Postilla Super Actus Apostolorum ist der Titel eines Werkes in lateinischer Sprache des Augustinermönchs Johannes Klenkok. Das Werk entstand wohl etwa in den 1360er Jahren und ist eine Kommentierung der Apostelgeschichte des Lukas. Es ist in einer Handschrift überliefert.

Inhalt

Behandelte Themen Zentrale Themen der Kommentierung der Apostelgeschichte des Lukas sind die Auswahl eines Menschen durch Gott, die Gnade Gottes und das apostolische Leben, beziehungsweise die apostolische Armut.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 291.

Apostolisches Leben Als häufigste Themen in Klenkoks Kommentierung identifiziert Ocker das apostolische Leben und die apostolische Autorität.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 275. Im Rahmen der Ausführungen zum apostolischen Leben erkennt Klenkok Regeln, die seines Erachtens für die Apostel galten und daher auch für diejenigen, die nach ihrem Vorbild lebten, gelten müssten, wozu er Bischöfe, Priester und andere Mitglieder des Klerus zählt. Zu den Regeln gehört unter anderem die Armut, die er insbesondere als Mitglied eines Bettelordens verteidigte. Er lehnt bei seiner Definition von Eigentum und Armut die Ansicht der Franziskaner ab, die diese Armut als göttliches Recht sehen, aber auch die Ansicht, dass Eigentum mit einem Gnadenakt zu tun habe. Kontrolle über Güter sei vielmehr Gewohnheit. Diese Ansicht entsprach der damaligen päpstlichen Auffassung und der Praktiken der Bettelorden.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 276–277.

In den Ordensregeln sieht Klenkok eine Reformbestrebung der jeweiligen Autoren, die sich gegen die Opulenz einiger Mitglieder des Klerus gewandt und stattdessen das Leben der Apostel wieder zum Maßstab machen würden.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 278. In der Gemeinschaft in der Apostelgeschichte identifiziert Klenkok vor allem auch den Augustinerorden, dem er selbst angehörte. Das von ihm erkannte apostolische Leben der Apostelgeschichte wird dabei mit dem Leben nach der Ordensregel des Augustinus verglichen.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 294. Die Bettelmönche stellen nach Klenkok das Ideal des Klerus dar und er rechtfertigt ihre Exemtion von bischöflicher Kontrolle.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 295.

Papst Während Klenkok eingesteht, dass beim Konzil von Jerusalem den Aposteln eine gleiche sakramentale Gewalt zugestanden wird, so führt dies nicht dazu, dass für ihn der Papst als Bischof von Rom gleichwertig zu anderen Bischöfen steht.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 284–285. Für Klenkok sind die Entscheidungen allgemeiner Konzile unwiderruflich. Jedoch ist darin kein Konziliarismus zu entdecken, der die päpstliche Macht einschränken soll. Vielmehr geht Klenkok davon aus, dass päpstliches Recht und konziliare Entscheidungen vereinbar seien. So seien konziliare Entscheidungen wohl nur unter Berücksichtigung der Ansichten von Petrus oder seinem Nachfolger zu treffen.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 282.

Im Rahmen seiner Behandlung der correctio fraterna geht Klenkok davon aus, dass die Kritik an einem höher gestellten Individuum zunächst nur vertraulich erfolgen solle. Nur bei öffentlichen Verfehlungen, wie einer Häresie, solle die Kritik auch öffentlich erfolgen. Diese öffentliche Form der Kritik, vor allem auch in Bezug auf die Person des Papstes, wurde im Rahmen der Lehre von der correctio fraterna von einigen Theologen, wie Mitgliedern der Franziskaner, als eine Beschränkung der päpstlichen Autorität verstanden. Für Klenkok ist dies aber anders zu verstehen, nämlich als Frage der allgemeinen Wohlfahrt, die Aufgabe jedes Christen ist. In der öffentlich geäußerten Kritik sieht Klenkok dann keine Unterminierung der hierarchischen Position des Papstes und seines Primats.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 283.

Nach Ansicht Christopher Ockers ist der Papalismus, der in Klenkoks Kommentierung zu sehen ist, erst im Laufe der Zeit gewachsen. Aber bereits in früheren Schriften habe er dem Papst beispielsweise Autorität über den Kaiser zugesprochen.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 286.

Andere Themen Auch wie in anderen seiner Schriften tritt Klenkok in seinem Text gegen die Thesen des Pelagianismus auf. So hängt er an einer Stelle der Apostelgeschichte, in der Jesus von der Wahl seiner Jünger spricht, eine Diskussion auf über die Kontroverse zwischen Augustinus und Pelagius, auf.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 237.

In einigen Exkursen behandelt Klenkoks Kommentar verschiedene andere Themen, wie Gnade, Eschatologie, Märtyrertum, Taufe, Sühne, das Bischofsamt oder die Frage der Knechtschaft.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 256. Klenkok folgt im Werk der Lehre des Gregor von Rimini von den complexe significabile.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 232.

Struktur des Werkes und Arbeitsweise Das Werk beginnt mit 29 Einführungsfragen und Antworten. Weiter besteht es dann aus Exegesen zu jedem Kapitel der Apostelgeschichte.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 313–314. Der Text war wohl eine Überarbeitung einer Vorlesung Klenkoks.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 306. Aufgrund der Referenzen auf eigene Werke wird davon ausgegangen, dass das Werk nach der Zeit Klenkoks in Oxford entstand. Aufgrund fehlender Referenzen auf eine später entstandene Postilla zu Matthäus oder dem Decadicon, seinem Werk, in dem er sich gegen einige Sätze des Sachsenspiegel richtete, sowie dem Sachsenspiegel selbst, entstand das Werk wohl vor jenen Werken, wahrscheinlich in seiner späteren Zeit in Erfurt.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 312. Das würde es etwa zwischen 1361 und 1368 datieren.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 313.

Klenkok nutzt nur an wenigen Stellen Argumente, die auf der Grammatik der biblischen Texte beruhen. In den wenigen Stellen geht er nicht über eine rudimentäre Beschreibung der Texte hinaus.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 240. Bei griechischen Wörtern stellte Klenkok aber zumeist Definitionen und Erklärungen bereit, die teilweise aus damaligen Wörterbüchern stammen.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 241. Bezüglich hebräischer Wörter lassen sich nur an wenigen Stellen Hinweise auf Erklärungen finden. In dieser Hinsicht lässt Klenkok jegliches Wissen bezüglich der Nutzung hebräischer Texte im christlichen Kontext vermissen. Christopher Ocker sieht in dieser Arbeitsweise die Übernahme der Arbeitsweise von Klenkoks exegetischen Quellen, die selbst schon sehr alt waren.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 243–244. Auch textuale Kritik bleibt selten. So erscheint es, dass Klenkok zwar weiß, dass die Texte, die ihm vorliegen, Übersetzungen der Originalmanuskripte der Bibel sind, jedoch nur selten dies auch als Argument heranzieht. Von den 24 Stellen, die Ocker als solche identifiziert, sind aber 20 nur Kopien der Kritiken Beda Venerabilis.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 244–245.

In einigen Stellen seiner Kommentierung bezieht sich Klenkok auf mystische Interpretationen der Bibel. Auch referiert er in einigen Punkten auf Stellen des Alten Testaments, die er als Vorboten der Offenbarung des Neuen Testaments erkennen möchte. So sei die Priesterschaft des mosaischen Rechts ein Vorbote des von Jesus eingesetzten Priestertums. Wie der Sachse Hermann von Schildesche geht er davon aus, dass auch im Neuen Testament solche mystischen Punkte zu finden seien.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 273–274.

Verständnis von der Bibel