mini|Schloss Stollberg Schloss Stollberg ist ein historischer Adelssitz in Niederösterreich, etwa 8 km südwestlich von Laaben gelegen. Das Schloss liegt auf einer Höhe von rund 600 m, zwischen dem Tal der Großen Tulln und jenem des Stössingbaches. Es ist in Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich. Bis zur Auflösung der Grundherrschaften war es Sitz der Herrschaft Stollberg.

Geschichte Mittelalter Die erste urkundliche Erwähnung des Ansitzes Stollberg datiert auf das Jahr 1279 mit Berthold Stallberger in einer Urkunde des Stiftes Lilienfeld. Zwischen 1263 und 1349, ist Wolfger der Stollberger von Judenau mehrfach bezeugt. Um 1380 befand sich die Herrschaft Stollberg im Besitz des Klosters Kleinmariazell, ehe es an den Landesfürsten überging.

Frühe Neuzeit mini|178x178px|Stammwappen der Zinzendorfer Im Jahr 1561 belehnte der Landesfürst Kaiser Ferdinand I. den Ritter Georg Hasendörfer mit dem Gut. Im selben Jahr erhielt er weitere Lehen bei Anzbach. Kurz darauf erwarb der kaiserliche Hofdiener Leopold Khainacher das Anwesen, er wurde 1571 in den Ritterstand erhoben und verlegte seinen Wohnsitz nach Raipoltenbach.

Johann Ferdinand Graf von Zinzendorf und Pottendorf (1628–1686) wird im Jahr 1656 als Besitzer genannt. Er war Regierungsrat und Diplomat. Der aus einem alten niederösterreichischen Adelsgeschlecht stammende Graf war niederösterreichischer Landmarschall und gehörte zu den Angehörigen des Hauses Zinzendorf, die 1662 in den Reichsgrafenstand erhoben wurden. In dritter Ehe war er mit Rebecca Regina Freiin Gienger von Grünbühel verheiratet. Rebecca Reginas Bruder Johann Paul Jakob Freiherr Gienger von Grünbühel wird als nachfolgender Besitzer Stollbergs genannt, das er seiner Herrschaft Jeutendorf anschloss.

Johann Paul Jakob Freiherr Gienger von Grünbühel, kaiserlicher Kämmerer und Hofkammerrat, besaß neben Stollberg unter anderem die Herrschaften Senftenegg und Jeutendorf. Letztere hatte er 1669 erworben und 1676 an Maximilian von Sala verkauft. Stollberg ging ebenfalls an die aus Oberitalien stammenden Familie von Sala über. mini|300x300px|Schloss Stollberg (1672) von Georg Matthäus Vischer Der Vischer-Stich von 1672 zeigt das Areal mit Palisadenzaun und vier bastionsartigen Eckvorsprüngen.

1683 wurde im Zuge der Zweiten Wiener Türkenbelagerung das Schloss von den Türken niedergebrannt. Stollberg wurde als einfaches Herrenhaus wieder aufgebaut. Besonders hervorzuheben ist Maximilian von Sala († 1701), niederösterreichischer Regierungskanzler und Gesandter am Reichstag in Regensburg. Er war auch Rektor der Universität Wien und gründete 1693 das Kloster Jeutendorf. In der Klamm wurde auf Gründen der Herrschaft Stollberg um 1700 eine Glashütte errichtet, wo viele Menschen bis in die 1760er Jahre gut bezahlte Arbeit fanden.

Sein Enkel Maximilian Franz von Sala wurde 1753 als niederösterreichischer Landrechtsbeisitzer mit dem Prädikat „von Sala auf Stollberg“ in den Freiherrenstand erhoben. Sein Sohn Ferdinand von Sala, der die Familienbesitzungen übernahm, setzte sich während der josephinischen Klosterreformen für den Fortbestand des Klosters in Jeutendorf ein. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gingen die Herrschaften Stollberg und Jeutendorf an die Familie Bussy-Mignot über.

19. Jahrhundert 1797 kam das Schloss an Franz Anton Maria Graf Bussy-Mignot († 1804); der aus Frankreich stammende Graf war 1792 in österreichische Militärdienste getreten, wurde 1799 zum Generalmajor befördert und 1801 mit dem Ritterkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens ausgezeichnet.

1801 erwarb Franz Edler von Strehmayer das Anwesen. Im selben Jahr war er auch Besitzer der Herrschaft Jeutendorf, die zuvor ebenso wie Stollberg dem Grafen Bussy-Mignot gehört hatte. Jeutendorf ging noch 1801 an den Wiener Juwelier Wenzel Delavos.

1805 wird Ferdinand Johann Graf von Morzin (1756–1805), k. k. Feldmarschallleutnant und Ritter des Militär-Maria-Theresien-Ordens, als Besitzer von Schloss Stollberg genannt. Der aus einer böhmischen Adelsfamilie stammende Offizier hatte sich während der Koalitionskriege gegen Frankreich ausgezeichnet und war 1802 zum Inhaber des Infanterieregiments Nr. 54 ernannt worden. Er starb am 27. Februar 1805 in Prag. Seine Ehefrau war Louise Gräfin Hrzan von Harras, mit der er eine Tochter, Eleonore, hatte. mini|280x280px|Schloss Stollberg im franziszeischen Kataster 1821 In den Jahren der Napoleonischen Kriege hatte das Schloss Stollberg eine turbulente Geschichte: 1811 übernahm der Wiener Gerichts- und Hofkriegsadvokat Dr. Joseph Edler von Manquet (um 1772–1827)Wenzel Müller und „sein“ Leopoldstädter Theater: Mit besonderer Berücksichtigung der Tagebücher Wenzel Müllers, Böhlau Verlag. die Herrschaft Stollberg. Manquet war auch mit der Abwicklung wirtschaftlicher Angelegenheiten des Wiener Leopoldstädter Theaters betraut, wo er 1825 die Funktion eines Masseverwalters übernahm. Er starb am 31. Juli 1827 in Wien.

1812 gelangte Schloss Stollberg an Johann Graf von Barth-Barthenheim (1784–1846), einen österreichischen Verwaltungsbeamten und Juristen. Er war später Hofrat der Vereinigten Hofkanzlei und verfasste mehrere grundlegende Werke zum österreichischen Verwaltungs-, Gewerbe- und Handelsrecht. Von 1811 bis 1815 besaß er außerdem Schloss Hirschstetten bei Wien. Sein älterer Bruder Adolf Ludwig war mit Maria Franziska Gräfin von Seldern verheiratet.

Um 1812/1813 befand sich die Herrschaft Stollberg vorübergehend im Besitz der gräflichen Familie Seldern. Stollberg gehörte zu den Herrschaften, die durch die Familie Toussaint für die Nachkommen des Grafen Karl Florian von Seldern (1756–1839) und seiner Ehefrau Karoline Freiin von Toussaint angekauft worden waren.Constantin von Wurzbach: Karl Florian Seldern. Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, 34. Teil, Wien 1877, S. 45.

1813 kam Stollberg an Ferdinand Wilhelm Ritter von Felsenberg. Im Jahr 1817 erhob Maria Gräfin Königsegg-Aulendorf Ansprüche.

1817 erwarb der aus Krain stammende Wiener Hof- und Gerichtsadvokat Caspar Georg Levitschnigg (1772–1824) die Herrschaft Stollberg bei einer Versteigerung. Levitschnigg hatte durch seine erfolgreiche Tätigkeit als Rechtsanwalt ein beträchtliches Vermögen erworben und besaß bereits die niederösterreichischen Herrschaften Oberstinkenbrunn und Königstetten sowie Güter in Stetten. 1818 wurde er mit dem Prädikat „von Glomberg“ in den Ritterstand erhoben. Er starb am 20. Jänner 1824 in Wien. Zu seinen Kindern gehörte der spätere Schriftsteller Heinrich Ritter von Levitschnigg (1810–1862).Constantin von Wurzbach: „Levitschnigg, Heinrich Ritter von“. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, 15. Teil, Wien 1866, S. 31–35, insbesondere S. 31–32. mini|Wappen der Fürsten von Croy

Fürsten von Croÿ 1828–1845 1828 erwarb Fürst Victor Amadeus von Croÿ († 1832), seit 1820 Besitzer des Schlosses Etscherhof in Wöllersdorf, das Schloss Stollberg. Er war Nachkomme von Anne Emmanuel 8. Herzog von Croÿ und damit Angehöriger des französischen Hochadels. Er investierte stark in die Infrastruktur des Laabentals, dass ihm seinen wirtschaftlichen Aufschwung im 19. Jahrhundert verdankt. Er ließ eine Straße über die Klammhöhe nach Hainfeld und Straßenverbindungen nach Neulengbach und Altlengbach errichten (als „fürstlich Croysche Straße“ bezeichnet). Er förderte die Zucht von Edelobst und schuf damit neue wirtschaftliche Impulse in der Region. Schloss Etscherhof wurde nach seinem Tod wegen Überschuldung versteigert und brannte 1861 nieder.

Als Erbe am Stollberg tritt 1834 sein Bruder Fürst Carl Maurice Prinz von Croÿ († 1841), der aus Frankreich stammende Prinz war Generalmajor in bayerischen Diensten. Bereits 1798 hatte er sich für die Entschädigungsansprüche gegenüber Frankreich seiner Familie eingesetzt. Er blieb unverheiratet und hatte keine Nachkommen.

Im Jahr 1836 war die Herrschaft Stollberg Obrigkeit für Häuser in 13 Ortschaften, nämlich Buchbach, Freiling, Hendelgraben, Hochgschaid, Hochstraß, Hof, Mayerhöfen, Dachsbach und Sonnleiten (heute zu Stössing), weiters Gern, Gföhl, Klamm und Stollberg (heute zu Laaben). Nach Stollberg hatten die Bewohner dieser Orte die Steuerabgaben zu leisten.

Es gab 246 Häuser mit 281 Familien, 590 Männer, 693 Frauen und 179 schulpflichtige Kinder lebten in den 13 Siedlungen. Der gesamte Viehbestand der Herrschaft zählte damals 12 Pferde, 213 Ochsen, 395 Kühe, 511 Schafe, 282 Ziegen und 286 Schweine.

1844 wird der königlich-preußische Generalleutnant Philipp Prinz von Croy (1801–1871), ein Neffe der beiden unverheirateten Vorgänger, als Eigentümer der Herrschaft Stollberg genannt, der die Güter von einem Generalinspekteur verwalten ließ. Philipp stand seit 1826 in preußischen Militärdiensten und bekleidete den Rang eines Majors; später stieg er zum Generalleutnant auf. Er war mit Johanna Wilhelmine Auguste Prinzessin zu Salm-Salm (1796–1868) verheiratet. Zu ihren Kindern gehörte Alexander Gustav August Prinz von Croÿ (1828–1887), der später Schloss Buchberg am Kamp besaß.

Grafen Bulgarini 1845–1868 Von 1845 bis 1868 war das Schloss im Besitz der Grafen Bulgarini d'Elci, einer ursprünglich italienischen Familie mit enger Verbindung zum österreichischen Hochadel. Peter Anton von Bulgarini d’Elci und sein Sohn Alfred Franz Xaver waren zentrale Persönlichkeiten in dieser Zeit.

1847/48 ist Carl Gustav Noe, Edler von Nordberg als Inhaber der Herrschaft Stollberg belegt. In diese Zeit fällt auch im Revolutionsjahr 1848 die Abschaffung der Grundherrschaften, die Herrschaft Stollberg wurde aufgelöst und die bisher untertänigen Bauern freie Eigentümer ihrer Höfe.

Familie Werthner 1868–1913 mini|166x166px|Adolf Werthner Danach gehörte das Schloss ab 1868 Adolf Werthner, dem Mitbegründer und Herausgeber der „Neuen Freien Presse“ in Wien, eine Schlüsselfigur des österreichischen Journalismus, und im Folgenden seinem Sohn August von Werthner. Er erwarb das Haus Gern Nr. 1 und baute dort eine Zementfabrik und dazugehörende Wohnhäuser. Ferner kaufte er zwei angrenzende Häuser (Hummelberg und Hirschbach) und baute eine Pferde-Eisenbahn, mit der er Steinblöcke in die von ihm errichtete Dampfsäge nach Gern führte.

Grafen Wimpffen 1913–1939 mini|348x348px|Simon Graf Wimpffen (um 1910) 1913 gelangte der Besitz an Simon Graf Wimpffen. Wimpffen hatte riesige Besitzungen in Ungarn und war Besitzer eines Kurbetriebes in Neuhaus (Gemeinde Weissenbach an der Triesting). Als 1914/15 das Kaiserliche Gestüt Radautz aus der Bukowina in Sicherheit gebracht wurde, verpachtete Wimpffen das Gut an das k. und k. Staatsgestüt.

20. Jahrhundert Mit der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg verlor Simon Graf Wimpffen seinen finanziellen Rückhalt, und seine Unternehmungen scheiterten. Nach seinem Tod übernahm sein Neffe Georg Graf Wimpffen das verschuldete Gut. Der Wiener Holzhändler Adolf Abraham Schwarz versuchte den Gutsbetrieb als Verwalter des Grafen zu sanieren, scheiterte jedoch an den enormen Schulden.

1939 wurde Prinz Rudolf Esterházy de Galántha († 1962) Schlossherr. Das Ensemble wurde zu dieser Zeit stark vernachlässigt. Im Jahr 1961 erwarben Adolf Müller und Edith Gerling das Gut Stollberg, verkauften es jedoch 1967 an die Diözese St. Pölten. In den Folgejahr wurde ab 1973 das Schloss schrittweise restauriert. Das Bistum behielt die Gründe des Gutes, das Schlossgebäude wurde verkauft. Heute befindet sich Schloss Stollberg in bürgerlichem Privatbesitz und ist bewohnt.

Architektur mini|Schloss Stollberg von Norden gesehen. Der zweigeschoßige Rechteckbau stammt im Kern aus dem späten 16. oder frühen 17. Jahrhundert. Die Südwestfront weist drei Fensterachsen auf. An den Hauptbau schließt ein hakenförmiges, zweigeschoßiges Nebengebäude an, das teilweise eingeschoßig ist. Die Gebäude tragen Walmdächer, früher mit Holzschindeln, heute mit Ziegeln gedeckt. An der Nordostseite befindet sich eine zweigeschoßige Holzveranda.