Hans Heinz Lehmann (* 13. August 1907 in Rixdorf, heute in Berlin; † 6. Juni 1985 in Tübingen) war ein deutscher Historiker und Anglist.Gunta Haenicke, Thomas Finkenstaedt: Anglistenlexikon 1825–1990 (= Augsburger I-+I-Schriften. Bd. 64). Augsburg 1992, ISBN 3-923549-46-6, S. 188–189.

Leben und Wirken Nach seiner Reifeprüfung 1925 am Kaiser-Friedrich-Realgymnasium Neukölln studierte Heinz Lehmann Anglistik, Geschichte und Staatswissenschaften an der Universität Berlin, der Universität Bonn und am King’s College London. Studienreisen führten ihn nach England, Kanada und in die Vereinigten Staaten von Amerika. 1931 wurde er bei Fritz Hartung an der Universität Berlin mit der Dissertation Zur Geschichte der Deutschen in Kanada zum Dr. phil. promoviert. Außerdem legte er das erste und zweite Staatsexamen für das Lehramt an höheren Schulen ab. In Kanada führte er weitere Forschungsarbeiten durch, arbeitete als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Hamburg, Gymnasiallehrer in Berlin und Lehrbeauftragter. Lehmann trat zum 1. April 1933 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.596.655),Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/25210113 seit 1935 war er Mitglied im NSLB und NSV und seit 1936 im NSDDB.

1938 habilitierte er sich bei Paul Meißner an der Universität Breslau und wurde im April 1940 zum Dozenten für Volks- und Landeskunde Großbritanniens in der Auslandswissenschaftlichen Fakultät der Universität Berlin ernannt. Bereits seit 1936 hatte er einen gleichlautenden Lehrauftrag an der Auslands-Hochschule Berlin (dem früheren Seminar für Orientalische Sprachen) innegehabt, die 1940 in die Universität Berlin integriert wurde. Im Februar 1942 erhielt er dort eine beamtete außerordentliche Professur für Volks- und Landeskunde Großbritanniens und des Britischen Weltreichs.Bundesarchiv Berlin, R 4901/13270; Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, Personal- und Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 1944/45, S. 49.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Lehmann nach Übernahme von Verwaltungsämtern (etwa als Sparkommissar von Württemberg-Hohenzollern und anschließend als Sekretär der Westdeutschen Kultusministerkonferenz) von 1946 bis 1948 in Württemberg, von 1949 bis 1970 in Reutlingen und Tübingen im höheren Schuldienst tätig. Im Spruchkammerverfahren wurde er 1948 in Tübingen als Mitläufer eingestuft. Von 1952 bis 1958 versah er einen Lehrauftrag an der Eberhard Karls Universität Tübingen und von 1954 bis 1956 war er Geschäftsführer der Deutsch-Indischen Studiengesellschaft.

In seinen Veröffentlichungen hat sich Heinz Lehmann vor allem mit den Deutschkanadiern beschäftigt.

Heinz Lehmann war evangelisch, ab 1935 mit der zum Dr. phil. promovierten Lotte Lehmann, geborene Böckholer, verheiratet und hatte zwei Kinder (Renate und Rosemarie).

Veröffentlichungen

Zur Geschichte des Deutschtums in Kanada. Bd. 1: Das Deutschtum in Ostkanada (= Schriften des Deutschen Auslands-Instituts, Reihe A. Bd. 31). Ausland u. Heimat Verl.-AG, Stuttgart 1931; zugleich Philosophische Dissertation Universität Berlin. Das evangelische Deutschtum in Kanada. In: Auslandsdeutschtum und evangelische Kirche. Jahrbuch, Jg. 1935, S. 218–252. Kanada. Volksbund für das Deutschtum im Ausland, Berlin 1936. Zur Karte des Deutschtums in den kanadischen Prärieprovinzen. In: Deutsches Archiv für Landes- und Volksforschung. Bd. 2, 1938, S. 859–866. Das Deutschtum in Westkanada (= Veröffentlichungen der Hochschule für Politik. Sachgebiet Volkstumskunde. Bd. 1). Junker u. Dünnhaupt, Berlin 1939; zugleich Habilitationsschrift Universität Breslau. Englands Spiel mit Polen. Die englisch-polnischen Beziehungen seit dem Weltkriege. Junker u. Dünnhaupt, Berlin 1940. Die britischen Dominien im Kriege. Kanada. In: Monatshefte für auswärtige Politik. Bd. 8, 1941, S. 204–213. Umfang und Grenzen der Wirtschaftskraft Kanadas. In: Zeitschrift für neusprachlichen Unterricht. Bd. 40, 1941, S. 241–249. Malaya unter britischer Herrschaft. Junker u. Dünnhaupt, Berlin 1941. Kanadas Verhältnis zu den Vereinigten Staaten. In: Zeitschrift für Politik. Bd. 32, 1942, S. 536–545. Großbritannien (= Kleine Auslandskunde. Bd. 27–28). Junker u. Dünnhaupt, Berlin 1943. Kanada und Neufundland (= Kleine Auslandskunde. Bd. 31). Junker u. Dünnhaupt, Berlin 1944. England und die deutsche Teilung. In: Günther Franz (Hrsg.): Teilung und Wiedervereinigung. Eine weltgeschichtliche Übersicht. Musterschmidt, Göttingen 1963, S. 200–209. Nehru. Baumeister des neuen Indien (= Persönlichkeit und Geschichte. Bd. 38). Musterschmidt, Zürich 1965. The German Canadians 1750–1937. Immigration, Settlement & Culture. Herausgegeben und übersetzt von Gerhard P. Bassler. Jesperson Press, St. John’s, Neufundland, 1986, ISBN 0-920502-76-8.

Literatur Lehmann, (Hans) Heinz, in: Frank-Rutger Hausmann: Anglistik und Amerikanistik im „Dritten Reich“. Frankfurt am Main: Klostermann, 2003, S. 483–485 Lehmann, Heinz. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 748.

Weblinks

Einzelnachweise

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