mini|hochkant|Stammwappen derer von Motzfeld im Wappenbuch des Westfälischen Adels mini|hochkant|Vermehrtes Wappen derer von Motzfeld von 1712 in Siebmachers Wappenbuch ohne Helmzier und Tingierung Motzfeld (auch Motzfeldt o. ä.) ist der Name eines niederrheinisch-westfälischen Adelsgeschlechts, das in einer Linie auch nach Dänemark, Norwegen und Grönland kam.

Geschichte Das Geschlecht soll ursprünglich aus dem namensgebenden Moosfelde, heute ein Stadtteil von Arnsberg stammen, wo es schon 1533 zu finden ist. Danach war es in Hamm ansässig.Spießen (1901–1903), S. 91. Diese These wird von dem örtlichen Stadtarchivar und seinem Vorgänger allerdings in Zweifel gezogen.Thorsten Koch: Was die Außenministerin Grönlands mit Arnsberg verbindet. In: Westafelnpost 28. Januar 2026 Später war die Familie auch im Bergischen und Jülchschen begütert. 1693 saß die Familie in den Niederlanden zu Lips, Palenstein und Seggeward, 1705 auch zu Hennef bei Uckerath sowie 1732 zu Eyll unweit Geldern, von 1724 bis 1751 zu Neuenhof im Kölner Landkreis und 1817 bis 1833 zu Hardenberg im Kreis Borken.Ledebur (1856), S. 122.Kneschke (1865), S. 370 f.

Dänisch-norwegischer Zweig Im 17. Jahrhundert wanderte Peter Motzfeldt von Lüneburg nach Kopenhagen aus. Er war Weinhändler und Stadtkapitän in Kopenhagen. Seine Nachkommen wurden eine bedeutende dänisch-norwegische Familie. Die Tochter Maria (1614–1693) war mit dem Weinhändler Joachim Schumacher verheiratet und Mutter des Staatsmannes Peder Schumacher Griffenfeld (1635–1699) sowie des Generalkriegskommissars Albert Gyldensparre (1642–1696). Die Tochter Catharina Motzfeldt heiratete Søren Nielsen May und hatte mehrere prominente Nachkommen in Norwegen, darunter Angehörige der Familie Paus. Der Sohn Peter Motzfeldt (gestorben 1702) war Ratsherr in Kopenhagen und Vater des Generalmajors Peter Nicolay Motzfeldt (ca. 1660–1732), der in Norwegen stationiert war und dort zahlreiche prominente Nachkommen hatte. Dessen Sohn, Generalmajor Peter Jacob Motzfeldt (1699–1791), war Stammvater mehrerer Familienzweige. Zu den Enkeln Peter Jacob Motzfeldts zählten zwei Mitglieder der Reichsversammlung von Eidsvoll, Peter Motzfeldt (1777–1854) und Frederik Motzfeldt (1779–1848). Mehrere Angehörige der Familie waren Mitglieder der norwegischen Regierung und des Obersten Gerichtshofs.

Grönländische Familie Generalmajor Peter Jacob Motzfeldt war Vater der Marie Sophie Motzfeldt (1730–1782), die mit dem Oberstleutnant Lorentz Marcus Hanning (1739–1817) verheiratet war. Der Sohn Peter Hanning Motzfeldt nahm den Nachnamen der Mutter an und bekam vier nichteheliche Kinder mit seiner grönländischen Haushälterin Cecilie Dalager (1784–1866), woraus ein grönländischer Zweig der Familie entstand. Ihr bedeutendster Nachkomme Jonathan Motzfeldt (1938–2010) war von 1979 bis 1991 und 1997 bis 2002 grönländischer Regierungschef.Kenneth Wehr: Motzfeldt. Danmarks Nationalleksikon.Terje Bratberg: Motzfeldt. Store norske leksikon. Zu den heutigen Nachkommen dieses Familienzweigs zählt auch die grönländische Politikerin Vivian Motzfeldt. Heute tragen etwa 250 Personen in Grönland den Namen Motzfeldt.

Westfälischer Zweig Johann Motzfeld war 1630 Richter zu Hamm. Auf ihn folgte Godfrid Motzfeld, der 1658–1675 Hammer Richter war. Heinrich Motzfeld wurde Kriegskommissar zu Kleve, sein Sohn Johann Motzfeld Vizekanzler zu Kleve. Am 12. Januar 1712 erlangten die Brüder Johann und Henrich von Motzfeld eine Adelsrenovation. Die Erneuerung erteilte König Friedrich I. von Preußen. In demselben Jahr wohnte Johann Bertram von Motzfeld auf Haus Henf im Amt Blankenberg. Bertram von Motzfeld war 1755 klevischer Kriegs- und Domänenrat.Fahne (1858), S. 302.

Nach dem preußischen Beamten Franz Johann von Motzfeld sind im niederrheinischen Pfalzdorf, einem Stadtteil von Goch, eine Straße und seit 1997 eine Grundschule benannt.

Wappen Blasonierung des Stammwappens: In Gold ein grüner ausgerissener Baum, oben mit vier Blättern, von einem roten Balken überzogen. Auf dem rot-golden bewulsteten Helm mit rot-goldenen Helmdecken ein blau gekleideter aufgereckter Arm, der den Stamm schräglinks hält. Blasonierung des vermehrten Wappens von 1712: Geviert. Felder 1 und 4 ein prismatischer Balken und dahinter der ausgerissene Baum mit fünf Blättern, Felder 2 und 3 gespalten mit einem mit drei Wecken belegter Schrägrechtsbalken. Hefner/Grenser/Mülverstedt lassen die Tingierung und Helmzier offen.Hefner/Grenser/Mülverstedt (1878), S. 271. Anton Fahne dagegen beschreibt das vermehrte Wappen wie folgt: „quadriert, 1. und 4. das beschriebene Wappen, 2. und 3. in Silber einen rothen, rechtsschrägen Balken mit drei goldenen Wecken, (Wappen der Eickel) auf dem Schilde zwei Helme, rechts den beschriebenen mit dem Arme, links einen rothen und einen silbernen Elefantenrüssel [richtig: Büffelhörner], zwischen denen ein Schild mit dem beschriebenen rechtsschrägen Balken schwebt.“

Stammfolge Anton Fahne gibt folgende Stammfolge an, ergänzt von Schleicher:Fahne (1848), S. 293.Schleicher (1996), S. 122 f.

Persönlichkeiten Dänisch-norwegischer Zweig Ketil Motzfeldt (1814–1889), norwegischer Marineoffizier und Politiker Peter Motzfeldt (1777–1854), norwegischer Kapitän und Politiker Peter Hanning Motzfeldt (1774–1835), norwegischer Beamter und Inspektor von Grönland Ulrik Anton Motzfeldt (1807–1865), norwegischer Jurist und Politiker

Grönländischer Zweig Peter Hanning Motzfeldts uneheliche Nachkommen begründeten den grönländischen Zweig der Familie, der sich vor allem in Qassimiut, Igaliku und später Qeqertarsuatsiaat niederließ. Angu Motzfeldt (* 1976), grönländischer Musiker Egede Motzfeldt (1907–unbekannt), grönländischer Landesrat Enok Motzfeldt (1888–1925), grönländischer Landesrat Hans Motzfeldt (1881–1921), grönländischer Katechet und Landesrat Jokum Motzfeldt (* 1883), grönländischer Landesrat Jonathan Motzfeldt (1938–2010), grönländischer Politiker (Siumut) ⚭ Margit Motzfeldt (* 1945), dänisch-grönländische Badmintonspielerin und Lehrerin Josef Motzfeldt (* 1941), grönländischer Politiker und Lehrer Lars Motzfeldt (1908–1987), grönländischer Landesrat, Schäfer, Katechet und Lehrer Peter Motzfeldt (1910–1971), grönländischer Schäfer und Kommunalpolitiker Vivian Motzfeldt (* 1972), grönländische Politikerin (Siumut) und Lehrerin

Literatur Anton Fahne: Geschichte der kölnischen, jülichschen und bergischen Geschlechter in Stammtafeln, Wappen, Siegeln und Urkunden, Band 1. Stammfolge und Wappenbuch. Heberle, Köln 1848, S. 302 (uni-duesseldorf.de). Anton Fahne: Geschichte der Westphälischen Geschlechter unter besonderer Berücksichtigung ihrer Uebersiedelung nach Preußen, Curland und Liefland, mit fast 1200 Wappen und mehr als 1300 Familien, Köln 1858, S. 302 (Google Bücher). Otto Titan von Hefner, Alfred Grenser, George Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 2. Abt., Bd. 1, T. 2: Der blühende Adel des Königreichs Preußen: Edelleute M–Z, Nürnberg 1878, S. 271 (uni-goettingen.de) und Tfl. 322 (uni-goettingen.de). Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 6: Loewenthal–Osorowski, Leipzig 1865, S. 370 f. (Google Bücher). Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 2: L–S, Berlin 1856, S. 122 (digitale-sammlungen.de). Herbert M. Schleicher: Ernst von Oidtman und seine genealogisch-heraldische Sammlung in der Universitäts-Bibliothek zu Köln, Band 11 (Mappe 832–915, Mockel–Palmer) (= Veröffentlichungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e. V., Nr. 80), Köln 1996, S. 121–125. Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 91 (uni-duesseldorf.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 221 (uni-duesseldorf.de). Terje Bratberg: „Motzfeldt, norsk slekt“. In: Store norske leksikon.

Einzelnachweise

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