mini|hochkant=0.85|James Kenneth Morrow (2016) Die eingeborene Tochter (im Original Only Begotten Daughter) ist ein Fantasy- und Science-Fiction-Roman des amerikanischen Schriftstellers James Kenneth Morrow, der mit dem World Fantasy Award (1991) ausgezeichnet wurde. Er erschien 1990 in englischer Sprache, die deutsche Übersetzung wurde 1992 publiziert.

Titel Der Titel des Romans ist der Bibel entlehnt, wobei „only begotten son“ (Jesus) durch „only begotten daughter“ (Julie) ersetzt wurde.

Handlung Der Roman erzählt die Geschichte von Julie Katz, deren Existenz auf unerklärlich wunderbare Weise in einer Spermaprobe im Preservation Institute in Atlantic City (New Jersey) beginnt. Als Heranwachsende muss sie sich in ihre Rolle als moderne Heilsbringerin hineinfinden, dabei das hartnäckige Schweigen Gottes (ihrer Mutter) ertragen, dann den Versuchungen Satans widerstehen, sich gegen religiöse Fundamentalisten wehren, daraufhin wortwörtlich durch die Hölle gehen, mit ihrem Halbbruder Jesus klarkommen und eine Kreuzigung überstehen – bis sie endlich die wahre Natur Gottes erkennt.

Zeichen und Wunder Murray Jakob Katz lebt zurückgezogen in der Nähe von Atlantic City in einem ausgedienten Leuchtturm in Brigantine.Murray liest keine Zeitungen und ist auch sonst nicht an Äußerlichkeiten interessiert, aber er bewahrt dort seine große Bibliothek auf. Als Kind hatte er seinen Vater gefragt, ob Juden auch einen Himmel hätten und sein Vater hatte ihm geantwortet: „Du willst wissen, wie sich ein Jude den Himmel vorstellt? Es ist eine endlose Abfolge von langen Winternächten, in denen wir einen angemessenen Lohn dafür bekommen, in einem warmen Zimmer zu sitzen und alle Bücher zu lesen, die jemals geschrieben wurden.“ In einer seiner Samenspenden für das Preservation InstituteEin Forschungsinstitut mit Samenbank entwickelt sich durch „inverse Parthenogenese“ eine weibliche Blastocyste. Murray rettet seine „Tochter“, indem er abends den Inkubator aus dem Institut entführt und zum Leuchtturm bringt. Aus Freude entzündet er danach erstmals wieder das Signalfeuer. In genau dieser Nacht zündet Hochwürden Billy Milk im Preservation Institute eine Bombe,Milk ist Revelationist (d. h. er glaubt an Zeichen, die auf die Offenbarung hinweisen) und reicher Oberhirte der First Ocean City Church of Saint John’s Vision, hat ein schönes Haus und eine Yacht. Als aber Milks Frau bei der Geburt seines Sohnes Timothy stirbt und das Baby durch einen Behandlungsfehler blind wird, ahnt Milk, dass Gott ihn in seinem Glauben testen will. Milks erstes Angebot – ein Auge für ein Auge (er entfernt sich selber ein Auge) – lässt Gott unbeantwortet: Timothy bleibt blind. Da erkennt Milk, dass er für Höheres bestimmt ist und dass Gott will, dass er das Preservation Institute, diesen Tempel widernatürlicher Sünde, niederbrennen soll. wobei Marcus Bass ums Leben kommt.Marcus Bass, ein schwarzer Meeresbiologe, der dort gerade eine Samenspende abgab, hatte sich mit Murray am frühen Abend vor dem Inkubator unterhalten und Marcus hatte ihm verschwörerisch alle Funktionen des Gerätes erklärt und wie er es selber weiter in Funktion halten könnte. Mit seiner Yacht aufs Meer fliehend sieht Milk das Brigantine-Leuchtfeuer, für ihn ein Hinweis Gottes, dass das Neue Jerusalem im Sündenbabel Atlantic City entstehen soll. mini|Sandro Botticelli: Die Geburt der Venus Die schwangere Georgina SparksGeorgina ist eine feministische Lesbe, die Murray im Institut traf, als sie sich eine Samenspende von Marcus Bass holte. Sie arbeitet in einem Laden für Scherzartikel, ist sehr spontan und dabei an Übernatürlichem interessiert, wobei ihre Spiritualität praktisch alle mystischen Themen umfasst. und Murray werden Freunde. Einige Monate später erleben beide, wie sich Murrays Tochter (Julie)Murray hat das Baby nach seinem Jugendschwarm Julie Dearing benannt. Der Autor Morrow verwendet die Initialen M. (wie Maria) und J. (Joseph) für den Vater und J. (wie Jesus) für die Tochter. entschlossen aus dem Inkubator befreit. Genau einen Monat später bringt Georgina ein Mädchen (Phoebe) zur Welt. Julie wächst schneller heran als andere Babys.Am 1. September 1974 „geboren“, kann sie sich nach fünf Tagen vom Rücken auf den Bauch drehen. Nach vier Wochen (Yom Kippur) kann sie krabbeln, nach 20 Wochen beginnt sie zu sprechen, nach acht Monaten läuft sie – nach eineinhalb Jahren sogar über Wasser! Murray erlebt, dass Julie übers Wasser laufen kann und als die 2-Jährige abends Leuchtkäfer das Alphabet in Formation fliegen lässt, sieht sich Georgina in ihrer Vermutung der Göttlichkeit von Julie bestätigt. Murray macht sich aber Sorgen, sollten andere von Julies Fähigkeiten erfahren. Als die vierjährige Julie mitfühlend einen Krebs wiederbelebt,Murrays Katze Spinoza hatte diesen Krebs am Strand gefangen, als Beute in den Leuchtturm gebracht und auf ihm herumgekaut. verliert Murray die Fassung und schlägt sie – was er aber sofort bereut. Julie hat ab dann die Erlaubnis, unter Wasser auf dem Meeresboden zu wandeln. Dabei stellt sie sich das Erscheinen ihrer Mutter wie Die Schaumgeborene in einem Bild von Sandro Botticelli vor.Aber im Gegensatz zu den Meerestieren in ihrem speziellen Streichelzoo (darunter auch ein Schwamm namens Amanda), deren Gedanken Julie hören kann, bleibt ihre Mutter stumm – nicht mal ein Flüstern.

Phoebe und Julie werden Freundinnen.Untereinander haben sie einen rau-herzlichen Ton und nennen sich gegenseitig „Katz“ und „Sparks“. Phoebe, spontan und oft selbstzerstörerisch irrational, hat Julie bereits viele Dinge beigebracht, beispielsweise Rauchen, Graffitisprayen, von einer Eisenbahnbrücke hinunter zu pinkeln wie ein Junge. Das durchgeplante Partyprogramm umfasst geklautes Budweiser Bier, Tastykake Krimpets und Feuerwerkskörper aus Georginas Scherzartikelladen. Als sie Phoebes 10. Geburtstag im leerstehenden Deauville Hotel feiern, trifft Julie erstmalig auf Mr. Andrew Wyvern,Andrew Wyvern ist der Teufel (Wyvern ist im Englischen eine Art heraldischer Drache, Andrew (= Andreas) in der Bedeutung „tapferer Mann“ oder „männlich“, zusammengenommen etwa „der tapfer-männliche Drache“). Wyvern spricht mit freundlicher Stimme, riecht nach „in Honig eingelegten Orangen“, kann mit seiner Zunge Eiswürfel aus seinem Drink fischen, hat goldene Zähne und schwarze Augen, trägt einen roten Bademantel, ist Vegetarier – und hat einen Plan, in dem Hochwürden Billy Milk eine besondere Rolle spielt. der ihr vorlügt, ihre Mutter wünsche, sie solle den blinden Timothy, den Sohn von Hochwürden Billy Milk, heilen. Als Julie später Timothy am Strand trifft, gibt sie ihm das Augenlicht zurück.Er muss ihr versprechen, niemandem zu erzählen, wer ihn geheilt hat. Falls doch, so droht ihm Julie, würde sie ihn wieder erblinden lassen. Drei Jahre später wird sie ihrem Vater Murray diese Heilung gestehen, aber sie wird ihm nicht enthüllen, dass sie dabei ihren ersten Orgasmus hatte. Milk versteht Timothys Heilung als Zustimmung Gottes, Atlantic City für die Wiederkunft Jesu vorzubereiten. Die Hingabe der Hure Beverly auf dem Altar von Milks Kirche bestärkt ihn weiter.In ihrer Anzeige trägt Beverly ein orangerot-violettes Nachtgewand. Milk erinnert sofort Offenbarung 17,4-6: „Die Frau war in Purpur und Scharlach gekleidet ... und auf ihrer Stirn war geschrieben ein Name, ein Geheimnis: Das Große Babylon, die Mutter der Hurer und aller Gräuel auf Erden. Und ich sah die Frau ... und ich wunderte mich sehr, als ich sie sah.“ Beim Treffen mit Beverly, Milks Ansicht nach die Hure Babylon, kauft Milk dieses Gewand. In den Jahren darauf wird er es als Beweis verwenden, seine Anhänger auf den Kampf um Atlantic City einzustimmen.

1991, sieben Jahre nach der Heilung Timothys, hadert die 17-jährige Julie immer noch mit ihren ungenutzten Kräften und dem hartnäckigen Schweigen ihrer göttlichen Mutter.Auch dass „der Körper schlecht, die Seele gut, das Fleischliche falsch und das Geistliche wahr“ sein soll, ärgert sie. Julie liebt ihre Körperlichkeit: Sie spielt gerne in einem Basketballteam, das aber häufig verliert, weil sie ihre besonderen Fähigkeiten nicht einsetzt und sie hat jetzt auch einen festen Freund, Roger, ein gläubiger Katholik, und will mit ihm ihre Jungfräulichkeit verlieren. Als Phoebe sie ermutigt, ihre Kräfte heimlich einzusetzen,Phoebe will auf Julies Basketballteam wetten und ist der Meinung, dass es nur dann Betrug sei, wenn man absichtlich verliert, aber kein Betrug, wenn man absichtlich gewinnt. zeigt Julie ihr ihren eigenen „Tempel“.Ein kleiner Raum im Leuchtturm, der über und über mit Bildern von menschlichem Leiden – Erdbeben, Dürren, Fluten, Feuer, Seuchen, Unfälle, Kriege, Massaker etc. – tapeziert ist. Auf einer ihrer Unterwasserwanderungen fand Julie den Schädel eines ertrunkenen Seemannes, den sie mittig und symbolisch in diesem Raum positionierte. Hier versucht Julie jeden Abend zu verstehen, wie ihre göttliche Mutter die Welt sieht und trotzdem eben nicht ihre besonderen Fähigkeiten einsetzt. Poebe, Julie und ihre Dates Lucious und Roger planen einen Abend mit Alkohol und Sex im Winnebago von Lucious’ Eltern. Es kommt zum Unfall und das Wohnmobil landet halb in einem Fluss. Julie soll rettend einzugreifen, aber Julie will die Rettung ihrer göttliche Mutter überlassen, will sie quasi zwingen, rettend einzugreifen. Das in gleißendes Licht getauchte Wohnmobil erhebt sich aus dem Wasser, schwebt hinüber zur Straße und landet sicher. Alle sind ekstatisch.Phoebe glaubt, dass Julie eingriff, aber Julie ist überglücklich, dass sie endlich von ihrer Mutter erhört wurde: „Danke, Mutter! Ich liebe dich, Mutter!“. Der gläubige Katholik Roger ist nun nicht mehr willens, mit der allmächtigen Tochter Gottes Sex zu haben.Ganz kurz vor dem Unfall stand dieser Plan praktisch vor der immanenten Ausführung. Julie flieht vor Rogers „Gestank der Anbetung“ zum Strand, wo ihr Wyvern offenbart, dass er der Retter war.Bei dieser Erkenntnis bricht Julie zusammen. Wyvern kümmert sich aber weiter um sie. Er gesteht, dass Gott auch ihm gegenüber schweigt. Auch auf Julies Frage, warum Gott denn all das Böse erlaube, hat Wyvern eine Antwort: „Weil Macht korrumpiert. Und absolute Macht korrumpiert absolut.“

Trotz Geldmangel will Julie studieren. Überraschend erhält sie ein Stipendium der Princeton University plus Job in der Bibliothek.Wyvern hatte am Strand angedeutet, dass er Julie z. B. helfen könnte, einen Platz an der Princeton University zu bekommen Dort verliebt sie sich in den Biologen Howard Lieberman, mit dem sie endlose Diskussionen zur Empirie in den Naturwissenschaften hat, sogar in dem Moment, in dem sie durch Howard ihre Jungfräulichkeit verliert.Er stieß mit gleichmäßigen, metronomischen Stößen zu und schrieb kalligraphische Gedichte auf ihre Scheidenwände. Sie fragte: „Glaubst du, die Wissenschaft hat alle Antworten?“ ... „Die Wissenschaft hat wirklich die Gesamtheit alle Antworten“, sagte Howard und zog sich zurück. „Das Problem ist, dass wir noch nicht über die Gesamtheit der Wissenschaft verfügen.“ Julie kommt zu dem Schluss, dass das gesamte von ihrer Mutter erschaffene Universum rational erklärbar ist, dass sich Mutter aber außerhalb davon in einem komplett separaten, rein geistigen Raum befindet. Murray hat mehr und mehr Probleme mit seinem Herzen.Als Julie ihn im Krankenhaus besucht, erzählt er ihr von Phoebes Vater Marcus Bass und den Umständen ihrer „Entführung“. Howard möchte, dass Julie ihn auf die Galapagosinseln begleitet, aber Julie fühlt sich von ihm eingeengt,Er: „Ich habe dich gemacht, verdammt. Ich habe dir beigebracht zu denken.“ Sie: „Deine Gedanken zu denken.“ packt ihre Siebensachen und zieht zurück in den Leuchtturm. Als Murray die Treppen hochsteigt, um ein Leuchtfeuer zu entzünden, hat er einen Infarkt. Julie findet ihn, doch er will ihre Hilfe nicht. Julie respektiert seinen Wunsch und das letzte, was er zu ihr sagt, ist: „Get a life“ (etwa: Bekomm’ dein Leben in den Griff).

Atlantic City Messias