Uropsilus funiushanensis ist eine Säugetierart aus der Gattung der Spitzmausmaulwürfe innerhalb der Maulwürfe (Talpidae). Sie kommt im zentralen China vor und bewohnt dort verschiedene Waldlandschaften im Gebirgszug des Funiu-Shan und südlich angrenzend im Daba Shan. Wie alle Spitzmausmaulwürfe ähneln die Tiere bezüglich ihres langen Körpers, des langen Schwanzes, der spitzen Schnauze und der sichtbaren Ohren äußerlich den Spitzmäusen. Markant ist das gelblich-braune Rückenfell und der zweifarbige Schwanz. Über die Lebensweise ist nichts bekannt, ebenso wie über eventuelle Gefährdungen des Bestandes. Die Art wurde im Jahr 2025 wissenschaftlich eingeführt.
Merkmale Habitus Uropsilus funiushanensis ist ein mittelgroßer Vertreter der Spitzmausmaulwürfe. Die Kopf-Rumpf-Länge variiert von 6,6 bis 7,8 cm, der Schwanz wird 5,3 bis 6,3 cm lang. Mit 80 % der Länge des restlichen Körpers ist der Schwanz vergleichsweise kurz. Die Maße beruhen auf der Analyse von 18 Individuen. Die Art ist somit kleiner als der Dabieshan-Spitzmausmaulwurf (Uropsilus dabieshanensis) und größer als der Chinesische Spitzmausmaulwurf (Uropsilus gracilis). Wie alle Angehörigen der Gattung ähneln die Tiere in ihrem äußeren Erscheinungsbild den Spitzmäusen, hervorgerufen durch die allgemeine Körperform, die spitze, langgestreckte Schnauze und den langen Schwanz. Das Rückenfell besitzt eine gelblich-braune Farbgebung. Die Einzelhaare haben gräuliche Basen und bräunlich-gelbe Spitzen. Auf der Unterseite überwiegt eine gräulich-schwarze Kolorierung. Der Schwanz ist robust, er zeigt eine schwarze Ober- und eine leicht hellere Unterseite. Eine Schwanzquaste ist nur wenig ausgebildet. Die Hinterfußlänge beträgt 1,3 bis 1,6 cm, was 19,6 % der Körperlänge entspricht.
Schädel- und Gebissmerkmale mini| Schädel und Unterkiefer von Uropsilus funiushanensis Der Schädel ist 20,0 bis 21,4 mm lang, am Jochbogen wird er 10,1 bis 11,3 mm breit. Im Bereich des Hirnstchädels liegt die Höhe bei 6,5 bis 7,5 mm. In Aufsicht besitzt der Schädel eine elliptische Form. Das Rostrum wirkt kurz und kräftig mit einem breiten Oberkiefer. Die Jochbögen sind vollständig entwickelt, schlank und nur leicht nach außen gebogen. Im letztere Merkmal unterscheidet sich Uropsilus funiushanensis vom Sichuan-Spitzmausmaulwurfs (Uropsilus soricipes), dessen Jochbögen gerade verlaufen. Das Foramen lacrimale und das Foramen infraorbitale haben vergleichbare Größen. Die Gaumenlänge variiert zwischen 9,0 und 10,0 mm, während der Unterkiefer 13,5 bis 15,0 mm in der Länge misst.
Das Gebiss besteht aus 38 Zähnen, die Zahnformel lautet: Sie entspricht damit der des Großteils der anderen Spitzmausmaulwürfe, weicht aber von der des Anderson-Spitzmausmaulwurfs (Uropsilus andersoni), des Gleichzahn-Spitzmausmaulwurfs (Uropsilus aequodonenia) und des Sichuan-Spitzmausmaulwurfs ab. Im oberen Gebiss übertrifft bei Uropsilus funiushanensis der innere Schneidezahn den äußeren an Größe. Beide stehen eng beieinander, im Unterschied zum Dabieshan-Spitzmausmaulwurf und zum Chinesischen Spitzmausmaulwurf mit jeweils einer kleinen Lücke. Der Eckzahn wiederum ist wenig kleiner als der erste Prämolar. Im unteren Gebiss reduziert sich die Größe vom Schneidezahn zum ersten Prämolaren kontinuierlich. In beiden Gebisshälften ist jeweils der vierte Prämolar am größten und der dritte am kleinsten. Dagegen sind oben der erste und zweite Molar größer als der dritte, während unten der zweite Mahlzahn den größten repräsentiert. Die obere Zahnreihe wird 8,7 bis 9,6 mm lang, die untere 7,8 bis 8,5 mm.
Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet von Uropsilus funiushanensis Das Verbreitungsgebiet von Uropsilus funiushanensis liegt im zentralen China. Nachweispunkte sind aus Shennongjia in der Provinz Hubei und aus Xiaoqinling, Yaoshan, Tianchishan, Yanzishan und Longyuwan, alle in der Provinz Henan, bekannt. Es handelt sich um das bisher nördlichste Vorkommen der Spitzmausmaulwürfe. Es verbindet die Lebensbereiche anderer Populationen der Gattung in den Gebirgszügen des Qin Ling mit Uropsilus ningshanensis im Westen und des Dabie Shan mit dem Dabieshan-Spitzmausmaulwurf (Uropsilus dabieshanensis) im Osten. Die Tiere bewohnen die mittleren Lagen von Gebirgslandschaften. In der Provinz Henan umfasst dies den Funiu-Shan, in Hubei den Daba Shan. Beide Gebirge werden durch den Han Jiang voneinander getrennt. Als Habitate dienen Laubwälder und Nadelwälder mit dicker Humusschicht sowie Mischwälder und Bambuswälder. Die Höhenverbreitung reicht von 889 bis 2100 m.
Lebensweise Über die Lebensweise von Uropsilus funiushanensis sind wie bei den meisten Spitzmausmaulwürfen keine Informationen bekannt.
Systematik
Uropsilus funiushanensis ist eine eigenständige Art innerhalb der Gattung der Spitzmausmaulwürfe (Uropsilus). Diese besteht gegenwärtig aus 17 Arten. Ein größerer Teil davon war durch genetische Untersuchungen ab den 2010er Jahren zunächst als kryptisch eingestuft. Die Spitzmausmaulwürfe gehören zur Familie der Maulwürfe (Talpidae) und stehen innerhalb dieser in der eigenen Unterfamilie der Uropsilinae als momentan einziges Mitglied. Die Uropsilinae gelten als relativ urtümliche Vertreter der Maulwürfe, die sich durch ein spitzmausartiges Äußeres mit langem Schwanz und sichtbaren Ohren charakterisieren. Die seitlich gepressten Krallen eignen sich nicht zum Graben, so dass die Tiere weitgehend oberirdisch leben. Ursprünglich reichte das Verbreitungsgebiet der Gruppe weit über Eurasien, heute ist sie auf kleine, zumeist gebirgige Refugien im östlichen und südöstlichen Asien beschränkt. Gattung und Unterfamilie können als wenig erforscht eingestuft werden, dies betrifft sowohl die Lebensweise als auch die Artenvielfalt sowie die systematische Untergliederung. Für letzteres wurden in der forschungsgeschichtlichen Vergangenheit wenigstens drei unterschiedliche Gattungen postuliert, deren Unterscheidung anhand der Zahnanzahl (Uropsilus mit 34 sowie Nasillus und Rhynchonax mit je 38 Zähnen in unterschiedlicher Anordnung) erfolgte. Molekulargenetischen Analysen zufolge trennten sich die Spitzmausmaulwürfe im Mittleren Eozän vor rund 47 Millionen Jahren von den anderen Linien der Maulwürfe ab. Eine stärkere Aufsplitterung der der Gruppe erfolgte aber erst im Oberen Miozän vor etwa 7,7 Millionen Jahren. Genetisch formte sich die Linie von Uropsilus funiushanensis im Altpleistozän vor etwa 2,16 Millionen Jahren heraus. Während morphologisch deutliche Übereinstimmungen zur Verwandtschaftsgruppe um den Chinesischen Spitzmausmaulwurf (Uropsilus gracilis) bestehen, stellt genetisch der Sichuan-Spitzmausmaulwurf (Uropsilus soricipes) den nächsten Verwandten dar. Zu dieser Gemeinschaft gehört auch Uropsilus ningshanensis.
Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte durch ein Wissenschaftlerteam um Jiang Haijun im Jahr 2025. Ihr gingen wissenschaftliche Feldforschungen in den Gebirgslandschaften der chinesischen Provinz Henan im Jahr 2022 voraus, während denen insgesamt 18 Individuen an verschiedenen Lokalitäten gesammelt werden konnten. Bereits zuvor war über ein Exemplar der Spitzmausmaulwürfe aus dem Waldgebiet von Shennongjia des Daba Shan in der benachbarten Provinz Hubei berichtet worden, das in früheren genetischen Untersuchungen als eigenständige Entwicklungslinie eingestuft wurde. Diese galt als nahe verwandt mit dem Sichuan-Spitzmausmaulwurf, erhielt aber je nach Bearbeiter die vorläufigen Bezeichnungen „Uropsilus sp. 1“ beziehungsweise „Uropsilus sp. 7“. Die schlechte Überlieferung des Individuums erlaubte in der Studie von Jiang und Kollegen aus dem Jahr 2025 keine exakte morphologische Zuweisung, doch fiel es genetisch in die Variationsbreite der Tiere aus Henan und wurde daher der neuen Art zugesprochen. Unter den neu gesammelten Tieren wählten die Forscher ein ausgewachsenes männliches Tier aus Yanzishan in der kreisfreien Stadt Lingbao in Henan als Holotyp für Uropsilus funiushanensis aus. Diéses stammt aus einer Höhenlage von 889 m. Die Region gilt somit als Typusgebiet. Das Artepitheton funiushanensis bezieht sich auf die Gebirgskette des Funiu-Shan als Verbreitungsgebiet der Tiere.
Bedrohung und Schutz Uropsilus funiushanensis wird gegenwärtig nicht von der IUCN erfasst. Zur Gefährdungslage des Bestandes gibt es keine Informationen.
Literatur Haijun Jiang, Yaohua Yang, Yanyan Zhou, Jundong Tian und Jiqi Lu: Molecular Phylogeny of Uropsilus (Talpidae, Eulipotyphla, Mammalia) With a New Species Described From Henan Province, China. Ecology and Evolution 15, 2025, S. e70928, doi:10.1002/ece3.70928
Einzelnachweise Haijun Jiang, Yaohua Yang, Yanyan Zhou, Jundong Tian und Jiqi Lu: Molecular Phylogeny of Uropsilus (Talpidae, Eulipotyphla, Mammalia) With a New Species Described From Henan Province, China. Ecology and Evolution 15, 2025, S. e70928, doi:10.1002/ece3.70928 Ting-Li Hu, Zhen Xu, Heng Zhang, Ying-Xun Liu, Rui Liao, Guang-Dao Yang, Ruo-Lei Sun, Jie Shi, Qian Ban, Chun-Lin Li, Shao-Ying Liu und Bao-Wei Zhang: Description of a new species of the genus Uropsilus (Eulipotyphla: Talpidae: Uropsilinae) from the Dabie Mountains, Anhui, Eastern China. Zoological Research 42 (3), 2021, S. 294–299, doi:10.24272/j.issn.2095-8137.2020.266 Boris Kryštufek und Masaharu Motokawa: Talpidae (Moles, Desmans, Star-nosed Moles and Shrew Moles). In: Don E. Wilson und Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 8: Insectivores, Sloths, Colugos. Lynx Edicions, Barcelona 2018, S. 597–598, ISBN 978-84-16728-08-4 Kai He, Akio Shinohara, Kristofer M. Helgen, Mark S. Springer, Xue-Long Jiang und Kevin L. Campbell: Talpid Mole Phylogeny Unites Shrew Moles and Illuminates Overlooked Cryptic Species Diversity. Molecular Biology and Evolution 34 (1), 2016, S. 78–87 Tao Wan, Kai He und Xue-Long Jiang: Multilocus phylogeny and cryptic diversity in Asian shrew-like moles (Uropsilus, Talpidae): implications for taxonomy and conservation. BMC Evolutionary Biology 13, 2013, S. 232 () Tao Wan, Kai He, Wei Jin, Shao‐Ying Liu, Zhong‐Zheng Chen, Bin Zhang, Robert W. Murphy und Xue‐Long Jiang: Climate Niche Conservatism and Complex Topography Illuminate the Cryptic Diversification of Asian Shrew-like Moles. Journal of Biogeography 45 (10), 2018, S. 2400–2414, doi:10.1111/jbi.13401 Xueyang Ren, Yifan Xu, Yixian Li, Hongfeng Yao, Yi Fang, Laxman Khanal, Lin Cheng, Wei Zeng, Xuelong Jiang und Zhongzheng Chen: A new species of shrew moles, genus Uropsilus Milne-Edwards, 1871 (Mammalia, Eulipotyphla, Talpidae), from the Wuyi Mountains, Jiangxi Province, eastern China. ZooKeys 1186, 2023, S. 25–46, doi:10.3897/zookeys.1186.111592 Li Yi-Xian, Li Quan, Song Wen-Yu, Li Xue-You, Kenneth Otieno Onditi, Pei Xiao-Xin, Wang Hong-Jiao, Fu Chang-Kun, Liu Shao-Ying, Chen Zhong-Zheng Chen und Jiang Xue-Long: Integrative taxonomic revision of Uropsilus (Uropsilinae, Talpidae) combining genomic, morphological and geographic evidence. Molecular Phylogenetics and Evolution 223, 2026, S. 108652, doi:10.1016/j.ympev.2026.108652 Jiang Haijun, Yang Yaohua, Chen Shunde und Lu Jiqi: Genetic Diversity and Population History of Uropsilus (Eulipotyphla: Talpidae) in Mts. Qinling–Dabashan Area. Zoologica Scripta, 2026, doi:10.1111/zsc.70065
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