Nao-Cōra Yamazaki (japanisch ; * 15. September 1978 in Kitakyūshū, Präfektur Fukuoka) ist eine japanische Schriftstellerin und Essayistin. mini|Nao-Cōra Yamazaki, 2016 Sie gibt ihr Geschlecht nicht an und lebt heute in Tōkyō. Sie wuchs in der Präfektur Saitama auf und absolvierte ein Studium der japanischen Literatur an der Kokugakuin-Universität. Ihre Abschlussarbeit verfasste sie zur Figur Ukifune im Genji Monogatari.
Leben Yamazaki arbeitete zunächst als Angestellte, bevor sie im Alter von 26 Jahren mit dem Schreiben begann. 2004 gewann sie mit der Erzählung Hito no sekkusu o warau na (, Lach nicht über den Sex anderer Leute)https://www.asymptotejournal.com/blog/2013/12/03/yamazaki-beginning-long-end/ den 41. Bungei-Preis und wurde im selben Jahr für den 132. Akutagawa-Preis nominiert. In den folgenden Jahren war sie mehrfach für bedeutende Literaturpreise nominiert, darunter der Akutagawa-Preis (insgesamt fünfmal), der Mishima-Preis sowie der Noma-Literaturpreis für Nachwuchsautoren.
Besonders auffällig ist Yamazakis Autorenname „Nao-Cōla“, den sie selbst gewählt hat. Kritiker wie Genichiro Takahashi interpretierten den Namen als ironische und zugleich tiefsinnige Reaktion auf das Leben in einer spätkapitalistischen Gesellschaft. Der Name kombiniere das gewöhnliche japanische Vornamenfragment „Naoko“ mit dem englischen „Cola“ – in der japanischen Schreibung folgt auf das Gewöhnliche das Unerwartete, was als humorvolle Brechung gelesen werden kann. Takahashi sah darin das Zeichen einer Autorin, die sich mit Anmut und Witz durch das moderne Leben schlägt. Das Spiel mit Sprache, Popkultur und Ironie ist auch in Yamazakis Werk wiederzufinden.https://wordswithoutborders.org/read/article/2014-07/nao-cola-and-kindness/
In der Erzählung Cavities and KindnessEnglische Übersetzung:https://wordswithoutborders.org/read/article/2014-06/cavities-and-kindness/ etwa begegnet der Protagonist seinem Zahnarzt mit einem Wortwitz, der sich auf einen japanischen Werbeslogan bezieht: „Bufferin [japanisches Schmerzmittel] besteht zur Hälfte aus Freundlichkeit.“ Die feine, absurde Verbindung von Alltagskultur, Werbung und zwischenmenschlicher Nähe ist charakteristisch für Yamazakis Stil. Ihre literarischen Figuren bewegen sich oft in urbanen Lebenswelten, in denen Einsamkeit, Humor und Beziehungsfragen ineinandergreifen.
Yamazaki nennt Tanizaki Jun’ichirō als den für sie wichtigsten Schriftsteller und bezeichnet dessen Roman Sasameyuki („Die Schwestern Makioka“) als prägend für ihre eigene literarische Entwicklung. Die Lektüre in ihrer Jugend habe ihr gezeigt, dass literarische Figuren keine ausgeprägte Handlungsmacht besitzen müssen, um erzählerisch wirksam zu sein. Zugleich betont Yamazaki die Notwendigkeit einer kontextsensiblen Lektüre klassischer Werke: Auch problematische, zeitbedingte Darstellungen sollten nicht ausgeblendet, sondern im historischen Zusammenhang gelesen und kritisch weitergedacht werden.Interview in der YouTube-Sendung „見巧者“, veröffentlicht am 28. Juni 2023.
Ihr Stil zeichnet sich durch präzise psychologische Beobachtungen und bewusst zurückhaltende Figurenzeichnung aus. Sie betont die Freiheit der Lesenden, sich eigene Bilder von den Charakteren zu machen. Neben der Prosa ist sie auch als Essayistin bekannt und geschätzt. 2023 erhielt sie für ihr essayistisches Werk Mirai no Genji monogatari (, Das Genji Monogatari der Zukunft) den renommierten Bunkamura Prix des Deux Magots. Yamazaki betrachtet darin das Genji Monogatari aus neuen Perspektiven wie Lookism, Lolicon, Mutterkomplex, Mounting,Mounting (jap. マウンティング) bezeichnet Verhaltensweisen oder Äußerungen in Gesprächen zwischen Menschen, mit denen jemand versucht, sich seinem Gegenüber als überlegen darzustellen. Er wurde 2013 von der Mangaka Yukari Takinami eingeführt und verbreitete sich ab 2014 durch ein gemeinsames Buch mit der Essayistin Kamiko Inuyama. Ursprünglich bezog sich der Ausdruck auf bevormundende Ratschläge unter Frauen aus einer überlegenen Perspektive. Inzwischen wird der Begriff häufig verwendet für demonstrative Hinweise auf sozialen Status, Vermögen, Bildung, Karriere oder persönliche Attraktivität. Trophy Wife, Ageismus u. a. und macht das historische Werk über das Leben und die Beziehungen des Prinzen Genji durch eine zunächst fremd anmutende Interpretation nachvollziehbar.Rezension: https://note.com/kamakurah/n/n8c4cfdfe883a
Werke (Auswahl) Romane und Erzählungen Hito no sekkusu o warau na (, Lach nicht über den Sex anderer Leute), 2004 franz. Ne riez pas de mon histoire d'amour, 2010, ISBN 978-2-02-100471-7 ital. Non ridere della vita sessuale degli altri, 2022, ISBN 978-88-17-16291-3 Ukiyo de ranchi (, Lunch im flüchtigen Leben), 2006 Katsura biyōshitsu besshitsu (, Perücken-Salon, Nebenraum), 2007 Ronri to kansei wa ai hanshinai (, Logik und Gefühl widersprechen sich nicht), 2008 Nagai owari ga hajimaru (, Ein langes Ende beginnt), 2008 Te (, „Hand“), 2009 – später als Otōsan daisuki (, Ich hab Papa lieb) neu aufgelegt Otoko to ten to sen (, Mann, Punkt und Linie), 2009 Koko ni kienai kaiwa ga aru (, Hier gibt es ein unvergängliches Gespräch), 2009 Atashi wa bīdama (, Ich bin eine Glaskugel), 2009 Kono yo wa futarikumi de wa dekiagaranai (, Diese Welt besteht nicht nur aus Zweiergruppen), 2010 Niki no kutsujoku (, Nikys Demütigung), 2011 Watashi no naka no otokonoko (, Der Junge in mir), 2012 Hiruta to Hakkō (, Hiruta und Hakkō), 2013 Bōi mītsu gāru no kyokutan na mono (, Die Extreme von Boy-meets-Girl), 2015 Kawaii yo no naka (, Eine süße Welt), 2015 Han jinsei (, Gegen das Leben), 2015 Nenreizumu / Hirakareta shokkidana (, Altersismus / Das offene Geschirrregal), 2015 Utsukushii kyori (, Eine schöne Distanz), 2016 Rezension Friendship For Grown-Ups, Three short stories (englisch), 2017, ISBN 978-1-911343-02-8 Nise shimai (, Falsche Schwestern), 2018https://brainvsbook.wordpress.com/2022/05/13/nise-shimai-yamazaki-nao-cola/ Shumi de hara ippai (, Satt durch Hobbys), 2019 Ribbon no otoko (, Der Mann mit dem Band), 2019 Nikutai no jendā o warau na (, Lach nicht über das Gender des Körpers), 2020 Akirameru (, Loslassen), 2024
Essays und Sachbücher Yubisaki kara sōda (, Soda aus den Fingerspitzen), 2007 Otomodachi o tsukurou (, Lass uns männliche Freunde finden), 2011 Taiyō ga mottainai (, Schade um die Sonne), 2014 – spätere Ausgabe: Beranda engei de kangaeta koto (, Gedanken aus dem Balkon-Garten), 2019 Kawaii otto (, Der süße Ehemann), 2015 Haha de wa nakute, oya ni naru (, Nicht Mutter, sondern Elternteil werden), 2017 Bungō ohakamairi-ki (, Bericht vom Schriftstellergräber-Besuch), 2019 Busu no jishin no mochikata (, Wie man Selbstvertrauen als Hässliche gewinnt), 2019 Mushiro, kangaeru kaji (, Haushalt als Denkübung), 2021 Miruku to korona (, Milch und Corona, mit Gen Shiraiwa), 2021 Mirai no Genji monogatari (, Das Genji Monogatari der Zukunft), 2023
Kinderbücher Kawaii otōsan (, Der süße Papa, illustriert von Sasameya Yuki), 2017
Auszeichnungen (Auswahl) 2004: Bungei-Preis für Hito no sekkusu o warau na 2017: Shimase-Preis für Liebesgeschichten für Utsukushii kyori 2023: Bunkamura Prix des Deux Magots für Mirai no Genji monogatari
Weblinks Yamazaki Nao-Cōra auf X (vormals Twitter) Yamazaki Nao-Cōra auf Instagram Yamazakis Blog „Bitansan Nikki“ (微炭酸ニッキ) Yamazaki Nao-Cōra auf Goodreads
Einzelnachweise
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