Ber Warzager, auch Sajnwel Ber Warzager,Laut Sterbeurkunde 1596/1985 Standesamt Köln, Auskunft des Historischen Archivs der Stadt Köln vom 28. April 2025 Zajnwel Ber Warzager, Bernard Warzager oder Beniek Warzager (* 18. September 1912 in Tomaszów Mazowiecki bei Łódź; † 19. Februar 1985(maschinenschriftlicher Redetext) Ansprache zur Eröffnung der Gedächtnis-Ausstellung Ber Warzanger in der Synagoge Wittlich am 19. September 19861988 oft falsch überliefert. Dieses Jahr kann nicht stimmen, da Warzager am 1. März 1986 laut Text (maschinenschriftlich) von Dr. Karl-Heinz van Kaldenkerken (Bonn) zur Eröffnung der Sonderausstellung im Rheintor Andernach im vergangenen Jahr verstorben war. in Köln)Laut Sterbeurkunde 1596/1985 Standesamt Köln, Auskunft des Historischen Archivs der Stadt Köln vom 28. April 2025, war ein deutsch-israelisch-polnischer Bildender Künstler (Malereien, Zeichnungen, Aquarelle, Lithographien, Filmplakate und Illustrationen) und Überlebender des Holocaust, der im KZ Buchenwald durch US-amerikanische Truppen befreit wurde. Sein Stil, geprägt von seinen leidvollen Erfahrungen im Konzentrationslager, kann als expressionistisch bezeichnet werden. In seiner Zeit in Israel war er ein Vertreter des Informel, der formlosen Kunst.

Leben und Werdegang Warzager stammt aus einer altjüdischen Künstlerfamilie; sein Großvater Szmul Hersz Warzager war Maler in Tomaszów, von Deutschland her ausgewandert, um in einer Zarenresidenz Wandbilder zu malen. Sein Vater war der Betriebsbuchhalter Rywen Warzager, der mit seiner Frau Szajndla Fajga, geborene Gelbart, die aus Polen nach Deutschland auswanderten. Seine Nichte war Myriam Rozenblum (1936–2008), eine französische Künstlerin, die überwiegend jüdische Motive malte. Sie war die Tochter von Chaim Fogiel und Zysla Frymeta Warzager, der älteren Schwester von Ber Warzager.WorthPoint Fine Art: Ber Warzager Jewish/poland/israel/german listed Artist - ink drawing signed, abgerufen am 1. Mai 2025 Ber Warzager war seit dem 29. Juni 1981 mit Katharina Polik, geborene Klünter (*16.06.1937) verheiratet.Digitales Historisches Archiv Köln: A 9 - Ausweise, Dokumente - 1912-1959 - hier Familienbuch, abgerufen am 22. Dezember 2025Laut Heiratsurkunde Nr. 2749/1981 Standesamt Köln, Auskunft des Historischen Archivs der Stadt Köln vom 28. April 2025

Warzagers künstlerisches Talent wurde von dem US-amerikanischen Maler Jennings Tofel (ursprünglich Idel Taflewicz, 1891–1959) erkannt, der 1929 die Familie in Tomaszów besuchte. Nach Abschluss des Gymnasiums studierte er von 1936 bis 1938 an der Akademie der Bildenden Künste Warschau. Er wurde dann zur polnischen Armee einberufen. Bald nach dem Überfall auf Polen wurde er in Tomaszów Mazowiecki am 13. September 1939 vom deutschen Sicherheitsdienst bei einer Razzia im Haus seiner Eltern verhaftet. Nach zwei Gefängnisaufenthalten wurde er in das „Kleine Lager“ des Konzentrationslagers Buchenwald deportiert; einer improvisierten Quarantänezone am nördlichen Rand des Lagers, die 1940 aufgelöst wurde.Gedenkstätte Buchenwald: Kleines Lager, abgerufen am 3. Mai 2025 Warzager gab 1983 an, dass er extrem entkräftet und abgemagert dank des Häftlingskrankenpflegers Walter Krämer in den Häftlingskrankenbau kam und dort von diesem medizinisch versorgt wurde, was ihm das Leben rettete.Ber Warzager: Was ich Walter Krämer zu verdanken habe. In: Bodo Ritscher: Arzt für die Häftlinge. Aus dem Leben Walter Krämers. Weimar-Buchenwald 1988, S. 82Kreis Siegen-Wittgenstein: Walter Krämer. Dokumentation des Kreisarchivs Siegen-Wittgenstein, abgerufen am 29. November 2025 In Buchenwald war er zwei Jahre in einer Straf- oder Todeskompanie und wurde dreimal zum Tode verurteilt.N.N.: Ansprache zur Eröffnung der Gedächtnis-Ausstellung Ber Warzanger in der Synagoge Wittlich am 19. September 1986 Bis zur Befreiung des Konzentrationslagers im April 1945 blieb er in Buchenwald.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Warzager 1945/46 von britischen Truppen als unerwünschter Israel-Emigrant in Staumühle bei Paderborn interniert.Galerie Wesseling: Einladungskarte zur Eröffnung der Ausstellung Ber Warzager. Meine Bilder sind Hoffnung vom 11. Oktober bis 2. November 1996 Seine Ausbildung setzte er in den Jahren 1946/47 an der Accademia di Belle Arti di Brera (Akademie der Schönen Künste Brera) in Mailand fort. 1948 emigrierte er nach Israel. In diesem Jahr nahm er freiwillig an den Kämpfen für den Staat Israel teil und arbeitete zehn Jahre in dem Kibbuz Kwuzat Ramat David. Warzager war Mitbegründer des Museums für Moderne Kunst in Haifa und dort ab 1948 auch als Assistent, Restaurator und Kunstführer tätig. In Israel wirkte er vor allem als ein Vertreter der formlosen Kunst, des Informel. 1958 emigrierte Warzager nach Deutschland und ließ sich in Köln mit Atelier und Wohnung in der Beethovenstraße in der Innenstadt nieder. Zuletzt lebte er im Balsaminenweg 16 in Köln-Seeberg, wo er am 19. Februar 1985 im Alter von 72 Jahren starb.Auskunft des Historischen Archivs der Stadt Köln vom 28. April 2025 Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof in Köln-Chorweiler.Laut Sterbesammelakte, Auskunft des Historischen Archivs der Stadt Köln vom 28. April 2025 Seine Grabstätte ist nicht erhalten geblieben.Laut Auskunft vom 5. Juni 2025 - Amt für Landschaftspflege und Grünflächen der Stadt Köln auf meine Anfrage.

Werk

Warzager begann mit Akt- und Porträtmalerei und widmete sich später der meditativen Malerei.Aachener Zeitung Aachen vom 27. Februar 2025: Von kunstvoll getropften Bildern und einem Astronauten aus Mergel-Gestein, von Sabine Rother, abgerufen am 1. Mai 2025 Zu seinen Themen zählen vor allem Szenen aus dem Leben der jüdischen Kleinstadtbevölkerung (Schtetl) im Vorkriegspolen. In seinen abstrahierenden Tuschezeichnungen widmete er sich oft jüdischen alttestamentlichen Geschichten; in seiner Zeit in Israel dann vor allem dem Informel. Warzager empfand seine Werke als meditative Malerei. Bekanntheit erlangte er auch durch Filmplakate und expressionistisch anmutende Gemälde, Plakate"Liebe, Glück und Zores", Liederabend mit Pavel Fieber, abgerufen am 1. Mai 2025 sowie Illustrationen für jüdische Publikationen. So illustrierte er Werke des chassidischen und kabbalistischen Rabbiners und Publizisten Chaim Bloch (1881–1973). Darüber hinaus verfasste er zahlreiche Aphorismen.

Warzager wurde 1958 in Köln zum künstlerischen Beirat am Neuaufbau der Synagoge in der Kölner Roonstrasse berufen und war an seiner architektonischen Gestaltung unter der Leitung des Kölner Architekten Helmut Goldschmidt beteiligt (Kunstglaserei Lammers & Warzager).Morus Akademie Bensberg: Aus dem Verborgenen ins Licht. Weltreligionen und ihre bauliche Präsenz in Köln, von Andreas Baumerich, abgerufen am 1. Mai 2025 Hier finden sich zahlreiche von ihm entworfene expressive Glasmalereien, etwa an der Westfassade als Maßwerkrose, im Treppenhaus, im Besprechungsraum und in der Garderobe; alle entstanden um 1960.Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.V.: Köln, Jüdische Synagoge, abgerufen am 1. Mai 2025Köln der 50er Jahre erleben, erinnern, Spuren verfolgen, abgerufen am 1. Mai 2025 Warzager war ferner an der Ausgestaltung der Bamberger Synagoge beteiligt und hat sich mit Kunst am Bau beschäftigt. So gestaltete er mit seinem Gemälde "Kosmos" die Sonderschule in Viersen.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Verzeichnungseinheit Kreisarchiv Viersen I 6 / Viersen ab 1970, Nr. 3310: Sonderschule Viersen - Baukosten

2002 erwarb das Rheinische Landesmuseum in Bonn 15 Bilder und Zeichnungen Warzagers aus den 30er-Jahren, die Eindrücke von Krieg, Verfolgung und Deportation verarbeiten.taz vom 5. September 2002: in kürze. Kunsteinkauf Warzager in Bonn (dpa), abgerufen am 25. Juni 2026

Warzagers Werke wurden in zahlreichen europäischen und israelischen Städten, darunter Antwerpen, Berlin, Bonn, Haifa und Safed in Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert. 1987 wurde anlässlich seines 75. Geburtstages sein zeichnerisches Schaffen zum ersten Mal der Öffentlichkeit in einer Doppelausstellung in der Synagoge in Stommeln vorgestellt. Einige seiner Bilder befinden sich im Kölner Museum Ludwig (Erinnerung, 1960; Andacht, 1963; Zweisamkeit), in der Kölner Artothekartothek. Raum für junge Kunst, abgerufen am 1. Mai 2025Bildindex der Kunst & Architektur, abgerufen am 1. Mai 2025, im LVR-Landesmuseum BonnGeneral-Anzeiger Kultur & Medien vom 12. September 2002: Ergreifende Dokumente aus der Gefangenschaft. Bilder des Künstlers Ber Warzager für das Rheinische Landesmuseum Bonn, abgerufen am 1. Mai 2025 oder im Jüdischen Museum Berlin.Jüdisches Museum Berlin: Tätigkeitsbericht 2019 2020, Seite 48, abgerufen am 25. November 2025 Auch im Bestand des NS-Dokumentationszentrums Köln und im Historischen Archiv der Stadt Köln befinden sich zahlreiche seiner Arbeiten.NS-Dok: Artist meets Archive #3 Pablo Lerma: The Opening. An institution, a depot, the boxes, 12. Mai bis 18. Juni 2023, abgerufen am 1. Mai 2025 Archivalien und Dokumente befinden sich etwa im Kölner Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung.Archivportal-D: HR Reden Ausstellungseröffnungen 1958-1974, abgerufen am 4. Dezember 2025

Zitate von Ber Warzager

So Ber Warzager über sich selbst, zitiert von Karl-Heinz van Kaldenkerken (Bonn) am 1. März 1986 zur Eröffnung der Sonderausstellung seiner Werke im Rheintor Andernach.Text (maschinenschriftlich) der Rede am 1. März 1986 von Dr. Karl-Heinz van Kaldenkerken (Bonn) zur Eröffnung der 20. Sonderausstellung Kunst im Rheintor in Andernach

Einzelausstellungen Neben zahlreichen Gruppenausstellungen wurden Warzagers Werke in vielen Einzelausstellungen, vor allem in europäischen Ländern, in Deutschland und in Israel präsentiert.Ber Warzager. Ausstellungskatalog [undatiert]. Druckerei W. Frings Köln

Publikationen Warzager illustrierte zahlreiche Publikationen jüdischer Autoren:

Chajim Bloch (Hrsg.): Chassidische Geschichten und Legenden. Mit einem Vorwort von Salcia Landmann und Illustrationen von Ber Warzager. Fourier, Wiesbaden 1996, 2. Auflage 2006, ISBN 3-925037-85-3 und Diederichs Verlag, München 1990, ISBN 978-3-424-01018-3. Chajim Bloch (Hrsg.): Aus Mirjams Brunnen. Chassidische Erzählungen und Legenden. Mit Illustrationen von Ber Warzager. Eingeleitet und durchgesehen von Salcia Landmann. Melzer, Darmstadt 1966, 2. Auflage 1970.

Ausstellungskataloge – in chronologischer Abfolge –

Ber Warzager. Frings, Köln um 1990. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (Hrsg.): Suchet der Stadt Bestes (Jeremia 29). Brüderlichkeit in der modernen Gesellschaft. Woche der Brüderlichkeit 1987, Jahresthema Ausstellung im Haus Seel, Siegen unter der Schirmherrschaft von Landrat Walter Nienhagen; mit Werken von Ber Warzager, Shraga Weil, David Sharir. Selbstverlag, Siegen 1987. Kunst im Rheintor. Meine Bilder sind Hoffnungen. Ber Warzager (1912-1985). Malerei und Grafik. Kleines Rheintor Andernach, 1. März – 9. März 1986. Bodo Ritscher: Ber Warzager. Malerei, Grafik, Galerie im Cranachhaus Weimar, 9. April – 10. Mai 1985. Weimar 1985. Karl-Heinz Plitek, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Münster (Hrsg.): Ber Warzager. Münster 1980. Ber Warzager. Bilder ohne Titel; Allianz-Haus Köln 9. Oktober - 7. November 1980. Köln 1980. Ber Warzager. Gemälde 3. November - 31. Dezember 1977, Rheinhausen. o. O. 1977. Ber Warzager. Aus der Tiefe des Lebens. Ölbilder und Zeichnungen; Ausstellung im Allianz-Haus Köln vom 6. November bis 5. Dezember 1975. Köln 1975. Heinz Adam (Hrsg.): Ber Warzager. Städtische Galerie, Haus Seel, Siegen; 2. März – 23. März 1975 (= Ausstellungskataloge des Deutschen Klingenmuseums Band 41). Vorländer, Siegen 1975. Ber Warzager. Städtische Kunsthalle Düsseldorf. Düsseldorf 1973. Konrad Schilling und Waldemar R. Röhrbein: Ber Warzager. Gemälde und Zeichnung. Städtisches Museum Göttingen; 12. März – 23. April 1972. Städtisches Museum Göttingen. Göttingen 1972.