Sean Tyla (* 3. August 1946 in Barlow, North Yorkshire; † 17. Mai 2020, eigentlich John Michael Kenneth Tyler) war ein englischer Musiker (E-Gitarre und Keyboards), Sänger und Songwriter. Er prägte die Band Ducks Deluxe, war danach Kopf der nach ihm benannten Tyla Gang und veröffentlichte später unter seinem eigenen Namen. Ein Konzert der Tyla Gang wurde 1978 für den Rockpalast im Hamburger Audimax aufgezeichnet. In Deutschland hatte Tyla als Solokünstler 1981 einen Charthit mit der Single Breakfast in Marin.

Leben und Karriere Vom Skiffle zum Pubrock Will Birch schreibt, dass Tyla ein Jugendfreund von Nick Lowe war. Die beiden lebten in den 1960er-Jahren gemeinsam in Rheindahlen, wo ihre Väter als Angehörige der britischen Rheinarmee stationiert waren. Sie gründeten eine Skiffle-Band namens The Four Just Men und spielten auf der Luftwaffenbasis im Jugendclub Standards wie Michael Row the Boat Ashore.Will Birch, In Memory of Sean Tyla 1946–2020, auf der Website von Will Birch, gesichtet am 3. Mai 2025

Seine musikalische Karriere begann Tyla als Songschreiber für Lionel Barts Musikverlag Apollo Music.Craig Chaligne, Sean Tyla: Pub Rock pioneer 1946–2020, louderthanwar.com vom 3. Juli 2020, gesichtet am 3. Mai 2025 Er spielte live für Freddie „Fingers“ Lee und Geno Washingtons Ram Jam Band und arbeitete im Studio mit Maynard Ferguson. Seine erste eigene Veröffentlichung war eine Single, die CBS 1971 unter dem Bandnamen Third World herausbrachte. Der Titel Miracles war eine Eigenkomposition Tylas.Miracles bei 45cat.com, gesichtet am 4. Mai 2025 Im selben Jahr wurde er Roadie bei Help Yourself, war Koautor ihres LP-Tracks American MotherBeware the Shadow bei 45worlds.com, gesichtet am 4. Mai 2025 und wurde festes Mitglied der Band vor Aufnahme ihres fünften Albums, das allerdings erst mehr als 30 Jahre später veröffentlicht wurde.Help Yourself – 5 bei discogs.com, gesichtet am 4. Mai 2025 Noch 1972 war Tyla Mitgründer der Ducks Deluxe, die bis 1975 fester Bestandteil der Pub-Rock-Szene waren.

Tyla Gang Stiff-Records-Boss Dave Robinson wollte Tyla kurz nach Gründung seines Labels als Frontmann einer Band verpflichten, die weiter Pub-Rock-ähnlichen Sound spielen sollte (aus dieser Band wurde nach Robinsons Entdeckung von Graham Parker The Rumour). Doch Tyla wollte nach Ducks Deluxe keinen Pub Rock mehr spielen, seine neue Band Tyla Gang, gegründet mit seinem Bruder Gary im Spätherbst 1975 (und in Folge schnell wechselnden Line-ups unterworfen), sollte mit härterer Musik verbunden werden. Er unterschrieb dennoch auf Vermittlung Jake Rivieras, Robinsons Partner bei Stiff Records, einen Vertrag für zunächst eine Single und eine LP.Richard Balls, Be Stiff – The Stiff Records Story, Soundcheck Books, London 2014, ISBN 978-0-9575700-6-1, S. 45ff.

mini|Britische Single Styrofoam der Tyla Gang Veröffentlicht wurde im September 1976 jedoch nur die Single. Es war die zweite Veröffentlichung auf dem Label, mit der Katalognummer BUY 4 – eigentlich war sie als vierte Single vorgesehen, doch Tyla hatte darauf gedrängt, sie früher in die Shops zu bringen.Bert Muirhead: Stiff – The Story of a Record Label, Poole/Dorset 1983, ISBN 0-7137-1314-3, Eintrag Tyla Gang, S. 97 Styrofoam, die A-Seite, war ein Song von Darrell DeVore, dem ehemaligen Keyboarder der Band The Charlatans. Die B-Seite Texas Chainsaw Massacre Boogie hatte Tyla selbst geschrieben; sie „erinnerte an frühe ZZ Top“.Richard Balls, Be Stiff – The Stiff Records Story, Soundcheck Books, London 2014, ISBN 978-0-9575700-6-1, S. 47 Aufgenommen hatte Tyla die beiden Tracks mit Tweke Lewis (von Man, Gitarre), Peter O’Sullivan (Bass) und Phil Nedin (Schlagzeug). Die Single kam mitten im Punk-Boom auf den Markt und wurde mit ihrem „lautstarken Minimalismus““Fitting comfortably into the new punk sound with its noise minimalism […]”, Musikjournalist Tim Cooper, The Tyla Gang – Styrofoam, in seinem Blog Eats, Drinks & Leaves vom 7. Februar 2022, gesichtet am 6. Mai 2025 entsprechend vermarktet. Stiff packte sie in einen neutralen Umschlag, auf dem Slogans wie „Artistic breakthrough double ‘B’ side“ („Künstlerischer Durchbruch Doppel-B-Seite“ – auf den Labels waren beide Seiten als B-Seite benannt.) und „This record certified gold on leaving the studio“ („Diese Platte schon bei Verlassen des Studios Gold-zertifiziert“) aufgestempelt waren. Tatsächlich sei die Single „Ein typisch amerikanisches Stück Bluesrock, gesungen in einem künstlichen amerikanischen Akzent. Eindeutig kein Punk.““A typical slice of American flavoured Bluesy Rock, sung in a Faux-american accent. Definitely Not Punk.” Jonny Zchivago, Tyla Gang – “Styrofoam” (Stiff Records – BUY 4) 1976, Die or DIY?, 13. September 2016, gesichtet am 6. Mai 2025 Stiff verkaufte von der Single nach Angabe von Dave Robinson etwa „3.500 bis vielleicht 4.000“ Exemplare, was für ein neu etabliertes Label sehr gut gewesen sei, das über die Post und eine Reihe von unabhängigen Plattenläden vertrieb, so Richard Balls in seinem Buch Be Stiff – The Stiff Records Story.Richard Balls, Be Stiff – The Stiff Records Story, Soundcheck Books, London 2014, ISBN 978-0-9575700-6-1, S. 57

Die Tyla Gang veröffentlichte auf der Stiff-Kompilations-LP Bunch of Stiffs einen weiteren Track, The Young Ones – bei dieser Aufnahme bestehend aus Tyla, O’Sullivan sowie Gitarrist Bruce Melbourne(-Irvine) und Drummer Michael Desmarais. Auf derselben Platte gab es einen Song der „Stiff Supergroup“ The Takeaways; Food spielte Tyla gemeinsam mit Larry Wallis, Dave Edmunds und Nick Lowe ein; Sänger war CP Lee (von Alberto Y Lost Trios Paranoias), der aus Vertragsgründen auf der Platte und ihrem Cover nicht genannt wurde.Bunch of Stiffs bei 45worlds.com, gesichtet am 3. Mai 2025 Darüber hinaus produzierte Tyla die Single Silver Shirt der Plummet Airlines, die ebenfalls auf Stiff (BUY 8) erschien.Silver Shirt bei 45cat.com, gesichtet am 10. Mai 2025

Im Jahr 1977 wechselte die Tyla Gang zum Beserkley-Label. Mittlerweile hatte sich das Lineup aus Tyla, Bassist Brian Turrington und Drummer Mike Desmarais (beide zuvor bei den Winkies) und Gitarrist Bruce Irvine konsolidiert. In dieser Besetzung nahm die Band das Album Yachtless – von dem auch die Single Dust on the Needle stammte, die in Großbritannien nie offiziell veröffentlicht wurde und nur in wenigen White-Label-Exemplaren existiert, in Deutschland hingegen auf den Markt kamDust on the Needle bei 45cat.com, gesichtet am 11. Mai 2025 – und auch zwei Peel Sessions auf.Keeping It Peel - Tyla Gang auf der Website der BBC, gesichtet am 10. Mai 2025 Mit den ersten 5000 LPs wurde eine EP (Sean’s Demos) verschenkt, unter anderem mit dem Song Suicide Jockey, der in der Bandversion erst auf dem 1978 folgenden Album Moonproof erschien. In Deutschland kam er als Single heraus.Suicide Jockey bei 45cat.com, gesichtet am 11. Mai 2025 Robert Christgau bewertete die LP in seinem Bewertungsschema von A bis E mit B−.Kurzkritik bei robertchristgau.com, gesichtet am 8. Juli 2025 Während der Aufnahmen zu dieser zweiten LP und zu einer weiteren Peel Session ersetzte Ken Whaley (ehemals Help Yourself) Turrington am Bass. Den Stil der Band verglichen Rezensenten mit amerikanischem Bluesrock wie Little Feat,vgl. Giovanni Dadamo, Rezension Moonproof, Sounds, 7. Oktober 1978, Scan der Rezension bei 45worlds.com, gesichtet am 10. Mai 2025 weswegen die Tyla Gang oftmals als „zweitklassige Nachahmer“ kritisiert wurde.“The Tyla Gang, like The Rumour and Ian Gomm, were heavily influenced by American R&B, a trait that often led to accusations of second-rate imitation.” in: Tyla Gang bei nostalgiacentral.com, gesichtet am 8. Juli 2025

Am 15. März 1978 wurde ein Konzert der Tyla Gang im Hamburger Audimax für die WDR-Produktion Rockpalast aufgezeichnet.Tyla Gang im rockpalastarchiv.de, gesichtet am 11. Mai 2025 Jörg Gülden rezensierte in Sounds: „Gang-Leader Sean Tyla, einstens mit Ducks Deluxe zu Beinaheruhm gelangt, schreibt ganz dufte Titel, nur Gesang ist ihm leider nicht so recht gegeben. Doch das machte seine Drei-Mann-Gang mit knochenhartem britischem Beat wieder wett.“Jörg Gülden, Wie die Berserker, Sounds 5/1978, op. cit. bei rockpalastarchiv.de, gesichtet am 11. Mai 2025 Das Konzert wurde 2014 als DVD und als CD veröffentlicht.Live at Rockpalast bei discogs, gesichtet am 11. Mai 2025 Tyla und seine Band konzentrierten sich nun mehr auf den kontinentaleuropäischen Markt, speziell Deutschland und Skandinavien. In Schweden wurde Moonproof im Oktober 1978 für eine Woche auf Platz 38 der Albumcharts gelistet.Moonproof bei swedishcharts.com, gesichtet am 27. Juli 2025Als Beserkley Records 1979 den Betrieb einstellte, löste sich die Tyla Gang auf.

Erfolg als Solokünstler Sean Tyla erhielt von Roger Daltrey Zeit für Aufnahmen in den Ramport Studios der Who. Hier entstand sein erstes Soloalbum Sean Tyla’s Just Popped Out. Tyla erhielt einen Vertrag bei Polygram, das Album wurde 1980 auf dem Zilch-Label (in Deutschland auf Line Records) veröffentlicht. Tyla arbeitete mit neuen Musikern wie Kenny Laguna zusammen, aber auch Weggefährten wie Nick Garvey von Ducks Deluxe und The Motors und Bruce Irvine. Joan Jett und Carlene Carter waren unter den Sängern und Sängerinnen, die die Backing Vocals beisteuerten. Der Track Breakfast in Marin eröffnete die A-Seite des Albums und wurde in Deutschland noch im selben Jahr als Single ausgekoppelt. Am 11. Dezember 1980 zeigte der Musikladen das Video zu Breakfast in Marin, woraufhin die Single am 5. Januar 1981 neu in die Charts einstieg. Darin hielt sie sich 19 Wochen mit der Höchstplatzierung auf Rang 27. In Großbritannien kam die Single erst im April 1981 auf den Markt,Breakfast in Marin bei 45cat.com, gesichtet am 8. Juli 2025 als sie in Deutschland bereits ein Hit geworden war. Für die deutschen Konsumenten wurde ein weiterer Titel des Albums, Diamond Lane, als Single veröffentlicht, der allerdings den Erfolg nicht wiederholen konnte. Das Album Redneck in Babylon von 1981 wurde in Europa, jedoch nicht in Tylas Heimatland veröffentlicht.

Projekte, Rückzug, Comeback Neben seinem Soloprojekt spielte er unter anderen mit Mike Nesmith und Joan JettJoan Jett bei Discogs, gesichtet am 11. Juli 2025. 1982 gründete er mit Deke Leonard die Band The Force, die lediglich (in Deutschland und Schweden) ein gleichnamiges Album herausbrachte.The Force bei Discogs, gesichtet am 11. Juli 2025 Das kurzlebige Projekt fand sein Ende, als Tyla bei einem Gig in London Lampenfieber bekam – Resultat langer Jahre intensiver Konzerttourneen.“An outfit called The Force with Deke Leonard from Man fizzled out after Tyla suffered severe stage fright during a London show, the result of a decade of intensive touring.” Craig Chaligne, Sean Tyla: Pub Rock pioneer 1946-2020, Louderthanwar.com vom 3. Juli 2020, gesichtet am 8. Juli 2025 Bis 1985 veröffentlichte er noch einige Solosingles, ehe er sich aus der Musikszene zurückzog. Laut seiner Homepage von 2012 litt er an ME/CFS.About Sean auf seantyla.com, Memento vom 22. November 2012 bei archive.org, gesichtet am 27. Juli 2025 In seiner Autobiografie schrieb er, er sei danach unter anderem als Webdesigner und als Crickettrainer tätig gewesen.