Jones Center, Austin 2005: Looking at Words: The Formal Presence of Text in Modern and Contemporary Works on Paper, Andrea Rosen Gallery, New York 2005: Paper, Nicole Klagsbrun Gallery, New York 2005: Paper Deviations, The Proposition, New York 2005: Sounds Like Drawing, The Drawing Room, London 2005: Untitled, Santa Barbara Contemporary Arts Forum, Santa Barbara 2005: Video Salon 3, Brooklyn (New York) 2005: Wordplay, Julie Saul Gallery, New York 2006: And Therefore I Am, Tang Teaching Museum, Saratoga Springs (New York) 2006: Annotations (Bronnen), Expodium, Utrecht 2006: Lower East Side Printshop, New York 2006: Past Imperfect: Future Tense, New Centre for Contemporary Art, Louisville 2006: Personal Geographies, Hunter College Art Galleries, New York 2006: Slow Revolution, Rotunda Gallery, Brooklyn (New York) 2006: Table Top, Josée Bienvenu Gallery, New York 2006: Text Formed Drawing, The Contemporary Art Galleries, University of Connecticut, Storrs 2006: The Time-Based Art Festival, Portland Institute for Contemporary Art, Portland 2006: Well Read, NutureArt, Brooklyn (New York) 2007: Blank, Ke Center for Contemporary Art, Shanghai 2007: I will be alright, Country Club, Cincinnati 2007: On Being an Exhibition, Artists Space, New York 2007: Open House: Cincinnati Collects, Contemporary Arts Center, Cincinnati 2007: Panic Room, DESTE, Athen 2007: In the Public Realm, Projekt für den Public Art Fund, New York