Spiralen-Skandal (auch Spiralenskandal) bezeichnet ein von den Gesundheitsbehörden Dänemarks in den 1960er bis 1990er Jahren durchgeführtes Programm, in dessen Rahmen Tausenden grönländischen Mädchen und Frauen ohne deren Zustimmung Spiralen zur Empfängnisverhütung eingesetzt wurden.
Die verwendeten Spiralen waren größer als die modernen und nicht für Frauen gedacht, die noch kein Kind geboren hatten, wurden aber auch bei kinderlosen Frauen und Mädchen angewandt. Mangels Information wurden die Spiralen auch nicht rechtzeitig wieder entfernt. Bei manchen Frauen führte die Maßnahme zu dauerhafter Unfruchtbarkeit.Grönland: Geschichte der Zwangsverhütung mit Spiralen soll aufgearbeitet werden. In: Der Standard. 11. November 2022, abgerufen am 29. Oktober 2025 (Artikelanfang frei abrufbar).Reinhard Wolff: Zwangssterilisationen in Grönland: „Als wären Messer in mir drin“. In: taz. 26. Oktober 2023, abgerufen am 29. Oktober 2025.
Hintergrund und Aufarbeitung Das Programm begann in den 1960er Jahren, als Grönland noch keine Autonomie gegenüber Dänemark hatte (vgl. auch Kolonialismus). Das Programm hatte das Ziel, das Bevölkerungswachstum in Grönland zu mindern. Betroffen waren unter anderem zwölfjährige Mädchen, die ebenso wie ihre Eltern oft nicht über die Empfängnisverhütung informiert wurden oder keine Zustimmung gaben.
Als Folge der Spiralkampagne halbierte sich binnen sieben Jahren die Geburtenrate in Grönland. In manchen Teilen der Insel wurde zehn Jahre lang kein Kind geboren. 1985 sprach Dänemarks Grönlandminister Tom Høyem über die vermeintlich positiven Effekte der Eingriffe. 1970 hatte Grönlandminister Arnold Christian Normann vor dem dänischen Parlament das Stagnieren der Geburtenrate durch den Einsatz von Spiralen und die dadurch erzielten Einsparungen für die Finanzierung von Kindergärten und Schulen in Grönland gelobt und betont: Schließlich gehe es ja um dänische Kronen und Öre.
Erst Jahrzehnte später wurde das Ausmaß des Programms öffentlich bekannt, unter anderem durch die grönländische Psychologin Naja Lyberth, die 2017 erstmals ihre eigene Geschichte in sozialen Medien veröffentlichte. Ihre Initiative führte zu einer breiten öffentlichen Debatte über koloniale Praktiken und reproduktive Rechte.
Im Jahr 2023 kündigten die Regierungen von Dänemark und Grönland eine offizielle Untersuchung an, um die Vorgänge und Verantwortlichkeiten des Programms aufzuarbeiten.
Im August 2025 entschuldigte sich die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen für die Geschehnisse:
Medien gaben an, von 1960 bis 1992 sei rund 4.500 grönländischen Frauen ohne ihre Zustimmung eine Spirale eingesetzt worden. Im Jahr 2024 hatte der damalige grönländische Regierungschef Múte B. Egede im dänischen Fernsehen diesbezüglich von einem „Völkermord“ gesprochen.
Im Dezember 2025 sagte die dänische Regierung den Opfern der Zwangsverhütungen Entschädigungszahlungen in Höhe von umgerechnet 40.000 Euro zu.
Folgen Der Skandal wird heute als Teil eines größeren Musters kolonialer Kontrolle über die grönländische Bevölkerung gesehen und ist zentraler Bestandteil aktueller Diskussionen über Zwangsverhütung, Zwangssterilisation, Kolonialismus, und reproduktive Gesundheit.
Siehe auch Zwangsverhütung
Einzelnachweise
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