Das Cadillac Formula 1 Team ist der Markenauftritt der zu General Motors (GM) gehörenden Marke Cadillac in der Formel-1-Weltmeisterschaft und nimmt in der Saison 2026 mit Motoren der Scuderia Ferrari und den Fahrern Valtteri Bottas und Sergio Pérez an den Rennen teil.

Der Rennstall wird von der TWG Cadillac Formula 1 Team Ltd. betrieben, die auf der Infrastruktur des geplanten Formel-1-Projekts von Andretti Global aufbaut, das 2024 über die Motorsportabteilung TWG Motorsports in den Mehrheitsbesitz der Holding TWG Global überging. Am operativen Betrieb des Teams selbst ist General Motors nicht beteiligt, tritt aber als Titelsponsor auf und beabsichtigt mit ihm ab 2029 einen GM-Werksmotor in der Formel 1 zu etablieren.

Entstehungsgeschichte

Hintergrund: Cadillac im Motorsport (seit 2000) mini|Cadillac Northstar LMP-00 von Riley & Scott (2000)|links links|mini|Cadillac CTS-V für die GT-Klasse von Pratt & Miller (2011) Der Automobilkonzern General Motors hatte sich mit seinem Tochterunternehmen Cadillac für fast ein Jahrhundert nach Unternehmensgründung nicht werksseitig im Motorsport engagiert. Im Rahmen des unter dem Titel Art and Science gestarteten Rebrandings ab 2000 sollte die traditionell mit sehr konservativen Fahrzeugen im gehobenen Premiumsegment angesiedelte Marke durch moderne, sportliche Fahrzeuge weltweit neue und jüngere Käuferschichten ansprechen. Um dieses zu festigen, trat Cadillac mit den zunächst im Auftrag bei Riley & Scott Cars Inc. sowie danach in Eigenregie entwickelten Cadillac Northstar LMP im gleichen Jahr in den Langstreckenrennsport ein. Diese mit GM-Werksmotoren ausgerüsteten Le-Mans-Prototypen (LMP) wurden drei Jahre lang mit wenig Erfolg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans und der American Le Mans Series eingesetzt und anschließend wieder zurückgezogen. Von 2004 bis 2017 unterhielt Cadillac in Zusammenarbeit mit Pratt & Miller, die Entwicklung und Bau der Cadillac CTS-V, CTS-V.R und Cadillac ATS-V.R verantworteten, ein erfolgreiches GT-Programm. Seit 2017 erscheinen mit den Cadillac DPi-V.R und Cadillac V-Series.R, die bei Dallara entworfen und gebaut wurden bzw. werden, wieder Cadillac-Prototypen mit Werksmotor in der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft, in der IMSA WeatherTech SportsCar Championship und in Le Mans und erzielten seitdem mehrere Rennsiege.

Pläne für einen Eintritt von General Motors in die Formel-1-Weltmeisterschaft wurden bereits 2014 spekuliert, aber fast zehn Jahre später erst konkret. Dort konnten seit Gründung der Meisterschaft im Jahr 1950 mit Phil Hill und Mario Andretti nur zwei US-Amerikaner einen Weltmeistertitel erzielen und es ist bislang keinem US-Konstrukteur gelungen, die im Besonderen auf das Vereinigte Königreich zentrierte Dominanz europäischer Teilnehmer dauerhaft zu brechen. In der Zeit zwischen 1990 und 2020 starteten nur drei US-Fahrer zu Formel-1-Rennen, ohne sich etablieren zu können, und der Versuch, mit dem US F1 Team ein Nationalteam aufzubauen, scheiterte Anfang 2010 noch in der Aufbauphase. Die erdrückende Präsenz lokaler Rennserien wie der NASCAR und IndyCar Series, deren Rennen fast ausschließlich auf Ovalkursen ausgetragen werden, die sich grundlegend von den Strecken der Formel 1 unterscheiden, machte ein Engagement neben dem Mangel an Formel-1-erfahrenem Personal in den USA auch im Hinblick auf die hohen Transportkosten, da die meisten Grands Prix aus US-Perspektive in Übersee stattfinden, lange Zeit unattraktiv.

Mit dem Kauf der Formula One Group durch den US-Konzern Liberty Media im September 2016 und umfangreichen Marketingkampagnen in den Folgejahren wuchs die Popularität der Formel 1 in den USA deutlich an. Ebenfalls 2016 trat mit dem Haas F1 Team erstmals seit dem gleichnamigen, aber ansonsten in keinerlei Verbindung stehenden Team Haas der 1980er-Jahre wieder ein US-Konstrukteur in die Formel-1-Weltmeisterschaft ein. Zunächst beabsichtigte General Motors, das konzerneigene Engagement auf die Entwicklung eines eigenen Werksmotors ohne weiteren Markenauftritt zu beschränken, und suchte nach Kundenteams für eine längerfristige Zusammenarbeit.

Gescheiterte Partnerschaft mit Andretti Global (2023–2024) mini|Michael AndrettiIm Januar 2023 wurde eine Kooperation mit dem traditionell in der US-amerikanischen Formel-Meisterschaft beheimateten Motorsportunternehmen Andretti Global von Michael Andretti angekündigt, das neben der genannten IndyCar Series auch in Rennserien wie der FIA-Formel-E-Weltmeisterschaft engagiert ist. Andretti zeigte schon länger Interesse am Eintritt in die Formel 1, der ursprüngliche Plan zur Übernahme von Sauber Motorsport im Jahr 2021 hatte sich aber zerschlagen. Daniel „Dan“ Towriss, Besitzer der Holding Group 1001 und seit 2018 Sponsor von Andrettis Fahrzeugen in der IndyCar Series, konnte als Großinvestor für das neue Projekt gewonnen werden und erwarb für rund 250 Mio. US-Dollar Unternehmensanteile. Als erster Meilenstein der Kooperation zwischen Andretti und General Motors wurde die Teilnahme mit von Andretti konstruierten Rennwagen unter gemeinsamem Markenauftritt mit Cadillac an der Formel-1-Saison 2025 festgesetzt. Als zweiter Schritt sollten die voraussichtlich von Alpine bezogenen Kundenmotoren dann ab 2028 durch das GM-Werksaggregat ersetzt werden.

Der Motorsport-Weltverband Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) akzeptiere im Oktober 2023 die gemeinsame Bewerbung der Partner, der Rechteinhaber Formula One Group (FOG) wies sie dagegen zurück. Offizielle Gründe waren grundlegend die erwartete mangelnde Konkurrenzfähigkeit der Neueinsteiger sowie die voraussichtliche operative Überlastung von Andretti Global, aufgrund von Regeländerungen zur Saison 2026 innerhalb von zwei Jahren zwei grundverschiedene Fahrzeuge entwickeln zu müssen. Das Prestige der Formel-1-Weltmeisterschaft im Allgemeinen als auch die Vermarktbarkeit und entsprechende Profite für Veranstalter und Teilnehmer im Besonderen seien dadurch bedroht. Die angedachte Geschäftsbeziehung zu Alpine über den Bezug von Kundenmotoren kam nicht über einen Vorvertrag hinaus, aber entsprechend einer im Regelwerk der Formel 1 festgeschriebenen Klausel, die den Konstrukteur mit den wenigsten Kundenteams zur Lieferung verpflichtet, hätte das Unternehmen Andretti trotzdem zwangsweise mit Motoren beliefern müssen. Die FOG sah darin nebst weiteren negativen Einflüssen auf das Meisterschaftsprestige ein Risiko für das geistige Eigentum von Alpine, da Andretti offen eine enge technische Partnerschaft mit einem in der eigenen Motorenentwicklung befindlichen Konkurrenzunternehmen führe. Ein Einstieg Andrettis direkt mit einem GM-Werksmotor zu einem späteren Zeitpunkt würde allerdings grundsätzlich neu betrachtet werden und eine entsprechende Vorregistrierung des Automobilkonzerns als Motorenhersteller wurde bereits im November 2023 akzeptiert.

Die Situation spitzte sich im Frühjahr 2024 zu, da Andretti alle festgelegten Einstiegskriterien für neue Teams klar erfüllte, die FOG aber auf ihrer Position beharrte. FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem sprach sich offen für Andretti aus und zeigte Unverständnis für die ablehnende Haltung der FOG. Anfang Mai traf sich Mario Andretti publikumswirksam mit Mitgliedern des Kongresses der Vereinigten Staaten in Washington, D.C., die zuvor im Hinblick auf den sich bereits über mehrere Monate ziehenden Konflikt einen offenen Brief an die Formula One Group und den Mutterkonzern Liberty Media gerichtet hatten, in dem sie den Umgang des Unternehmens mit Andretti kritisierten. Kurz darauf leitete das Justizministerium der Vereinigten Staaten eine offizielle Untersuchung gegen die FOG und Liberty Media wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht ein.

TWG-Einstieg und Starterlaubnis unter eigenem Namen (2024–2025) mini|Logo von TWG Motorsports, die das Cadillac Formula 1 Team betreiben Im November 2024 kam es schließlich zu einer Einigung zwischen Andretti, General Motors und den Rechteinhabern der Formel 1. Michael Andretti verkaufte seine Unternehmensanteile an die Holding TWG Motorsports, die wie die Group 1001 von Teileigner Towriss Teil des globalen Firmenkonglomerats TWG Global von Mark Walter ist, verließ den Rennstall und wurde externer Berater ohne feste Rolle beim neu aufgebauten Formel-1-Team. Der Name Andretti verschwand in der Formel 1 aus der Teambezeichnung zugunsten eines reinen Markenauftritts von Cadillac. Anteilseigner Dan Towriss übernahm Andrettis Rolle als Chief Executive Officer und damit die operative Geschäftsführung von Andretti Global, später wurde er parallel dazu Geschäftsführer von TWG Motorsports. Die zum Betrieb des Formel-1-Teams in den Vorjahren aufgebaute Tochter Andretti Racing in Silverstone in der britischen Grafschaft Northamptonshire wurde zur TWG Cadillac Formula 1 Team Ltd. umgeformt. Mario Andretti, der zuvor als Markenbotschafter für das Team seines Sohnes auftrat, wurde Mitglied des Vorstands. Um die Zeit bis zur Fertigstellung der GM-Werksmotoren zu überbrücken, wurde eine feste Vereinbarung über die Lieferung von Kundenmotoren und Getrieben mit der Scuderia Ferrari geschlossen. Entsprechend steht das Team als Cadillac-Ferrari in den Meldelisten. Im Zuge dieser Umstrukturierungen erhielt der neue Rennstall schließlich am 7. März 2025 die Startberechtigung für die Formel-1-Saison 2026.

Ab 2026 gilt auch ein neues Concorde Agreement, ein für eine bestimmte begrenzte Laufzeit geschlosser Vertrag zwischen den Formel-1-Teams, der FIA und der Formula One Group, der unter anderem die Verteilung von Preis- und Werbegeldern regelt. Als Kompensation für den bei Vergrößerung des Fahrerfeldes geringeren Anteil an den Gesamteinnahmen wurde in der ab 2021 gültigen Fassung durch eine Verwässerungsschutzklausel eine Zahlung von insgesamt 200 Mio. US-Dollar von Neueinsteigern verlangt, die zu gleichen Teilen an die bereits etablierten Teams ausgeschüttet werden soll. Diese versuchten in den Verhandlungen für das neue Abkommen im Hinblick auf den Einstieg des Milliardenkonzerns General Motors und den zwischenzeitlich deutlich gestiegenen Gesamteinnahmen der Formula One Group eine Verdreifachung der Gebühr auf 600 Mio. US-Dollar durchzusetzen. Ein Kompromiss legte die Zahlung schließlich auf 450 Mio. US-Dollar fest. Dadurch lag das Gesamtinvestment von General Motors in das Formel-1-Projekt schon vor dem Beginn der ersten Saison bei über einer Milliarde US-Dollar. Der Einstieg markiert gemeinsam mit dem 2026 ebenfalls debütierenden Audi F1 Team, das Sauber Motorsport übernommen hat, die ersten Neuzugänge in die Formel 1 seit der Saison 2016. Die Zahl der eingeschriebenen Teams liegt somit wieder bei 11, ebenfalls wie zuletzt zehn Jahre zuvor.

Debütvorbereitungen und Entwicklungsarbeiten (2025–2026) mini|Ferrari SF-23 aus der Saison 2023, der Cadillac für Testzwecke zur Verfügung gestellt wurde