mini|hochkant|Zu Lofts umgebauter Kornspeicher am Canal de la Marne au Rhin
Nancy (deutsch veraltet Nanzig) ist eine französische Stadt mit Einwohnern (Stand ) in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen). Sie ist Hauptstadt (Präfektur) des Départements Meurthe-et-Moselle und Sitz der Métropole du Grand Nancy, eines 20 Gemeinden umfassenden Kommunalverbands.
Historisch war Nancy die Hauptstadt des Herzogtums Lothringen, das aus Oberlothringen hervorging, im Ancien Régime die Hauptstadt der Provinz Lothringen (Lorraine). Seit 1777 ist Nancy Sitz des heutigen Bistums Nancy-Toul.
Devise der Stadt ist non inultus premor (lateinisch für: „Niemand bedrängt mich ungestraft“), womit auf die Schlacht bei Nancy 1477 und den Tod Karls des Kühnen angespielt wird. Auch die Distel im Stadtwappen hat diesen Bezug.
Geografie Lage Nancy befindet sich im Nordosten Frankreichs, ca. 120 Kilometer Luftlinie westlich von Straßburg und 50 Kilometer südlich von Metz. Die Stadt liegt zwischen bewaldeten Hügelketten in einem halben Talkessel, mit Öffnung nach Nordwesten hin. Nahe der Stadt verlaufen mehrere Flüsse, unter anderem die Mosel, der Rhein-Marne-Kanal und die Meurthe, die die östliche Stadtgrenze bildet.
Stadtgliederung Nach einem Beschluss des Stadtrates vom Juni 2008« Démocratie participative et vie des territoires : les ateliers de vie de quartiers » Beschluss des Stadtrates vom 23. Juni 2008. gliedert sich Nancy in 11 Stadtteile: Ville Vieille Léopold Centre Ville Charles III Stanislas – Meurthe Saint Pierre René II Marcel Brot Mon Désert Jeanne d’Arc Saurupt Clemenceau Haussonville Blandan Donop Poincaré Foch Anatole France Croix de Bourgogne Beauregard Boufflers Buthegnémont Boudonville Scarpone Libération Plateau de Haye: Haut du Lièvre, parc des Carrières, Gentilly Trois Maisons Saint Fiacre Crosne Vayringe Jeder Stadtteil besitzt ein eigenes Bürgerbüro, eine Postfiliale, einige besitzen auch eine eigene Gendarmerie.
Klima Nancy liegt in einem feucht-gemäßigten Klimagebiet mit größeren Temperaturschwankungen zwischen einzelnen Tagen und den Jahreszeiten. Die Winter sind meist kalt und trocken, die Sommer warm, aber nicht immer sonnig. Im Herbst kommt häufig Nebel auf. Es fällt im Allgemeinen weniger Niederschlag als im Westen Frankreichs.
mini|Klimadiagramm von Nancy
Geschichte Spuren menschlicher Besiedelung finden sich ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. auf den Hügeln der Stadt, wo der Abbau des Eisenerzes Minette belegt ist. Aus der Zeit der römischen Herrschaft in Gallien sind keine Fundstücke vorhanden. Ein großer alemannischer Friedhof zeugt von einer neuerlichen Besiedelung der Gegend in der Zeit der Völkerwanderung.
mini|links|Kolorierter Stadtplan von 1611 mini|hochkant|Portal am Palais des Ducs de Lorraine, heute Museum für Lothringen mini|hochkant|Stadttor Porte de la Craffe
Erst um 1050 errichtete der Graf Gerhard, Herzog von Lothringen, eine Burg mit dem Namen Nanciacum, woraus sich die Stadt entwickeln sollte. Der Name soll sich vom keltischen Nant (Sumpf) herleiten. Infolge des Erbfolgekrieges um die Champagne stand der Herzog Theobald I. seinem Lehnsherrn und Kaiser, Friedrich II., gegenüber. Dies führte 1218 zur Belagerung und Brandschatzung Nancys durch die Truppen Friedrichs. Wiederaufgebaut und mit einer steinernen Mauer umgeben, erhielt der Ort 1265 Stadtrechte und wurde in den folgenden Jahrzehnten Hauptstadt des Herzogtums.
Am 5. Januar 1477 scheiterte Karl der Kühne von Burgund in der Schlacht bei Nancy bei dem Versuch, die Stadt an sich zu bringen, um seine Besitzungen (Burgund, Luxemburg und Flandern) zu verbinden. Er starb an seinen Verletzungen unweit der Stadt bei Saint-Nicolas-de-Port. Seine größte Blüte erlebte Nancy unter den Herzögen Anton (1489–1544) und Karl III. (1543–1608). Damals wurde im Süden der Altstadt die Neustadt planmäßig gegründet, ein Netz rechtwinkelig sich kreuzender Straßen.
mini|Büste von Stanislaus I. Leszczyński (Denkmal auf der Place Stanislas)
Nancy gehörte bis ins 18. Jahrhundert zum Herzogtum Lothringen und damit zum Heiligen Römischen Reich. Im Dreißigjährigen Krieg erlebte die Stadt schwere Verwüstungen, die von Jacques Callot – einem Kupferstecher aus Nancy – im Zyklus Schrecken des Krieges festgehalten wurden (heute ausgestellt im Lothringischen Museum). Immer wieder wurde Nancy von französischen Truppen besetzt und kam 1697 nach dem Frieden von Rijswijk stark verkleinert (um Lunéville) an Herzog Leopold zurück, der die Stadt erneut aufbauen ließ. Schließlich kam das Herzogtum Lothringen im Rahmen eines Austausches zwischen dem römisch-deutschen Kaiser (Haus Habsburg) und dem französischen König im 18. Jahrhundert an das Königreich Frankreich (die Toskana an Habsburg). Ludwig XV. vergab Lothringen im Jahre 1737 an den abgesetzten polnischen König, Stanislaus I. Leszczyński, der das Herzogtum von Nancy und Lunéville aus als Herzog von Lothringen regierte. Nach seinem Tod, 1766, fielen Nancy und das Herzogtum endgültig an die französische Krone. Seit 1777 ist die Stadt Bischofssitz des Bistums Nancy-Toul. Von 1669 bis 1792 bestand das Benediktinerinnenkloster Nancy.
Während der Französischen Revolution war die Stadt 1790 Schauplatz der Nancy-Affäre. Die mit den Jakobinern sympathisierenden Soldaten der Garnison verlangten u. a. die Auszahlung des Soldes und hatten ihre Offiziere festgesetzt. Der Marquis de Bouillé schlug die Revolte in Straßenkämpfen blutig nieder. Das unbarmherzige Vorgehen des Marquis und der Tod des Offiziers André Désilles, der sich zwischen die Meuterer und die Truppen Bouillés stellte, bewegten ganz Frankreich.
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 waren der nordöstliche, deutschsprachige Teil Lothringens bis 1918 Teil des Deutschen Reichs (und fortan gemeinsam mit dem ebenfalls von Frankreich abgetretenen Elsass als Reichsland Elsaß-Lothringen verwaltet), nicht jedoch Nancy und der westliche Teil. Die deutsche Sprachbezeichnung Nanzig oder Nanzég wurde gelegentlich (z. B. im Brockhaus von 1888) als deutsches Exonym verwendet. Seit langem ist diese Bezeichnung (in der Form Nanzég) nur noch in Luxemburg gebräuchlich.
Nach 1871 verdoppelte sich die Bevölkerungszahl Nancys in kurzer Zeit. Viele der Einwohner, die in den von Deutschland annektierten Teilen Lothringens und des Elsass lebten und nicht unter deutscher Herrschaft leben wollten, zogen nach Nancy. Damit einher ging ein wirtschaftlicher Aufschwung.
Während des Ersten Weltkriegs und der nahen Schlacht um den Grand-Couronné wurde die Stadt wiederholt durch deutsche Luftstreitkräfte und Artilleriestellungen im 35 km entfernten Hampont bombardiert. Dies richtete große Schäden an und kostete 117 Menschen das Leben.
Am 10. Mai 1940 wurde die Garnisonsstadt Nancy erstmals im Zweiten Weltkrieg von der Luftwaffe bombardiert. Um 4.15 Uhr wurde Fliegeralarm gegeben; sieben deutsche Bombenflugzeuge griffen die Stadt und ihre Vororte an, neben großen materiellen Schäden waren 18 Todesopfer, darunter mehrere Kinder, zu beklagen. Am 18. Juni 1940 nahmen Soldaten der Wehrmacht Nancy kampflos ein.Débuts et développement de la résistance en Meurthe-et-Moselle (1940–1943). . Das Vichy-Regime wurde etabliert. Am 2. und 15. März 1943 unternahmen Deutsche Razzien, um (nichtjüdische) Junge Männer festzunehmen und zur Zwangsarbeit Service du travail obligatoire (STO) in die Konzentrationslager zu deportieren. Nach einer fast vierjährigen deutschen Besatzung wurde Nancy am 15. September 1944, nach dem Kampf um Nancy im Zuge der Schlacht um Lothringen, von der 3. US-Armee befreit.
Der Asteroid (9378) Nancy-Lorraine wurde am 2. April 1999 nach der Stadt Nancy benannt.
Bevölkerung Die Stadt Nancy bildet den Kern einer größeren Agglomeration, genannt Communauté urbaine du Grand Nancy. Mit seiner beschränkten Fläche und hohen Bevölkerungsdichte (7157 Einw./km²) ist Nancy im Laufe der Zeit mit den angrenzenden Nachbargemeinden zusammengewachsen. Im Unterschied zu einigen anderen Städten wurden diese aber nicht eingemeindet. Während die Bevölkerung von Nancy nur ca. 105.000 Einwohner beträgt, leben in der Agglomeration, je nach Zählung, zwischen 240.000 und 330.000 Menschen. Für das Arrondissement Nancy werden ca. 415.000 Einwohner angegeben (alle Zahlen 2006). Zweitgrößte Kommune der Agglomeration ist Vandœuvre-lès-Nancy.
Nancy hat den fünftgrößten Anteil von Studenten aller französischen Städte. toutes-les-villes.com. Abgerufen am 4. Februar 2010.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 20192021Einwohner 128.677 123.428 107.902 96.317 99.351 103.605 105.349 105.058104.260
Politik Stadtregierung Von 1983 bis 2014 war André Rossinot (UMP) Bürgermeister von Nancy. Er wurde 1989, 1995, 2001 und 2008 wiedergewählt. 2014 konnte Laurent Hénard die Wahl zum Bürgermeister für sich entscheiden. Seit Juni 2020 ist Mathieu Klein Bürgermeister von Nancy.Glückwünsche für neuen Oberbürgermeister von Nancy. In: Stadt & Verwaltung. 2. Juli 2020. Karlsruher Presseportal. Auf Presse.Karlsruhe.de, abgerufen am 20. April 2021.
Aus den Stadtratswahlen im Jahr 2008 ging die UMP mit 42 Sitzen als stärkste Kraft hervor. Auf die Sozialisten entfielen 11 Sitze. Dazu kommen 2 von unabhängigen Kandidaten gehaltene Sitze.
Städtepartnerschaften Nancy unterhält folgende elf Partnerschaften: StadtLandseitTypCincinnatiVereinigte Staaten1991Ville jumeléeKanazawaJapan1973Ville jumeléeKarlsruheDeutschland1955Ville jumeléeKirjat SchmonaIsrael1984Ville jumeléeKrasnodarRussland2017Ville jumeléeKunmingVolksrepublik China2017Ville jumeléeLublinPolen1988Ville jumeléeLüttichBelgien1954Ville jumeléeNewcastle upon TyneVereinigtes Königreich1954Ville jumeléePaduaItalien1964Ville jumeléeShangraoVolksrepublik China2017Ville partenaireWinnyzjaUkraine2023Ville jumelée
Kultur und Sehenswürdigkeiten Architektur und Stadtbaukunst mini|hochkant|Basilique Saint-Epvre mini|Große Orgel der Kathedrale von Nancy mini|Amphitrite-Brunnen an der Place Stanislas
Im nördlichen Bereich befindet sich die durch Bauten des Mittelalters und der frühen Neuzeit geprägte Altstadt mit dem ehemaligen Herzogspalast und der neugotischen Kirche Saint-Epvre. Die südlich gelegene Neustadt hat ihr Zentrum um die Place Stanislas, benannt nach dem ehemaligen polnischen König Stanislaus I. Leszczyński, der nach der Niederlage im Polnischen Erbfolgekrieg 1737 durch seinen Schwiegersohn Ludwig XV. mit dem Herzogtum von Lothringen und Bar abgefunden wurde. Die Plätze Stanislas, de la Carrière und d’Alliance, eines der bedeutendsten Ensembles aufgeklärt-absolutistischen Städtebaus, wurden 1983 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Die Plätze wurden in der Hauptsache von 1752 bis 1760 von dem Architekten Emmanuel Héré angelegt.