Die Royal Air Force (RAF) spielte während des Zweiten Weltkriegs eine zentrale Rolle in der Verteidigung Großbritanniens und im Kampf gegen die Achsenmächte. Die RAF war in drei Hauptkommandos gegliedert: das Fighter Command, das Bomber Command und das Coastal Command, die jeweils spezifische Aufgaben und Verantwortungsbereiche hatten. Das Fighter Command war für die Verteidigung des britischen Luftraums zuständig und spielte eine Schlüsselrolle in der Abwehr der deutschen Luftwaffe während der Luftschlacht um England. Das Bomber Command war für strategische Bombenangriffe auf feindliche Infrastruktur, Industrieanlagen und Städte verantwortlich, während das Coastal Command die Sicherung der Seewege und den Kampf gegen deutsche U-Boote und Schiffe übernahm. Neben den operativen Einheiten war die RAF auf ein komplexes Netzwerk von Unterstützungs- und Ausbildungseinrichtungen angewiesen. Flugschulen, technische Depots und Logistikeinheiten sorgten dafür, dass die Streitkraft stets kampfbereit war. Vom 1941 bis 1945 bestand die RAF Film Unit.
Führung, Kontrolle und Organisation Zu Beginn des Krieges lag das Oberkommando für alle drei Teilstreitkräfte Heer, Marine und Luftwaffe beim Kriegskabinett. Als Winston Churchill im Mai 1940 zum Premierminister gewählt wurde, bildete er ein zusätzliches Inneres Kriegskabinett, in dem er direkt mit den militärischen Befehlshabern agieren konnte, die zusammen das Chief of Staffs Committee bildeten. Das Oberkommando über die Royal Air Force lag beim Air Council. Es setzte sich aus folgenden Mitgliedern zusammen.
Secretary of State for Air Parliamentary Under-Secretary of State for Air Chief of the Air Staff Air Member for Personnel Air Member for Development & Organisation Deputy Chief of the Air Staff Permanent Under-Secretary of State for Air
Jeder der Air Member war für eine bestimmte Abteilung des Air Ministry zuständig. Diese Abteilungen waren wiederum in verschiedene spezifische Direktionen unterteilt, die seiner Ernennungsbezeichnung entsprachen. Der Rest des Air Ministry war in Direktionen, Abteilungen und Ausschüsse von Mitgliedern des öffentlichen Dienstes unterteilt.Bowyer: 1984, S. 6.
Command Bei Ausbruch des Krieges gab es 7 Luftkommandos. Jedes dieser Kommandos wurde im Regelfall von einem Air chief marshal befehligt.
Das 1936 gebildete Bomber Command bestand aus allen Bomberstaffeln mit Ausnahme derjenigen des Coastal Command, United Kingdom. Diese Geschwader waren in eine Reihe von Abteilungen gegliedert und mit der Durchführung der vom Chief of the Air Staff festgelegten Richtlinien für offensive Bombenangriffe beauftragt.
Das 1936 gegründete Fighter Command war für die Luftverteidigung des Vereinigten Königreichs zuständig. Es bestand aus einem Stab in Bentley Priory und Jagdgruppen und übernahm darüber hinaus die operative Kontrolle über das Anti-Aircraft Command, das wiederum das Flugzeugwarnsystem sowie die Suchscheinwerfer- und Schallortungseinheiten leitete. Die Jagdgruppen wurden über das gesamte Vereinigte Königreich in den folgenden vier Sektoren verteilt: Südostengland Nordengland, Schottland Westengland Südwestengland
Das 1936 gebildete Coastal Command war mit der Seeaufklärung durch landgestützte Flugzeuge beauftragt. Es umfasste auch landgestützte Bomber, Torpedobomber und Langstrecken-Jagdflugzeuge, um Angriffe auf die Schifffahrt in den Schwerpunktgebieten abzuwehren. Das Seegebiet, das das Vereinigte Königreich umgab, wurde in drei operative Sektoren unterteilt: Westen und Nordwesten, Norden und Osten sowie Süden und Südosten. Befehle bezüglich der Aufgaben und der operativen Einteilung der Truppen sowie der Pläne wurden nur von der Admiralität erteilt, das Personal wurde von der RAF gestellt, und die Ausrüstung wurde vom Ministerium für Flugzeugproduktion geliefert. Das 1936 gebildete Training Command war mit der Flugausbildung von Piloten beauftragt. Die operationelle Ausbildung wurde in den Bomber-, Jäger- und Küstenkommandos durchgeführt, wobei jedes Kommando über die notwendigen operationellen Ausbildungseinheiten verfügte. Das 1938 gebildete Maintenance Command war gegenüber allen Einheiten für die Versorgung und Ausrüstung mit Flugzeugen (durch das Ministerium für Flugzeugproduktion) und mit Munition, Benzin, Öl usw. verantwortlich. Darüber hinaus war sie mit der Reparatur und Bergung von Ausrüstung, der Lagerung, Verpackung und Verschiffung von Flugzeugen, Motoren usw., die von den operativen Einheiten verwendet wurden, sowie mit der Überführung von Flugzeugen beauftragt. Das 1938 gegründete Balloon Command war mit der Organisation, Verwaltung, Ausbildung und Versorgung des Ballonabwehrsystems Großbritanniens beauftragt. Die operative Kontrolle lag beim Oberbefehlshaber der Luftverteidigung Großbritanniens, dem Air Officer Commanding-in-Chief.
Im Laufe des Krieges wurden weitere Kommandos eingerichtet. 1940 das Army Co-operation Command, die den Heereseinheiten innerhalb des Vereinigten Königreichs zugeteilt waren. Bis zu seiner Auflösung 1943 war es für die Organisation, Erprobung und Ausbildung in allen Formen der Zusammenarbeit zwischen Luft- und Landstreitkräften zuständig. Der operative Einsatz oblag den Kommandeuren der Heeresverbände, denen die Geschwader (wing) des Kommandos zugeordnet waren. Ebenfalls 1940 wurde das Technical Training Command für die technische Ausbildung von RAF-Personal gegründet.United States. War Department: 1942, S. 361 f.
Gruppe, Geschwader, Schwarm und Staffel Eine Gruppe bestand aus mehreren untergeordneten Einheiten und war so organisiert, dass sie eine gewisse Autonomie in ihrem Operationsgebiet hatte.Delve: 1994, S. 126. Eine Gruppe bestand aus mehreren Staffeln (Squadrons). Die Anzahl der Squadrons variierte je nach Typ und Auftrag der Gruppe. Typischerweise umfasste eine Gruppe etwa 2 Geschwader (wing) und wurde entweder von einem Air Commodore oder einem Vice Air Marshal kommandiert.Wragg: 2007, S. 149.Bowyer: 1984, S. 7. Ein Geschwader bestand meist aus drei Staffeln konnte aber zwischen 2 und 5 Staffeln variieren. Geschwader wurden in der Regel von einem Group Captain kommandiert.
Einmotorige Jagdstaffeln wurden von einem Squadron Leader befehligt und bestanden in der Regel aus drei Schwärmen (flight) mit den Bezeichnungen A, B, und C die einem Flight Lieutenant unterstellt waren. Zweimotorige Nachtjäger-, Bomber-, Abfangjäger- und Coastal-Command-Jagdstaffeln wurden von einem Wing Commander und die einzelnen Schwärme von einem Squadron Leader befehligt.Ralph: 2008, S. 251. Während des Krieges variierte die Anzahl der Flugzeuge in einer Staffel je nach Größe. Im Jahr 1939 bestand eine Jagdstaffel aus 12 Flugzeugen, wurde aber in einigen Fällen auf 16 oder sogar 24 erhöht. Bomberstaffeln hatten anfangs 12 Flugzeuge, die auf bis zu 24 erhöht wurden.Wragg: 2007, S. 148. Die Staffeln waren auf bestimmten Standorten der Royal Air Force stationiert, die mit allen erforderlichen Unterstützungseinrichtungen ausgestattet waren. Zu Beginn des Krieges verfügte jede Staffel über eine eigene Bodenmannschaft, die für die Wartung der Flugzeuge der Einheit, größere Reparaturen und andere Aufgaben zuständig war, die über die Möglichkeiten der eigenen Ressourcen der Staffel hinausgingen. Diese Aufgaben wurden in der Regel vom Personal der Stützpunkte oder von Wartungseinheiten (MUs) übernommen. Bei Kriegsende hatten jedoch viele Staffeln ihre Autonomie verloren, und ihr Bodenmannschaft wurde offiziell zu Squadron Servicing Echelons versetzt, die den jeweiligen Staffeln „angegliedert“ waren. Diese Staffeln enthielten in der Regel die Nummer der Staffel in ihrem „rechtlichen“ Titel.
Alle RAF-Staffeln erhielten offizielle Nummern als Teil ihrer Bezeichnung. Die meisten der Staffeln mit den Nummern 1 bis 274 waren ursprünglich vom Royal Flying Corps oder dem Royal Navy Air Arm übernommen worden. Während des Zweiten Weltkriegs verzeichnete die RAF einen erheblichen Personalzuwachs, der zur Gründung zahlreicher neuer Staffeln führte. Als Reaktion darauf wiesen die Verwaltungsabteilungen der RAF den verschiedenen Staffeln spezifische Nummernfolgen zu, die deren Aufgaben, Herkunft und andere Merkmale kennzeichneten. Dieses System galt auch für die zahlreichen Commonwealth- und anderen nicht-britischen Einheiten, die schließlich unter dem Kommando der RAF operierten. Aufgrund der sich verändernden Kriegs- und Einsatzbedingungen wurden einige Staffeln aufgelöst, umbenannt oder von der Front abgezogen. Folglich waren nicht alle Staffeln zur gleichen Zeit aktiv.
Während jede Staffel in erster Linie durch ihre offizielle Nummer gekennzeichnet war, wurde ein zusätzliches System von Kennbuchstaben verwendet, um einzelne Einheiten zu identifizieren. Diese Kennbuchstaben wurden auf die Rumpfflanken der Flugzeuge gemalt. Diese Codes dienten zur Identifizierung einzelner Flugzeuge innerhalb eines Geschwaders oder einer Einheit, wobei der Name des Geschwaders oder der Einheit durch die ersten beiden Buchstaben des Codes gekennzeichnet wurde. Am 4. September 1939 wurden jedoch im Interesse der Sicherheit alle derartigen Kodierungen vollständig geändert. Im weiteren Verlauf des Krieges wurden verschiedene Variationen und Ergänzungen des Kennbuchstabensystems eingeführt. Dieses System wurde bald von praktisch allen fliegenden Einheiten, sowohl im Einsatz als auch außerhalb des Einsatzes, übernommen. Derartige Kennbuchstaben-Kombinationen wurden in bestimmten Staffeln im Vereinigten Königreich und in einigen Kriegsgebieten in Übersee verwendet. Anfang 1941 führte das Fighter Command die Position des Wing Leader ein, eine operative Funktion, der die Koordinierung von Jagdverbänden im Kampf überwachte. Um die Identifizierung zu erleichtern, wurden die Wing Leader ermächtigt, die Initialen ihres Namens als ihre individuelle Kennung zu verwenden. Normalerweise operierte eine Staffel als eine Einheit, obwohl es in bestimmten Phasen des Krieges üblich war, dass Staffeln mit anderen Staffeln desselben Geschwaders zusammenarbeiteten. Es wurde jedoch zur gängigen Praxis, dass einzelne Schwärme einer Staffel vom Stützpunkt der Staffel abkommandiert wurden, um auf einem anderen Flugfeld separat zu operieren, um spezifische operative Anforderungen zu erfüllen.Bowyer: 1984, S. 11–14.
Rekrutierung und Ausbildung
Piloten mini|Be an Airman Rekrutierungsposter der RAF Zu Beginn des Krieges unterstanden alle Ausbildungsaktivitäten, sowohl in der Luft als auch am Boden, dem Training Command mit Sitz in Shinfield Park. Im Mai 1940 wurde das Training Command aufgelöst und durch separate Kommandos ersetzt, die die technische Ausbildung und die fliegerische Ausbildung beaufsichtigten. Letzteres kontrollierte zu diesem Zeitpunkt 80 Ausbildungsschulen, von denen 31 der Pilotenausbildung gewidmet waren, und verfügte über einen Bestand von 3.189 Flugzeugen 56 verschiedener Typen. Das Flying Training Command behielt seinen Standort in Shinfield Park bei, während das Technical Training Command seinen Sitz in der nahe gelegenen Wantage Hall hatte.
Die meisten Rekruten der RAF und der WAAF, einschließlich der Offiziere und Flugbesatzungen, kamen aus RAF Volunteer Reserve (RAFVR). Bei Kriegsbeginn wurden alle Möglichkeiten für den Eintritt in den regulären Dienst der RAF vorübergehend geschlossen, mit Ausnahme des Aircraft Apprenticeship Scheme. Dazu gehörten das Boy-Entrant-Programm und der Kadettenlehrgang des Cranwell College.Bowyer: 1984, S. 17. Um einen Pool von zukünftigen Piloten zu schaffen, wurde 1941 das Air Training Corps gegründet. Das Programm bot Jungen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren eine 1 bis 2 jähre Ausbildung um sie auf den Eintritt in die RAF vorzubereiten.Air training Corps: 1941, S. 4.