Der Stein-Rokkan-Preis für vergleichende sozialwissenschaftliche Forschung (englisch: Stein Rokkan Prize for Comparative Social Science Research) ist eine Auszeichnung im Gebiet der Sozialwissenschaften, die seit 1981 vergeben wird. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und ehrt Forschende, die in Form einer Monografie „einen wesentlichen und originären Beitrag“Englisch: „a substantial and original contribution“, zur vergleichenden sozialwissenschaftlichen Forschung geleistet haben. Er wird gemeinsam vom Internationalen Wissenschaftsrat (ISC), dem European Consortium for Political Research (ECPR) und der Universität Bergen verliehen. Der ISC ging dabei 2018 aus dem früheren, mit der UNESCO assoziierten Internationalen Rat für Sozialwissenschaften (ISSC) hervor. Der Preis ist nach dem norwegischen Sozialwissenschaftler und früheren Vorsitzenden des ISSC Stein Rokkan (1921–1979) benannt, der als einer der Begründer des Forschungsgebiets gilt und den Großteil seiner Laufbahn an der Universität Bergen tätig war.

Der Preis kann für vergleichende Werke aus allen sozialwissenschaftlichen Disziplinen verliehen werden. Die Monografie muss in den beiden vorangegangenen Kalenderjahren vor der Preisverleihung veröffentlicht worden sein. Vorschlagsberechtigt sind wissenschaftliche Einrichtungen wie Universitäten und Forschungsinstitute sowie Fachvereinigungen, die über ihre jeweiligen Präsidenten oder Vorsitzenden jeweils ein Werk nominieren können. Dem Preiskomitee steht ein Vorstandsmitglied des ECPR vor, des Weiteren gehören der Jury jeweils ein Vertreter des ISC und der Universität Bergen sowie zwei weitere ernannte Sozialwissenschaftler an. Nominierungen für den Preis sind in der Regel jeweils im Frühjahr eines Jahres möglich, während die Bekanntgabe der Preisträger üblicherweise im Herbst erfolgt.

Einer Reputationsstudie aus dem Jahr 2018 zufolge gilt der Stein-Rokkan-Preis gemeinsam mit dem Holberg-Preis als die weltweit renommierteste interdisziplinäre Auszeichnung in den Sozialwissenschaften. Laut einer anderen, in den Jahren 2013 und 2014 durchgeführten Reputationsstudie wird der Stein-Rokkan-Preis speziell im Fachgebiet der Politikwissenschaft als die zweitwichtigste Auszeichnung nach dem Johan-Skytte-Preis angesehen.

Geschichte Gestiftet wurde der Preis 1981 vom Internationalen Rat für Sozialwissenschaften (ISSC) zusammen mit der brasilianischen Universidade Candido Mendes zu Ehren des zwei Jahre zuvor verstorbenen Sozialwissenschaftlers Stein Rokkan, der unter anderem von 1973 bis 1977 auch Vorsitzender des ISSC gewesen war. Der Rektor der Universidade Candido Mendes, Cândido Mendes, war seit 1981 auch Vorsitzender des ISSC. Das European Consortium for Political Research (ECPR) unterstützte dabei die Begutachtung der eingereichten Werke. Der Preis war ursprünglich mit einem Preisgeld von 2.000 US-Dollar (damals ca. Euro) dotiert. Er war zudem zunächst als Nachwuchspreis konzipiert, wofür eine Altersgrenze von 40 Jahren für die Preisträger festgelegt wurde. Die Altersgrenze wurde später aufgehoben, sodass seitdem Forschende aller Senioritätsstufen für ihre Werke ausgezeichnet werden können.

Bis 2002 vergab der ISSC den Stein-Rokkan-Preis gemeinsam mit der Universidade Candido Mendes. Später traten das ECPR sowie die Universität Bergen, an der Stein Rokkan den Großteil seiner Laufbahn tätig gewesen war, als mitvergebende Institutionen hinzu. Der Preis wurde zunächst hauptsächlich alle zwei Jahre vergeben, seit 2008 wird jedes Jahr ein Forschungsbeitrag ausgezeichnet. Durch den Beitrag der Universität Bergen wurde das Preisgeld 2008 zudem erhöht und auf 5.000 Euro festgelegt.

Preisträger Nachfolgende Tabelle bietet eine Übersicht über die bisherigen Preisträger und die jeweils prämierten Werke.

Jahr Preisträger Werk 1981 Manfred G. Schmidt Wohlfahrtsstaatliche Politik unter bürgerlichen und sozialdemokratischen Regierungen: Ein internationaler Vergleich 1983 Jens Alber Vom Armenhaus zum Wohlfahrtsstaat: Analysen zur Entwicklung der Sozialversicherung in Westeuropa, Einige Grundlagen und Begleiterscheinungen der Entwicklung der Sozialausgaben in Westeuropa, 1949–1977 1986 Louis M. Imbeau Donor Aid: The Determinants of Development Allocations to Third World Countries 1988 Charles C. Ragin The Comparative Method: Moving beyond Qualitative and Quantitative Strategies 1990 Stefano Bartolini und Peter Mair Identity, Competition and Electoral Availability: The Stabilisation of European Electorates 1885–1985 1992 Kaare Strøm Minority Government and Majority Rule 1996 Kees van Kersbergen Social Capitalism: A Study of Christian Democracy and the Welfare State 1998 Robert Rohrschneider Learning Democracy: Democratic and Economic Values in Unified Germany 2000 Eva Anduiza Perea Individual and Systemic Determinants of Electoral Abstention in Western Europe 2002 Patrick Le Galès European Cities: Social Conflicts and Governance 2004 Daniele Caramani The Nationalization of Politics: The Formation of National Electorates and Party Systems in Western Europe 2006 Milada Anna Vachudová Europe Undivided: Democracy, Leverage, and Integration after Communism 2008 Cas Mudde Populist Radical Right Parties in Europe 2009 Robert E. Goodin, James Mahmud Rice, Antti Parpo und Lina Eriksson Discretionary Time: A New Measure of Freedom 2010 Beth A. Simmons Mobilizing for Human Rights: International Law in Domestic Politics 2011 James W. McGuire Wealth, Health, and Democracy in East Asia and Latin America 2012 Pepper D. Culpepper Quiet Politics and Business Power: Corporate Control in Europe and Japan 2013 Dorothee Bohle und Béla Greskovits Capitalist Diversity on Europe’s Periphery 2014 Christian Welzel Freedom Rising: Human Empowerment and the Quest for Emancipation 2015 Marius Busemeyer Skills and Inequality: Partisan Politics and the Political Economy of Education Reforms in Western Welfare States 2016 Stanislav Markus Property, Predation, and Protection: Piranha Capitalism in Russia and Ukraine 2017 Abel Escribà-Folch und Joseph Wright Foreign Pressure and the Politics of Autocratic Survival 2018 Rafaela Dancygier Dilemmas of Inclusion: Muslims in European Politics 2019 Andreas Wimmer Nation Building: Why Some Countries Come Together while Others Fall Apart 2020 Jeffrey M. Chwieroth und Andrew Walter The Wealth Effect: How the Great Expectations of the Middle Class Have Changed the Politics of Banking Crises 2021 Ran Hirschl City, State: Constitutionalism and the Megacity 2022 Vineeta Yadav Religious Parties and the Politics of Civil Liberties 2023 Elisabeth Anderson Agents of Reform: Child Labor and the Origins of the Welfare State 2024 Anu Bradford Digital Empires: The Global Battle to Regulate Technology 2025 Vicente Valentim The Normalization of the Radical Right: A Norms Theory of Political Supply and Demand

Weblinks Stein-Rokkan-Preis auf der Website des ECPR Stein-Rokkan-Preis auf der Website des Internationalen Wissenschaftsrats

Einzelnachweise

Rokkan-Preis Kategorie:Wissenschaftspreis (Europa) Kategorie:Erstverleihung 1981