mini|Vorsorgehaus (1959) mini|Sporthalle des Lessing-Gymnasiums (1967 – 1968) mini|Sonnenring Ost Frankfurt (1969 – 1975)

Günther Balser (* 29. Dezember 1923 in Neu-Isenburg oder Frankfurt am Main; † 2014 in Frankfurt) war ein deutscher Architekt.

Leben Balser war ein Sohn des Architekten Ernst Balser. Nach dem Abitur war er für dreieinhalb Jahre Kriegsteilnehmer. 1945 wurde Balser aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und studierte Architektur an den Universitäten und Technischen Hochschulen Darmstadt, Karlsruhe, Zürich, Lausanne und Stuttgart. Vier Jahre arbeitete er in einem Büro in Zürich und übernahm 1958 das väterliche Büro. Vorher arbeitete er bereits bei den Projekten Sachsenhäuser Berg und AOK-Verwaltungsgebäude (Aufstockung) mit dem Vater zusammen. Sein Bruder Gerhard Balser (1929–2013) wurde ebenfalls Architekt und gründete 1961 in Frankfurt ein Architekturbüro mit Rolf Schloen und Hubertus von Allwörden.

Günther Balser entwarf einige prägende Bauten der Nachkriegsmoderne, die mittlerweile teilweise unter Denkmalschutz stehen. Briefe von Günther Balser an Ernst May wurden im Germanischen Nationalmuseum archiviert. Das Modell seiner Dresdner Bank Filiale Freiburg befindet sich in der Sammlung des Deutschen Architekturmuseums.

Balser war Mitglied im BDA. Er blieb unverheiratet.

Werk Günther Balser realisierte sakrale Bauten, Hotels, Warenhäuser, Kliniken, Labor- und Forschungsbauten, Schulen, Kindergärten und Bürobauten. Er befasste sich ebenso mit Entwicklungen im Fertigteilbau. Seine Klinik für die Behandlung von Multipler Sklerose in Asbach war die erste Spezialklinik in Europa. Er errichtete das Stadtkrankenhaus Hanau und Teile der Kernforschungsanstalt Jülich. Von ihm stammt das Bürgerhaus Hausen, das Air Center am Frankfurter Hauptbahnhof und Hotels für den Hilton-Konzern in Kairo, Dschidda und Riad. Zu seinen Wohngebäuden gehören luxuriöse Einfamilienhäuser in Kronberg und Neu-Isenburg über die Bungalow- und Terrassenhaussiedlung in Bastenwald (Frankfurt) bis zum Wohnkomplex Sonnenhügel und Sonnenring (Frankfurt).

Wohnhaus Balser Der Bungalow am südlichen Stadtrand von Frankfurt ist ein Beispiel für die enge Verbindung zwischen Innenräumen und Garten. Erbaut wurde er 1956 in Frankfurt am Main. Die mäandernde Form des Grundrisses und die raumhohen Fenster binden das Haus in die Freiflächen ein. Der als separater Pavillon konstruierte Wohnraum mit dünnem, auskragendem Flachdach ist vollständig verglast und öffnet sich zum südlichen Garten und zum Außenpool.

Haus der SPD Der Entwurf von Günther Balser für die SPD in Frankfurt setzte sich 1958 bei einem Architekturwettbewerb durch. Das Haupthaus mit vier Geschossen liegt neben dem Sitzungstrakt auf V-Stützen. Die Bauzeit betrug nur ein Jahr. August Zinn und Erich Ollenhauer kamen zur Eröffnung.

Terrassenvillen am Lorettoberg Auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs am Lorettoberg in Freiburg im Breisgau errichtete Balser Villen, die terrassenförmig in den Hang gebaut wurden. Die Steigung des Hangs von bis zu 30 % ermöglichte es, dass die Dächer der unteren Häuser die Terrasse der oberen Häuser bildeten.

Sonnenhügel, Sonnenring Der Wohnkomplex Sonnenring bestand bei der Eröffnung 1975 aus rund 300 Luxuswohnungen unterschiedlicher Größe, die im Grundriss halbringförmig angeordnet sind. Das Terrassenhaus zeichnet sich durch einen Blick über die Innenstadt Frankfurt aus.

Um den Gebäudekomplex rankt sich der Helaba-Skandal, die Albert Osswald, damals hessischer Ministerpräsident und Verwaltungsratsvorsitzender der Helaba, zum Rücktritt zwang.

Im Grundriss überlappen sich zwei verschieden große Ringsegmente leicht. Der Sockel hat eine Höhe von vier Normalgeschossen und verfügt über einen integrierten Swimmingpool. 16 Stockwerke sind in abnehmender Größe übereinander gestapelt. Die Betonbänder der Balkonbrüstungen verstärken den Eindruck der Halbringform. Das dazu gehörende Hotel ist mit 100 Metern das zweithöchste Gebäude in Sachsenhausen. Der Baukomplex, der zwar zur „ungeliebten Moderne“ gehört, verfügt trotz vieler Vorurteile und Vorbehalte über architektonische Qualitäten.

Der BDA Hessen nominierte die Wohnbebauung Sonnenring neben dem Baumhaus von Ot Hoffmann und dem Ludwig-Georgs-Gymnasium von Max Taut in der Kategorie „Klassik-Nike“ für die im September 2025 in Erfurt zu vergebenden Nike-Auszeichnungen.

Bauten (Auswahl) 1956: Wohnhaus BalserGünther Balser's 'Bungalow-Haus' ResearchGate, abgerufen am 9. Mai 2025 1959: Vorsorgehaus (mit Ernst Balser), Denkmalschutz 1962: Ladenbau Foto-Koch, Kaiserstraße 1962: Haus der SPD in FrankfurtSPD Hessen: Ein Haus mit Geschichte 1962–1964: Landratsamt in Dieburg 1965/66: Terrassenhaus am Lorettoberg in Freiburg 1965–1967: Multiple-Sklerose-Klinik in Asbach 1967–1968: Lessing-Gymnasium Frankfurt (mit Lothar Menzel und K. Egeli, Keramik-Relief Aufbruch von Ferdinand Lammeyer)db Heft 12/2016 Knicken und Falten 1964: Sparkasse in HausenGlasforum, Heft 4/1964 1969–1975: Großwohnkomplexe Sonnenhügel, Sonnenring mit Eurotel in Frankfurt-Sachsenhausen 1970: Büro- und Geschäftshaus der Dresdner Bank in Freiburg im BreisgauEuropaviertel Freiburg vor 1972: Kindergarten in Eschborn (nach Wettbewerbsgewinn 1960)

Literatur

Architektur und Wohnform / Innendekoration 66. Jahrgang, 1957/58, Verlag Alexander Koch, Stuttgart, S. 183 ff. Architektur und Wohnform / Innendekoration 70. Jahrgang, 1962, Verlag Alexander Koch, Stuttgart, S. 303–308. Kunst 58: 1959/60, S. 419 ff.

Einzelnachweise

Kategorie:Architekt des Brutalismus Kategorie:Architekt (Frankfurt am Main) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1923 Kategorie:Gestorben 2014 Kategorie:Mann