Carl Gustav Adolf Hugo Nehmiz (* 6. November 1845 in Sagan, Landkreis Sagan, Provinz Schlesien; † 28. August 1903 in Breslau, Provinz Schlesien) war ein deutscher evangelischer Geistlicher, Domprediger und Generalsuperintendent.
Leben Nehmiz wurde als Sohn des Superintendenten Carl Adolph Nehmiz (1798–1863), eines gebürtigen HallensersMagdeburgische Zeitung, 20. März 1863, 1. Beilage zu Nr. 67; Großvater: Peter Friedrich Nehmi(t)z, Rechtsanwalt, Justizamtmann Giebichenstein, † 1806, Hallisches Adressverzeichnis ..., S. 83, , und dessen Ehefrau Bertha Eleonore Louise, geborene Bail, in Schlesien geboren.Pfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen, Bd. 6, Leipzig 2007, ISBN 978-3-374-02138-3, S. 274 Nach der Gymnasialausbildung auf der Klosterschule in Roßleben und dem Abitur studierte er ab 1863 TheologieBiographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Hrsg. Anton Bettelheim, Bd. 8, Druck und Verlag Georg Reimer, Berlin 1905, S. 136f. (Oskar Kohlschmidt: Nehmiz, Hugo, Generalsuperintendent), an der Vereinigten Friedrichs-Universität Halle-WittenbergAmtliches Verzeichnis des Personals und der Studierenden der Universität Halle für das Sommerhalbjahr von Ostern bis Michaelis 1864, S. 14, und wurde Mitglied in der christlichen Studentenverbindung Hallenser Wingolf. 1865 trug er sich ins Matrikelbuch der Eberhard-Karls-Universität ein und nannte unter der Rubrik Heimat Heldrungen, den damaligen Dienstort seines Vaters.Tübinger Universitätsschriften aus dem Jahre 1865, gedruckt bei Heinrich Laupp, Tübingen 1866, S. 11, Im Jahre 1866 kehrte er an die Universität Halle zurück und legte im Sommer 1867 die erste theologische Prüfung ab. Danach wurde er für kurze Zeit Hauslehrer in Hamburg. Dort wurde er mit dem Pastor an der St.-Anschar-Kapelle Wilhelm Baur bekannt, der ihn als Hilfsprediger einsetzte.
Pfarrer an der Magdeburger Ulrichskirche Im Mai 1869 bestand er die zweite theologische Prüfung in Magdeburg. Die Ordination erfolgte am 13. Oktober desselben Jahres. Anschließend wurde er Hilfsprediger des Generalsuperintendenten am Dom zu Magdeburg, Ludwig Carl Moeller (1816–1893), und ab 1873 2. Pfarrer an der dortigen Ulrichskirche.
Geistlicher im Berliner Diakonissenkrankenhaus Bethanien Im September 1876 zog er mit seiner jungen Familie von Magdeburg nach Berlin und wurde als Nachfolger des Geistlichen Ferdinand Schultz (1811–1875) 1. Pastor der Anstaltsgemeinde innerhalb des Central-Diakonissen-Haus Bethanien.Berliner Adressbuch, Ausgabe 1877, II. Teil, S. 214, Sp. 3 [Eigentümer Diakonissenhaus Bethanien] Zu seinen Aufgaben gehörten sowohl die Durchführung von sonntäglichen Gottesdiensten mit Abendmahl, Taufen und Trauerfeiern als auch operative Leitungstätigkeiten. Die Dienstwohnung für den 1. Pastor befand sich in einem der beiden zweistöckigem Beamtenhäuser, dem Predigerhaus, am Mariannenplatz Nr. 1.Berliner Adressbuch, Ausgabe 1892, IV. Teil, S. 217
Während seiner Dienstzeit wurde auf das über sechs Hektar große Gelände ein so genanntes Feierabendhaus für die betagten Diakonissen 1877/78 gebaut. Am 4. August 1882 weihte Nehmiz in Heringsdorf ein Erholungsheim für 24 in Rekonvaleszenz befindliche Berliner Kinder in Anwesenheit der Oberin Luise Kirsch und mehreren Diakonissen ein.Norddeutsche Allgemeine Zeitung. (Abend-Ausgabe) 8. August 1882, S. 2
In seiner Berliner Zeit betätigte sich Pastor Nehmiz zugleich als Mitglied im Commité der Gesellschaft zur Beförderung der evangelischen Missionen unter den Heiden zu Berlin, unter dessen Präsidenten Jacobi.Jahresbericht Gesellschaft zur Beförderung der evangelischen Missionen unter den Heiden zu Berlin. Für das Jahr 1885, Berlin 1886, S. 5, Seine Frau engagierte sich Verein für die Goßner’schen Kleinkinder-Bewahranstalten unter Leitung des Pfarrers Johannes Knak (1842–1899), insbesondere sammelte sie zu Weihnachten Sachspenden als Geschenke für bedürftige Kinder.Norddeutsche Allgemeine Zeitung. (Morgen-Ausgabe) 14. November 1886, S. 6, Sp. 3
Auch nach seinem Ausscheiden aus Bethanien 1893 blieb er seiner Wirkungsstätte bis zu seiner Übersiedelung nach Schlesien mit Rat und Tat verbunden. Es bestanden jahrelange, dienstliche Beziehungen zur Nachfolgerin von Luise Kirsch im Amt der Oberin. Nehmiz hatte bei der Einführung der Diakonisse Jenny Gräfin von Keller (* 1842 Bonn; † 1943 Berlin) als neue Oberin des Mutterhauses durch den Propst Hermann Freiherr von der Goltz und in Anwesenheit der deutschen Kaiserin sowie des preußischen Kirchenpolitikers Friedrich Wilhelm Barkhausen vor allem als Liturg mitgewirkt.Norddeutsc he Allgemeine Zeitung. (Abend-Ausgabe) 10. März 1892, S. 2, Sp. 1 Der Anstaltsgeistliche arbeitete mit der leitenden Diakonisse seit 1888 in ihrer Eigenschaft als stellvertretende Oberin von Bethanien eng zusammen. Ihre Einsegnung zur Diakonisse erhielt Schwester Jenny 1876, im Jahr des Beginns von Nehmiz nahezu 17-jähriger Amtszeit in Berlin. Ihm folgte der evangelische Theologe Gustav Schulze (* 1848) im Amt des Pastors am Central-Diakonissenhaus Bethanien.
Domprediger und Konsistorialrat Nach nahezu siebzehnjähriger Tätigkeit in der deutschen Hauptstadt kehrte er 1893 mit seiner Familie nach Magdeburg zurück und trat sein neues Amt als 2. Domprediger und Konsistorialrat in der Kirchenprovinz Sachsen an. Zu seinen Amtshandlungen zählte u. a. die Beteiligung an der Einweihung eines neu erbauten Magdalenen-Asyls in Wolmirstedt für sozial benachteiligte junge Mädchen unter Anwesenheit des preußischen Regierungspräsidenten des Regierungsbezirks Magdeburg in der Provinz Sachsen, Traugott von Baudissin, und des provinzsächsischen Generalsuperintendenten, Carl Heinrich Vieregge (1841–1915).Hallesche Zeitung. Landeszeitung für die Provinz Sachsen und die angrenzenden Staaten. 19. April 1895, S. 2, Sp. 3,
Zugleich war er stellvertretender Vorsitzender des Evangelisch-Kirchlichen Hilfsvereins für die Provinz Sachsen.Kempener Zeitung. Organ der Zentrumspartei, 12. Mai 1900, S. 1, [Mitunterzeichner der Eingabe des Evangelisch-kirchlichen Hilfsvereins für die Kirchenprovinz Sachsen an das Reichstagspräsidium vom 14. April 1900],
Um Ostern 1901 folgte er dem Ruf in die Generalsuperintendentur der Kirchenprovinz Schlesien.
Generalsuperintendent in Schlesien Zu seinen Aufgaben als Generalsuperintendent gehörten Festpredigten sowie Kirchweihen von Gotteshäusern und die Ordination von Predigtamtskandidaten. So weihte er die Lutherkirche in Görlitz am 2. Mai 1901 einWeiherede des General-Superintendent Nehmiz. In: Siegbert Schäfer: Geschichte der Lutherkirche und des Lutherdenkmals in Görlitz, Görlitz 1914, S. 20–23, und in Konstadt eine zweite evangelische Kirche am 21. November 1901.Schlesischer Familienbote. Kirchliches Wochenblatt, 8. Dezember 1901, Nr. 49, S. 490, Sp. 2,
Ehrenamtstätigkeit Nehmiz leitete ehrenamtlich den Gustav-Adolf-Hauptverein in Schlesien von 1901 bis 1903 „mit seinem vollen reichen Herzen voll heiligen Eifers, wenn es galt zu stärken, was zu erliegen drohte“.Konrad Müller (): 25 Jahre Schlesischer Gustav Adolf-Arbeit 1905–1930. Festschrift zum 80. Geburtstag seines Vorsitzenden, des Herrn Generalsuperintendenten i.R. D. Nottebohm, S. 8 .
Auf der Generalversammlung des Schlesischen Provinzialverbandes des evangelisch-kirchlichen Hilfsvereins wurde Nehmiz als 1. Vorsitzender am 22. Oktober 1902 gewählt.Der oberschlesische Wanderer. (Oberschlesische Zeitung), 25. Oktober 1902, S. 2, In dieser ehrenamtlichen Position arbeitete er eng mit den Vorstandsmitgliedern Gustav Kawerau, Theologieprofessor in Breslau, sowie Karl Hermann von Richthofen (1860–1915), Landeshauptmann der Provinz Schlesien, und dem zum Ehrenmitglied ernannten Konsistorialrat Friedrich Siegmund-Schultze (* 1840) zusammen.
Er wurde Mitglied im Evangelische Kirchenmusik-Verein in Schlesien und gehörte zum Bezirk 2 Breslau unter der Leitung des Komponisten Rudolf Thoma (1829–1908), einem Professor am Breslauer Akademischen Institut für Kirchenmusik und Kantor an der Elisabeth-Kirche.Fliegende Blätter des evangelischen Kirchenmusik-Vereins in Schlesien. Hrsg. Vorstand des Vereins, 35. Jahrgang, Nr. 1, 1902/1903,
Mit seiner Ehefrau Elisabeth war er nahezu 30 Jahre verheiratet.Traueranzeige Carl Gustav-Adolf Hugo Nehmiz unter der Rubrik Familien-Anzeigen in Der Reichsbote, 30. August 1903, S. 3 Sie unterstützte ihn in seinem seelsorgerlichen Wirken. „Frau Generalsuperintendent Nehmiz“, wie sie offiziell genannt wurde, war Vorsitzende des Schlesischen Provinzialvereins der Freundinnen junger Mädchen. Sie half mit in der Breslauer Zentralstelle Daheim in der Bahnhofstraße um „Mädchen und Frauen gebildeter Stände“ vor allem während ihrer Durchreise, insbesondere durch Gewährung von Übernachtungen, Mahlzeiten und Beratung wie in sozialen Fragen.Adress- und Geschäftshandbuch der Kgl. Haupt- und Residenzstadt Breslau für das Jahr 1902, 32. Jahrgang IV. Teil S. 104, Sp. 2,
Beerdigung in Breslau Die öffentliche Trauerfeier vor der Beerdigung von Hugo Nehmiz fand am 31. August 1903 in der Breslauer evangelischen Kirche St. Maria Magdalena mit einem Gottesdienst statt. Die Predigt hielt der Breslauer Konsistorialrat Karl Alfred von Hase unter Zugrundelegung von . Gewürdigt wurden die Erfolge auf dem verhältnismäßig kurzem Lebensweg des Verstorbenen, insbesondere auch bei der Tätigkeit in der Diakonissenanstalt Bethanien in Berlin und im Konsistorium der Provinz Sachsen. Unter den Trauergästen befanden sich über 100 Geistliche im Talar, darunter der Generalsuperintendent aus Magdeburg Carl Heinrich Vieregge (1841–1915). Die Bestattung fand auf dem Salvator-Friedhof bei Kleinburg – einem Stadtteil von Breslau – statt. Die Einsegnungsworte an der Gruft mit dem Sarg sprach Emil Kraeusel (1854–1933), Pfarrer an der Kirche St. Salvator.Der oberschlesische Wanderer. 2. September 103, S. 2 Sp. 2f.
Familie Nehmiz heiratete am 27. Mai 1873 in Magdeburg Anna Julie Elisabeth Moeller (* 30. Juni 1853 Radevormwald; † 8. März 1928 Bad-Warmbrunn-Herischdorf), eine Tochter des 1. Dompredigers und Generalsuperintendenten Ludwig Carl Moeller in Magdeburg und dessen Ehefrau Mathilde Auguste Jakobine, geb. Zanders (1825–1871).
Das erste Kind der Pfarrersfamilie war eine Tochter, sie starb am 4. Februar 1974. Der folgende Sohn, Carl Adolph Hugo, überlebte die Geburt um fünf Tage und starb am 20. März 1875 in Magdeburg.Pfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen, Teil: Bd. 6, ISBN 978-3-374-02138-3, S. 274, Sp. 2
Weitere Kinder bzw. Nachkommen waren: Gotthilf Hugo Johannes (Hans) Nehmiz, geboren am 27. Juni 1876Lebenslauf von Johannes Nehmiz, Anlage zur Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, 1902, Bertha Mathilde Elisabeth Maria Nehmiz, geboren 3. Juni 1878, wohnhaft bei den Eltern bis zum Tod des Vaters 1903 und danach zusammen mit der Mutter in Breslau sowie in HerischdorfDas Riesengebirge. Einwohnerbuch des Landkreises Hirschberg (Rsgb.), Nehmiz, Maria, S. 93 (Scan 106) und nach 1945 in NeuglobsowArchivale Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Deutsche Digitale Bibliothek, zuletzt in Berlin als Stiftsdame der Roter-Stiftung. Carl Gustav Adolph Hugo Nehmiz, geboren am 6. November 1879 in Berlin und benannt mit allen Vornamen nach seinem Vater Charlotte Eleonore Editha Luise Nehmiz, geboren 1882, eine spätere Seminar-Lehrerin in Dortmund.Dortmunder Einwohnerbuch, Online-Ressource, Ausgabe 1926, S. 288, Sp. 3. Hedwig Margaretha Katharina, genannt Katharine, Nehmiz (* 11. August 1884 in Berlin; † 19. Juli 1933 ebenda), getauft am 3. September 1884 von ihrem Vater in der Bethanien-Kapelle; spätere Ehefrau des Kirchen-Juristen und Konsistorialrats in Breslau sowie Danzig und zuletzt Oberkonsistorialrat in Berlin Karl Rudolf Goebel (* 16. Dezember 1869 in Reusrath) bis zu seinem Ruhestand am 1. Juli 1933.Nachruf Evangelisches Konsistorium der Mark Brandenburg in Kirchliches Amtsblatt der Kirchenprovinz Mark Brandenburg, Nr. 18, 15. September 1941, S. 121, ,