Westerrönfeld (niederdeutsch Westerrünnfeld) ist eine amtsangehörige Gemeinde im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein.
Geografie Lage Der Ort liegt direkt am Nord-Ostsee-Kanal. Im Gebiet der Gemeinde hat es einige Heideflächen und Binnendünen gegeben, von denen nur noch wenige erhalten sind.
Nachbarorte
Die Nachbargemeinden sind:
+ Nachbargemeinden Himmelsrichtung GemeindeNordenRendsburgOstenRendsburgSüdenJevenstedtWestenSchülp
Geschichte Vor 1900 mini|Gedenkstein Grönsfurt bei Fockbek An der Eider zwischen Fockbek und Westerrönfeld stießen die beiden Reiche der Wikinger und Franken aneinander. An der dortigen Grönsfurt fanden 811 Friedensverhandlungen zwischen Wikingern und Franken statt.Anke Feiler-Kramer: Vor 1200 Jahren an der Grönsfurt bei Fockbek: „super fluvium Egidoram in loco qui vocatur…, … sacramentis pax confirmatur“ (am Flusse Eider an einem Ort, der … genannt wird, ist der Frieden beeidet worden). In: Rendsburger Jahrbuch Bd. 61 (2011) S. 7–28
Der Ort, der an einer Eiderfurt am Ochsenweg lag, wurde 1437 erstmals im Kieler Erbebuch urkundlich erwähnt. Während des Dreißigjährigen Kriegs waren die schwedischen Truppen, die Rendsburg belagerten, in Westerrönfeld stationiert, wobei es in Westerrönfeld zu Plünderungen kam.
Seit 1695 gibt es einen jüdischen Friedhof im Ort, auf dem jüdische Bürger aus Rendsburg begraben wurden.
Im 18. Jahrhundert starben mehr als 100 Einwohner an der Pest. Für sie wurde eigens außerhalb des Orts ein Friedhof angelegt.
Ab 1900 Die Gemeinde gehörte ursprünglich zum Amtsbezirk (später Amt) Jevenstedt. Durch Flüchtlinge, die in Westerrönfeld eine neue Heimat gefunden haben, wuchs die Zahl der Einwohner nach dem Zweiten Weltkrieg von 1500 auf 2500. 1948 trat die Gemeinde dann aus dem Amt aus. Am 1. Januar 2001 hat Westerrönfeld die Selbstverwaltung aufgegeben und trat dem Amt Jevenstedt wieder bei.
Am 12. Dezember 1991 gab es ein Attentat auf zwei Mitarbeiter des Abwasserzweckverbands in Westerrönfeld. Ein Landwirt aus Fockbek, der die zwei Beamten erschossen hatte, fuhr daraufhin mit seinem mit Sprengstoff beladenen Auto gegen das Rathaus in Fockbek. Danach erschoss er sich selbst.
Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner Weiblich Männlich Durchschnittsalter 2000Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein: Regionaldaten für Westerrönfeld, abgerufen am 1. Februar 2024 5.166 2.619 2.547 40,0 2005 5.106 2.588 2.518 41,9 2010 4.959 2.532 2.427 44,0 2015 4.933 2.520 2.413 45,6 2020 5.014 2.575 2.439 46,7 2021 4.973 2.565 2.408 46,9 2022 5.026 2.596 2.430 46,7 2023 4.986 2.562 2.424 47,1 2024 4.887 2.546 2.341 45,6
Politik Gemeindevertretung
+Kommunalwahlergebnisse seit 2003Norddeutscher Rundfunk: Vorläufiges Endergebnis der Gemeindevertretungswahl am 6. Mai 2018 in Westerrönfeld, abgerufen am 16. November 2020Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein: Kommunalwahlen am 14. Mai 2023 in Schleswig-Holstein, abgerufen am 7. Juli 2023JahrSitzeCDUSPDKWGGRÜNE200319106320081996420131786320181785420232410554 Die fett markierte Zahl der Partei je Zeile stellt den Bürgermeister.
In Westerrönfeld sind die Sitze der Gemeindevertretung seit 2003 auf die CDU, die SPD und die Kommunale Wählergemeinschaft (KWG) verteilt. 2023 sind die GRÜNEN erstmals angetreten und dazugekommen.
Bürgermeister
+ Gemeindevorsteher bis 1924,danach BürgermeisterSPD Westerrönfeld: Geschichte, abgerufen am 7. Juli 2023 Von Bis Name Partei 1886 1898 Joachim Greve 1898 1906 Hinrich Lembke 1906 1912 Markus Rohwer 1912 1919 Heinrich Reimers 1919 1924 Thomas Storm 1924 1945 Wilhelm Kühl 1945 1949 Johann Peters SPD 1949 1959 Jürgen Schülldorf 1959 1966 Christian Jobmann SPD 1966 1977 Richard Kelling CDU 1977 1978 Klaus Schülldorf 1978 1982 Hans Sieck SPD 1982 1990 Richard Pieske CDU 1990 1998 Elke Heinz SPD 1998 2001 Arno Dummer CDU 2001 2023 Hans-Otto Schülldorf CDU 2023 Norbert Klause SPD
Wappen Das Wappen und die Flagge wurden am 23. März 1970 genehmigt.
Blasonierung: „In Blau ein goldener Pfahl, gekreuzt und an der Kreuzungsstelle überdeckt mit einem silbernen Wellenbalken; im ersten Viertel ein silbernes Wagenrad mit acht Speichen, im vierten Viertel ein gestürzter silberner Anker.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein]
In der Vergangenheit war Westerrönfeld ein Dorf an der Eider, das überwiegend agrarwirtschaftlich geprägt war. Heute liegt es im strukturverändernden Zugriffsbereich Rendsburgs. Der Wellenbalken im Wappen kennzeichnet nicht nur die Eider, sondern auch den Nord-Ostsee-Kanal, der im Norden an die Gemeinde grenzt. Durch den Anker im Wappen wird angedeutet, dass die Kanal- und vordem die Eiderschiffahrt für den Ort Teilhabe am Wasserstraßenverkehr bedeutete. Zugleich kann der Wellenbalken als eine „redende“ Umsetzung des Ortsnamens „Feld bei der Rinne“ (niederdeutsch: „Rönn“) aufgefasst werden. Gemeint ist die Wehrau, die durch die Nachbargemeinde Osterrönfeld in den Nord-Ostsee-Kanal mündet. Der Tunnel unter dem Kanal, dargestellt durch den Pfahl, führt von Westerrönfeld nach Rendsburg. Er ist Bestandteil der Bundesstraße 77, die durch den Ort führt. Das Wagenrad dokumentiert das Verkehrsaufkommen. Die Schildfarbe Blau symbolisiert noch einmal die Bedeutung der Wasserwege für den Ort.
Flagge mini|Flagge Westerrönfeld seit 23. März 1970
In Blau zwei durchgehende, ein liegendes lateinisches Kreuz bildende schmale Streifen, der waagerechte weiß und wellenförmig, der senkrechte gelb und an der Kreuzungsstelle von dem waagerechten Streifen überdeckt, unmittelbar neben der Stange im oberen Feld ein weißes Wagenrad mit acht Speichen, im unteren Feld ein weißer, gestürzter Anker.
Partnergemeinden
Gemeinde/StadtGemeinde Züssow, abgerufen am 27. Oktober 2023 LandseitTinglevZüssow1991
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftsstruktur Der Ort war ursprünglich durch Landwirtschaft, Fischerei, Seefahrt und Schiffbau geprägt. Heute werden aufgrund der Nähe zu Rendsburg sowie der Verkehrsanbindungen nach Kiel und zur Bundesautobahn 7 Gewerbegebiete ausgebaut.
Bildung Allgemeinbildende Schulen Die Schulreform im Jahr 2007 hat zur Einrichtung der Grund- und Regionalschule des Amtes Jevenstedt mit Standorten in Jevenstedt und Westerrönfeld geführt. Seit der letzten Schulreform 2014 existiert diese Schule als „Grund- und Gemeinschaftsschule des Amtes Jevenstedt“.Schule am Ochsenweg, abgerufen am 14. März 2024
Grundschule Schule am Ochsenweg, Am Sportplatz 4
Gemeinschaftsschule Schule am Ochsenweg, Am Sportplatz 4
Kindertagesbetreuung KindergärtenAmt Jevenstedt, abgerufen am 14. März 2024 Evangelischer Kindergarten, Am Kindergarten Kommunale Kindertagesstätte Zauberwald, Am Busbahnhof 14 b
Verkehr mini|Südliche Ansicht des Kanaltunnels mit Blick aus Westerrönfeld Richtung Rendsburg (1962)
Westerrönfeld liegt an der Bundesstraße 77 von Rendsburg nach Itzehoe und der Bundesstraße 202, die von St. Peter-Ording über Rendsburg kommend Richtung Kiel führt und in Osterrönfeld (Anschlussstelle Schacht-Audorf) in die A 210 mündet. Somit ist die Gemeinde mittelbar auch an die A 7 angebunden.
Prägend ist der 1961 eingeweihte Kanaltunnel Rendsburg, um auf die Nordseite des Kanals zu gelangen.
Ab 1901 hatte es in der Gemeinde einen Haltepunkt der Rendsburger Kreisbahn gegeben, die von Rendsburg nach Hohenwestedt gefahren war. 1957 ist diese Strecke stillgelegt worden.
Sehenswürdigkeiten In der Liste der Kulturdenkmale in Westerrönfeld stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.
Freibad mini|Badestelle Westerrönfeld im Herbst 2023 mit Blick in Richtung Norden/Nord-Ostsee-Kanal Beim Bau des Kanaltunnels (1957–1961) entstand ein Naturbad, das direkt am Nord-Ostsee-Kanal gelegen ist. Durch die besondere Lage des Bades können während des Besuchs vorbeifahrende Schiffe beobachtet werden.
Persönlichkeiten
In Westerrönfeld geboren Heinrich Thies (1938–2023), Interessenvertreter für die niederdeutsche Sprache
In Westerrönfeld beerdigt Martin Böttcher (1927–2019), deutscher Filmkomponist, der u. a. die Musik der Karl-May Filme verfasst hat. Anneliese Kaplan (1933–2020), deutsche Schauspielerin.
Weblinks
Gemeinde Westerrönfeld beim Amt Jevenstedt
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Kreis Rendsburg-Eckernförde
Kategorie:Ort am Nord-Ostsee-Kanal Kategorie:Ersterwähnung 1437