Kurt Hans Maix (* 27. August 1907 in Wien; † 21. Dezember 1968 ebenda) war ein österreichischer Bergsteiger, Bergführer, Journalist und Schriftsteller.

Leben Maix, katholisch getauft, besuchte ein Realgymnasium in Wien und legte dort 1927 die Matura ab. Bereits in der Schulzeit war er Mitglied der Adler und Falken,Mira Feldmann: Maix, Kurt. In: Lutz Hagestedt (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Band 39: Lutz – Mansfeld. De Gruyter, Berlin und Boston 2023, Sp. 202–203 einer völkischen Gruppierung in der bündischen Jugend. Frühzeitig begann er zu klettern; so gelang ihm im Juli 1925 bei einem Gautag des Österreichischen Wandervogels im Alleingang die direkte Durchsteigung der Vertatscha-Nordwand.Emil Hensler: Es war ein gutes Gefühl, leben zu dürfen! Ein Gedenken an Kurt Maix. In: Mitteilungen des Österreichischen Alpenvereins, Jg. 24 (94), Heft 1, Jänner/Februar 1969, S. 11–12; Tourenbericht in: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Bd. 52 (1926), S. 80 (bibliothek.alpenverein.de). Es folgten zahlreiche weitere Erstbegehungen, hauptsächlich im Dachsteingebirge, von denen insbesondere die der Südkante des Hohen Dirndl (zusammen mit Wolfgang Höfler)Kurt Maix: Die Dirndl-Südwand. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Bd. 57 (1931), S. 171–175 (bibliothek.alpenverein.de). in der alpinen Literatur hervorgehoben wird. Genannt werden unter anderem auch seine Begehungen der Torstein-Südostwand, der direkten Rauchkarwand am selben Berg, ein unmittelbarer Einstieg zur Dachstein-Südwand sowie der sogenannte „Tote Hund“ (Türlspitz-Westriss).Emil Hensler: Es war ein gutes Gefühl, leben zu dürfen! Ein Gedenken an Kurt Maix. In: Mitteilungen des Österreichischen Alpenvereins, Jg. 24 (94), Heft 1, Jänner/Februar 1969, S. 11–12.

Maix studierte bis 1932 Medizin an der Wiener Universität, ohne das Studium abzuschließen.Mira Feldmann: Maix, Kurt. In: Lutz Hagestedt (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Band 39: Lutz – Mansfeld. De Gruyter, Berlin und Boston 2023, Sp. 202–203. Während des Medizinstudiums lernte er seine spätere Frau Nora Igler kennen,Reinhard Maix, Kurt Diemberger: Kurt Maix, die Ramsau und der Dachstein. Der „Zwei-Heimische“. In: Adi Mokrejs, Josef Hasitschka (Hrsg.): Erlesener Dachstein. Geschichten aus neuen und alten Zeiten. Schall, Alland 2015, S. 318–322 mit der er zwei Kinder hatte.Maix, Kurt Hans. In: Karin Gradwohl-Schlacher: Literatur in Österreich. Band 4: Wien. Böhlau, Wien u. a. 2018, S. 504–506. Ab 1929 begann er als freier Mitarbeiter journalistische Texte zu verfassen, vor allem für die Wochenausgabe des Neuen Wiener Tagblatts, wo bis 1945 etwa 75 Artikel von ihm erschienen. Zudem schrieb er für die Allgemeine Bergsteiger-Zeitung, die Wiener Neusten Nachrichten und weitere Blätter, meist zu alpinistischen Themen.Mira Feldmann: Maix, Kurt. In: Lutz Hagestedt (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Band 39: Lutz – Mansfeld. De Gruyter, Berlin und Boston 2023, Sp. 202–203; Maix, Kurt Hans. In: Karin Gradwohl-Schlacher: Literatur in Österreich. Band 4: Wien. Böhlau, Wien u. a. 2018, S. 504–506.

Zum 29. Oktober 1932 trat Maix der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.306.363),Bundesarchiv R 9361-V/28000 die Mitgliedschaft wurde 1938, nach dem Anschluss Österreichs, als gültig anerkannt.Maix, Kurt Hans. In: Karin Gradwohl-Schlacher: Literatur in Österreich. Band 4: Wien. Böhlau, Wien u. a. 2018, S. 504–506. Seit 1935 veröffentlichte er Erzählungen und Bücher, so Der Mensch am Berg (1935). 1936 unternahm er Vortragsreisen durch insgesamt 62 Städte Deutschlands; in dieser Zeit war Maix in Berlin gemeldet.Maix, Kurt Hans. In: Karin Gradwohl-Schlacher: Literatur in Österreich. Band 4: Wien. Böhlau, Wien u. a. 2018, S. 504–506. Er schrieb auch ein Jugendbuch Rettung aus der Rothorn-Nordwand, das 1937 im Franz Schneider Verlag erschien. Bei einer Begehung der Rauchkarwand am Torstein mit Richard Perner, Nora Igler und Heinz von Foerster im August 1936 stürzte Maix schwer und erlitt eine Kopfverletzung, konnte jedoch von seiner Seilschaft gerettet werden.Kurt Maix schwer verunglückt. In: Neues Wiener Tagblatt (Tagesausgabe), 31. August 1936, S. 3 (anno.onb.ac.at); vgl. auch Kurt Maix: Nebelreigen um die Dachsteinsüdwand. In: Jahrbuch des Österreichischen Alpenvereins, 1958, S. 26–39, hier: S. 33.

Nach dem Anschluss Österreichs verfasste er 1938 hymnische Artikel für die Tagesausgabe des Neuen Wiener Tagblatts, unter anderem über den Besuch Adolf Hitlers in Wien.Etwa: Salzburgs größter Tag. Triumphaler Einzug des Führers in die Stadt Mozarts. Von unserem Sonderberichterstatter Kurt Maix. In: Neues Wiener Tagblatt (Tagesausgabe), 7. April 1938, S. 3–4 (anno.onb.ac.at) Ab diesem Zeitpunkt war er Schriftleiter der Wochenausgabe des Blattes, von 1940 bis 1944 Hauptschriftleiter (Chefredakteur). Im März 1938 wurde Maix auch Mitglied der SA. Ab etwa 1943 fungierte er als Beisitzer des Presse-Bezirksgerichts beim NSDAP-Gau Wien und behielt diese Funktion bis in den April 1945 bei. Seine Religionszugehörigkeit wechselte er auf gottgläubig.Maix, Kurt Hans. In: Karin Gradwohl-Schlacher: Literatur in Österreich. Band 4: Wien. Böhlau, Wien u. a. 2018, S. 504–506. Zudem verfasste er weitere Bergsteigerbücher.

Nach dem Zweiten Weltkrieg durfte Maix zunächst nicht weiter veröffentlichen, da er als nationalsozialistisch belastet eingestuft wurde. Auch seine Bücher standen zunächst auf einer Verbotsliste, wurden aber bald auf seinen Antrag hin bis auf zwei Werke freigegeben.Reinhard Maix, Kurt Diemberger: Kurt Maix, die Ramsau und der Dachstein. Der „Zwei-Heimische“. In: Adi Mokrejs, Josef Hasitschka (Hrsg.): Erlesener Dachstein. Geschichten aus neuen und alten Zeiten. Schall, Alland 2015, S. 318–322; siehe Claudia Wagner: Die Zentralkommission zur Bekämpfung der NS-Literatur. Literaturreinigung auf Österreichisch. Diplomarbeit. Wien 2005 (personal.murrayhall.com), S. 60. Er soll zunächst als Holzarbeiter im Wald gearbeitet haben,Mira Feldmann: Maix, Kurt. In: Lutz Hagestedt (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Band 39: Lutz – Mansfeld. De Gruyter, Berlin und Boston 2023, Sp. 202–203 nach anderen Angaben als Skilehrer und Bergführer für die britische Besatzungsarmee.Reinhard Maix, Kurt Diemberger: Kurt Maix, die Ramsau und der Dachstein. Der „Zwei-Heimische“. In: Adi Mokrejs, Josef Hasitschka (Hrsg.): Erlesener Dachstein. Geschichten aus neuen und alten Zeiten. Schall, Alland 2015, S. 318–322

Nach wenigen Jahren konnte er sich wieder als Alpinschriftsteller etablieren. Er veröffentlichte unter anderem einen Kriminalroman, der später als Vorlage für den Toni-Sailer-Film Der schwarze Blitz diente, sowie Bücher über die Dachstein-Südwand, Alexander den Großen und den Bau des Kraftwerks Kaprun. Das letztere Buch diente auch als Vorlage für den Film Das Lied von Kaprun. Ab 1955 war er einige Jahre lang Vorsitzender der Sektion Reichenstein des Österreichischen Alpenvereins und blieb bis zu seinem Tod im Vorstand der Sektion.Mitteilungen des Österreichischen Alpenvereins, Jg. 10 (80), Jänner/Feber 1955, S. 83 (bibliothek.alpenverein.de); Reinhard Maix, Kurt Diemberger: Kurt Maix, die Ramsau und der Dachstein. Der „Zwei-Heimische“. In: Adi Mokrejs, Josef Hasitschka (Hrsg.): Erlesener Dachstein. Geschichten aus neuen und alten Zeiten. Schall, Alland 2015, S. 318–322.

Ferner redigierte Maix zwei sehr bekannte Bergsteigerbücher: Achttausend drüber und drunter von Hermann Buhl und Die weiße Spinne von Heinrich Harrer. Insbesondere bei Buhls Buch griff Maix tief in die Substanz des Buches ein und steuerte auch ein Vorwort bei.Siehe Reinhold Messner, Horst Höfler (Hrsg.): Hermann Buhl – Kompromißlos nach oben. Steiger, Augsburg 1997, S. 215; Ralf-Peter Märtin: Nanga Parbat – Wahn und Wirklichkeit des Alpinismus. Berlin Verlag, Berlin 2002, S. 309–311; Harald Höbusch: Mountain of Destiny. Nanga Parbat and Its Path into the German Imagination. Camden House, Rochester 2016, S. 130–133.

Mit 61 Jahren starb Maix in seiner Heimatstadt Wien an einem Herzleiden.

Werk und Rezeption Maix ist vor allem als vielgelesener Alpinschriftsteller bekannt geworden, der neben seinen Büchern eine große Zahl von kürzeren Erzählungen, Berichten und journalistischen Arbeiten verfasst hat. Seine Bergbücher sind von prominenten Bergsteigern zum Teil sehr geschätzt worden, etwa von Peter Habeler und Kurt Diemberger.Karin Steinbach, Peter Habeler: Das Ziel ist der Gipfel. Tyrolia, Innsbruck 2008; Reinhard Maix, Kurt Diemberger: Kurt Maix, die Ramsau und der Dachstein. Der „Zwei-Heimische“. In: Adi Mokrejs, Josef Hasitschka (Hrsg.): Erlesener Dachstein. Geschichten aus neuen und alten Zeiten. Schall, Alland 2015, S. 318–322 Es gibt jedoch auch sehr viel negativere Urteile. Ralf-Peter Märtin schrieb, in Maix’ Werken werde die „heroische Fanfare“ geblasen, und kritisierte seine „aus den dreißiger Jahren geschöpften stilistischen und ideologischen Beigaben“.Ralf-Peter Märtin: Nanga Parbat. Wahrheit und Wahn des Alpinismus. Berlin Verlag, Berlin 2002, S. 310 und 311. Für den Alpinhistoriker Rainer Amstädter war Maix „seit den 1930er Jahren als Autor alpiner Heldenartikel Propagandist der deutschen Wiedererstarkung“ gewesen und machte mit seiner Propaganda des „heldischen Alpinismus“ in den 1950er Jahren einfach weiter.Rainer Amstädter: Der Alpinismus. Kultur – Organisation – Politik. WUV-Universitätsverlag, Wien 1996, S. 492, 550.

In der Zeit des Nationalsozialismus Tatsächlich feierte Maix bereits 1935 in seinem ersten Buch, Der Mensch am Berg, den Alpinismus als den heldischen Sport.Ralf-Peter Märtin: Nanga Parbat. Wahrheit und Wahn des Alpinismus. Berlin Verlag, Berlin 2002, S. 310; Harald Höbusch: Mountain of Destiny. Nanga Parbat and Its Path into the German Imagination. Camden House, Rochester 2016, S. 243f. Vgl. Kurt Maix: Der Mensch am Berg. Bruckmann, München 1935, S. 6. Im Anfangskapitel Alpinismus, der heldische Sport griff Maix auch den Zusammenhang zu Fronterlebnis und Krieg auf: „Aus den Gebeinen der Helden von Langemarck entwuchs ein neues sieghaftes Geschlecht, das sein Volk in die Freiheit führen wird.“Kurt Maix: Der Mensch am Berg, Bruckmann, München 1935, S. 8; zitiert auch bei Märtin, S. 310. Als kennzeichnendes Zitat für Maix’ Bergsteigerprosa und den Konnex zur Aufrüstung wählte Märtin aus: „Der ‚innere Schweinehund‘ stirbt auf schweren Bergfahrten.“Kurt Maix: Der Mensch am Berg, Bruckmann, München 1935, S. 27; zitiert bei Ralf-Peter Märtin: Naga Parbat. Berlin 2002, S. 310. Dass Maix ein entschiedener Anhänger des Nationalsozialismus in Österreich gewesen war,Ralf-Peter Märtin: Nanga Parbat. Wahrheit und Wahn des Alpinismus. Berlin Verlag, Berlin 2002, S. 310. hat nicht einmal er selbst bestritten.Claudia Wagner: Die Zentralkommission zur Bekämpfung der NS-Literatur. Literaturreinigung auf Österreichisch. Diplomarbeit. Wien 2005 (personal.murrayhall.com), S. 60. So pries er 1938 zum vierten Jahrestag des nationalsozialistischen Juliputschs dessen Teilnehmer als „todesmutige Männer“.Ralf Peter Märtin: Nanga Parbat. Wahrheit und Wahn des Alpinismus. Berlin Verlag, Berlin 2002, S. 309f.; Rainer Amstädter: Der Alpinismus. Kultur – Organisation – Politik. WUV-Universitätsverlag, Wien 1996, S. 374. Otto Planetta und Franz Holzweber, die an der Ermordung des Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß beteiligt gewesen und deswegen gehängt worden waren, erklärte er zu Märtyrern: „Ihr lebt, werdet immer in uns leben. Euer Tod hat mit dazu beigetragen, daß heute über unserm heißgeliebten Land die Fahne des Führers weht …“Kurt Maix: Sie leben in uns. In: Neues Wiener Tagblatt (Tagesausgabe), 24. Juli 1938, S. 5 (anno.ob.ac.at).

Ghostwriter nach dem Zweiten Weltkrieg