Guillaume d’Alméras, Marquis de Mirevaux (* um 1617 in Montpellier, Frankreich; † 22. April 1676 nahe Augusta auf Sizilien) war ein französischer Seeoffizier und Aristokrat des 17. Jahrhunderts. Er erreichte den Dienstgrad eines Lieutenant-général (Vizeadmiral) und wurde während der Seeschlacht bei Augusta getötet.
Biographie Herkunft und Familie Guillaume d’Alméras war einer der Söhne von Jacques d’Alméras (1582–1658), eines in Bagnols-sur-Cèze geborenen Staatsbediensteten und (Salz-)Steuereintreibers im Languedoc. Der Vater wurde durch königliche Briefe vom 2. Januar 1622 mit einem der drei neuen Ämter eines Conseiller aux aides créées berufen, die durch das Edikt vom November 1621 in Montpellier geschaffen wurden. Seine Mutter war Lucrèce du Pont de Gout, eine Schwester von Antoine du Pont de Gout, dem damaligen Ersten Konsul von Montpellier. Aus dieser Verbindung gingen insgesamt vier Söhne hervor, wobei der Geburtstag Guillaume d’Alméras nicht im Kirchenbuch vermerkt wurde. Vermutlich wurde er zwischen seinen Brüdern (also 1617) oder nach Letzterem (Ende 1619 oder Anfang 1620) in Montpellier geboren. Es ist aber auch möglich, dass seine Mutter während dieser unruhigen Zeit, die mit der Belagerung von Montpellier 1622 zusammenfiel, mit ihren Kindern die Stadt verließ, um ihr Kind in einem Nachbardorf zur Welt zu bringen, während ihr Mann für einige Zeit inhaftiert war.
Als gesichert kann gelten, dass Guillaume d’Alméras am Collège in Montpellier seine Schulausbildung erhielt.
Karriere in der Marine des Ancien Régime Anfänge während des Französisch-Spanischen Krieges mini|Die Seeschlacht von Orbetello (Toskana) im Jahr 1646.
Nach eigenen Angaben trat er 1637 in den Dienst der französische Marine und nahm am Feldzug um die Îles de Lérins während des Französisch-Spanischen Krieges teil, bei dem die Spanier von dort vertrieben wurden. 1640 war er Capitaine dans la Marine.
1645 war Alméras zum capitaine de vaisseau (Kapitän zur See) befördert worden und kommandierte während des Feldzugs gegen den Stato dei Presidi in der Toskana 1646 die La Madeleine, ein 16 Kanonen-Schiff mit 125 Mann Besatzung. Mit diesem Schiff nahm er an der Schlacht bei Orbetello am 14. Juni 1646 teil.
1647 war er auf Befehl von Claude de Launay-Razilly zu der Expedition zur Küste Neapels beordert. Anschließend kommandierte er Le Cygne mit 22 Kanonen und 250 Mann. Am 21. und 22. Dezember 1647 nahm er mit diesem Schiff Kampfhandlungen gegen spanische Schiffe im Golf von Neapel teil.Guillaume de Alméras, Marquis de Mirevaux (1620-1676) auf threedecks.org (englisch) Das französische Geschwader wurde von Armand Jean de Vignerot du Plessis angeführt. Le Cygne sank während dieser Unternehmung in einem Sturm am 5. Januar 1648, Alméras überlebte den Untergang.
Während der Fronde
1650 kaperte Alméras als Kommandant der Le Dragon (16 Kanonen) ein spanisches Schiff, das mit Munition beladen war und neben wichtigen Depeschen auch den Schatzmeister und den Contrôleur Général der feindlichen Armee an Bord hatte. Vermutlich wegen dieses Einsatzes wurde er durch ein Patent von César de Vendôme, zum Chef d’escadre (Konteradmiral) ernannt.
Während der Aufstände der sog. Fronde verließ Alméras zunächst die Marine, rüstete mit seinem eigenen Geld ein Kavallerieregiment mit sechs Kompanien aus und befehligte es in dieser Zeit.
Missionen im Mittelmeer und im Atlantik (1660–1672) mini|Kampf zwischen einem französischen Schiff und zwei Barbaresken-Galeeren (Ölgemälde von Jean Antoine Théodore Gudin). 1660 kehrte er in seinem alten Rang eines Chef d’Escadre zur Marine zurück. In diesem Jahr schlug er gemeinsam mit Abraham Duquesne vor, durch Blockaden der Häfen von Algier, Tunis und Tripolis den Kampf gegen die Barbaresken-Korsaren im Mittelmeer zu organisieren. Letztlich wurde allerdings Jean-Paul de Saumeur diese Mission als Befehlshaber anvertraut. Ein Geschwader aus 15 Schiffen, zu dem auch das von Alméras gehörte, traf Mitte Juli in Tripolis ein, passierte dann La Goulette vor Tunis am 7. August und blieb vom 31. August bis 6. September eine Woche vor Algier, bevor es wegen Versorgungsmangels nach Toulon zurückkehrte.
In einem anonymen Brief an Jean-Baptiste Colbert aus dem Jahr 1661 wurde Alméras auf einer Liste von Marineoffizieren genannt, die dem Finanzminister Fouquet, dem erklärten Gegner Colberts, verpflichtet waren. Als dieser am 5. September desselben Jahres verhaftet wurde, blieb Alméras allerdings unbehelligt.
1662 befehligte Alméras unter dem Befehl des Herzogs von Beaufort kurzzeitig Le Grand Chalin, wurde Mitte Juni nach Versailles entsandt und kehrte am 6. August nach Toulon zurück. Hiernach bereitete er aktiv, teilweise auf eigene Kosten, die Bewaffnung eines Geschwaders aus drei Schiffen vor, deren Kommando er übernehmen sollte, um Handelsschiffe zwischen Atlantik und Mittelmeer zu eskortieren. Er verließ Toulon am 20. Januar 1663 an Bord der Triomphe (40 Kanonen, 300 Mann), begleitet von der Beaufort und der Infante. Während der folgenden Einsatzfahrt passierte er die Straße von Gibraltar, erreichte am 6. Juni Belle-Île und Ende August La Rochelle, führte einen weiteren Konvoi nach Lissabon und reiste nach Cádiz, um acht Handelsschiffe nach Frankreich zurückzubringen, die er bis zum Kap Finisterre eskortierte. Auf See traf er Admiral Tromp. Die beiden Geschwader grüßten sich aus der Ferne mit ihren Flaggen und Salutschüssen.Auguste Jal: Abraham Du Quesne et la marine de son temps. Band 1. Henri Plon. 1873. S. 305. In zwei Briefen vom 26. Oktober und 10. November 1663 beschwerte sich Alméras bei Colbert über den Mangel an Mitteln, die ihm zur Verfügung gestellt wurden: „Herr d’Alméras wies Herrn Colbert darauf hin, dass er mit drei Kriegsschiffen das tun müsse, was die Engländer mit sechzehn Schiffen, die Holländer mit achtzehn und die Genuesen mit zehn und sechs Galeeren taten […]“ und dass diese Nationen sich nicht im Krieg mit den Türken befanden.
Im Januar 1664 transportierten Alméras und La Roche-Saint-André von Charles Colbert du Terron, dem Generalkommissar der Marine, rekrutierte Truppen nach Lissabon. 1665 kommandierte er Le Diamant, ein Linienschiff mit 60 Kanonen und einer Besatzung von 450 Mann innerhalb der Flotte du Ponant.Auguste Jal: Abraham Du Quesne et la marine de son temps. Band 1. Henri Plon. 1873. S. 357.
Im Mai 1665 wurde Alméras in La Rochelle verhaftet. Kriegsminister Louvois beschuldigte ihn „aufgrund böswilligen Hörensagens“Auguste Jal: Abraham Du Quesne et la marine de son temps. Band 1. Henri Plon. 1873. S. 337., eine von ihm aufgebrachte Prise nach Lissabon statt nach Frankreich gebracht zu haben und wurde dafür mehrere Tage eingesperrt.
In einem Brief aus La Rochelle vom 1. Juni 1666 bat er darum, an die Spitze eines kleinen Geschwaders gestellt zu werden, um im Ärmelkanal Krieg zu führen und auf die Ankunft des Herzogs von Beaufort zu warten. Sein Antrag wurde jedoch abgelehnt.Auguste Jal: Abraham Du Quesne et la marine de son temps. Band 1. Henri Plon. 1873. S. 383.
mini|Maria Francisca Elisabeth von Savoyen begleitet von Duquesne und d’Alméras nach Portugal. Im Herbst 1666 übernahm er das Kommando über das 60-Kanonen-Linienschiff Le Charmant, das nach Duquesnes Le Vendôme das zweitgrößte Schiff der Flotte war. Er behielt es fünf Jahre lang und war Teil der Eskorte, die im Juli 1666 die Herzogin von Nemours, die durch eine Ferntrauung mit dem portugiesischen König Alfons IV. verheiratet worden war, nach Lissabon brachte.
Zwischen Oktober 1666 und Januar 1668 nahm er an verschiedenen Überwachungsmissionen im Ärmelkanal teil und brachte im Herbst 1667 ein großes Geschwader vom Atlantik ins Mittelmeer, wofür er am 13. November 1667 von Belle-Île aus in See ging und am 10. Januar 1668 Toulon erreichte. An der Spitze von drei Schiffen verließ Alméras dann Ende 1668 Toulon, um nach Konstantinopel zu reisen und sich dem französischen Botschafter M. de La Haye zur Verfügung zu stellen. Er selbst kommandierte das Linienschiff Le Monarque. Doch durch einen heftigen Sturm vor der Küste Kythiras verloren zwei seiner Schiffe ihre Masten, was ihn zwang, zunächst umzukehren und zur Reparatur nach Malta zu fahren.
Belagerung von Candia mini|Karte von Candia, belagert von den Osmanen zwischen 1648 und 1669. Am 15. Juni 1669 erhielt er ein Schreiben vom französischen König: „Seine Heiligkeit hat meinem Cousin, dem Herzog von Beaufort, das Kommando über die Schiffe und Galeeren übertragen, die in meinem Königreich zur Befreiung von Candia in See stechen.“Auguste Jal: Abraham Du Quesne et la marine de son temps. Band 1. Henri Plon. 1873. S. 570.
Am 16. Juni 1669 ankerte er in Kythera, um einen französischen Gesandten aufzunehmen. Am 22. Juni beteiligte er sich mit seinem Aide-de-camp Thomas-Claude Renart de Fuchsamberg an einem erfolglosen Versuch, das von den Osmanen belagerte Candia auf Kreta zu entsetzen. Während der Operation der Anführer der französischen Expedition, der Herzog von Beaufort, als vermisst gemeldet.
Anstatt mit dem Rest der Flotte nach Frankreich zurückzukehren, fuhr Alméras dann nach Konstantinopel, wo er, nachdem er „jede Art von Höflichkeit, Erfrischungen und gute Behandlung mit absolut ehrlichen Pässen erhalten“ hatte, als Passagier an Bord von Herrn Aga ging, dem außerordentlichen Gesandten, den Mehmed IV. zu Ludwig XIV. schickte. Der türkische Botschafter traf am 4. August mit einem Gefolge von 20 Personen in Toulon ein.
Im Marinearchiv aus dem Jahr 1669 findet sich folgender Kommentar zu ihm: „Er diente dem König fünfundzwanzig Jahre lang ohne Unterbrechung. Er war so eifrig im Dienste Seiner Majestät, dass er, als es aufgrund der Unruhen des Bürgerkriegs [der Fronde] an Beschäftigung auf See mangelte, seinen gesamten Reichtum für den Dienst in der Kavallerie einsetzte.“Auguste Jal: Abraham Du Quesne et la marine de son temps. Band 1. Henri Plon. 1873. S. 171.
1669 wurde Colbert zum Marineminister ernannt und führte umfassende Reformen zur Modernisierung der Marine Ludwigs XIV ein. Hierbei bezog er auch führende Persönlichkeiten ein, indem er sie um Rat zu verschiedenen Themen bat. Am 15. September 1669 sandte der Minister daher einen Brief an den Marquis d'Infreville, in dem er ihn bat, „die Herren von Alméras und Saint-Tropez sowie andere Kapitäne und Offiziere zusammenzubringen, um ihre Meinung zur Frage der Kommandozeichen und der Farbe der Flaggen der Admirale, Vizeadmirale und Konteradmirale einzuholen und die Beflaggung zu regeln, die von Handelsschiffen getragen werden“.Auguste Jal: Abraham Du Quesne et la marine de son temps. Band 1. Henri Plon. 1873. S. 387.
Anfang Januar 1670 blockierte ein vom Marquis de Martel kommandiertes Geschwader, dem Alméras angehörte, Tunis und Port-Farine, um die Freilassung der christlichen Gefangenen zu fordern. Anstatt nachzugeben, zog Dey Hedj Chaban es allerdings vor, die Stadt in Brand zu setzen.
1671 und Anfang 1672 kommandierte Alméras erneut größere Geschwader entlang der Barbareskenküste, allerdings ohne große Erfolge zu erzielen.
Als am 7. April der Niederländisch-Französische Krieg ausbrach, wurde Alméras mit fünf Schiffen und einem Brander abkommandiert und kehrte nach Toulon zurück, dass er am 30. Oktober erreichte.
Holländischer Krieg (1672–1678)