Der Angriff auf einen World-Central-Kitchen-Konvoi ereignete sich am 1. April 2024, als israelische Drohnen einen aus drei Fahrzeugen bestehenden Konvoi von World Central Kitchen im Gazastreifen angriffen und dabei sieben Mitarbeiter der Hilfsorganisation töteten. Die Helfer hatten den Transport einer Lebensmittellieferung von einem provisorischen Pier zu einem Lagerhaus im nördlichen Gazastreifen überwacht. Der Norden des Gazastreifens stand zu diesem Zeitpunkt während Kriegs in Israel und Gaza durch die israelische Invasion und Blockade am Rande einer Hungersnot. Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) bestätigten, dass ihre Drohnenpiloten innerhalb von fünf Minuten drei Raketen auf drei Fahrzeuge von World Central Kitchen abgefeuert hatten. Die Route des Konvois wurde im Vorfeld mit den IDF koordiniert. Die IDF gaben zunächst an, sie hätten mutmaßliche Hamas-Kämpfer ins Visier genommen, räumte jedoch ein, dass ihre Kommandeure deren Standort falsch bestimmt, Informationen über den Konvoi nicht ordnungsgemäß verbreitet und gegen die Einsatzregeln verstoßen hätten, indem sie alle drei Fahrzeuge nacheinander angriffen. Die Getöteten besaßen australische, britische, palästinensische, polnische und doppelte amerikanisch-kanadische Staatsbürgerschaften.
Der Angriff ereignete sich drei Tage nach einem einstimmigen Urteil des Internationalen Gerichtshofs im laufenden Verfahren zur Völkermordkonvention, in dem Israel dazu verpflichtet wurde, den ungehinderten Fluss von Hilfsgütern nach Gaza sicherzustellen.
Die IDF entließen zwei Offiziere, drei weitere wurden gerügt. Der World-Central-Kitchen-Gründer José Andrés warf Israel vor, den Konvoi vorsätzlich angegriffen zu haben. Die Gruppe argumentierte, das Militär könne selbst keine glaubwürdigen Ermittlungen durchführen und forderte eine unabhängige Untersuchung. Ein Bericht der australischen Regierung stellte zwar gravierende Versäumnisse seitens der israelischen Streitkräfte fest, unterstützte aber weitgehend die Position Israels.
Der Angriff löste weltweit breite Verurteilung aus und führte dazu, dass World Central Kitchen und andere humanitäre Organisationen ihre Operationen im Gazastreifen pausierten. Aussagen des israelischen Botschafters in Polen zu dem Vorfall sorgten für einen diplomatischen Streit zwischen den beiden Ländern.
Hintergrund Im Oktober 2023 startete Israel als Reaktion auf den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober seine Invasion des Gazastreifens. Seit Beginn der Invasion hat sich eine schwere humanitäre Krise entwickelt. Das Gesundheitswesen ist zusammengebrochen und aufgrund der israelischen Blockade des Gazastreifens herrscht ein Mangel an Nahrungsmitteln, sauberem Wasser, Medikamenten und Treibstoff. Humanitäre Hilfe wurde nur begrenzt über die von Israel kontrollierten Kontrollpunkte in den Gazastreifen gelassen werden, was die Krise verschärft hat.
Die Drohnenangriffe ereigneten sich einige Stunden, nachdem die Hilfsorganisation World Central Kitchen, die nach dem 7. Oktober auch in Israel Lebensmittel verteilt hatte, eine Schiffsladung mit 100 Tonnen Lebensmitteln von Zypern in den nördlichen Gazastreifen gebracht hatte.
Im März 2024 warnten Experten wie der UN-Sonderberichterstatter zum Recht auf Nahrung, dass in Gaza möglicherweise bereits eine Hungersnot herrscht. Jeremy Konyndyk, Präsident von Refugees International, erklärte, dass es bald zu „Hungersterblichkeit in großem Ausmaß“ kommen werde. Die hohe Zahl ziviler Opfer führte zu Vorwürfen wegen Kriegsverbrechen gegen Israel. Es gab eine Reihe von Berichten über Angriffe auf zivile humanitäre Helfer. Mehr als 173 UNRWA-Mitarbeiter wurden während des Gaza-Krieges von israelischen Streitkräften getötet.
Israelische Politiker haben sich gegen die Verteilung von Hilfsgütern im Gazastreifen ausgesprochen. Giora Eiland, ein pensionierter Generalmajor, schrieb: „Um die Belagerung wirksam zu machen, müssen wir andere daran hindern, im Gazastreifen zu helfen.“ Seine Worte wurden von der südafrikanischen Delegation vor dem IGH zitiert.
Drei Tage vor dem Angriff hatte der IGH als Reaktion auf einen zweiten südafrikanischen Antrag auf zusätzliche einstweilige Maßnahmen im laufenden Verfahren zur Völkermordkonvention einstimmig entschieden, dass Israel den ungehinderten Fluss von Hilfsgütern nach Gaza ermöglichen und unverzüglich handeln müsse, um die „Bereitstellung ... dringend benötigter Grundversorgung und humanitärer Hilfe“ zu ermöglichen. In seinem Urteil erklärte der IGH, dass Gaza „nicht mehr nur von einer Hungersnot bedroht“ sei, sondern dass „eine Hungersnot bereits einsetzt“. UN-Beobachtern zufolge seien bereits 31 Menschen, darunter 27 Kinder, an Unterernährung und Dehydrierung gestorben.
Zwei Tage vor den Drohnenangriffen wurde ein Fahrzeug der WCK von einem israelischen Scharfschützen getroffen. Die WCK reichte daraufhin Beschwerde bei Israel ein und forderte eine Garantie für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter.
Verlauf Am 1. April 2024 wurden durch gezielte israelische Drohnenangriffe sieben Mitarbeiter der Hilfsorganisation World Central Kitchen getötet, die in drei Fahrzeugen im Gazastreifen unterwegs waren. Sky News schätzte, dass die Angriffe zwischen 22:30 und 23:00 Uhr stattfanden. Da die Wrackteile der Autos etwa 2,5 Kilometer voneinander entfernt lagen, deutete dies laut Washington Post darauf hin, dass ein Teil der Fahrzeuge nach Beginn des Angriffs weiterfahren konnten, und die Financial Times kam zu dem Schluss, dass die Autos „separat getroffen“ wurden.
World Central Kitchen sagte, es habe die Bewegungen des Konvois mit den israelischen Streitkräften koordiniert. Der Angriff habe stattgefunden, obwohl Logos der Organisation an den Fahrzeugen angebracht waren und es sich um mit den israelischen Streitkräften „koordinierte Bewegungen“ in einer „konfliktbefreiten Zone“ gehandelt habe.
Haaretz beschrieb unter Berufung auf israelische Verteidigungsquellen, dass, nachdem eine Drohnenrakete ein World-Central-Kitchen-Fahrzeug getroffen hatte, einige Passagiere dieses Fahrzeugs in ein anderes World-Central-Kitchen-Fahrzeug umgestiegen seien, das „weiterfuhr und sogar die Verantwortlichen benachrichtigte, dass sie angegriffen worden seien. Doch Sekunden später“ wurde auch dieses Fahrzeug von einer Drohnenrakete getroffen; schließlich nahm das dritte Fahrzeug einige der Verletzten aus dem zweiten Fahrzeug auf, dann traf eine dritte Drohnenrakete auch das dritte Fahrzeug.
Opfer Sieben Menschen wurden getötet. Die Toten wurden vom Palästinensischen Roten Halbmond geborgen und in das Schuhada-al-Aqsa-Krankenhaus in Deir al-Balah gebracht. Die Leichen der ausländischen Opfer wurden über das Abu Yousef al-Najjar-Krankenhaus im südlichen Gazastreifen nach Ägypten evakuiert.
Unter den sieben Hilfskräften von World Central Kitchen befanden sich britische, australische, polnische und palästinensische Staatsbürger sowie Personen mit doppelter amerikanisch-kanadischer Staatsangehörigkeit. Die drei britischen Opfer arbeiteten für die Sicherheitsfirma Solace Global aus Poole, England.
Bei den Getöteten handelte es sich um:
Saif Abu Taha (Saifeddin Issam Ayad Abutaha), ein 25-jähriger Palästinenser, der seit Jahresbeginn als Fahrer für World Central Kitchen gearbeitet hatte. Damian Soból, ein 35-jähriger Pole aus Przemyśl. Soból arbeitete seit 2022 für World Central Kitchen und beteiligte sich in der Ukraine an Hilfsmaßnahmen nach dem russischen Überfall. Nach dem Erdbeben in der Türkei und Syrien reiste er im Februar 2023 nach Elbistan in der Türkei. Im September 2023 half er Erdbebenopfern in Marokko. Bevor er in den Gazastreifen einreiste, war er an Flüchtlingshilfe für Menschen aus Gaza in Ägypten beteiligt. Lalzawmi „Zomi“ Frankcom, eine 43-jährige australische Staatsbürgerin. James Henderson, ein 33-jähriger britischer Staatsbürger, der bei den Royal Marines gedient hatte und als privater Sicherheitsdienstleister für Solace Global tätig war. John Antony Chapman, ein 57-jähriger britischer Staatsbürger, der bei den Royal Marines gedient hatte und als privater Sicherheitsdienstleister für Solace Global tätig war. James Kirby, ein 47-jähriger britischer Staatsbürger. Er war ein ehemaliger Soldat und ein privater Sicherheitsdienstleister für Solace Global. Jacob Flickinger, ein 33-Jähriger mit doppelter kanadisch-amerikanischer Staatsbürger aus Quebec. Er war ein ehemaliger Soldat der Kanadischen Streitkräfte.
Reaktionen World Central Kitchen mini|José Andrés, Gründer von World Central Kitchen (2022)
José Andrés, der Gründer der Hilfsorganisation World Central Kitchen, schrieb in einem Beitrag auf X: „Ich bin untröstlich und trauere um ihre Familien und Freunde und unsere ganze WCK-Familie. Das sind Menschen … Engel … mit denen ich in der Ukraine, im Gazastreifen, in der Türkei, in Marokko, auf den Bahamas und in Indonesien gedient habe. Sie sind nicht gesichtslos … sie sind nicht namenlos.“ Er forderte Israel auf, mit dem „wahllosen Töten“ aufzuhören. Außerdem müsse es „aufhören, humanitäre Hilfe einzuschränken, Zivilisten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zu töten und aufhören, Lebensmittel als Waffe einzusetzen“.
In einer separaten Stellungnahme sagte Andrés: „Die Luftangriffe auf unseren Konvoi waren nicht nur ein unglücklicher Fehler im Nebel des Krieges. Es war ein direkter Angriff auf deutlich gekennzeichnete Fahrzeuge, deren Bewegungen den israelischen Streitkräften bekannt waren.“ Andrés beschuldigte in einer weiteren Stellungnahme die IDF, systematisch und gezielt Hilfskräfte angegriffen zu haben, um alle im Konvoi befindlichen Personen zu töten. Er forderte, dass eine neutrale Stelle die Untersuchung durchführen solle.
World-Central-Kitchen-Geschäftsführerin Erin Gore sagte: „Dies ist nicht nur ein Angriff auf WCK, sondern ein Angriff auf humanitäre Organisationen, die in den schlimmsten Situationen tätig werden, in denen Lebensmittel als Kriegswaffe eingesetzt werden. Das ist unverzeihlich.“
Familien der Opfer Die Familie von Zomi Frankcom äußerte gegenüber The Sydney Morning Herald ihre Forderung nach einer Untersuchung und Anklage wegen Kriegsverbrechen gegen die Verantwortlichen. Die Eltern von Jacob Flickinger bezeichneten seinen Tod als „Verbrechen“, wiesen die Entschuldigung Israels zurück, forderten eine unabhängige Untersuchung und forderten, dass die USA ihre Militärhilfe für Israel einstellten, solange das Land „Lebensmittel als Waffe“ einsetze. James Hendersons Bruder bezeichnete die Tötung von Menschen im Rahmen einer humanitären Mission als „unentschuldbar“. „Verantwortung ist meine einzige Hoffnung auf Gerechtigkeit“, sagte er. „Ich glaube nicht, dass unsere Regierung die richtigen Leute zur Rechenschaft ziehen wird, aber ich garantiere, dass unsere Regierung Waffen an Israel verkaufen wird, die wiederum zum Töten unserer Mitbürger eingesetzt werden könnten. Das ist schwer zu begreifen.“
Israel Eine israelische Militärquelle erklärte gegenüber dem Armeeradio, der Angriff sei „der schlimmste gewesen, den Israel im Krieg erlebt hat“. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete den Angriff als einen „tragischen Vorfall“, bei dem die israelischen Streitkräfte unabsichtlich unschuldige Menschen getroffen hätten. Die IDF erklärten, sie würden „auf höchster Ebene eine gründliche Untersuchung durchführen, um die Umstände dieses tragischen Vorfalls zu verstehen“. Die IDF übernahmen schließlich die Verantwortung und entschuldigten sich mit der Begründung, der israelische Angriff sei „ein Fehler gewesen, der auf eine falsche Identifizierung in der Nacht zurückzuführen war“.
Hamas