Der Gescher Joseph () ist eine stählerne Fachwerkbrücke über den Jordan in ʿAmir in Israel. Der Gescher Joseph ist die erste Brücke dieses Bautyps und die erste Jordanbrücke, die in Israel errichtet wurde,“”, in: Davar, 17. August 1956, S. 10; abgerufen am 30. April 2025. weshalb sie ein geschütztes Baudenkmal wurde.

Lage

Der Gescher Joseph ist die nördlichste Straßenbrücke über den eigentlichen Jordan knapp 500 Meter stromabwärts vom Zusammenfluss von Dan und Hasbani, die sich dort zum Jordan vereinigen. Die Brücke quert den Fluss im Verlauf der Lokalstraße 9779 (), die in Ost-West-Richtung Orte in der Chulaebene fünf Kilometer weiter westlich in Qirjat Schmonah an die dort verlaufende Landesstraße anbindet.

Am Ostufer des Jordans erreicht die Brücke, die etwa auf 75 Meter über dem Meeresspiegel liegt, den Kibbuz ʿAmir direkt am 86 Meter hohen Hügel Tel Ron (), darauf das Grab des beduinischen Scheichs Yusuf, an dessen Fuß (wie im Luftbild oben zu sehen) das Regionale Theater (), welches einst Kulturhaus des Regionalrats Oberes Galiläa, inzwischen aufgegeben eine offene Ruine bildet. Gegenüber vom Theater beginnt die Zufahrtsstraße, die nach gut 100 Meter nordwärts Sde Nechemja am gleichen Ufer erreicht. Am Westufer gegenüber befindet sich ein Ferienresort und davon 800 Meter weiter südlich Kfar Blum. An ihrem östlichen Ende erreicht der Kvisch 9779 den Tel Anafa auf dem Gebiet des Kibbuzes Schamir.

Namen der Brücke Die stählerne Hängebrücke, die dem heutigen Bau vorausging, war namentlich Scheich Yusuf () gewidmet, dessen Grab sich auf dem Hügel Tel Ron () am Ostufer südlich neben der Brücke befindet. Nach diesem Scheich, einem ihrer Stammväter nannten Angehörige des Beduinenstamms der Ġawarnah (), deren viele in Chalisa (, seit 1951: Qirjat Schmonah) wohnten und weite Teile der Chulasümpfe besaßen, die Brücke Ǧisr al-Šaiḫ Yūsuf (, ).

Wieder andere dieser Beduinen bewohnten die Siedlung Dawwara () zweieinhalb Kilometer östlich der Brücke, die es mit Chalisa verbindet. Die Bewohner der neuen jüdischen Orte zwischen beiden arabischen Dörfern, die sie auf Sumpfland gegründet hatten, das ihnen die Ġawarnah-Scheichs Hussein al-Yusuf und dessen Sohn Kamil BeyKamil Bey hieß mit vollständigem Namen Kamil Hussain al-Yusuf (, auch Kamil Hussein Effendi genannt). Im Arabischen Aufstand (1936–1939), seinerzeit größte Erhebung gegen eine britische Kolonialverwaltung, schloss Kamil Bey sich den paramilitärischen der Nationalen Verteidigungspartei um Fachri al-Naschaschibi (, Neffe Raghib al-Naschaschibis) an, die arabische Angriffe zu verhüten suchten, was ihm arabisch-nationalistische Ablehnung eintrug. Anfang Mai 1948 kündigte der Palmach den baldigen Einmarsch seiner Truppen an und legte Kamil Beys Stamm dringend nahe, bald Haus und Hof zu verlassen, um geordnet mit Habe zu entkommen, bevor dies in den zu erwartenden Kämpfen unmöglich sein würde. Kamil Bey bat wegen seiner guten Beziehungen zu Juden, bleiben zu dürfen, was der Palmach ablehnte. Am 11. Mai 1948 verließ der gesamte Stamm die Chulaebene gen Libanon. Nach einem Treffen mit Immanuel Friedman in Metulla im Mai 1949, der ihm mit seinen Beziehungen auch keine Rückkehrbewilligung verschaffen konnte, begab sich Kamil Bey zurück. Als Kamil Bey sich beim Grenzübertritt der Verhaftung durch einen syrischen Offizier widersetzte, erschoss dieser ihn. Vgl. Naqdimon Rogel (), תל-חי: חזית בלי עורף, Tel Aviv: , 1979, S. 258. verkauft hatten, nannten die Brücke dagegen Gescher Dawwara (). Davon abweichend gab Israels Regierungsausschuss für Ortsnamen () am 26. Dezember 1954 dieser Hängebrücke den hebräischen Namen Gescher Joseph, ohne zu benennen, wessen damit gedacht werden soll.

Es war eine beliebte Mär, dass die Brücke nach Joseph Trumpeldor benannt sei, ein Nationalheld des jüdischen Palästinas, der 1920 zwölf Kilometer weiter nördlich in einem Scharmützel in Tel Chai zu Tode kam, das Scheich Kamil Bey befohlen hatte.Josef Avidar, בדרך לצה״ל: זכרונות, Jerusalem: , 5730 / 1970, S. 141. Bei Freigabe der neuen stählernen Fachwerkbrücke am 16. August 1956 für den Verkehr benannte Verkehrsminister Mordechai Namir zwei Kibbuznikim aus ʿAmir als Namenspatrone, nämlich Jāzeps Šlimens (, 1912–1948; gefallen von Hand arabischer Angreifer als Begleiter eines Versorgungskonvois nach ʿAmir im Bürgerkrieg im MandatsgebietVgl. “”, auf: ; abgerufen am 30. April 2025.) und Józef Rozenfeld (1926–1946; in der Nacht der Brücken (, 16./17. Juni 1946), einer Palmach-Operation, bei dem Versuch, die Straßen- und Bahnbrücke über den Kesiv bei az-Zeeb zu sprengen, von britischen Wachen erschossenVgl. “”, auf: ; abgerufen am 30. April 2025.).

Geschichte Der Gescher Joseph ist der zweite Brückenbau über den Jordan an dieser Stelle, zu osmanischer Zeit umgingen die wenigen Wege im Sumpf diese Stelle weitläufig.Vgl. Gottlieb Schumacher, Karte des Ostjordanlandes, Leipzig: Hinrichs, 1913, Blatt A 1/2. Die britischen Royal Engineers bauten 1926/1927 eine Hängebrücke über den Jordan, die der Bevölkerung in der Region die Flussquerung erleichterte. Die Engineers erbauten die Brücke aus Stahlelementen aus Pionierbeständen, die aus Zeiten des Ersten Weltkriegs noch übrig geblieben waren. Im Jahre 1944 ließen die Briten die Lokalstraße 9779 befestigen und asphaltieren. Die 1956 außer Betrieb gegangene Hängebrücke wurde nach Hochwasserschäden 1961/1962 abgetragen und die Metalltrümmer als Schrott verkauft. Bilder der Hängebrücke in Gebrauch und während des Abrisses finden sich in einem Artikel von Jehuda Siw.Jehudah Siw (), (2. März 2015), auf: ʿOneg Schabbat; abgerufen am 30. April 2025.

mini|Neue Brücke 1957, unter ihr hindurch ist noch der untere Teil der benachbarten alten Hängebrücke zu erkennen Die neue Stahlbrücke entstand 1955/1956, die Konstruktion dauerte fast ein Jahr. Die Stahlelemente stammen aus der Bundesrepublik Deutschland und wurden durch die deutsche Bundesregierung bezahlt, wie im Luxemburger Abkommen 1952 vereinbart.“”, in: ʿAl haMischmar, 17. August 1956, S. 10; abgerufen am 30. April 2025. Der Bau des Gescher Joseph mit einem Kostenaufwand von 100.000 israelischen Pfund galt als einer der größten israelischen Brückenkonstruktionen seiner Zeit. Verkehrsminister Mordechai Namir übergab die Brücke am 16. August 1956 in einer Feierstunde dem Verkehr. Die neue Brücke erlangte für die Bewohner der Gegend symbolische Bedeutung und erscheint zum Beispiel im Wappen ʿAmirs. Im Jahre 2015 renovierte die Firma Qadmor () die Brücke im Auftrag der Netivei Jisraʾel.

Brücke Die Brückenkonstruktion bildet ein Strebenfachwerk mit Pfosten, das an beiden Ufern auf betonierten Widerlagern aufliegt. Die Stahlelemente aus Deutschland kamen als einzelne genietete Bauteile ins Land und im Auftrage der Abteilung Öffentlicher Arbeiten (MaʿAZ) setzten Konstrukteure der Firma Taʿassan () sie vorort am Ufer zusammen, während Bauleute von Solel Boneh () die nötigen Rampen- und Straßenarbeiten besorgten. Kräne hoben dann die fertige Stahlkonstruktion in die Lücke zwischen den Widerlagern. Die Brücke, ausgelegt für damaliges Verkehrsaufkommen, ist relativ schmal und erlaubt Fahrzeugen gemäß den Vorfahrtsregeln immer nur in eine Richtung zur Zeit zu fahren. Die daher einspurige Straßenbrücke führt die zweispurigen Lokalstraße 9779 über den Jordan. Fußgänger können die Brücke auf Trottoirs auf beiden Seiten der Brücke separat vom rollenden Verkehr passieren. An beiden Ufern überspannt die Brücke Saumpfade am Jordan, am Ostufer die Promenade Schvil ʿAmi, der ʿAmir und Sde Nechemja verbindet.

Weblinks

Einzelnachweise

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