Das Taunus-Observatorium ist ein Gelände auf dem Kleinen Feldberg im Taunus, auf dem sich verschiedene Forschungseinrichtungen auf den Gebieten der Meteorologie, Geophysik, Seismologie sowie Astronomie befinden. Das Taunus-Observatorium wurde ab 1911 durch den Physikalischen Verein errichtet. Bei der Eröffnung des Observatoriums befand sich hier eine Erdbebenwarte, es wurden meteorologische Daten gesammelt und aerologische Beobachtungen bei Drachen- und Ballonaufstiegen durchgeführt. Im Ersten sowie Zweiten Weltkrieg diente das Observatorium auch militärischen Zwecken.

Nach Gründung der Goethe-Universität 1914 ging die wissenschaftliche Arbeit des Taunus-Observatoriums vom Physikalischen Verein an die Universität über. Das Gelände wurde hingegen vorerst weiterhin durch den Physikalischen Verein verwaltet. Während die Erdbebenwarte erneuert wurde und neue meteorologische Messstationen hinzukamen, verloren die anderen Forschungsgebiete auf dem Taunus-Observatorium nach und nach an Relevanz. Auch heute befinden sich auf dem Taunus-Observatorium Forschungseinrichtungen und Messstationen verschiedener Betreiber. Hier befindet sich seit 1998 außerdem die Hans-Ludwig-Neumann-Sternwarte.

Das Taunus-Observatorium umfasst eine Fläche von 10,5 Hektar. Das umzäunte Gelände ist nicht öffentlich zugänglich und gehört heute der Goethe-Universität. Mehrere Gebäude des Taunus-Observatoriums stehen heute unter Denkmalschutz. Zum Observatorium führt von der Landstraße der Franz-Linke-Weg, rund um das Gelände als Wanderweg der Beno-Gutenberg-Weg.

Geschichte Vor der Gründung Der Physikalische Verein hatte in Frankfurt seit 1826 meteorologische Daten gesammelt und in Zeitschriften sowie durch Aushänge daraus entstandene Wetterberichte veröffentlicht. 1853 wurde die Messstation des Physikalischen Vereins in das Beobachtungsnetz des Königlich Preußischen Statistischen Bureaus aufgenommen. Die Messungen wurden nun vergleichbar mit geeichten Geräten durchgeführt.

Auch im Taunus wurden schon kurz nach Gründung des Vereins meteorologische Daten gesammelt. Am 15. Januar 1827 wurden europaweit Wetterbeobachtungen durchgeführt, angeregt durch David Brewster. Auf dem Großen Feldberg wurde dafür eine kleine Hütte errichtet. Aufgrund eines schweren Sturms konnten an diesem Tag nur drei Messungen von Temperatur, Luftdruck und Windrichtung genommen werden. Der Verein wiederholte diese Messungen in den kommenden Jahren jedoch mehrfach. Eine eigene Wetterstation Zweiter Ordnung erhielt der Große Feldberg als der Taunusklub unter Leitung des Physikalischen Vereins eine solche 1904 einrichtete. Finanziert wurde diese Station durch ein Vermächtnis des kurz zuvor verstorbenen Julius Ziegler. Er hatte die ehrenamtliche Wetterbeobachtungen des Physikalischen Vereins bis zu seinem Tod durchgeführt.

Da nach dem Tod des engagierten Mitglieds Ziegler die Beobachtungen nicht mehr ehrenamtlich zu leisten waren, entschied sich der Physikalische Verein 1906 eine eigene meteorologische Abteilung zu gründen. Als dessen Leiter wurde Kurt Wegener angestellt. Wegener blieb nur zwei Jahre in Frankfurt, stieß in dieser Zeit allerdings einige Modernisierungen der Frankfurter Meteorologie an: Die Wetterstation des Vereins sollte durch die Messung weiterer Parameter Station Erster Ordnung werden, es wurden außerdem Ballonfahrten und Drachenaufstiege durchgeführt. Ein eigener Ballon mit dem Namen Ziegler wurde angeschafft und für zahlreiche Experimente und Beobachtungen genutzt, aber auch andere Flüge eher sportlicher Natur wurden damit durchgeführt. Zur gleichen Zeit entstand der Norddeutsche Wetterdienst als erster länderübergreifender Wetterdienst. Die Meteorologische Abteilung des Physikalischen Verein war von nun an Teil dieses Wetterdienstes und zuständig für Wetterprognosen im Großherzogtum Hessen sowie weiteren Kreisen in Hessen-Nassau.

mini|Franz Linke bei Messungen, wahrscheinlich auf dem Großen Feldberg Nachfolger von Wegener wurde 1908 Franz Linke. Der Wetterdienst wurde unter Linke weiter ausgebaut. Hier wurden die Daten von 87 Stationen aus Deutschland gesammelt, um daraus Wetterprognosen und Wetterkarten zu erstellen, die an Zeitungen verkauft wurden. Die eigenständigen Ballonfahrten wurden unter Linke hingegen 1908 eingestellt. Der Ballon wurde dem neugegründeten Frankfurter Verein für Luftfahrt überlassen, für dessen Gründung sich Linke sowie Vereinspräsident Eugen Hartmann eingesetzt hatten.

Während der Internationalen Luftschiffahrt-Ausstellung von 1909 wurde im Verein eine aerologische Station gegründet, die Wetterkarten für Luftschiffe erstellte und vor Gewittern warnte. Die für diese aerologischen Messungen angeschafften Instrumente wurden nach Ende der Ausstellung dem Verein überlassen und bildeten den Grundstock für die Instrumente des Taunus-Observatoriums. Vor der ILA war der Verein davon ausgegangen, dass ein namhafter Überschuss erwirtschaftet werde, der dann vertraglich dem Physikalischen Verein für Errichtung eines erweiterten Instituts für Meteorologie und Geophysik zugestanden hätte. Es entstand allerdings kein Überschuss.

Trotz fehlender Mittel wurde die Abteilung für Meteorologie zu einem meteorologisch-geophysikalischen Institut ausgebaut. Aus Göttingen erhielt der Physikalische Verein einen Seismographen, dessen Standort im Vereinsgebäude in Frankfurt zwar ungünstig war, der jedoch erste geophysikalische Untersuchungen ermöglichte. Es begannen erste Verhandlungen mit dem Forst, um das Gerät auf dem Großen Feldberg aufzustellen. Bei Durchgang des Halleyschen Kometen hatte sich der Feldberg als guter Beobachtungsstandort erwiesen. Von hier wurden verschiedene Messungen der Lufteigenschaften während des Durchgangs auch mit Drachen unternommen.

Gründung des Observatoriums mini|Bauarbeiter bei Arbeiten auf dem Taunus-Observatorium Auftrieb erhielten die Verhandlungen durch eine Spende der Baronin Antonie von Reinach, geborene Bolongaro-Crevenna. Ihr Ehemann war der 1905 verstorbene Geologe Albert von Reinach gewesen, der dem meteorologischen Komitee des Vereins angehört hatte. Von Reinach finanzierte dem Verein zuerst die Errichtung einer Erdbebenwarte, stiftete später aber auch weitere Gebäude auf dem Taunus-Observatorium. Mit der Ankündigung der Spende der Baronin war zwar eine Erdbebenwarte gesichert, man machte sich allerdings zum Ziel diese um meteorologische, luftelektrische und aerologische Beobachtungen zu ergänzen. Auch die DELAG sowie der Deutsche Luftfahrer-Verband spendeten größere Summen mit der Bedingung, dass der Physikalische Verein ihnen meteorologische Forschungsergebnisse und Berichte zur Verfügung stelle. Zu den finanziellen Unterstützern zählte ferner Ferdinand von Zeppelin.

Hatte sich der Große Feldberg in der Vergangenheit als Beobachtungsstandort bewährt, entschied sich Eugen Hartmann 1910 doch für ein Observatorium auf dem Kleinen Feldberg. Die bestehende Bebauung und zukünftig unvorhersehbare touristische Nutzung des Großen Feldbergs sprachen für einen abgelegeneren Berg. Auch der auf dem Großen Feldberg vorhandene Turm erschien für Ballon- und Drachenaufstiege als Hindernis. Der Physikalische Verein pachtete daher vom Forst die Kuppe des Kleinen Feldbergs mit einer Fläche von 10,5 Hektar. Schon im Frühjahr 1911 wurde der Gipfel des Kleinen Feldbergs großflächig gerodet, alle Bäume im Umkreis von 90 Meter um die Bergspitze herum wurden gefällt, im Sommer konnte mit Bau des Verwalterhauses sowie der Erdbebenwarte begonnen werden. Außerdem wurden ein Zaun und eine befestigte Straße angelegt. Am 1. September 1912 begannen die regelmäßigen meteorologischen Beobachtungen. Inzwischen waren zwei Mitarbeiter des meteorologisch-geophysikalischen Instituts in das Verwaltergebäude des Observatoriums gezogen.

mini|Anteilschein des Feldberg-Observatoriums Zusätzlich zu größeren Spenden wurden Anteilsscheine zu je 20 Mark ausgegeben, die zur Finanzierung des Assistentenhauses verwendet wurden. Zwar war die Finanzierung der Gebäude und Einrichtungen nach und nach gesichert, es zeichnete sich jedoch ab, dass die erforderlichen Betriebskosten von jährlich 20.000 Mark nicht aufzubringen waren. Das Observatorium wurde durch den Verein zunächst in der Hoffnung gebaut und betrieben, dass dieses zeitnah durch staatliche Zuschüsse getragen werde. Das Reichsamt des Inneren hatte jährliche Mittel von 5.000 Mark angekündigt unter der Voraussetzung, dass das Observatorium auch durch das Kriegsministerium genutzt werden konnte.

Eröffnung

Am 19. August 1913 reiste Kaiser Wilhelm II. mit seiner Schwester Margarethe von Preußen aus Bad Homburg zum Taunus-Observatorium, um sich die neue Forschungseinrichtung zeigen zu lassen. Die offizielle Einweihung fand wenige Tage darauf am 24. August 1913 statt. Zur Einweihung kamen neben Stiftern des Observatoriums sowie politischen Vertretern rund 300 Gäste.

Zu Beginn der Einweihungsfeier ließen Hugo Hergesell und Richard Aßmann, auswärtige Kollegen von Linke, Ballone aufsteigen, die eine Höhe von 11.500 bzw. 15.500 Meter erreichten. Nach Festreden aus Politik, Wissenschaft und von Vertretern des Physikalischen Vereins konnten die Gäste die Einrichtungen des Taunus-Observatoriums besuchen. Obwohl an der Pforte des Observatoriums der Name Feldberg-Observatorium angebracht war, wurde das Observatorium noch vor Eröffnung in Taunus-Observatorium umbenannt, um Verwechslungen mit dem Feldberg im Schwarzwald vorzubeugen.

Weitere Entwicklung Kurz nach Eröffnung des Taunus-Observatoriums wurde im Oktober 1914 die Universität Frankfurt gegründet. Der Physikalische Verein trat dabei als Mitgründer auf und stiftete der neuen Universität seine wissenschaftlichen Institute. Während das ehemalige Vereinsinstitut ein Universitätsinstitut wurde und Linke zum Universitätsprofessor ernannt wurde, wurde das Taunus-Observatorium weiterhin durch den Physikalischen Verein verwaltet. Mit dem zeitgleichen Beginn des Ersten Weltkriegs wurden neben Franz Linke auch die Assistenten des Observatoriums eingezogen. Die Wetterdienststelle des Physikalischen Vereins hatte vor dem Krieg mit Errichtung des Taunus-Observatoriums einen großen Aufschwung erlebt. Die Zahl der Abonnenten, darunter etwa Zeitungen und Behörden, die die Wetterberichte des Vereins täglich erhielten, betrug 1913 insgesamt 1319. Die Wetterdienststelle wurde außerdem zum Luftfahrerwetterdienst ausgebaut. Luftströmungen in der Höhe aus West- und Süddeutschland wurden in Frankfurt gesammelt, um daraus Wetterberichte für Luftschiffe zu erstellen. Wegen Personalmangel wurde der Wetterdienst während des Kriegs eingeschränkt, bestimmte Dienste wie Schneeberichte wurden ganz eingestellt. Zusätzlich machte weiterhin die Finanzierung Schwierigkeiten. Von den Anteilsscheinen war nur die Hälfte ausgegeben worden. Außer der Baronin von Reinach und der Stadt Frankfurt gab nur das Kriegsministerium einen Zuschuss.

mini|Das 1914 neu errichtete Schwedenhaus