Die Krabben (Brachyura, von und , wörtlich ‚Kurzschwänze‘) – auch Echte Krabben und Kurzschwanzkrebse – sind mit etwa 7300 Arten die größte und vielgestaltigste Teilordnung der Zehnfußkrebse (Decapoda). Typische Merkmale sind der kurze Rückenschild (Carapax) und ein stark reduzierter Hinterleib (Pleon), der nach vorn umgeschlagen bauchseitig unter dem Rückenschild liegt. Das erste Beinpaar liegt vor dem Körper und trägt Scheren (Chelae). Das zweite bis fünfte Beinpaar ragt seitlich über den Körperrand. Sie dienen als Schreitbeine. Krabben besiedeln die meisten Meeresregionen, einige Süßwassergebiete in den Tropen und Subtropen, wenige sind überwiegend an Land zu finden. Einige Arten wurden durch den Menschen aktiv, zumeist aber passiv in neue Gebiete verbracht und konnten sich dort als Neozoen bzw. invasive Arten etablieren und ausbreiten.

Krabben sind meist Allesfresser (Omnivoren). Sie vermehren sich geschlechtlich. Bei den Männchen sind die ersten beiden Beinpaare des Pleons (Pleopoden) zu Begattungsorganen (Gonopoden) umgewandelt. Weibchen tragen die befruchteten Eier mit den Pleopoden bis zum Schlupf der Larven an ihrer Unterseite. In der Entwicklung vollziehen die meisten Krabben mehrmals einen deutlichen Gestaltwandel (Metamorphose). Die Zoea-Larve ist die Planktonphase der Krabbenentwicklung, ihr folgt meist eine Megalopa und schließlich die Nachlarvenphase (Postlarve).

Krabben entstanden im Karbon (vor etwa 300 Millionen Jahren) und spalteten sich im späten Trias in die Hauptlinien auf. Die meisten heutigen Familien und Überfamilien entstanden in der späten Kreidezeit und im frühen Tertiär. Die Süßwasserkrabben spalteten sich mehrmals unabhängig voneinander vor etwa 135 Millionen Jahren von ihren engsten Verwandten ab.

Krabben werden wegen ihres schmackhaften und ernährungsphysiologisch hochwertigen Fleisches in den Scheren seit langer Zeit als Nahrungsmittel verwendet. In jüngerer Zeit werden sie, vor allem in Ost- und Südostasien, in großem Stil in Aquakulturen gezüchtet. Einige spezifische Krankheitserreger und Parasiten können sowohl in der Krabbenfischerei als auch in Aquakulturen beträchtliche wirtschaftliche Schäden verursachen. Insbesondere durch Vibrionen und Saugwürmer sind Krabben eine potentielle Infektionsquelle für den Menschen. Die lange Tradition des Krabbenfangs und ihre kulinarische Bedeutung spiegeln sich in Mythen und Darstellungen von Krabben in der Kunst wider, die allerdings seltener als beispielsweise die von Säugetieren oder Insekten sind. Die wohl bekannteste Krabbe, Karkinos aus der griechischen Mythologie, wurde der Sage nach von Hera als Sternbild Krebs in den Himmel versetzt.

Merkmale mini|Die Japanische Riesenkrabbe (Macrocheira kaempferi) ist nicht nur die größte und schwerste Krabbe, sondern auch der Goliath unter den Gliederfüßern

Zur Teilordnung der Krabben gehören etwa 7300 Arten, sie sind damit die artenreichste Teilordnung der Zehnfußkrebse. Trotz ihrer Artenfülle zeigen sie einen über die gesamte Teilordnung sehr ähnlichen Körperbau mit einem breiten und flachen Rückenschild (Carapax), der den Kopf- und Brustabschnitt der Tiere, den Cephalothorax, umfasst, und einem sehr kleinen, unter dem Carapax eingeschlagenen Hinterleib (Pleon). Sie sind in ihrem Habitus allerdings vielfältiger als andere Taxa der Zehnfußkrebse. Krabben können in ihrer Größe stark variieren und die Körpergrößen reichen von Arten mit einem nur wenige Millimeter breiten Rückenschild wie Neorhynchoplax minima und Lucascinus keijibabai bis hin zur Japanischen Riesenkrabbe (Macrocheira kaempferi) mit einer Rückenschild-Breite von fast 40 Zentimetern und einer Spannweite der ausgestreckten Beine von bis zu 3,7 Metern. Mit einer Masse von bis zu 20 Kilogramm ist sie nicht nur die schwerste Art der Krabben, sondern auch größter und schwerster Gliederfüßer überhaupt. Die ebenfalls sehr große Tasmanische Riesenkrabbe (Pseudocarcinus gigas) ist mit 46 Zentimeter Panzerbreite und bis zu 14,5 Kilogramm Gewicht zwar etwas kleiner als die Japanische Riesenkrabbe, ihre massive Schere ist allerdings so lang wie der Unterarm eines erwachsenen Menschen und damit die größte aller bekannten Krabbenscheren.

Es gibt eine Reihe von Verwandtschaftsgruppen innerhalb der Krebse, die Krabben zum Verwechseln ähnlich sehen, aber nicht näher mit ihnen verwandt sind. Die Körperform, mit untergeschlagenem Pleon, ist offenbar mehrfach konvergent erworben worden. Dieser Prozess wird als Carzinisierung bezeichnet.

Allgemeiner Aufbau und Körperbau mini|Der vordere Seitenrand der Gemeinen Strandkrabbe (Carcinus maenas) ist mit fünf Zähnen ‚bewaffnet‘

Wie andere Gliederfüßer haben Krabben einen Körper, der aus einer zusammenhängenden Reihe von gelenkig verbundenen Abschnitten (Somiten) besteht, also segmentiert ist. Diese Somiten sind zu funktionellen Einheiten zusammengefasst, die als Tagmata bezeichnet werden. Bei der Verschmelzung einzelner Somiten, wie im Fall der Kopfsomiten, gehen alle Gelenkverbindungen zwischen diesen verloren. Alle Segmente besitzen zumindest während der Entwicklung ein Paar Anhänge bzw. Extremitäten; einige können verloren gehen wie bei den Krabben einige Hinterleibsanhänge (Pleopoden). Die vorderste Struktur des Kopfes ist das Acron, welches kein echter Somit ist. Hierauf folgen fünf verschmolzene Kopfsomiten, die den Kopf (Cephalon) bilden. Auf den Kopf folgt der Thorax bzw. Peraeon mit den Somiten 6 bis 13 und darauf das Abdomen oder Pleon mit den Somiten 14 bis 19. Der letzte Abschnitt des Abdomens, das Schwanzstück (Telson), ist wieder unsegmentiert. Sowohl das bauchseitige (ventrale) Nerven- als auch das rückenseitige (dorsale) Blutgefäßsystem ziehen sich durch die Segmente vom Kopf bis zum Ende des Pleons, beide reichen jedoch nicht bis in das Telson. Bei den basalen Höheren Krebsen wird traditionell davon ausgegangen, dass sie acht Thorax- und sieben Abdominal-Somiten vor dem Telson haben, während bei der Unterklasse Eumalacostraca, zu der auch die Krabben gehörten, der siebte Abdominal-Somit durch Verschmelzung mit dem sechsten verloren ging.

Die typische Krabbenform entstand durch eine deutliche Verkürzung und Verdickung des Hinterleibes. Dieser liegt bauchwärts nach vorn eingefaltet unter dem Cephalothorax, den verschmolzenen Kopf- und Thoraxsomiten, welche den Hauptteil des Körpers bilden. Die Uropoden am Hinterleibsende fehlen den meisten Krabben. Der Cephalothorax ist verkürzt, verbreitert und vertikal (dorsoventral) abgeflacht. Auch der Kopf wird verkürzt und ist als solcher nicht mehr vom übrigen Körper abgesetzt. Wie alle Gliederfüßer haben Krabben ein als Kutikula bezeichnetes Exoskelett, welches bei den meisten Krabben durch Kalkeinlagerung verstärkt und gehärtet ist. Es stützt den Körper, bietet Schutz und Widerstand gegen Austrocknung und mechanische Einwirkungen und bietet eine Oberfläche für die Befestigung der Muskeln an der Innenseite. Die äußere, dünne und wachsartige Epikutikula sorgt für die Wasserdichtigkeit. Die Kutikula besteht aus Fasern des langkettigen Polysaccharids Chitin, die mit Proteinen umhüllt sind. Die darunter liegende dicke Prokutikula, die etwa 90 % des Volumens des Exoskeletts ausmacht, dient in erster Linie dazu, mechanischen Belastungen und Spannungen standzuhalten.

Die bauchseitigen Chitinplatten (Sklerite) der Brustsegmente (Sternite, von ) sind zu einem Brustpanzer (Sternum) verschmolzen. Die rückenseitigen Schilde (Tergite, von ) sind von einem gemeinsamen, ungeteilten Rückenpanzer, dem Carapax, verhüllt, der den gesamten Cephalothorax bedeckt. Die beiden Seitenränder des Carapax werden in einen vorderen und hinteren Abschnitt unterteilt. Sie können Auswüchse aufweisen, die nach ihrer Form als Dornen, Zähne oder Lappen bezeichnet werden und die auch zur taxonomischen Zuordnung herangezogen werden.

Kopf und Mundwerkzeuge mini|Gehörnte Geisterkrabbe (Ocypode ceratophthalmus) mit auffällig verlängerten Augenstielen

Die Kopfsomiten sind zu einer Einheit ohne Segmentgrenzen verschmolzen. Im vordersten Bereich, dem Acron, befindet sich der vorderste Teil des Gehirns und auch die Augen entspringen hier. Die Augen dienen der visuellen Wahrnehmung. Sie sind wie bei anderen Krebstieren Facettenaugen, die aus zahlreichen Einzelaugen (Ommatidien) zusammengesetzt und von einer Hornhaut überdeckt sind. Sie können bei einigen Höhlen- und Tiefsee-Arten und bei Arten, die in relativ flachem Wasser in schlammigem Boden leben, erheblich reduziert sein oder wie bei Cancrocaeca xenomorpha gänzlich fehlen. Bei der Mehrzahl der Krabben sind sie auf meist beweglichen Augenstielen platziert.

mini|Kopfstrukturen eines Kalifornischen Taschenkrebses (Metacarcinus magister), oberhalb der Mundöffnung von außen nach innen Auge mit Augenstiel, Antenne und Antennule, unterhalb der Mundöffnung die dritten Maxillipeden Die Augenstiele bestehen wie bei anderen Krebsen aus zwei Abschnitten. Bei einer Reihe von Familien und Gattungen gibt es eine deutliche Tendenz zu mäßig bis sehr langen Augenstielen, vor allem bei nicht räuberischen und grabenden Arten, die im Flachwasser mit weichen Sedimenten leben. Am Ende des Augenstiels befinden sich die Augen, in seinem Inneren eine Hormondrüse, die als Medulla-terminalis-X-Organ-Sinusdrüsen-Komplex bezeichnet wird. Am Ursprung der Augenstiele befinden sich die Augenhöhlen, die in ihrer Form sehr variabel sind. Im Normalfall handelt es sich um ein Paar eiförmiger bis querverlaufender länglicher, oft tiefer seitlicher Einsenkungen, in denen die Augenstiele im eingezogenen Zustand zumindest teilweise geschützt sind. Der obere Augenhöhlenrand geht in die Stirn über und wölbt sich in der Regel seitlich nach außen, um auf den Unteraugenhöhlenrand zu treffen. An der Verbindungsstelle befindet sich häufig ein Fortsatz, der als äußerer Orbitalzahn oder Exorbitalzahn bezeichnet wird. Darunter kann der Rand der Augenhöhle durchgängig, durch eine seitliche Furche unterbrochen oder weit offen sein. Der innere Rand des Unteraugenhöhlenrandes endet in der Regel vor der Basis des Auges oder der Antennen, so dass am inneren Ende der Augenhöhle eine deutliche Lücke entsteht, in die die Antennengeißel eingelegt werden kann. Die Augenhöhlen können schwach ausgeprägt sein oder sogar fehlen wie etwa bei den Latreilliidae, Retroplumoidea, Dorippidae, Hymenosomatoidea oder Majoidea, bei denen die Augen vollständig frei liegen. Bei den Homolodromioiden liegen die Augen und die beiden Antennen in einer gemeinsamen Vertiefung. Bei einigen Majoidea bilden verschiedene Stacheln und Lappen eine schützende Haube um die Augen, die sich jedoch von der echten Augenhöhle der anderen Krebse unterscheidet.