Die Chronologie des Krieges in Nahost, Februar und März 2025 dokumentiert die Entwicklungen seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 1. Februar bis zum 31. März 2025. Für den zeitlichen Ablauf des kompletten israelisch-palästinensischen Konflikts siehe Chronologie des israelisch-palästinensischen Konflikts.
Februar 2025 1. Februar Im Zuge des laufenden Waffenstillstands wurden drei weitere Geiseln von der Hamas freigelassen und an das Rote Kreuz übergeben. Ofer Kalderon und Jarden Bibas kamen in Chan Junis frei; Keith Siegel wurde am Hafen der Gaza-Stadt an das Rote Kreuz übergeben. Im Gegenzug sollen 183 Palästinenser freikommen, darunter 111 Palästinenser, die nach dem 7. Oktober im Gazastreifen festgenommene wurden und 72 bisher in israelischen Gefängnissen Inhaftierte. Palästinensischen Angaben zufolge sollen auch mehrere zu lebenslangen Freiheitsstrafen Verurteilte darunter sein. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Geiselübergaben sollen bei Übergabe der Geiseln an das Rote Kreuz dieses Mal keine großen Menschenmengen dabei gewesen sein; die Übergabe in Chan Junis und Gaza-Stadt sei geordnet und zügig abgelaufen.
5. Februar Nach einem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Weißen Haus kündigte Donald Trump an, dass die Vereinigten Staaten den Gazastreifen langfristig übernehmen wollen. Das im Verlaufe des seit 2023 bestehenden Gazakrieges in ein unbewohnbares Trümmerfeld verwandelte Küstengebiet solle planiert und dann von den USA wirtschaftlich entwickelt werden. Für die Palästinenser, die im jetzt unbewohnbaren Gazastreifen leben, sei nach Trumps Meinung eine Umsiedlung in benachbarte arabische Staaten „die beste Lösung“ – Sein Umsiedlungsvorschlag entspricht den Ideen von der extremen Rechten in Israel. An der Seite Nentanjahus stellte er im Weißen Haus die Frage in den Raum: „Warum sollten sie [die Palästinenser/-innen] zurückkehren wollen? Der Ort ist die Hölle“.
Palästinenserorganisationen und die Nachbarländer Jordanien und Ägypten lehnten die Umsiedlungspläne des US-Präsidenten ab; die militant-islamistische Hamas warf Trump „Rassismus“ vor. Vertreter von Menschenrechtsorganisationen (NGOs) äußerten zu Trumps Vorschlag, dass dieser einer „ethnischen Säuberung“ gleich komme und die von ihm beabsichtigte Zwangsumsiedlung ein Verstoß gegen das Völkerrecht sei. Die INGO Amnesty International vertritt die Auffassung, dass die Vereinigten Staaten „die internationale Justiz verachten“, weil sie Benjamin Netanjahu während seines USA-Aufenthalts nicht festnahmen, gegen den vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag im November 2024 ein Haftbefehl erlassen worden war.
Auf einem Flug mit der Air Force One über den Gazastreifen bekräftigte der Präsident der Vereinigten Staaten nochmals seinen „Gaza-Plan“ mit den Worten: „Wir sind entschlossen, es zu besitzen, es zu nehmen und sicherzustellen, dass die Hamas nicht zurückkommt.“
Trumps Vorschläge stießen auf nationale und internationale Kritik: Der demokratische US-Senator Chris Murphy erklärte im sozialen Netzwerk X, Trump habe „völlig den Verstand verloren. […] Eine US-Invasion im Gazastreifens würde zum Tod tausender US-Soldaten und zu jahrzehntelangen Kriegen im Nahen Osten führen. Das ist wie ein schlechter, kranker Witz.“ Saudi-Arabien und Australien sowie Deutschland, Frankreich und Spanien bekräftigten ihren Ruf nach einer Zweistaatenlösung im seit der Staatsgründung Israels (1948) und dem Palästinakrieg (1948/49) bis heute fortbestehenden Nahostkonflikt.
9. Februar Wie für die erste Phase des Waffenstillstands zwischen den Kriegsparteien im Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und der Hamas vom 15. Januar 2025 vereinbart, zog die israelische Armee (IDF) ihre Truppen aus dem Netzarim-Korridor, der den Gazastreifen in Nord- und Südgaza teilt, vollständig ab. Zuvor hatte die Terrororganisation die drei weitere Israelis aus der Geiselhaft entlassen. Die drei Mânner Eli Scharabi, Ohad Ben Ami und Or Levy waren am 7. Oktober 2023 beim Terrorüberfall der Hamas auf Israel aus den zwei Kibbuzim Beeri und Reʿim sowie während des Massakers auf dem Gelände des Supernova-Festivals, als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt worden. Dort waren sie 16 Monate lang unter schlimmsten Bedingungen Gefangene der Hamas, bis sie im Zuge des laufenden 42-tägigen Waffenstillstands freikamen.
11. Februar Die Vereinten Nationen berichteten eine deutliche Zunahme von Hilfslieferungen an den Gazastreifen seit Inkrafttreten der Waffenstillstand ab 19. Januar 2025; es sei gelungen, humanitäre Maßnahmen mit Nahrungsmitteln, medizinischen Produkten, Unterkünften und anderen Hilfsgütern erheblich auszuweiten. Augenzeugen an der Grenze zwischen Ägypten und Gaza sagten, einige Lastwagen mit Hilfsgütern wie Kleidung, medizinischen Produkten und Erfrischungsgetränken seien nach Kontrollen durch israelische Beamte aufgehalten worden. LKW-Fahrer in der Nähe des ägyptischen Grenzübergangs in Rafah fügten hinzu, dass dort seit Beginn der z. Zt. laufenden Waffenruhe im Kriegsgebiet Baumaterialien und Zelte blockiert worden seien.
Die Hamas hatte am Vortag erklärt, dass sie bis auf weiteres keine Geiseln mehr freilassen werde. Die Terrororganisation beschuldigte Israel, mit mehreren tödlichen Schießereien und der Unterbrechung einiger vereinbarter Hilfslieferungen in den Gazastreifen gegen das Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und der Hamas vom 15. Januar 2025 verstoßen zu haben. Unter diesen Hilfslieferungen befänden sich 60.000 mobile Häuser, 200.000 Zelte und schwere Maschinen zur Beseitigung von Schutt und Treibstoff. Israel bestritt, diese zurückgehalten zu haben. Von israelischen Soldaten sei nur auf Personen geschossen worden, die sich trotz erfolgter Warnungen den Truppenstellungen der israelischen Armee (IDF) genähert hätten. Premierminister Benjamin Netanjahu drohte mit einem Ende der Waffenruhe, falls die Hamas die von ihr festgehaltenen Geiseln nicht bis 15. Februar 2025 mittags freigelassen habe. Die New York Times berichtete, drei israelische Beamte und zwei Vermittler hätten unter der Bedingung der Anonymität erklärt, dass die Behauptungen der Hamas hinsichtlich der ausgebliebenen Zeltlieferungen zutreffend seien.
König Abdullah II. von Jordanien wies bei einem Besuch in Washington den Vorschlag von US-Präsident Trump zurück, sein Land solle die im Gazastreifen lebenden Palästinenser aufnehmen, und erklärte, er sei nach wie vor gegen Trumps Plan, das Palästinensergebiet zu räumen, damit die Vereinigten Staaten dann die Kontrolle darüber übernehmen könnten.
13. Februar Nach widersprüchlichen Erklärungen Israels an den Vortagen hat das Land über Vermittler aus Ägypten und Katar eine Botschaft an die Hamas gesandt: Wie im Waffenstillstandsabkommen vom 15. Januar vereinbart, ist Israel nun damit einverstanden, dass am kommenden Wochenende nur drei Geiseln freigelassen werden. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte die Freilassung aller Geiseln gefordert und gedroht, andernfalls den Krieg im Gazastreifen fortzusetzen.
Laut der Hamas habe die israelische Armee (IDF) wiederholt auf Palästinenser geschossen und die Einfuhr von Fertighäusern sowie schweren Maschinen verhindert und damit gegen den laufenden Waffenstillstand verstoßen. Nach einer der New York Times vorliegenden Kopie des Abkommens sollten in der ersten Phase 60.000 Häuser und 200.000 Zelte sowie Ausrüstung zur Trümmerbeseitigung nach Gaza geliefert werden.
Nach erfolgreicher Vermittlung kündigte die Hamas an, dass die wegen Verletzung des Abkommens von israelischer Seite verweigerte Freilassung von drei israelischen Geiseln am Wochenende trotzdem stattfinden werde. Ohne Gründe anzugeben, erklärte Netanjahu Sprecher Omer Dostri, dass Israel die Einfuhr von Fertighäusern und schweren Baumaschinen in den Gazastreifen weiterhin verweigere.
Über 350 Rabbiner setzten gemeinsam mit jüdischen Kunstschaffenden und Aktivisten wie Tony Kushner, Ilana Glazer, Naomi Klein and Joaquin Phoenix eine Anzeige in die New York Times mit den Worten: „Trump hat die Entfernung aller Palästinenser aus Gaza gefordert. Jüdische Menschen sagen NEIN zur ethnischen Säuberung!“
15. Februar Die Hamas entließ drei israelische Gefangene aus der Geiselhaft, Israel ließ im Gegenzug 369 palästinensische Häftlinge frei. Von den palästinensischen Gefangenen waren 333 seit Kriegsbeginn im Gazastreifen gefangen genommen worden. 36 Gefangene, die lebenslängliche Haftstrafen absaßen, wurden ebenfalls entlassen und zum Teil sofort über Ägypten in andere arabische Länder abgeschoben; 10 wurden nach Ramallah im Westjordanland gefahren.
16. Februar US-Außenminister Marco Rubio und Israels Premier Benjamin Netanjahu erklärten bei Rubios Staatsbesuch in Israel, gemeinsam die „mutige Vision“ von US-Präsident Trump umsetzen zu wollen. Die Hamas müsse vollkommen zerschlagen werden, außerdem dürfe die Islamische Republik Iran keine Atomwaffen entwickeln. Trumps Plan mit Übernahme des Gazastreifens durch die USA und der Zwangsumsiedlung der palästinensischen Bevölkerung stieß bei allen Staaten der Region und der EU auf Ablehnung.
22. Februar Die Hamas ließ weitere sechs israelische Geiseln frei. Israel verschob die Freilassung 620 palästinensischer Häftlinge als Protest gegen wiederholte propagandistische Inszenierungen der Freilassung israelischer Geiseln.
23. Februar Israel schickte zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren Panzer nach Dschenin im Westjordanland. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, dass die Truppen „für das kommende Jahr“ in den städtischen Krisenherden des Gebiets bleiben würden. Etwa 40.000 Menschen, die durch die Kämpfe vertrieben worden waren, war dadurch die Rückkehr in ihre Häuser verwehrt. Die israelischen Streitkräfte erklärten, die Maßnahmen dienten der Terrorbekämpfung.
25. Februar Israelische Kampfflugzeuge flogen mehrere Luftangriffe auf militärische Ziele in der Nähe von Damaskus und im Süden Syriens. Israel warnte die syrische Armee davor, in Regionen südlich der syrischen Hauptstadt vorzudringen.
27. Februar Die Hamas übergab die Leichen von vier israelischen Geiseln; Israel ließ über 600 palästinensische Gefangene frei, die gemäß dem ursprünglichen Zeitplan schon einige Tage zuvor hätten freigelassen werden sollen. Die israelische Regierung hatte die Übergabe der Gefangenen verschoben, um gegen die von der Hamas veranstalteten Propaganda-Veranstaltungen zur Übergabe der Geiseln und der sterblichen Überreste der in Gefangenschaft getöteten Israelis zu protestieren.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, er habe eine Delegation zu Gesprächen über die Fortsetzung der Waffenruhe im Gazastreifen nach Ägypten entsandt, zwei Tage vor Ablauf der ersten vereinbarten Phase der Waffenruhe.
März 2025 5. März Die US-Regierung bestätigte, sie führe direkte Gespräche mit der Hamas. Dies stellte eine Abkehr von der langjährigen Praxis der USA dar, nicht mit Gruppen zu verhandeln, die sie als Terroristen einstufen.
8. März Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien sprachen sich in einer gemeinsamen Erklärung für einen von den Ländern der Arabischen Liga entwickelten Plan zum Wiederaufbau des Gazastreifens aus. Nötig sei dabei ein solider, sowohl für Israel als auch die Palästinenser akzeptabler Rahmen. Die Hamas dürfe demnach weder Gaza regieren noch eine Bedrohung für Israel darstellen; stattdessen unterstütze man eine „zentrale Rolle“ der Palästinensischen Autonomiebehörde. Der arabische Plan entstand als Alternative zu dem Plan von US-Präsident Donald Trump, den Gazastreifen unter US-Kontrolle zu bringen und neu aufzubauen. Nach Trumps Vorstellungen sollten die dort lebenden Palästinenser Gaza verlassen und nach Ägypten und Jordanien umgesiedelt werden.
9. März Israel stoppte Stromlieferungen in den Gazastreifen; die Einfuhr von Hilfsgütern war schon eine Woche zuvor bei Ablauf der ersten Phase der Waffenruhe unterbunden worden.
13. März